Profilbild von SimoneF

SimoneF

Lesejury Star
offline

SimoneF ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit SimoneF über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.08.2024

Seilschaften in der Politik

Freunderlwirtschaft
0

Alma Oberkofler hat gerade ihre neue Stelle als Chefinspektorin bei der Wiener Kriminalpolizei angetreten, als sie es mit einem brisanten Todesfall zu tun bekommt: Der amtierende konservative Wirtschaftsminister ...

Alma Oberkofler hat gerade ihre neue Stelle als Chefinspektorin bei der Wiener Kriminalpolizei angetreten, als sie es mit einem brisanten Todesfall zu tun bekommt: Der amtierende konservative Wirtschaftsminister Max Langwieser, junger aufstrebender Stern am Politikhimmel, ist mit seinem Kopf auf das Eck seines massiven Glastisches geprallt und liegt tot in seiner Wohnung. Von seiner Verlobten Jessica fehlt derweil jede Spur. War es ein unglücklicher Unfall oder steckt doch mehr dahinter? Alma und ihre Kollegen forschen im privaten und beruflichen Umfeld nach, immer unter den strengen Argusaugen der Politprominenz und des Staatsschutzes.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Alma und Jessica erzählt, wobei die Handlung der Gegenwart gelegentlich durch Rückblenden in Almas und Jessicas Vergangenheit unterbrochen wird. Immer wieder fühlte ich mich beim Lesen an die Politskandale der letzten Jahre in Österreich erinnert, auch wenn die Story rein fiktiv ist.

Alma Oberkofler wirkt angenehm normal, realistisch und authentisch, ihr Privatleben wird thematisiert, spielt aber nur eine Nebenrolle. Ein Schwachpunkt war für mich Almas persönliche Motivation, Polizistin zu werden. Sie wurde als Jugendliche durch eine junge Kripobeamtin inspiriert, die in einem Mordfall in Almas persönlichem Umfeld ermittelt hat. Doch gerade diese Beamtin handelte für mich wenig engagiert und vorbildhaft.

Der Krimi wirft ein interessantes Schlaglicht auf Seilschaften und Korruption in der Politik, echte Spannung kam bei mir jedoch nicht auf. Die Ermittlungen entwickeln sich eher gemächlich, und einiges empfand ich beim Lesen als sehr vorhersehbar. Der Schreibstil war angenehm zu lesen, jedoch eher gewöhnlich. Leider fielen mir auch einige Flüchtigkeitsfehler auf (Karin lädt Jessica zu einer Geburtstagsfeier ein, die einige Seiten später plötzlich eine Hochzeit ist, Altersangaben sind nicht konsistent u.a.).

Insgesamt ein unterhaltsamer, aber recht braver Krimi, bei dem mir etwas Raffinesse gefehlt hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.08.2024

Tolle Spezialitäten, leider spärlich bebildert

Das kulinarische Erbe Bayerns (Neuauflage)
0

Das Buch beginnt mit einer kurzen Übersicht über die sieben bayerischen Regierungsbezirke, denen später im Rezeptteil auch die einzelnen Gerichte zugeordnet sind.

Interessante Informationen zu typischen ...

Das Buch beginnt mit einer kurzen Übersicht über die sieben bayerischen Regierungsbezirke, denen später im Rezeptteil auch die einzelnen Gerichte zugeordnet sind.

Interessante Informationen zu typischen Gemüsensorten, Fleisch, Käse, Wurst, Bier, Gebäck etc. ergänzen die traditionellen Rezepte. Da die bayerische Küche eher deftig und fleischlastig ist, ist das Buch (abgesehen von den Mehlspeisen) weniger für Vegetarier geeignet, Veganer dürften darin kaum fündig werden.

Da ich selbst aus Bayerisch-Schwaben stamme, habe ich hier viele interessante Gerichte aus der bayerischen Küche wiederentdeckt. Besonders gefreut habe ich mich über das Rezept der Agnes-Bernauer-Torte, die ich als Augsburgerin sehr gerne esse (Agnes Bernauer war gebürtig aus Augsburg, so dass diese Torte, die im Buch Niederbayern zugeordnet ist, da sie hier verstarb, auch in Schwaben bekannt ist).

Einige Stellen im Buch haben mich etwas verwundert. So schreibt die Autorin, dass die ersten Siedlungen im Alpenvorland auf 500 n. Chr datieren. Die Römerstädte Augsburg und Kempten wurden jedoch schon 15 v. Chr. gegründet. Ab dem 6. Jahrhundert n. Chr. ist jedoch die Existenz eines bayerischen Stammesherzogtums belegt. Weiter heißt es bei den Suppen, dass diese früher eher selten auf den Tisch kamen, die Brotsuppe wird mit Bezug auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg erwähnt. Tatsächlich waren (dünne) Suppen bereits vor langer Zeit gerade in ärmeren Familien ein tägliches Standardgericht, ob zum Frühstück oder Abendessen. Hier wurden insbesondere Brot- oder Milchsuppen gereicht.

Etwas enttäuscht bin ich von der Bebilderung der Rezepte. Bei einer Rezeptsammlung wünsche ich mir zu jedem Rezept mindestens ein aussagekräftiges Foto des fertigen Gerichts, bei schwierigen Gerichten auch Fotos komplizierter Arbeitsschritte. Die Rezepte im Buch enthalten maximal ein einziges Foto, das häufig wenig aussagekräftig ist und lieblos wirkt. So wird die Prinzregententorte lediglich während des Glasierens von oben gezeigt, ein Bild der fertigen Torte inklusive Seitenansicht eines Stückes fehlt. Der üblicherweise saftige und sehr leckere Zwetschgendatschi sieht wenig appetitlich aus. Bei den Holunderküchlein wäre ein Bild der Küchlein hilfreicher gewesen als ein Foto einer Holunderblüte am Baum, und warum beim Brezenrezept statt einer Breze Alphornbläser abgebildet sind, erschließt sich mir nicht. Viele Gerichte sind sogar überhaupt nicht bebildert. Das führt für mich leider zu einer deutlichen Abwertung.

Fazit: Das Buch beinhaltet eine ausgewogene Sammlung traditioneller Spezialitäten der bayerischen Regierungsbezirke und lädt zum Nachkochen ein. Leider fehlen bei vielen Rezepten aussagekräftige Fotos.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.08.2024

Eine Wiederentdeckung?

Ex-Wife
0

Die „Roaring Twenties“ in New York sind die Zeit des Wirtschaftsaufschwungs und der Prohibition, in den Flüsterkneipen fließt der harte Alkohol und neue Freiheiten verändern das Verhältnis der Geschlechter. ...

Die „Roaring Twenties“ in New York sind die Zeit des Wirtschaftsaufschwungs und der Prohibition, in den Flüsterkneipen fließt der harte Alkohol und neue Freiheiten verändern das Verhältnis der Geschlechter. Auch die Protagonistin Patricia ist gebildet, arbeitet als Werbetexterin in einem Kaufhaus und führt mit ihrem Ehemann Peter eine moderne Ehe, die beiden Partnern viele Freiheiten lässt. Beide geben sich tolerant und fortschrittlich, doch schnell zeigt sich, dass insbesondere Peter nicht mit der offenen Ehe zurechtkommt. Er ist eifersüchtig, obwohl er sich selbst entsprechende Freiheiten herausnimmt. Doch während Affären Männern gesellschaftlich zugestanden werden, sieht sich Patricia als „Flittchen“ diffamiert. Die Ehe scheitert, obwohl Patricia alles daran setzt, ihren Mann zu halten. Nach der Trennung hängt Patricia noch lange ihrer Ehe mit Peter hinterher und lebt gleichzeitig freizügig ihre Bekanntschaften mit anderen Männern.

Als Ex-Wife, als zunächst getrennt lebende und später als geschiedene Frau, erfährt Patricia, dass die neuen Freiheiten, die Frauen Zugang zum Arbeitsmarkt und offenere Beziehungen ermöglichen, ihre Schattenseiten haben und auch mit einem Verlust von Sicherheiten einhergehen. So erleichtern sie dem Mann die Trennung, da er einer eigenständigen Frau keinen Unterhalt zahlen muss. Es gibt eine große Bandbreite an gesellschaftlichen Moralvorstellungen von viktorianisch-konservativ bis modern-freizügig, die sich miteinander vermischen. Da die alten Scheidungsgesetze eine Scheidung nur bei explizit schuldhaftem Verhalten des Partners ermöglichen, sind außereheliche Beziehungen zwar ganz und gäbe, werden aber dennoch gesellschaftlich nicht voll akzeptiert bzw. verdeckt gelebt.

Auf der gesellschaftlichen Ebene liefert „Ex-Wife“ interessante Einblicke in die 20er Jahre in Amerika, und vieles war mir so nicht bekannt. Dennoch wurde ich mit diesem Buch nicht richtig warm. Es fiel mir sehr schwer, einen Zugang zu Patricia zu finden, die in ihrer Opferrolle verharrt und sich ständig nur um ihr eigenes Aussehen und ihre Wirkung auf andere Gedanken macht. Ihre extreme Eitelkeit und die ausufernden Schilderungen ihrer Garderobe fand ich ermüdend und extrem nervend. Sie beurteilt sich und die Menschen in ihrer Umgebung vor allem nach ihrem Aussehen und vergleicht sich ständig mit anderen. Sympathie konnte ich für Patricia nicht empfinden, und ihr exzessiver Alkoholkonsum und ihre ständigen Männerbekanntschaften empfand ich als abstoßend und billig. Als gebildete, intelligente Frau hätte sie so viel mehr aus sich machen können. Erst im letzten Drittel, als die Handlung eine entscheidende Wendung nimmt, kann ich bei Patricia eine Entwicklung erkennen und ihrem Handeln mehr Respekt entgegenbringen.

Insgesamt hat das als „Meisterwerk“ angekündigte „Ex-Wife“ meine hohen Erwartungen nicht erfüllen können. Die gesellschaftlichen Aspekte fand ich sehr interessant, doch die Protagonistin und ihr Umfeld überzeugten mich über weite Strecken nicht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.07.2024

Sehr oberflächlich und unglaubwürdig

Pi mal Daumen
0

Nachdem mich die Leseprobe begeistert hatte, wollte ich „Pi mal Daumen“ unbedingt lesen. Als Diplom-Mathematikerin erkannte ich zunächst vieles wieder, und sowohl der Nerd Oscar als auch die (voll immatrikulierte) ...

Nachdem mich die Leseprobe begeistert hatte, wollte ich „Pi mal Daumen“ unbedingt lesen. Als Diplom-Mathematikerin erkannte ich zunächst vieles wieder, und sowohl der Nerd Oscar als auch die (voll immatrikulierte) Seniorenstudentin Moni schienen etwas überspitzt, aber treffend gezeichnet. Die Geschichte begann humorvoll und machte neugierig, wie sich das Verhältnis zwischen dem jugendlichen elitären Überflieger und der verplanten Mittfünfzigerin mit schwierigen familiären Verhältnissen entwickeln würde. Die Atmosphäre zu Studienbeginn, die Umstellung vom schulischen Denken auf eine vollkommen andersartige, konsequent abstrakte und stringent logisch-analytische Herangehensweise und die damit einhergehenden hohen Abbrecherquoten, die Arroganz einiger Kommilitonen gegenüber anderen Fachrichtungen sowie eine vereinzelt auftretende ausgeprägte „Sozialkontaktallergie“ sind gut getroffen.

Leider schießt das Buch dann über das Ziel hinaus, je weiter die Handlung fortschreitet. Die Charaktere werden immer oberflächlicher und stereotyper, die Geschichte wird zunehmend unglaubwürdig. Oscar, Moni, Monis Familie, Prof. Daniel Johannsen und Prof. Hirsch sind völlig überzeichnet und auf die Dauer ermüdend. Nicht nur Oscar, auch die beiden Professoren geraten zu unrealistischen Witzfiguren. Kein Mathematikprofessor würde sich zudem herablassen, mit einem Studenten der ersten Semester derart private Gespräche wie Prof. Hirsch zu führen, üblicherweise übernehmen die direkten Studentenkontakte wissenschaftliche Hilfskräfte. Ärgerlich ist zudem, dass der Beweis des Satzes von Euklid, auf den ein Gespräch zwischen Oscar und Quentin in der U-Bahn Bezug nimmt, völlig falsch wiedergegeben wird. Oscars „Tipp“ im Buch ist schlichtweg Unsinn. Ich hatte mir bei den Figuren und der Handlung deutlich mehr Tiefgang und klugen Humor erwartet. So war ich ehrlich gesagt froh, als das Buch beendet war, zumal das Buch zum Schluss die Grenzen der realen Welt verlässt. Solche Wendungen mag ich überhaupt nicht. Leider hatte ich mir von diesem Buch etwas völlig anderes erwartet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.07.2024

skurrile Charaktere

Heim schwimmen
0

Ich habe mich sehr schwergetan, in dieses Buch hineinzufinden. Der Schreibstil ist zwar angenehm zu lesen, doch zu den Figuren fand ich leider überhaupt keinen Zugang. Da ist ein erfolgreicher, aber tieftrauriger ...

Ich habe mich sehr schwergetan, in dieses Buch hineinzufinden. Der Schreibstil ist zwar angenehm zu lesen, doch zu den Figuren fand ich leider überhaupt keinen Zugang. Da ist ein erfolgreicher, aber tieftrauriger und Dichter, eine sehr skurille, stets nackt herumlaufende und magersüchtige Botanikern, die Gedichte schreibt, ein merkwürdiger kiffender Hippie-Hausmeister, ein notorisch schlecht gelaunter Waffennarr, und weitere ähnlich merkwürdige Charaktere, die mir allesamt fremd blieben. Dies führte leider dazu, dass ich mit keiner Figur mitfühlen konnte und mich die Handlung nicht berührte.
Die Stimmung ist durchwegs angespannt, es hängt Unheil in der Luft. Die scheinbare Urlaubsidylle ist ein Trugbild. Da dies jedoch bereits auf den ersten Seiten überdeutlich spürbar ist und das sich anbahnende Unglück offensichtlich ist, fehlt mir das Überraschende. Wasser, Regen, ein Swimmingpool, Blut - alles ist überdeutlich mit einer doppelten Bedeutung aufgeladen.
Da er seinerzeit auf der Shortlist für den Man Booker Prize 2012 stand, hatte ich große Erwartungen an den Roman. Leider haben sich diese nicht erfüllt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere