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Veröffentlicht am 01.05.2024

Ein sehr düsteres Weltbild – zum Nachdenken

Die Stimme der Kraken
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Die Idee einer weiteren sapiens-Spezies neben uns Homo-Spezies und der zeichenhaften Kommunikation miteinander in einer möglichen Zukunft kann diesen Roman nur in das Genre von Science Fiction verweisen. ...

Die Idee einer weiteren sapiens-Spezies neben uns Homo-Spezies und der zeichenhaften Kommunikation miteinander in einer möglichen Zukunft kann diesen Roman nur in das Genre von Science Fiction verweisen. Mit den hier vorgestellten Spielorten wie einer Forschungsstation auf einer verlassenen Insel oder einem Fangschiff mit Sklaven kommt natürlich auch Spannung auf neben dem fiktiven Zusammenspiel zwischen KI, der menschlichen Spezies und den Kraken. Durch die Einbeziehung mehrerer Fachdisziplinen wie Neurologie und Biologie neben der Themenvielfalt wie künstliche Intelligenz, menschliches Bewusstsein, Gleichgültigkeit, Einsamkeit, Gier, Macht etc. wirkt die Umsetzung etwas wirr auf drei Erzählsträngen mit den Hauptfiguren der Wissenschaftlerin Ha, dem Hacker Rustem und dem Sklaven Eiko. Das Szenario allgegenwärtiger Überwachung durch Drohnen, selbststeuernden Maschinen und dem ersten Androiden gehört schon zu unserem Alltag, wirkt hier beängstigend. Die Warnung vor der Zerstörung der Natur, eingebettet in die Kommunikation zwischen Mensch und Kraken, ist gelungen. Leider bleiben der Auftraggeber und das eigentliche Interesse irgendeines Großkonzerns im Dunkeln. Philosophische Absätze zu Verstand oder zur Seele sind etwas schwer zu verarbeiten, regen natürlich auch zum Nachdenken über KI an.

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Veröffentlicht am 24.04.2024

Jüdisches Leben zwischen Berlin, Chicago und Jerusalem

Gewässer im Ziplock
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Eine jüdische Familiengeschichte zwischen drei Generationen in verschiedenen Settings: Deutschland, die USA und Israel. Im Zentrum des Romans stehen jüdisches Leben, ihre Kultur und Traditionen, die Suche ...

Eine jüdische Familiengeschichte zwischen drei Generationen in verschiedenen Settings: Deutschland, die USA und Israel. Im Zentrum des Romans stehen jüdisches Leben, ihre Kultur und Traditionen, die Suche nach Heimat und Sicherheit. Für die junge, sehr trotzköpfige Margarita wird es mit ihren 15 Jahren zu einer Suche nach Identität als Jüdin und Deutsche, besonders auf ihrer unerfreulichen Reise durch Israel. Die Beschreibung des Zusammenlebens mit ihrem Vater Avi, Kantor in einer Berliner Synagoge, ist gelungen, auch wenn jüdische Fachbegriffe trotz des Glossars zu Langatmigkeit führen. Avis Gedanken, Gefühle bzgl. seiner Tochter Margarita und seiner Frau Marsha lassen ihn schwach, ernst und unsicher erscheinen, dabei immer tief verwurzelt in seine religiöse Tätigkeit, was das Lesen in seinen Parts etwas sperrig macht für Ungläubige. Die Problematik der Mutter tritt klar hervor. Kleine und große Geheimnisse in der Familie und Sorge um die Großeltern schaffen im 2. Teil mehr Spannung. Die derzeitige Problematik als deutscher Jude sowohl in Deutschland als auch in Israel wird nur knapp angesprochen. Eine eher dysfunktionale Familie findet etwas mehr zueinander.

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Veröffentlicht am 20.04.2024

Die „Fuggerstadt“ Augsburg und sein Textilhandel

Die Herrin der Farben
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Das Cover, in Gold und Brauntönen gehalten mit einem Ausschnitt einer mittelalterlichen Stadt am Fluss, gefällt als Hinführung zu diesem historischen Roman. Im Augsburg des 18. Jahrhunderts mit ihrer bedeutenden ...

Das Cover, in Gold und Brauntönen gehalten mit einem Ausschnitt einer mittelalterlichen Stadt am Fluss, gefällt als Hinführung zu diesem historischen Roman. Im Augsburg des 18. Jahrhunderts mit ihrer bedeutenden Weber-, Färber- und Kattundruckindustrie wächst eine intelligente Frau, Anna Barbara Koppmair, auf, die viele Konventionen bricht, angefangen mit ihrem Wunsch der freien Gattenwahl statt vom Vater bestimmt. Als verheiratete Anna Barbara Gignoux kämpft sie gegen die Widerstände der Männerbünde im Stadtrat und in den Weberzünften an. Ihre unternehmerischen Tätigkeiten mit den Finanzen bilden hauptsächlich den Schwerpunkt des Romans statt die Farbenherstellung und Drucktechniken. Die fiktive Figur des Vorarbeiters Hallbacher, Annas Gewissen und Korrektor, wirkt am positivsten, während die Hauptperson Anna von ehrgeiziger, liebender Ehefrau mutiert zu einer durchhaltefähigen, cleveren, aber auch menschlich arroganten, hartherzigen Unternehmerin, weil das Schicksal es nicht gut mit ihr gemeint hat. Eine nachvollziehbare Wandlung! Der Tagebuch ähnliche Schreibstil mit unregelmäßigen Zeitsprüngen lassen einen straffen roten Faden vermissen, immer nur einen schnell verfliegenden Spannungsbogen. Interessante Informationen zur Handwerkskunst der Drucker, Färber, Modelschneider mit ihren Druckergerechtigkeiten im unflexiblen Zunftwesen sind gekoppelt mit den Anfängen der Industrialisierung. Auch wie ein Scheidungsverfahren auf Antrag einer Frau betrieben wurde, ist aufschlussreich. Weitere historische Moden und Ereignisse wie z.B. Soirées, die Revolution in Frankreich oder die Erfindung des Luftballons mit einem Durchmesser von10 Schuhen des Herrn Mongolfier geben diesem Jahrhundert mehr Couleur neben dem überwiegenden Hunger und Elend der Arbeiter. Etwas langatmig!

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Veröffentlicht am 14.04.2024

Ein komplexes Familiendrama

Zuckerbrot
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Das Cover zeigt dunkelhäutige, zueinander gewandte Gesichter von Mutter und Tochter. Der Titel ZUCKERBROT nimmt Bezug auf ein im Buch beschriebenes Rezept. Beide Indikatoren führen angenehm zum Roman hin, ...

Das Cover zeigt dunkelhäutige, zueinander gewandte Gesichter von Mutter und Tochter. Der Titel ZUCKERBROT nimmt Bezug auf ein im Buch beschriebenes Rezept. Beide Indikatoren führen angenehm zum Roman hin, dessen erste Entwürfe bereits während der Schulzeit der Autorin entstanden sind. In zwei Zeitebenen, in vier Teilen wird das religiös gestaltete, multikulturelle Miteinander einer indischen Sikh-Familie in Singapur beschrieben. Die Hauptfigur Parveen, also die Tochter Pin, erzählt zunächst von ihrem Schul-und Alltagsleben als Punjabi in Singapurs` engen Blockwohnungen in den Jahren 1990 und 1991. Abwechselnd rückblickend dazu eingeflochten wird über die Jahre 1967 und 1970 die belastete Kindheit und Jugendzeit von Jini, der Mutter der Hauptfigur Pin beschrieben. Dieser Vielvölkerstadtstaat mit vielen Gerüchen, Religionen und Sprachen propagiert Toleranz. Doch das Zusammenleben zwischen Moderne und Tradition – z.B. Singvogelwettbewerbe - selbst in dieser indischen Gemeinde ist schmerzhaft. Die Sozialgeschichte Singapurs wird kurz angesprochen, angehängt ist ein hilfreiches, übersichtliches Glossar. Erwähnungen von Geheimnissen aus der Vergangenheit der Familie bis zur schmerzhaften Aufklärung durch die Mutter sorgen für Spannung. Thematisiert werden auch Freundschaft und die Zwiesprache mit Gott aus jugendlicher Sicht.

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Veröffentlicht am 13.04.2024

Ein zu kompliziertes Gefüge.

Die Tote am Kai (WaPo Cuxhaven 2)
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Die Szenerie spielt in Cuxhaven. Involviert sind sowohl die Wasserschutzpolizei mit Agatha Christensen als auch die Kriminalpolizei mit Kommissar Victor Carvalho. Die Ermittlungen um Agathas angeschossenen ...

Die Szenerie spielt in Cuxhaven. Involviert sind sowohl die Wasserschutzpolizei mit Agatha Christensen als auch die Kriminalpolizei mit Kommissar Victor Carvalho. Die Ermittlungen um Agathas angeschossenen Kollegen Ingmar Ulvaeus kreuzen sich mit der Aufklärung eines Frauenmordes in einem Fischcontainer am Kai. Informationen über den Krabbentransport durch halb Europa und über Menschenschmuggel sind interessant. Innerhalb von sechs Tagen wird zumindest ein Fall nachvollziehbar geklärt, während die Verwicklungen Ingmars in illegalen Menschenschmuggel und die endgültige Mordaufklärung in Sachen Karima Berrada noch ausstehen. Der Praktikant Torge sorgt schließlich nicht nur für einen Cliffhanger, sondern offenbart auch typisch jugendliche, sehr menschliche Charakterzüge – gut charakterisiert. Die effektive Teamarbeit rund um Kommissar Victor Carvalho kommt zu wenig zur Geltung. Der Spannungsbogen ist wie der Schreibstil nicht optimal stramm genug gezogen, da zu viele Beteiligte ermitteln.

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