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Veröffentlicht am 10.08.2024

unrund

Anna O.
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Der Klappentext hat mich extrem neugierig gemacht. Kann ein Schlafwandler Morde begehen? Ein Ja auf diese Frage wirft viele Folgefragen auf, z.b. bezüglich der Schuldfähigkeit oder des Selbstbestimmungsrechtes ...

Der Klappentext hat mich extrem neugierig gemacht. Kann ein Schlafwandler Morde begehen? Ein Ja auf diese Frage wirft viele Folgefragen auf, z.b. bezüglich der Schuldfähigkeit oder des Selbstbestimmungsrechtes der Person, die es ja wieder tun könnte usw.
Hier geht es um Anna Ogilvy, die angeblich zwei Menschen erstochen hat und seither nicht wieder aufgewacht ist. Das Land ist hinsichtlich der Beurteilung in zwei Lager gespalten. Dr. Prince ist ein Experte für Schlaf und schafft es, Anna nach vier Jahren zu wecken.
Eine Vielzahl von Personen versucht nun in diesem Fall seine Interessen zu vertreten. Die Eltern, eine Polizistin, eine Ministerin, die Klinikleitung, eine Bloggerin und eine mysteriöse Person. Die Geschichte wird aus diesen unterschiedlichen Perspektiven erzählt und könnte dadurch sehr abwechslungsreich und lebhaft sein, würde sie sich nicht zuweilen in Langatmigkeit verzetteln. Jeder hat hier etwas zu verbergen und versucht sich Vorteile zu verschaffen.
Das Hörbuch wurde von Oliver Siebeck, Anne Düe, Vera Teltz und Tanja Geke engagiert eingelesen.
Der Plot ist anfangs noch sehr interessant, doch der Spannungsbogen verliert sich oft. Am Ende hat mich die Entwicklung richtig überrascht, mit dieser Wendung konnte der Autor nochmal punkten. Durch die vielen Logikfehler und die Langatmigkeit reicht es aus meiner Sicht aber nur für drei Sterne und eine eingeschränkte Empfehlung.

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Veröffentlicht am 10.08.2024

erschütternd, aber sperrig erzählt

Das Lied des Propheten
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Paul Lynch erzählt hier mittels einer Familiengeschichte, wie schnell eine Demokratie durch ein totalitäres System abgesetzt werden kann und welche Auswirkungen dieser Wandel auf die Bevölkerung hat.
Eilish ...

Paul Lynch erzählt hier mittels einer Familiengeschichte, wie schnell eine Demokratie durch ein totalitäres System abgesetzt werden kann und welche Auswirkungen dieser Wandel auf die Bevölkerung hat.
Eilish Stack lebt mit Mann und vier Kindern in Dublin. Eines Abends beginnt der Terror für die Familie, als eine Geheimpolizei nach ihrem Mann fragt. Dieser hat eine leitende Funktion in der Lehrer-Gewerkschaft. Die Schlinge zieht sich immer weiter zu und bald kippt nicht nur die Sicherheit des Familienlebens, sondern auch die im Land. Plötzlich ist Eilish allein mit den Kindern, der Mann vermisst. Die Schwester in Kanada möchte ihnen zur Flucht verhelfen, doch dies gestaltet sich schwierig. Dann ist da auch noch der an Demenz erkrankte Vater.
Die Gesellschaft formiert sich durch das neue Regime um, die Einen machen mehr oder weniger aktiv mit, die Anderen rebellieren. Bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen in der Stadt, es wird gefährlich.
Der Roman weckt viele Assoziationen zu aktuellen Nachrichten, ähnliches wird aus anderen Ländern berichtet. Menschen werden in die Flucht getrieben, um zu Überleben.
Paul Lynch hat die Geschichte gelungen aufgebaut. Glaubhaft vollführt sich ein Rechtsruck in die Katastrophe. Die Lage der kleinen Familie, aber auch die im Land wird spürbar gemacht, auf beiden Ebenen ist die Entwicklungen beängstigend authentisch. Das Thema ist gerade heute sehr wichtig und die Botschaft aufrüttelnd. Leider ist der Erzählstil nicht ganz einfach. Lynch schreibt poetisch, teils etwas verschwurbelt in Andeutungen. Das Fehlen von Satzzeichen und klärenden Absätzen fordert große Aufmerksamkeit und hemmt den Lesefluss etwas.
Eine wichtige, aber nicht ganz einfache Lektüre.

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Veröffentlicht am 09.07.2024

einfach gestrickte Story

Das Licht in den Birken
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In dieser Geschichte treffen drei sehr unterschiedliche Personen aufeinander, raufen sich zusammen und schaffen es ihrem Leben eine neue Wendung zu geben. Angesiedelt ist die Geschichte in Norddeutschland ...

In dieser Geschichte treffen drei sehr unterschiedliche Personen aufeinander, raufen sich zusammen und schaffen es ihrem Leben eine neue Wendung zu geben. Angesiedelt ist die Geschichte in Norddeutschland in der Lüneburger Heide.
Thea kehrt nach Jahren in Portugal zurück in die alte Heimat. Sie ist damals enttäuscht geflohen und versucht nun aus gesundheitlichen Gründen hier den Neustart. Sie hat zwei Ziegen im Gepäck und landet mit ihnen auf dem Hof des Einzelgängers Benno. Auch er wurde vor Jahren aus der Bahn geworfen und hat sich als Einsiedler mit seinen Tieren den Bauernhof der Eltern als Zufluchtsort umfunktioniert. Er möchte eigentlich keine menschliche Gesellschaft, aber er benötigt die Miete Theas zum Überleben. Die junge Frau Juli ist die dritte im Bunde, sie strandet nach einem Unfall auf dem Hof von Benno.
Gemeinsam versuchen sie den Hof zu retten, sie nähern sich an und müssen erst lernen wieviel Nähe bzw Distanz jeweils erforderlich ist, damit Freundschaft funktioniert.
Die Geschichte wird abwechselnd aus den drei Perspektiven von Juli, Thea und Benno erzählt. Das bringt einem die Protagonisten leider nicht wie gewohnt näher, was an der flachen eindimensionalen Ausgestaltung der Figuren liegt. Die Entwicklung der drei ist klar aufgezeigt, allerdings wirkt diese, gerade im Fall von Benno, nicht glaubhaft. Man kann dem Hörbuch gut lauschen, aber es hinterlässt keinen bleibenden Eindruck. Zu schwarz-weiß und klischeebehaftet. Nett für zwischendurch, wenn man abschalten möchte und das vorprogrammierte Happy--End ab Seite 1 mag.

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Veröffentlicht am 14.06.2024

Nordseeakte Teil 3

Akte Nordsee - Das schweigende Dorf
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Auch im dritten Teil der Nordseeakte ermitteln die Rechtsanwältin Fentje und der Journalist Niklas wieder gemeinsam. Damit ist es kein klassischer Krimi, in dem die Polizei die Ermittlung in der Hand hat. ...

Auch im dritten Teil der Nordseeakte ermitteln die Rechtsanwältin Fentje und der Journalist Niklas wieder gemeinsam. Damit ist es kein klassischer Krimi, in dem die Polizei die Ermittlung in der Hand hat. Es handelt sich eher um Cozy Crime, das Privatleben der Hauptfiguren und ihrer Familien spielen wieder eine beträchtliche Rolle.

Im neuen Fall versuchen Fentje und Niklas ein Verbrechen aufzuklären, dass viele Rätsel aufgibt. Es gilt weit zurück in die Vergangenheit zu recherchieren, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Die Autorin erzählt, wie immer sehr gekonnt und gestaltet die Figuren und Schauplätze sehr authentisch. Das Lesen ist kurzweilig und unterhaltsam, dennoch handelt es sich hier um den mit Abstand schwächsten Teil der Reihe. Der Kriminalfall gerät aufgrund der privaten Verwicklungen sehr stark in den Hintergrund und vieles an der Aufklärungsarbeit erschien mir zu konstruiert. Das titelgebende schweigende Dorf wird jedoch sehr gut vorgestellt und lebt das genannte Konzept in allen Lebenslagen, hier wird vieles unter den Tisch gekehrt.
Die Themen Gewalt gegen Frauen und Mobbing werden gut in die Handlung eingebracht, finden jedoch keine zufrieden stellende Lösung oder ein passendes Statement.
Insgesamt habe ich dieses Buch gerne gelesen, was an dem kurzweiligen Erzählstil lag und den sympathischen Hauptfiguren. Aber die privaten Verwirrungen haben hier viel zu viel Raum bekommen und teilweise genervt. Dass Menschen kurz vor den Vierzigern so kindisch agieren, hätte ich nicht in epischer Breite lesen müssen, die dadurch entstanden unnötigen Längen gingen zulasten einer schlüssigen Krimihandlung. Da ich das Konzept dieser Reihe und auch die Autorin sehr mag, warte ich auf Teil vier, der mich hoffentlich wieder vollständig begeistern kann.

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Veröffentlicht am 05.03.2024

schicksalshafte Augenblicke

Die Halbwertszeit von Glück
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Luise Pelt hat hier eine tolle Idee umgesetzt. Sie erzählt über drei verschiedene Frauen, die zu unterschiedlichen Zeiten an weit voneinander entfernten Orten leben und die doch irgendwie miteinander verbunden ...

Luise Pelt hat hier eine tolle Idee umgesetzt. Sie erzählt über drei verschiedene Frauen, die zu unterschiedlichen Zeiten an weit voneinander entfernten Orten leben und die doch irgendwie miteinander verbunden sind. Bei allem geht es um das Glück, wie empfindet man es, wem steht es zu, wie vergänglich ist es und was passiert, wenn man es für immer verloren glaubt.

Die Wissenschaftlerin Johanna lebt 1987 nach einem persönlichen Schicksalsschlag als Einsiedlerin im Grenzgebiet der DDR. Sie findet eine verletzte flüchtige Jugendliche und hilft ihr.
Holly stellt ihr Leben 2003 in Los Angeles nach einem tragischen Unglück auf den Kopf und wirft ihre ursprünglichen Chancen über Bord.
Mylène steht 2019 in Paris kurz vor der Hochzeit mit einem reichen und allgemein begehrten Junggesellen. Sie hadert mit ihrem Leben nachdem sie ein überraschendes Erbe gemacht hat.
In recht kurzen Kapiteln erhält man abwechselnd Einblick in die Perspektiven der drei Frauen. Durch diese Abwechslung und den angenehmen Erzählstil fliegen die Seiten hier nur so dahin. Man möchte gerne erfahren, wie es ihnen weiterhin ergeht und was die Geschichten verbindet, wenn es denn so sein sollte. Hier kann man herrlich miträtseln und wird doch immer wieder von Wendungen überrascht.
Gut gefiel mir die Erklärung des Titels aus der Geschichte heraus.
Leider gibt es im Plot aber deutlich Luft nach oben, zu viel wirkt konstruiert. Einige Gegebenheiten waren schlicht unmöglich, u.a. die Regelungen zur Adoption. Vor allem die historischen Ungereimtheiten zur DDR sind ärgerlich, hier hätte besser recherchiert werden müssen.
Johannas Geschichte ist für mich die berührendste, die anderen Frauen wirken sehr überspannt und klischeehaft. Manche Verhaltensmuster bringen mich zum Kopfschütteln, auch dienen einige Entwicklungen nicht der Entwicklung der Geschichte, sondern eher als Seitenfüller. Die im Klappentext angekündigten starken Frauen habe ich vermisst. Nach der tollen Ausgangsidee, habe ich hier deutlich mehr erwartet. Die Verbindung der Frauen in unterschiedlichen Zeiten und Orten bietet soviel Potential.

Ein kurzweiliger Roman, der sich gut lesen lässt, jedoch mit Schwächen ausgeführt wurde.

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