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Veröffentlicht am 04.11.2024

Noir-Thriller nur für starke Nerven

Bad Axe County
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Als Interims-Sheriff übernimmt Heidi Kick das Bad Axe County, wo sie immer noch von allen nach ihrem einstigen Titel "Dairy Queen" genannt wird. Doch die Lager sind gespalten: der alte Kern der Polizei ...

Als Interims-Sheriff übernimmt Heidi Kick das Bad Axe County, wo sie immer noch von allen nach ihrem einstigen Titel "Dairy Queen" genannt wird. Doch die Lager sind gespalten: der alte Kern der Polizei und vor allem die Männer des Countys möchten Heidi nur allzu gerne scheitern sehen und legen ihr jede Menge Steine in den Weg. Doch es gibt auch Fürsprecher, die Heidi in ihrer Arbeit unterstützen. Heidi Kick macht zwar einen toughen, unnahbaren Eindruck, es zeigt sich aber dass sie ein immer noch unverarbeitetes Trauma mit sich herumträgt: den Tod ihrer Eltern, der als Mord und Selbstmord zu den Akten gelegt wurde, Heidi aber bis heute nicht loslässt.
Der aktuelle Fall eines vermissten Mädchens bringt Heidi an ihre Grenzen, sie wird mehrfach angegriffen und wirbelt mit ihren Ermittlungen so viel Dreck auf, dass im Bad Axe County kein Stein auf dem anderen bleibt. Dabei stößt Heidi auf jahrzehntealte weitreichende illegale Machenschaften, in die nicht nur korrupte Cops und das Sportteam verwickelt sind, sondern von denen gefühlt jeder Bewohner des Bad Axe County weiß und wahlweise mittendrin steckt oder in die andere Richtung schaut.
Das Buch thematisiert Menschenhandel und Prostitution auf eine derart gnadenlose Weise, dass der Roman der Leserschaft viel abverlangt. Und so fällt es schwer, von spannender Unterhaltung zu sprechen, wenn man beim Lesen immer wieder ungläubig den Kopf schüttelt und sich nicht vorstellen kann, dass solche Grausamkeiten tatsächlich der Realität entsprechen. Aber auch das lesenswerte Nachwort spricht hier deutliche Worte.
Fazit: eine schonungslose Abrechnung mit der Gewalt gegen Frauen, vor allem im Umfeld des Sports.

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Veröffentlicht am 17.10.2024

KLeiner Vogel mit großen Träumen

Tigerträume
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Beim Blick auf das Cover habe ich mich sofort in Leo, den ungewöhnlichen kleinen Vogel, verliebt. Und Leo ist nicht nur äußerlich ungewöhnlich, hat er doch ein wunderschönes gestreiftes Gefieder, das rein ...

Beim Blick auf das Cover habe ich mich sofort in Leo, den ungewöhnlichen kleinen Vogel, verliebt. Und Leo ist nicht nur äußerlich ungewöhnlich, hat er doch ein wunderschönes gestreiftes Gefieder, das rein zufällig an das Fell eines Tigers erinnert. Und von Katzen träumt Leo am liebsten, nur zu gerne hätte er eine zum Freund. Doch da der Stubentiger von nebenan ihn lieber fressen will, macht sich Leo auf in den Dschungel, wo es eine besonders große und wilde Katze geben soll: einen echten Tiger. Den muss Leo mit eigenen Augen sehen und zu seinem Freund machen! Bei der ersten Begegnung mit dem wilden Tiger staunt nicht nur Leo...
Die knallig bunten Illustrationen sind natürlich das offensichtliche Highlight des Buches, aber auch die Geschichte kann sich lesen lassen, und ich habe auf jeder Seite mit Leo mitgefiebert und ihm so gewünscht, dass sein Traum wahr werden möge. Da es sich um ein Kinderbuch handelt, kann man erahnen wie es ausgehen wird, aber die Geschichte bis dahin ist trotzdem überraschend, mit feinem Humor und vor allem wunderschön.
Fazit: wundervolle Geschichte über einen Vogel, der auszog um seinen Traum zu finden.

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Veröffentlicht am 10.10.2024

Weihnachtswunder mit KI

Das verborgene Weihnachtskind
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Eine Weihnachtsgeschichte, in der eine KI mitspielt, hat mich neugierig gemacht, genauso wie das wunderschöne Cover, das diese ungewöhnliche Kombination auf subtile Weise darstellt. Der Umstand, dass das ...

Eine Weihnachtsgeschichte, in der eine KI mitspielt, hat mich neugierig gemacht, genauso wie das wunderschöne Cover, das diese ungewöhnliche Kombination auf subtile Weise darstellt. Der Umstand, dass das Buch in einem christlichen Verlag erschienen ist, hat mich skeptisch gemacht. Aber ich bin positiv überrascht worden: die Rolle der KI, die Mitgefühl entwickelt, ist richtig gut umgesetzt worden, und es werden nebenbei sowohl positive als auch negative Aspekte von Künstlichen Intelligenz dargestellt, ohne zu werten. Ein christlicher Aspekt mag auch enthalten sein (wie schon der Verlag vermuten liess), jedoch nicht so aufdringlich dass es mich gestört hätte. Und so entwickelt sich eine wunderbare Geschichte über Menschen, die zwar im selben Haus nebeneinander her wohnen, aber nicht miteinander.. Bis zu diesem Weihnachten, wo sich die Ereignisse überschlagen und die Menschen zwingen, zusammenzuhalten. Dabei lernen sie nicht nur ihre Nachbarn, sondern auch sich selbst besser kennen. Der Schreibstil hat mich sofort begeistert und die Geschichte war absolut ungewöhnlich - und ungewöhnlich gut.
Fazit: für mich schon jetzt die beste Weihnachtgeschichte des Jahres.

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Veröffentlicht am 26.09.2024

Spannung ohne Ende

Die Toten von Veere. Ein Zeeland-Krimi
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Ein Krimi von dieser Länge? Da bin ich eigentlich immer skeptisch, aber die Geschichte - eine Vermischung eines aktuellen Falles mit der Vergangenheit - klang einfach zu interessant, als dass ich an dem ...

Ein Krimi von dieser Länge? Da bin ich eigentlich immer skeptisch, aber die Geschichte - eine Vermischung eines aktuellen Falles mit der Vergangenheit - klang einfach zu interessant, als dass ich an dem Buch hätte vorbeigehen können. Und es hat sich wahrlich gelohnt: von Anfang bis Ende wird die Spannung hochgehalten und es war keine Seite zu viel. Die Charaktere sind eingängig, auch wenn Liv de Vries sich mit ihrer impulsiven Art mehr als einmal in die Bedrouille bringt. Auch dass die Gerichtsmedizinerin ihre Kompetenzen überschreitet und in die Ermittlungen einsteigt, entspricht vielleicht nicht ganz der Realität. Andererseits schafft es diese geballte Frauenpower, Licht ins Dunkel gleich mehrerer ungeklärter Todesfälle zu bringen, daher war ich gewillt ein Auge zuzudrücken, das Buch war einfach zu spannend.
Der Wechsel mit den Kapiteln aus der Vergangenheit hat noch eine zusätzliche inhaltliche Komponente ins Spiel gebracht, die fast wie ein zweiter Bonus-Roman wirkt und durchaus ein eigenes Prequel-Buch ergeben hätte. So wurde der Roman um eine weitere interessante historische Geschichte bereichert, deren Auswirkungen bis in die Gegenwart spürbar waren und wesentlich zum aktuellen Fall dazugehörten.
Fazit: ein sehr verschachtelter, aber gut durchdachter Krimi mit handfesten Charakteren, der Lust auf mehr macht.

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Veröffentlicht am 09.09.2024

Horrormärchen

Starling House
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Obwohl die Kurzbeschreibung des Buches ja bereits eine düstere Geschichte versprach, hatte ich aufgrund des Covers und Farbschnitts etwas anderes, mehr Richtung kitschige dunkle YA-Fantasy mit vielen derzeit ...

Obwohl die Kurzbeschreibung des Buches ja bereits eine düstere Geschichte versprach, hatte ich aufgrund des Covers und Farbschnitts etwas anderes, mehr Richtung kitschige dunkle YA-Fantasy mit vielen derzeit so beliebten Tropes, erwartet. Glücklicherweise habe ich dem Buch trotzdem eine Chance gegeben, denn Alpträume und Ungeheuer klangen einfach zu verlockend.
Tatsächlich hat mich das Buch von der ersten Seite an restlos begeistert, vor allem weil es erst einmal so real in der Gegenwart begann, mit den Alltagsproblemen von Opal, die sich jeden Tag mit den Alltagsproblemen einer mittellosen Schwester auseinandersetzen muss, die ihrem Bruder ein besseres Leben ermöglichen will. Zudem ist Opal im Ort nicht gerade beliebt und zu einer zynischen Einzelgängerin geworden, die nichts und niemandem vertraut.
Daher war es faszinierend mitanzusehen, wie sie im Starling House auf einen ebenbürtigen, ebenso verkorksten Menschen trifft, und wie Opals harte Schale nach und nach Risse bekommt. Unter ihrer Gleichgültigkeit und Kaltschnäuzigkeit blitzen Mitgefühl und Leidenschaft auf, und so werden Opals Träume vom Starling House ihr schließlich zum Verhängnis - oder besser gesagt Schicksal.
Sehr behutsam baut die Autorin eine ganz eigene Welt, die einerseits völlig real, andererseits alptraumhaft und voller Schrecken ist. Ironischerweise heißt der Ort, in dem Opal lebt, Eden - doch dieses Paradies entpuppt sich wie Fallobst: an der Oberfläche hübsch glänzend, doch auf der Unterseite verrottet.
Und nachdem Opal, die jahrelang von Starling House, dem mysteriösen Haus im Wald, geträumt hat, nun den entscheidenden Schritt hinter das Tor des Anwesens wagt, soll sich ihr Leben dramatisch verändern. Als sie von der wahren dunklen Geschichte des Hauses und ihrer Bewohner erfährt, fügen sich die Puzzleteile, die aus ihren lückenhaften Kindheitserinnerungen und ihren andauernden Träumen vom Starling House, das sie doch gar nicht kennen kann, endlich zusammen.
Die Familiengeschichte von Opal, also ihre Beziehung zu ihrem Bruder Jasper, der gerade mitten im Teenager-Alter steckt, wirkt mit den Kabbeleien und Streitereien der beiden unglaublich echt und im 'hier und jetzt'. Dagegen verschiebt sich die Realität jedes Mal, wenn Opal die Schwelle zum Starling House übertritt, welches ein Eigenleben zu führen und so gar nichts mit der realen Welt gemein zu haben scheint, sondern wie ein Relikt aus einer fernen Vergangenheit, aus einem Traum oder Märchen, wirkt.
Ich war beeindruckt, wie die Geschichte nur ganz langsam aufgebaut wird, so dass anfangs vielleicht nicht viel im Sinne von Action passiert, aber trotzdem alles sehr intensiv und spannend ist - wir lernen Opal als Antiheldin richtig gut kennen, und auch wenn mir ihre zynische und abweisende Art nicht wirklich sympathisch war, konnte ich ihr ihr Verhalten nie übelnehmen und war von Anfang an auf ihrer Seite. Im Buch gibt es auch eine Romanze, doch diese wurde zu meiner Freude eher dezent und bar jeden Kitsches in Szene gesetzt.
Die gruseligen Elemente der Geschichte werden eher sparsam eingesetzt, verfehlen ihre unheimliche und schockierende Wirkung aber dennoch nicht, und auch der allgegenwärtige Nebel trägt zur alptraumhaften Atmosphäre bei. Das Finale schließlich ist gleichermaßen unerwartet wie konsequent und hat mich einmal mehr davon überzeugt, mit diesem Buch einen unerwarteten Glücksgriff getan zu haben. Interessanterweise gelang es mir nicht, das Buch "zu verschlingen" wie man so schön sagt - die detailreiche und klug verwobene Geschichte zwang mich, sie in Ruhe und mit gemessenem Tempo zu genießen.
Fazit: ein beeindruckender, feinfühliger und überwältigender Horror-Roman, der mich restlos begeistert hat.

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