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Veröffentlicht am 27.03.2024

Oberflächlich

Rosa und Leo
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Von Rosa und Leo wusste ich bisher gar nichts und habe mich auf historische Wissenserweiterung gefreut. Rosa Luxemburg aus Warschau ist eine erstaunliche Frau mit starker Persönlichkeit. Absolut bewundernswert, ...

Von Rosa und Leo wusste ich bisher gar nichts und habe mich auf historische Wissenserweiterung gefreut. Rosa Luxemburg aus Warschau ist eine erstaunliche Frau mit starker Persönlichkeit. Absolut bewundernswert, was sie alles als Frau in damaligen Zeiten erreicht hat! Dabei hatte sie gesundheitlich gesehen alles andere als eine schöne und einfache Kindheit. Sie ist in gut situierten Verhältnissen aufgewachsen, was auch ihren starken Drang und Kampf für eine Revolution und einen Sozialstaat erklärt.

Der Roman umfasst mehrere Zeitabschnitte detailliert, die alle zwischen 1888 und 1919 stattfanden. Roth beginnt mit Rosas Zeit in Zürich, wo sie studiert und bald darauf Leo kennenlernt, der ganz begeistert von ihrem Mut und ihren Ideen ist. Roth hat sehr ausführlich recherchiert und die Geschichte rund um Rosa und Leo detailreich und literarisch untermalt. Historisch kommt man beim Lesen gut mit und kann die Handlung gut verfolgen. Politisch blieb mir dafür alles auf der Strecke. Sie verteilt Flugblätter, hält Reden, engagiert sich als Journalistin und schreibt Unmengen von Artikeln, wird mehrfach verhaftet, aber direkter wird Roth dabei leider nicht. Zunächst ist sie für einen Sozialstaat, kann dann nicht mehr nach Polen bzw. Russland reisen, aber konkreter wird nichts erklärt. Schließlich wenden sie sich ab und gründen die KPD. Wie kam es zu diesem Wandel? Wirklich klar wurde ich aus dem Roman nicht in diesem Aspekt. Aber eines ist klar, beide haben sich für ihre Ideen und Werte absolut verausgabt und die Liebe dabei hintenangestellt. Nun stellt sich mir die Frage: Wie weit sollte man für seine Ideologie gehen? Ist die Ideologie wichtiger als die große Liebe?

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Veröffentlicht am 21.03.2024

Kühl

Die Entflammten
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Das Cover ist sehr passend. Man erkennt direkt van Goghs besonderes Stil heraus. Inhaltlich klingt der Roman auf den ersten Blick auch sehr spannend. Jo, Schwägerin des berühmten Malers, wird zur Witwe ...

Das Cover ist sehr passend. Man erkennt direkt van Goghs besonderes Stil heraus. Inhaltlich klingt der Roman auf den ersten Blick auch sehr spannend. Jo, Schwägerin des berühmten Malers, wird zur Witwe mit Sohn und ist dabei noch keine 30. Also nimmt sie sich vor, das Arsenal an Werken, die ihr Schwager erschaffen hat, so zu vermarkten, dass sie mit ihrem Sohn problemlos durch die Runden kommt.

Die erste Hälfte besteht darin, dass sich Jo und ihr Mann Theo, der Bruder Vincent van Goghs, kennenlernen, heiraten und zu einem halbwegs geregelten Alltag finden, wobei Vincent eine große Rolle in der Ehe spielt, im Roman aber eher nebensächlich behandelt wird. Jo ist im Vordergrund und noch dazu Gina, deren Handlungsstrang 100 Jahre später abspielt und nichts zum eigentlichen Inhalt beiträgt. Ihr Abschnitt drehte sich sowohl um die Recherche zu Jo für ihre Uni, als auch über Probleme ihres Vaters. In meinen Augen sind beide Personen keine besonders berauschend interessanten Personen, sodass die Abschnitte für mich unwichtig blieben.

Die zweite Hälfte handelt dann nur noch knapp über den geteaserten Klappentext, sodass ich schon ein wenig enttäuscht war, wie wenig man hier von Jos Handlungen und Aktionen zum Verkauf erfährt.

Stilistisch ist der Roman sehr distanziert und kühl verfasst. Es gibt keinerlei Emotionen noch Spannung. Die Sachlichkeit hat hier Vorrang.

Wer sich für Vincent van Gogh interessiert und gern mehr über seine Schwägerin erfahren möchte, dem empfehle ich den Roman, wenn die genannten Kritikpunkte nicht abschrecken sollten.

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Veröffentlicht am 13.03.2024

Kein Lesegenuss

Der Stich der Biene
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Inhaltlich ist der Roman sehr interessant, hat aber seine Längen und hätte definitiv an einigen Stellen gekürzt werden können. Stilistisch ist es ein Graus gewesen.

Am Anfang kommen ein paar Gedichte ...

Inhaltlich ist der Roman sehr interessant, hat aber seine Längen und hätte definitiv an einigen Stellen gekürzt werden können. Stilistisch ist es ein Graus gewesen.

Am Anfang kommen ein paar Gedichte vor, wobei ich persönlich mit Poesie noch nie etwas anfangen konnte. Hier passt es aber zu einem Charakter, der Dichtung vergöttert. Recht bald wandert aber der hohe Stil den Berg ab, da man mit vulgärer Sprache konfrontiert wird, was extrem überraschend kam. Das hatte ich nicht erwartet. Anschließend folgen ein paar Videospiel-Anspielungen wie Minecraft und sehr ausführlich Black Dawn II. Ich kenne beides nicht und habe daher auch kein Interesse daran oder generell an Videospielen, welches für mich einfach nur für Zeitverschwendung stehen. Daher war ich ab dem Zeitpunkt weniger gefesselt und interessiert. Ich will ja beim Lesen der ganzen digitalen Medien entfliehen und hier habe ich das dann erneut vorgesetzt bekommen. Das finde ich nicht gut. An sich mag ich Anspielungen nicht, bei denen man unbedingt eigenes Vorwissen mitbringen muss, wenn es nicht explizit im Klappentext steht.

Im ersten Siebtel geht es sehr um klassisches Teenagerdrama mit dem Schulabschluss. Ansonsten wie die Familie langsam auseinanderfällt. Dieser Punkt ist wie gesagt interessant. Nur die Umsetzung hat mir nicht gefallen. Die ganzen Abschnitte aus der Sicht der Mutter sind beispielsweise bis auf Fragezeichen absolut zeichenfrei. Solch ein ähnliches Phänomen habe ich kürzlich in einer Leseprobe zu einem anderen Werk gefunden und das Interesse am Roman verloren. Ich hoffe daher, dass sich solch ein Stil nicht durchsetzen wird. Erst Gendern und "they" etc. Formen, jetzt das. Wenn das so weiter geht, werde ich das Interesse an aktuellen Romanen verlieren.

Daher empfehle ich den Roman denjenigen, die gern einen Roman über eine langsam zerfallende Familie lesen wollen - falls die angesprochene Kritik nicht die Lust am Lesen genommen haben sollte.

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Veröffentlicht am 10.03.2024

Reise durch Italien

Die Spaghetti-vongole-Tagebücher
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In diesem Buch habe ich Humor erwartet, aber es leider nicht bekommen. Maiwald erklärt am Anfang, dass er in eine italienische Familie eingeheiratet hat und nun in Italien lebt. Seine Schwiegereltern sind ...

In diesem Buch habe ich Humor erwartet, aber es leider nicht bekommen. Maiwald erklärt am Anfang, dass er in eine italienische Familie eingeheiratet hat und nun in Italien lebt. Seine Schwiegereltern sind beide Genießer der italienischen Küche und daher sehr wählerisch und von den bisherigen Kochkünsten ihres Schwiegersohns nicht sehr angetan. Zu seinem Geburtstag hat er sich daher vorgenommen es alles zu beweisen und reist hierfür wochenlang durch Italien, um die besten Zutaten für sein grandioses Geburtstagsgericht zu erwerben. Diese Reise schildert er nun ausführlich, sodass man die besten Insidertipps für Wein und co. bekommt. Dazwischen baut er auch immer wieder Rezepte ein, die aber nicht akkurat mit Angaben vermerkt sind, sondern eher Augenmaß und Erfahrung benötigen. Auch baut er in rot hervorgehobenen Seiten Interessantes und Wissenswertes zu Italiens Geschichte rund um die Esskultur.

Maiwalds Stil ist sehr erzählerisch und malerisch. Er baut jedoch auch sehr oft italienische Sätze ein, sodass es hilfreich ist, Italienisch A1 zu beherrschen. Fazit: Empfehlenswert für Fans Maiwalds und Menschen, die gern einen trockenen Roadtrip durch Italien lesen wollen und dabei Anregungen bekommen wollen, wo man die besten Zutaten Italiens herbekommt.

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Veröffentlicht am 25.02.2024

Hatte mehr erwartet

Yellowface
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Athene, Bestsellerautorin mit 27, hat alles, was man sich wünschen kann. June, ihre ehemalige Studienkommilitonin, kämpft dagegen um jeden Cent und ist neidisch auf den frühen Ruhm und Erfolg. So kommt ...

Athene, Bestsellerautorin mit 27, hat alles, was man sich wünschen kann. June, ihre ehemalige Studienkommilitonin, kämpft dagegen um jeden Cent und ist neidisch auf den frühen Ruhm und Erfolg. So kommt es, dass sich beide in einer Nacht beim Feiern ihres Erfolgs betrinken und Pancakes essen. Athene jedoch erstickt an einem Bissen und bis der Krankenwagen kommt ist es zu spät und ihr neuestes Manuskript in der Tasche von June verschwunden. Sie überarbeitet im Anschluss den Roman und lässt ihn unter ihrem Namen veröffentlichen, welches sich zum Bestseller entpuppt und sie nun den ganzen Ruhm abbekommt...

Im Roman wird durchgehend gegendert. Ich bin durch dieses Buch am Überlegen, ob ich nicht beginnen sollte, die Originalversionen auf Englisch zu holen. Das Gendern stört mich. Es verhunzt die Sprache, das Bild und den Lesefluss. Das hat der Roman nicht verdient. Auch die durative Erwähnung von "Cis" fand ich anstrengend. Und dann verstehe ich nicht, warum der Verlag und die Autorin X mit dem Deadname nennen, wenn sie schon so woke sind? Wo sind die Grenzen bei pc?

Und bei X ist dann auch schon meine größter Kritikpunkt zu finden. Ich fand das Buch ab der Mitte langweilig. June, 27, hat es durch den Diebstahl geistigen Eigentums innerhalb kurzer Zeit zu Ruhm und Ehre geschafft, nur um dann wie ihre mittellosen Altersgenossen sich in der SM-Welt zu verlieren? Ist es nicht realistischer, dass sie das ganze Geld verprasst, aus dem Fenster wirft? Zum Mittagessen nach Paris reist und zum Dinner nach Italien statt ihre Tage erbärmlich am Handy auf dem Bett Fastfood konsumierend zu verbringen? Daher bin ich sehr enttäuscht. Ich hatte absolut andere Erwartungen an eine Bestsellerautorin, deren vorige Werke ich nicht gelesen habe. Ich dachte, sie würde durch die Welt reisen, dabei jeden Trend nachjagen, jede Party feiern und im Drogensumpf enden, um so den negativen Aspekt des frühen Ruhms und die Schattenseiten schnellen, unverdienten Gelds zu zeigen. Aber sie lebt wirklich nur für SM, hat kaum reale Kontakte, und verbringt ihre Tage nur in ihren eigenen vier Wänden???

Nun, warum verbringt sie so viel Zeit auf SM? Weil jemand sie beschuldigt, das Buch gestohlen zu haben. Das hätte spannend werden können. Mein Gedanke war, dass sie mit dem psychischen Druck nicht klarkommt und daher ein zweites Ich kreiert hat und diese sie nun selbst terrorisiert. Die Auflösung dieses Handlungsstrangs ist aber leider nicht so "Fight-Club"-mäßig spannend.

Fazit: Man kann den Roman lesen, wenn man sich für die Literaturwelt und insbesondere die Arbeit in der Verlagswelt interessiert.

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