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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.03.2024

Sachbuch über Freundschaft Plus

Freunde lieben. Die Revolte in unseren engsten Beziehungen
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Neben der festen und verbindlichen Liebesbeziehung gibt es noch weitere Beziehungsmodelle und Verbindungen von Freundschaft und Sex - wobei die Mehrheit der Menschen, Ratgeber und der Darstellungen in ...

Neben der festen und verbindlichen Liebesbeziehung gibt es noch weitere Beziehungsmodelle und Verbindungen von Freundschaft und Sex - wobei die Mehrheit der Menschen, Ratgeber und der Darstellungen in diversen Medien noch immer davon überzeugt sind, dass es Freundschaft und Sex nicht geben kann.
Ole Liebl hingegen sieht ein großes Potential in Verbindungen von Freundschaft Plus und schlüsselt die verschiedenen Formen möglicher sexueller Beziehungen zunächst auf (one night stand, friends with benefits, booty call, hook up, fuck buddies, casual sex etc.), sodass die Begrifflichkeiten definiert werden und alle Leser*innen wissen, wovon die Rede ist und in welchen Formen die Freundschaft oder Erotik im Fokus stehen.
Untermauert werden die Ausführungen durch Studien (die sich überwiegend auf heterosexuelle Modelle und Beziehungen beziehen), Narrative aus Film, Fernsehen, Werbung und Literatur sowie der eigenen Perspektive und Einblicke von Ole Liebl.

Sehr anschaulich, differenziert und authentisch stellt Ole Liebl die Möglichkeiten, Potentiale und Prägungen von Freundschaft, Liebe, Erotik und deren Entwicklung innerhalb der letzten Jahre und Jahrhunderte da. Patriarchale Strukturen, die Abhängigkeiten innerhalb der Ehe und die verschiedenen gesellschaftlichen Normen und Blickwinkel auf Geschlechter spielen dabei ebenso eine Rolle wie persönliche Befindlichkeiten und Präferenzen.

Ein sehr gelungenes und differenziertes Sachbuch, das ich jeder Person empfehlen kann, die sich mehr mit Freundschaft und Sex auseinandersetzen möchte.

Veröffentlicht am 11.03.2024

So spannend wie erwartet

Mörderfinder – Stimme der Angst
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Max Bischoff, ein erfolgreicher und gefragter Fallanalytiker, sieht auf der Beerdigung seines Mentors, Professor Bergmann, die seiner Ex-Freundin und großer Liebe Jennifer Sommer sehr änlich ...

Max Bischoff, ein erfolgreicher und gefragter Fallanalytiker, sieht auf der Beerdigung seines Mentors, Professor Bergmann, die seiner Ex-Freundin und großer Liebe Jennifer Sommer sehr änlich sieht. Allerdings kann es nicht Jennifer sein, da diese seit fünf Jahren tot ist und Max' Wissen nach auch keine Schwester hatte. Doch die Frau von der Beerdigung lässt ihn keine Ruhe und er spricht sie an - mit unvorhergesehenen Folgen Konsequenzen für ihn. Denn Dominique hat einen sehr eifersüchtigen Freund und macht Max Bischoff unmissverständlich klar, dass er keinen weiteren Kontakt duldet. Kurz darauf verschwindet Jana spurlos, die Frau, zu der Max gerade wieder Gefühle aufgebaut hat und die für eine gemeinsame Zukunft in Frage kommt.

Ich mag die Bücher von Arno Strobel sehr gern, weil er von der ersten Seite an Spannung aufbaut, aus wechselnden Perspektiven erzählt, wobei mir unter anderem die Täter- und Opfer-Perspektiven am meisten gefallen, und mit Max Bischoff als Fallanalytiker einen fantastischen Protagonisten erschaffen hat. Auch sein vierter Fall ist packend, gibt einiges über seine Vergangenheit preis und hat mich die Seiten nur so aufsaugen lassen. Ich mag das Team, die überraschenden Wendungen und das fulminante Finale. Bereits jetzt freue ich mich auf den nächsten Teil, der hoffentlich bald erscheint!

Veröffentlicht am 11.03.2024

Zwei unterschiedliche Sichten

Weiße Wolken
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Zwei Schwestern: Die eine arbeitet sich an sämtlichem Unrecht unserer Gegenwart ab, die andere am bürgerlichen Familienideal; für die eine ist ihr Schwarzsein eine politische Kategorie, für die ...

Zwei Schwestern: Die eine arbeitet sich an sämtlichem Unrecht unserer Gegenwart ab, die andere am bürgerlichen Familienideal; für die eine ist ihr Schwarzsein eine politische Kategorie, für die andere ihr Muttersein. Klug, erhellend und mit hintergründigem Witz erzählt Yandé Seck in ihrem Debütroman von den Ambivalenzen, die wir im Kleinen wie im Großen aushalten müssen.

Yandé Seck erzählt in "Weiße Wolken" von zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ihr Vater kam vor mehr als vierzig Jahren aus dem Senegal, ihre Mutter ist weiß. Während sich Dieo mit ihrem weißen Mann Simon, ihren drei Söhnen und der schönen Altbauwohnung in Frankfurt sehr zufriedengibt und ihr größtes Problem ist, dass sie die Ansprüche der Gesellschaft an sie als Mutter nicht erfüllen kann, hadert Zazie. Zazie, die im Jugendzentrum arbeitet, überlegt, an der Uni zu promovieren und die sich aufreibt an den rassistischen und sexistischen Strukturen, die ihr Umfeld als normal und eher unproblematisch empfinden. Zazie hält den Spiegel vor, gerade in der Familie muss sie das immer wieder machen und auf Rassismus hinweisen - auch Simon und sie versteht nicht wie Dieo mit ihm verheiratet und Kinder großziehen kann, wenn er sich so verhält.
Als ihr Vater überraschend stirbt, machen sich Zazie und Dieo auf den Weg in den Senegal, um sich zu verabschieden und starten die Reise ihres Lebens, denn danach ist nichts wie zuvor.

Yandé Seck schreibt sehr greifbar und ich konnte vor allem mit Zazie sympathisieren, obwohl sowohl Zazies als auch Dieos Lebens- und Denkweise nachvollziehbar geschildert sind. Die Beispiele und Situationen, in denen Zazie Rassismus und Sexismus benennt und darauf hinweist sowie die Reaktionen darauf wirken wie aus dem Leben gegriffen.

Eine wichtige Lektüre, die Abbildung der Gesellschaft und Zeitgeist mit der Erzählweise eines berührenden Romans vereint.

Veröffentlicht am 04.03.2024

Erschütternd

Nachbarn
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"Nachbarn" von Diane Oliver ist ein Kurzgeschichtenband, der verschiedene Lebenssituationen, Perspektiven und Aspekte der 1960er Jahren in den USA aufgreift. Die Kurzgeschichten erzählen davon, ...

"Nachbarn" von Diane Oliver ist ein Kurzgeschichtenband, der verschiedene Lebenssituationen, Perspektiven und Aspekte der 1960er Jahren in den USA aufgreift. Die Kurzgeschichten erzählen davon, wie sich Schwarze die Rechte und Möglichkeiten erkämpfen oder mit sehr viel Durchhaltevermögen durchsetzen - begleitet von massivem Rassismus, der unterschiedlich offen oder verdeckt stattfindet, sowohl auf politischer Ebene als auch auf individueller Ebene. Einige Beispiele sind ein Junge, der als erster Schwarzer unter Weißen auf die Grundschule geht, die Zeitungen darüber berichten und die Familie massiv angegriffen und bedroht wird; eine junge Frau, die als erste Schwarze auf die Universität geht und mit Ausgrenzung und Rassismus zu kämpfen hat oder einem Schwarzen Paar, das in ein Viertel voller Weiße zieht.

Diane Oliver schreibt von Geschehnissen aus den 1960er Jahren, die zeitgemäßer nicht sein können und deren Veröffentlichung dringend notwendig ist. Die Kurzgeschichten haben sehr viel in mir ausgelöst - vor allem Beklemmung und in gewisser Form auch Sprachlosigkeit. Die 1960er scheinen weit weg und dennoch hat sich bis jetzt im Grunde nicht viel getan.
"Nachbarn" ist brandaktuell, stellt wichtige und essenzielle Fragen unserer Zeit, bezogen auf Politik und auf Persönliches, und sollte von allen gelesen werden. Vor allem sollte darüber gesprochen werden.

Veröffentlicht am 04.03.2024

Erwachsenwerden in der Großstadt

Klarkommen
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Mounia, Leon und die Erzählstimme sind in der bürgerlichen Kleinstadt großgeworden, waren auf dem "Restegymnasium" und können nun endlich zusammen ausziehen - raus aus der Kleinstadt, dem Spießertum ...

Mounia, Leon und die Erzählstimme sind in der bürgerlichen Kleinstadt großgeworden, waren auf dem "Restegymnasium" und können nun endlich zusammen ausziehen - raus aus der Kleinstadt, dem Spießertum hinein in das coole Leben voller Partys, Drogen und Sex, wie Filme, Bücher und Serien es ihnen seit Jahren versprechen. Sie ziehen in eine WG in der Großstadt, voller Hoffnungen und Träume. Schnell merken sie, dass das Leben in der Stadt gar nicht unbedingt cool ist: die Wohnung eine einzige Baustelle, finanzielle Engpässe und Partys sind nicht immer und nicht immer mit Drogen. Jede*r der drei geht ganz unterschiedlich mit dem Leben in der WG, den persönlichen Problemen, Liebe und dem Chaos des Erwachsenwerdens um.
Ilona Hartmann schildert all dies collagenartig, manchmal bruchstückhaft, in Form von Anekdoten, Erinnerungen oder knappen Sätzen. Einige Kapitel füllen nichtmal eine halbe Seite. "Klarkommen" ist authentisch, offen und humorvoll. Es enttarnt das vermeintlich coole Leben in der Großstadt, bestärkt die Romantisierung des Ländlichen und stellt die Hürden und Herausforderungen des Erwachsenwerdens in den Mittelpunkt.

Ein unterhaltsames Buch, dessen Inhalte ich absolut nachvolllziehen kann. Ich verspürte die Sehnsucht, selbst noch einmal so jung zu sein und all die ersten Erfahrungen noch einmal in einer Großstadt machen zu können - und andererseits froh zu sein, dass ich darüber hinweg bin.
Ich habe die Erlebnisse von Mounia, Leon und der Erzählstimme sehr genossen und kann die Lektüre empfehlen!