Platzhalter für Profilbild

heinoko

Lesejury Star
offline

heinoko ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit heinoko über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.09.2017

Eine Hummelrunde Kuscheln

Die kleine Hummel Bommel und die Liebe
0


Was für ein zauberhaftes Bilderbuch!
Das Hummelkind Bommel ist auf dem Weg zum Hummel-Kindergarten. Unterwegs trifft es einige ganz unterschiedliche Freunde, und Bommel fragt alle, was Liebe ist. Von ...


Was für ein zauberhaftes Bilderbuch!
Das Hummelkind Bommel ist auf dem Weg zum Hummel-Kindergarten. Unterwegs trifft es einige ganz unterschiedliche Freunde, und Bommel fragt alle, was Liebe ist. Von der Marienkäfer-Großfamilie bis zur Stinkwanze mit einem Regal voller erpupster Pokale erhält Bommel viele, viele ganz unterschiedliche Antworten. Und erkennt am Ende: Liebe ist Liebe.
Die liebevollen Zeichnungen, auf denen es viele Details zu entdecken gibt, sprechen Kinder unmittelbar an. Und vermitteln ganz direkt, ganz ohne Text, einfach nur durch ihre Ausstrahlung, was Liebe ist.
Ein Bilderbuch, das man beim Gutenacht-Kuscheln immer und immer wieder anschauen und vorlesen sollte.

Veröffentlicht am 07.09.2017

Rasante Hatz durch den Westerwald

Freier Fall
0


Vergessen Sie Regenwetter, Hausarbeit, schlechte Laune, Langeweile, vergessen Sie alles! Stellen Sie die Klingel ab, legen Sie sich ausreichend Proviant neben Ihren Leseplatz – und auf geht’s! Wenn Sie ...


Vergessen Sie Regenwetter, Hausarbeit, schlechte Laune, Langeweile, vergessen Sie alles! Stellen Sie die Klingel ab, legen Sie sich ausreichend Proviant neben Ihren Leseplatz – und auf geht’s! Wenn Sie dieses Buch erst in die Hand genommen haben, hören Sie nicht mehr auf zu lesen, garantiert!
Zwei Handlungsstränge, doppelte Spannung: Da ist der Polizist Ben Funke, der am Morgen neben einer Frauenleiche aufwacht – ohne jegliche Erinnerung, was geschehen sein könnte. Er muss sich völlig allein auf die Suche nach dem Täter machen, da für seinen unliebsamen Chef feststeht, dass nur Funke selbst der Mörder sein kann. Und da ist die Profilerin Helen Stein, die der Spur eines Serientäters unter Einsatz ihres Lebens folgt und trotz aller Sicherungsvorkehrungen in dessen Fänge gerät.
Beide, Ben und Helen, sind durch frühere Erlebnisse angeschlagen, was in dem 2016 erschienenen Buch „Der Schacht“ erzählt wird. Man muss dieses Buch nicht gelesen haben, um „Freier Fall“ verstehen zu können. Aber es zu kennen, hat einen großen Vorteil: Man hat nämlich in der Vorgeschichte eine große Sympathie für die beiden Protagonisten aufgebaut und leidet in diesem neuen Buch entsprechend intensiver mit ihnen, denn Ben und Helen wird wirklich äußerst übel mitgespielt, psychisch und physisch!
Das Buch ist eine rasante Fahrt bzw. Jagd quer durch den Westerwald. Scheinbar aussichtslose Situationen werden überraschend aufgelöst, um in wieder neue Todesgefahren zu führen. Spuren tauchen auf, führen in die Irre und bergen dennoch ein Körnchen Wahrheit. Man liest atemlos Seite um Seite und legt, am Ende angelangt, das Buch völlig erschöpft zur Seite, froh und dankbar, alles Geschehen lesend überlebt zu haben.
Danke, lieber Volker Dützer, für den großartig geschriebenen Thriller!

Veröffentlicht am 27.08.2017

"Man staunt über die Zusammenhänge"

Schweighausers Korrekturen
0

Selten, sehr selten stößt man in der Gegenwartsliteratur auf Bücher, die man als „groß“ bezeichnen möchte. Schweighausers Korrekturen ist für mich ein wahrlich großes Buch.
Der Autor schlüpft in die Person ...

Selten, sehr selten stößt man in der Gegenwartsliteratur auf Bücher, die man als „groß“ bezeichnen möchte. Schweighausers Korrekturen ist für mich ein wahrlich großes Buch.
Der Autor schlüpft in die Person Armin Schweighauser und zeigt uns die Geschehnisse ausschließlich aus Sicht dieses Protagonisten. Das ist meines Erachtens eine ausnehmend große Autorenleistung, die kleine, enge Welt des Armin Schweighausers so zu schildern, als sei es seine eigene, ohne auch nur einmal der Verführung, allwissender Autor zu sein, zu erliegen.
Schweighauser arbeitet in Abend- und Nachtschicht für eine Zeitungsredaktion als Korrektor. Fehlersuche und –ausbesserung des nachts im Licht der Schreibtischlampe, ein Caféhaus-Besuch bei Tage, freundlich-distanzierter Kontakt zu Kollegen, ab und an eine Zigarette – sehr viel mehr geschieht nicht in seinem Leben, das er selbst als ereignislos und leer erlebt, aber passiv hinnimmt. Die gelegentlich auftretenden Sehstörungen, ein Auflösen der Schriftbilder, die zeitweise Unfähigkeit des Klarsehens bei der Arbeit sind ihm vertraut, beunruhigen ihn nicht, zwingen ihn jedoch für eine Weile zum Blickwechsel, die Augen vom Kleinen ins Weite zu richten… Aus der Teilnahmslosigkeit erwacht er, als ihn der Gedanke anweht „einzugreifen“. Er, der Korrektor, der Garant für Fehlerlosigkeit, entscheidet sich bewusst für Fehler, für eine Kurs-Korrektur, für eine ganz und gar eigenmächtige Wahrheits-Korrektur. Erst sind es nur einzelne Wörter, dann Sätze. Während Schweighauser in zunehmende innere Spannung gerät, passiert in der äußeren Welt nichts, gar nichts. Die Leser bleiben gleichgültig gegenüber der Wahrheit, der manipulierten oder der wahren (falls es die überhaupt gibt). Erst eine Korrektur von großer Tragweite bringt den Ball ins Rollen und Schweighausers Leben in einen Bereich der völligen Machtlosigkeit, die Wahrheit bleibt ohne jegliche Chance. Schweighauser, der mit der Wahrheit gespielt hatte, wird zum Spielball der Wahrheit.
Die langsame, differenzierte, feinziselierte Sprache des Autors korrespondiert mit dem Inhalt des Buches. Nicht alles am Inhalt ist offenkundig, schon gar nicht vordergründig. Ich hatte das Gefühl, ich müsste mich als Leser neu justieren, um die Feinheiten überhaupt wahrnehmen zu können. Manchmal bin ich über Wortbilder gestolpert, die sich mir in den Lese-Weg stellten und sich nicht mehr beiseite räumen ließen, wie z. B. „sich der eigenen Anwesenheit überlassen“.
Ein Buch zum Wieder- und Wiederlesen, unauslotbar, kostbar, in einer sorgsam-feinen Sprache geschrieben – für mich ein großes Buch.

Veröffentlicht am 11.08.2017

Neuentdeckung, die mich begeistert

Sieh nichts Böses (Ein Kommissar-Dühnfort-Krimi 8)
0


Wie konnte es nur geschehen, dass mir die Autorin bislang unbekannt war und ich erst durch diese Neuerscheinung auf sie aufmerksam wurde? Jetzt MUSS ich alle anderen Bücher von ihr lesen: Freude pur!
Kommissar ...


Wie konnte es nur geschehen, dass mir die Autorin bislang unbekannt war und ich erst durch diese Neuerscheinung auf sie aufmerksam wurde? Jetzt MUSS ich alle anderen Bücher von ihr lesen: Freude pur!
Kommissar Dühnfort kehrt von seiner Hochzeitsreise zurück und schon wird er durch das Auffinden einer weitgehend verwesten Frauenleiche wieder in die grausame Wirklichkeit seines Berufes gestoßen. Bei den mühsamen Ermittlungsarbeiten öffnen sich viele mögliche Spuren. Lebensgeschichten treten zutage, in denen Grausamkeiten und Misshandlungen zum Alltag gehörten. Eine weitere Frau wird vermisst und alles wird immer verworrener.
Parallel dazu erfährt man, dass Gina, die Frau von Kommissar Dühnfort, schwanger ist. Das Kind wird nicht gesund auf die Welt kommen.
Vergnüglich fand ich, dass Kommissar Dühnfort ziemlich anspruchsvoll ist, was seine Essenswünsche betrifft oder seinen Kaffeegenuss. Stellenweise hatte ich den Eindruck eines München-Food-Führers. Auch hat die Autorin eine Neigung, Werbung für bestimmte Luxusmarken einzubauen, egal ob Farbstifte oder Espresso-Maschine oder Zigarettenanzünder. Teilweise musste ich mich von Mr. Google aufklären lassen…
Inge Löhnig schreibt wunderbar menschennah, zeichnet die Prototypen sympathisch, selbst im Bösen noch mit einem Hauch von Verständnis. Sie schildert Konflikte nachvollziehbar. Und, ganz großartig, sie schreibt bildhaft, lebendig und sehr, sehr spannend – bis zur letzten Seite.
Fazit: Ich bin rundum begeistert!

Veröffentlicht am 08.08.2017

Zum Schwindelig-Lesen

Runaway
0

Manchmal braucht man sie im Leben: Bücher, die man nicht mehr weglegen kann, die einen Seite um Seite verschleppen in ihre eigene Welt, in eine Welt ungebrochener Kraft und Spannung, egal ob glaubwürdig ...

Manchmal braucht man sie im Leben: Bücher, die man nicht mehr weglegen kann, die einen Seite um Seite verschleppen in ihre eigene Welt, in eine Welt ungebrochener Kraft und Spannung, egal ob glaubwürdig oder nicht. Runaway ist solch ein machtvolles Buch, das uns in einen Spannungsstrudel reißt, bis wir uns schwindelig lesen und dabei nicht mehr zu Atem kommen.
Frederick Hagel entdeckt, dass seine Frau unsaubere Finanzgeschäfte tätigt und möchte sie um ihretwillen darin stoppen. Sie bringt ihn, um ihn mundtot zu machen, in die geschlossene forensische Psychiatrie. Nach 18 langen Jahren gelingt Frederick der Ausbruch und sein Rachefeldzug beginnt…
Der intensive Schreibstil, die eindringlichen Schilderungen und die relativ kurzen Kapitel haben Suchtpotential und machen das Lesen zu einem wahren Vergnügen. Allein schon die Darstellung der unendlich langen Jahre in der Psychiatrie wirken so bedrückend echt und intensiv, als habe der Autor dieses Elend am eigenen Leib erfahren. Die rasante Flucht mit dem einzigen Ziel, Rache zu üben, ließ mich beim Lesen kaum mehr zu Atem kommen. Denn durch die immer wieder neuen überraschenden Wendungen hatte ich das Gefühl, einem hakenschlagenden Hasen nachzujagen. Jedes Mal, wenn ich dachte, ich wüsste, in welche Richtung sich die Geschichte entwickelt, geschah wieder etwas völlig Unvorhergesehenes, und das bis zum furiosen Ende!
Fazit: Atemlose Spannung von der ersten bis zur letzten Seite, grandios geschrieben!