Profilbild von Karin1910

Karin1910

Lesejury Star
offline

Karin1910 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Karin1910 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.10.2017

Überraschende Ergebnisse

Achtung Denkfalle!
0

Christian Hesse präsentiert hier eine Zusammenstellung von weit verbreiteten Denkfehlern, die alle mit den Methoden der Mathematik aufgedeckt werden können.
So wurde beispielsweise ein falsches Verständnis ...

Christian Hesse präsentiert hier eine Zusammenstellung von weit verbreiteten Denkfehlern, die alle mit den Methoden der Mathematik aufgedeckt werden können.
So wurde beispielsweise ein falsches Verständnis des Gesetzes der großen Zahlen schon vielen Spielern zum Verhängnis, selbst Ärzten ist selten klar, dass ein Patient, dessen Krebstest positiv war, in den meisten Fällen in Wirklichkeit gar nicht an Krebs erkrankt ist und Fehler, die sich aus der Verwechslung von Korrelation und Kausalität ergeben oder auf eine (un)geschickte Darstellungsform oder Interpretation von statistischen Daten zurückzuführen sind, begegnen einem regelmäßig in den Medien. Außerdem zeigt sich, dass es unmöglich ist, ein Wahlsystem so auszugestalten, dass das Wahlergebnis den Wählerwillen tatsächlich perfekt widerspiegelt.
Alle diese Ausführungen werden mit immer wieder eingeschobenen Witzchen und amüsanten Cartoons aufgelockert.

So ist dies eine unterhaltsame, aber auch lehrreiche Lektüre, vor allem erkennt man, dass unsere Intuition nicht besonders gut darin ist, manche Dinge wie etwa bedingte Wahrscheinlichkeiten richtig zu beurteilen – ich war jedenfalls von vielen der hier errechneten Ergebnisse überrascht.

Allerdings sollte man dieses Buch nur lesen, wenn man gewisse Vorkenntnisse, vor allem über Wahrscheinlichkeitsrechnung, hat, und es einem außerdem Spaß macht, sich mit mathematischen Fragen und durchaus bisweilen auch etwas komplizierteren Gedankengängen auseinander zu setzten.

Veröffentlicht am 22.10.2017

Wie wir wirklich ticken

Ich denke, also irre ich
0

Viele der Vorstellungen, die wir von uns selbst haben, erweisen sich bei genauerer Überprüfung als nicht zutreffend. Wir halten uns gerne für unabhängige Individuen, die ihre Entscheidungen nach objektiven ...

Viele der Vorstellungen, die wir von uns selbst haben, erweisen sich bei genauerer Überprüfung als nicht zutreffend. Wir halten uns gerne für unabhängige Individuen, die ihre Entscheidungen nach objektiven Kriterien treffen und sich auch in schwierigen Situationen vernünftig verhalten.
David McRaney beleuchtet hier 48 derartige Irrmeinungen und stellt ihnen die Wahrheit gegenüber.
Er beruft sich dabei meistens auf die Ergebnisse psychologischer Experimente, wobei mir allerdings bisweilen gewissen Zweifel gekommen sind, ob die Leute sich im „richtigen“ Leben tatsächlich genauso verhalten wie in der Versuchssituation.

Nichtsdestotrotz ist dieses Buch sehr lesenswert, man kann dadurch sein eigenes Verhalten sowie auch das Verhalten anderer besser verstehen und wird vielleicht in Zukunft eher in der Lage sein, die eigenen Empfindungen kritisch zu hinterfragen und nicht mehr so leicht auf manche psychologischen Tricks (wie sie beispielsweise von Verkäufern verwendet werden) hereinfallen.

Veröffentlicht am 22.10.2017

Der Hochzeitsschmuck von Herzogin Hedwig

Allerheiligen
0

Ich habe bereits einige historische Romane von Herrn Dübell gelesen und war deswegen schon sehr gespannt auf seinen ersten Kriminalroman.
Und auch hier bleibt er seinem Interesse an geschichtlichen Ereignissen ...

Ich habe bereits einige historische Romane von Herrn Dübell gelesen und war deswegen schon sehr gespannt auf seinen ersten Kriminalroman.
Und auch hier bleibt er seinem Interesse an geschichtlichen Ereignissen treu und konstruiert einen Kriminalfall, der in der Gegenwart spielt, dessen Wurzeln allerdings 500 Jahre zurückreichen.

Hauptfigur ist Peter Bernward, der gemeinsam mit seiner Kollegin Flora Sander das Ermittlerduo der Landshuter Kripo bildet. Neben ihrer beruflichen Zusammenarbeit haben die beiden auch eine komplizierte private Beziehung, die sich noch weiter verkompliziert, als Floras Exmann Harald auftaucht. Dieser ist der Leiter einer Sonderkommission, deren Ziel es ist, einen mit dem Spitznamen „Blofeld“ belegten gefährlichen Kriminellen zu fassen, dem ein spektakulärer Museumsraub sowie zwei Morde zur Last gelegt werden. Nun besteht der Verdacht, dass Blofeld es auch auf eine Ausstellung auf der Landshuter Burg Trausnitz abgesehen hat, wo der Hochzeitsschmuck von Herzogin Hedwig gezeigt werden soll. Doch Peter hat den Verdacht, dass Harald den Landshuter Kollegen nicht die ganze Wahrheit über den Fall sagt ...

Das Buch ist mit viel Lokalkolorit gespickt, man merkt, dass der Autor sich gut in Landshut und Umgebung auskennt und das auch dem Leser zeigen möchte.
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive verschiedener Personen erzählt, wodurch die Handlung eine interessante Dynamik bekommt. Man erfährt so auch Stück für Stück mehr darüber, wer Blofeld in Wirklichkeit ist und was die wahren Motive für seine Taten sind. Für meinen Geschmack wird die Identität des Bösewichts allerdings etwas zu früh verraten, es wäre spannender gewesen, mit dieser Enthüllung bis zum Schluss zu warten.

Dennoch gelingt es dem Roman, den Leser zu fesseln. Das liegt vor allem an den interessant und vielschichtig ausgearbeiteten Protagonisten, die es einem leicht machen, sich in sie hineinzuversetzen und ihr Gefühlsleben nachzuvollziehen. Es werden Dinge wie unerfüllte Liebe oder die oftmals schwierigen Beziehungen zwischen Vätern und Söhnen dargestellt, die wohl viele Leser schon selbst in der einen oder anderen Weise erlebt haben.

Auch wenn am Ende einige lose Fäden bleiben – wodurch die Hoffnung auf eine Fortsetzung geweckt wird – ist dies insgesamt doch ein in sich stimmiger und lesenswerter Krimi, den ich nur weiterempfehlen kann.

Veröffentlicht am 22.10.2017

Kindheit im Dschungel

Dschungelkind
0

Sabine Kuegler erzählt hier ihre zweifellos faszinierende Lebensgeschichte. Sie berichtet von ihrer Kindheit und Jugend, die sie großteils beim Volk der Fayu im Dschungel West-Papuas verbracht hat, und ...

Sabine Kuegler erzählt hier ihre zweifellos faszinierende Lebensgeschichte. Sie berichtet von ihrer Kindheit und Jugend, die sie großteils beim Volk der Fayu im Dschungel West-Papuas verbracht hat, und von den Schwierigkeiten, die sie hatte, nachdem sie im Alter von 17 Jahren in die „Zivilisation“ zurückkehren musste.
Die Schilderungen des Lebens unter den Eingeborenen und der Abenteuer, die Sabine und ihre Geschwister mit ihren Fayu-Freunden erlebt haben, sind durchaus spannend und oftmals auch amüsant – wenn beispielsweise die Mutter vergeblich versucht, zumindest Reste westlicher Lebensart aufrecht zu erhalten. Auch kann man die innere Zerissenheit zwischen verschiedenen Kulturen sehr gut nachempfinden, welche die Autorin zuerst anlässlich eines „Heimaturlaubs“ und dann vor allem als 17jähriger Neuankömmling in einem Schweizer Internat spüren musste. Es ist interessant zu sehen, wie ganz normal erscheinende Verrichtungen wie ein Einkauf im Supermarkt oder die Überquerung einer stark befahrenen Straße auf jemanden wirken, der eine ganz andere Welt gewöhnt ist. So zeigt sich auch, dass die wesentlichen Differenzen zwischen Europa und Neuguinea nicht allein darin bestehen, dass es bei uns fließendes Wasser und bessere medizinische Versorgung gibt, sondern dass vor allem tiefgreifende Unterschiede in der Mentalität der Menschen existieren.

Allerdings handelt es sich hier über weite Strecken eher um eine Aneinanderreihung von Anekdoten, die bisweilen von allgemeinen Betrachtungen durchsetzt werden, es fehlt ein bisschen der „rote Faden“. Außerdem werden manche Begebenheiten doppelt erzählt.
Auch sonst ist die Kritik an diesem Werk zumindest teilweise berechtigt. So wird tatsächlich sehr wenig darüber gesagt, welchen konkreten Zweck der Aufenthalt von Sabines Vater bei diesem Eingeborenenvolk hatte. Er wird immer wieder als „Sprachforscher und Missionar“ bezeichnet, Ablauf und Auswirkungen seiner Missionierungstätigkeit bleiben allerdings fast völlig im Dunkeln. Weiters hatte ich den Eindruck, dass die Autorin manche Dinge zu schön und einfach darstellt und die Gefahren, welche das Leben im Dschungel mit sich bringt, eher bagatellisiert. Doch muss man hierzu zum einen bedenken, dass dieses Buch eben von Sabine Kuegler, nicht ihren Eltern handelt, und zum anderen, dass wohl jeder Mensch, der positive Erinnerungen an eine glückliche Kindheit hat, dazu neigt, diese Zeit zu idealisieren.

Wenn man über die genannten Mängel hinwegsehen kann und vor allem berücksichtigt, dass es sich hierbei nicht um eine wissenschaftliche Abhandlung, sondern um einen ganz persönlichen Erlebnisbericht handelt, ist dies jedenfalls ein lesenswertes Buch, das Einblicke in eine Welt bietet, die den allermeisten Europäern verborgen ist.

Veröffentlicht am 22.10.2017

Kochbuch der besonderen Art

Die Genussformel
0

Werner Gruber ist Physiker und Hobbykoch – und war damit hervorragend dazu prädestiniert, dieses Buch zu schreiben.
Hat er doch selbst schon eine Reihe kulinarischer Experimente durchgeführt und öfters ...

Werner Gruber ist Physiker und Hobbykoch – und war damit hervorragend dazu prädestiniert, dieses Buch zu schreiben.
Hat er doch selbst schon eine Reihe kulinarischer Experimente durchgeführt und öfters unterschiedliche Varianten der Herstellung einer Speise ausprobiert, um zu dem schmackhaftesten Ergebnis zu kommen.
Hier beschreibt er nun, was bei der Zubereitung verschiedener Gerichte – vom Gulasch bis zur Eierspeise und vom Kartoffelpüree bis zur Sachetorte – aus wissenschaftlicher Sicht geschieht. Zum Abschluss jedes Kapitels finden sich dann einige dazu passende Rezepte. Ein Schwerpunkt wird dabei auf die klassische österreichische Küche gelegt.
Das Buch ist in einem lockeren Tonfall geschrieben. Es handelt sich hier nicht um eine trockene Auseinandersetzung mit physikalischen oder chemischen Prinzipien, sondern um eine lebensnahe Schilderung der Fragen und Probleme, mit denen jeder Koch konfrontiert wird, einschließlich der Lösungsmöglichkeiten. Der Leser findet hier also viele hilfreiche Tipps, die gleich in der eigenen Küche erprobt werden können.
Allerdings wirkt der Autor teilweise etwas oberlehrerhaft und ist zu sehr überzeugt davon, dass seine Art, ein bestimmtes Gericht zuzubereiten, die einzig richtige ist.