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Veröffentlicht am 17.10.2024

Spielplatz

Wer das Vergessen stört
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Lily Brown, ehemals Polizeipsychologin bei der Londoner MET, arbeitet nun als selbständige Psychotherapeutin in Canterbury und hat sofort zwei besonders schwierige Fälle zu begleiten, nämlich jene von ...

Lily Brown, ehemals Polizeipsychologin bei der Londoner MET, arbeitet nun als selbständige Psychotherapeutin in Canterbury und hat sofort zwei besonders schwierige Fälle zu begleiten, nämlich jene von Vera Osmond, die unter unerklärlichen Panikattacken leidet und von Samantha Harris, die einem gewalttätigen Ehemann ausgeliefert ist. Als Vera tot aufgefunden wird, deutet vieles auf Selbstmord hin, Lily ist von dieser Theorie aber ganz und gar nicht überzeugt.

Spannende Szenen aus verschiedenen Blickwinkeln, Rückblenden in die 1980er-Jahre, bewegende Schicksale und ein empathischer Schreibstil aus der geschulten Sicht einer Autorin, die selber promovierte Psychologin und ausgebildete Therapeutin ist. Das alles trägt dazu bei, dass dieses Buch überaus fesselnd zu lesen ist und wohl kaum jemanden kalt lässt. Lebendige Figuren und authentische Schauplätze lassen die Handlung sehr realistisch werden, tatsächlich gibt es sogar ein echtes Vorbild für die fiktive Geschichte, wie man im Nachwort erfährt. Lily Brown überzeugt in ihrer Rolle als Psychotherapeutin, obwohl sie selber keineswegs ein geruhsames Leben führt und gerade dadurch so glaubwürdig ist. Über verschiedenste Wege führt sie Vera an den Auslöser ihrer Anfälle heran, es könnte ein frühkindliches Erlebnis auf einem Spielplatz gewesen sein und so nimmt die Geschichte ihren Lauf. Als Leser kann man sich dem entstehenden Sog kaum entziehen, wartet gebannt auf die Fortsetzung, wenn am Ende eines Kapitels Fragen offen bleiben und auf den Seiten darauf ein Szenenwechsel stattfindet. Gekonnt belässt Tessa Duncan einige Details lange im Dunklen, löst aber am Ende alles sauber auf. Alles? Nein, nicht alles – auch wenn die Kriminalhandlung an sich abgeschlossen ist, weckt der letzte Satz Neugierde auf den weiteren Verlauf von Lilys Privatleben. Wer also wissen will, wie es weitergeht, wird alsbald Band Zwei dieser Reihe zur Hand nehmen und in „Wer mit den Wölfen heult“ schmökern. Mein Buch liegt schon bereit!

Hier passt einfach alles: Schreibstil, schwierige Themen (Achtung - Missbrauch, Abhängigkeit!) geschickt zu einem lesenswerten Spannungsroman verwoben, der mit einer sympathischen, ganz und gar nicht perfekten Hauptfigur punkten kann. Ich freue mich auf die Fortsetzung und vergebe gerne fünf verdiente Sterne und eine Leseempfehlung.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.09.2024

Wahl - Kampf

Lückenbüßer (Kluftinger-Krimis 13)
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Interims-Polizeipräsident ist Adalbert Kluftinger und gleichzeitig auf einem unwählbaren Listenplatz für den Gemeinderat. Während bei einem Übungseinsatz ein Toter zu beklagen ist und routinemäßige Untersuchungen ...

Interims-Polizeipräsident ist Adalbert Kluftinger und gleichzeitig auf einem unwählbaren Listenplatz für den Gemeinderat. Während bei einem Übungseinsatz ein Toter zu beklagen ist und routinemäßige Untersuchungen stattfinden, findet Klufti aber auch an der Politik Gefallen.

Humorvoll und mit Wortwitz lädt auch dieser Teil der legendären Kluftinger-Reihe zum Lesen und Lachen ein. Diesmal steht die Wahl ziemlich stark im Vordergrund, der Krimi verschwindet mitunter irgendwo zwischen den Pilzen im Wald. Dennoch sind die Szenen abwechslungsreich, die Dialoge lebendig und spiegeln die Redensart im Allgäu wider. Wahlwerbung, Konkurrenzkampf und ein Wirtshaus mit Abneigung gegen die Coronamaßnahmen lassen viele unterschiedliche Themen aufkommen, langweilig wird es jedenfalls nicht. Flott geht es von einem Kapitel zum nächsten, der Schreibstil des Autorenduos ist gewohnt zugespitzt und klischeebehaftet. Und genau das ist es, was diese Krimiserie so einzigartig werden lässt.

Klufti als Interimspräsident und Gemeinderatskandidat marschiert an kaum einem Fettnäpfchen vorbei und löst trotzdem auch diesen Kriminalfall souverän. Ich hatte sehr viel Spaß beim Lesen und bin gespannt, wie die Wahl ausgeht, denn alle Fragen sind noch nicht beantwortet!

Veröffentlicht am 29.09.2024

Elfen und Wunder

Kalter Sturm
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Auf der Flucht vor der Rechtsradikalengruppe Åsgards Söhne landet Tom Skagen in Island und wird sogleich in einen neuen Fall verwickelt: ein fünfjähriger Urlauberbub ist auf der Halbinsel Dverganes verschwunden, ...

Auf der Flucht vor der Rechtsradikalengruppe Åsgards Söhne landet Tom Skagen in Island und wird sogleich in einen neuen Fall verwickelt: ein fünfjähriger Urlauberbub ist auf der Halbinsel Dverganes verschwunden, die Mythen rund um Elfen und Zwerge erleichtern die Suche nicht gerade. Es wird empfindlich kalt in der Nacht und bald wäre das Überleben des Kindes ein Wunder.

Gewohnt lebendig und atmosphärisch geht es auch in Band Vier der Tom Skagen – Reihe weiter, nicht zuletzt tragen die baumlose, karge Lavalandschaft und die abgelegenen Schafhöfe dazu bei. Die beiden etwas sonderbaren deutschen „Arbeit-für-Urlaub“-Familien runden die Stimmung der Handlung perfekt ab. Dazu kommen Szenen mit Figuren, deren Namen bewusst nicht genannt werden, sodass der Leser vorerst einmal rätseln muss, wer sich da wohl unterhält. Raffinierte Schachzüge der Autorin, welche den gesamten Thriller spannend werden lassen, dennoch gibt es am Ende noch eine Zugabe, bei der einem der Atem stockt. Anne Nørdby gelingt es stets, ihre Figuren authentisch ins Geschehen einzubetten, erzählt dabei locker von Land und Leuten, den Gepflogenheiten in Island und versetzt einen damit direkt an den Schauplatz.

Auch diesmal habe ich die Zeit mit dem Skanpol-Ermittler Tom Skagen und einem nervenaufreibenden Fall sehr genossen. Ein mitnehmender Schreibstil (trotz Präsens, welches ich nicht unbedingt favorisiere), glaubwürdige Charaktere und eine schlüssige Handlung liefern alles, was ein packender Thriller braucht. Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 27.09.2024

Glücklich

Der Steg
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Priska ist glücklich, ihr gefällt ihr Job, sie lebt in einem neu renovierten Haus direkt am Großen Plöner See und - vor allem - ist sie auch nach der Hochzeit noch ganz verrückt nach ihrem Mann Florian. ...

Priska ist glücklich, ihr gefällt ihr Job, sie lebt in einem neu renovierten Haus direkt am Großen Plöner See und - vor allem - ist sie auch nach der Hochzeit noch ganz verrückt nach ihrem Mann Florian. Über das Wochenende erwartet sie ihren Halbbruder Moritz und dessen neue Freundin Anna zu Besuch, aber was soll sie mit der Leiche unter ihrem Bootssteg tun?

Knappe Kapitel aus der Sicht der Hauptfiguren Priska und Anna sorgen für Spannung und Nervenkitzel. Beide erzählen im Präsens in der Ich-Form, übersichtlich bleibt das Ganze dennoch durch sorgfältige Kapitelüberschriften. Wer die Leiche ist, scheint bald klar, allerdings fehlen bis zu den letzten Seiten Informationen über die Ursachen und den exakten Ablauf dessen, was geschehen sein könnte. Geheimnisse, merkwürdige Verhaltensweisen, Misstrauen dominieren die Handlung, an der meist nur ein kleiner Personenkreis teilhat. Dennoch tappen alle, außer Priska, im Dunklen, auch der Leser hat keinerlei Wissensvorsprung und darf seiner Fantasie freien Lauf lassen. Da geraten einige Personen ins Visier, unterschiedlichste Theorien kann man sich zurechtrücken, die Wahrheit kommt aber nur langsam ans Licht. Ein ganz anderes Ende vor Augen, werde ich auch zum Schluss noch überrascht, obwohl die erwartete Überraschung ausbleibt. Sehr gelungen!

Petra Johann schafft es immer wieder, ihre Leser in Atem zu halten, sie mit fesselndem Schreibstil an ihre Bücher zu binden und spannende Szenarien zu kreieren. Auch diesmal habe ich ohne nennenswerte Unterbrechungen Kapitel für Kapitel aufgesaugt und die aufreibende Zeit mit Priska sehr genossen. Wiederum verdiente fünf Sterne für Petra Johann und „Der Steg“.

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Veröffentlicht am 27.09.2024

Durst

In der Erde
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Ein heißer Sommer plagt Schwedens Landwirte und droht, deren Ernte zu zerstören. Während Bauern mit schweren Traktoren zum Protest auffahren, besichtigt Lilly ein Haus, welches explodiert ist und die drei ...

Ein heißer Sommer plagt Schwedens Landwirte und droht, deren Ernte zu zerstören. Während Bauern mit schweren Traktoren zum Protest auffahren, besichtigt Lilly ein Haus, welches explodiert ist und die drei Bewohner mit großer Wahrscheinlichkeit unter den übrigen Trümmern begraben hat. Während fast alle von einem tragischen Unfall ausgehen, zweifelt Lilly an dieser Theorie.

Höchst spannend beginnt dieser dritte Teil der unterhaltsamen Krimireihe und nimmt den Leser sofort für sich ein. Lilly und Jesper sind mittlerweile ein Paar und erwarten Nachwuchs. Trotz ihrer andauernden Übelkeit sträubt Lilly sich anfangs gegen eine Freistellung vom Dienst, zu sehr will sie in allen Lebenslagen perfekt sein. Als die Tragödie im kleinen idyllischen Nynäshamn schon zu den Akten gelegt werden soll, taucht plötzlich ein Erpresserbrief auf. Die sechsjährige Maja ist also noch am Leben und könnte verdursten, wenn bestimmte Forderungen nicht erfüllt werden. Die Ereignisse überstürzen sich, unterschiedlichste Theorien werden angedacht, die Handlung rauscht flott und fesselnd dahin und liefert schlussendlich eine passende und schlüssige Auflösung.

Sehr sympathische Protagonisten, ein packender Schreibstil und aufregende Szenen halten den Leser in Atem. Dieser dritte Teil rund um Lilly Hed ist überaus gelungen und verdient auf jeden Fall eine Leseempfehlung.