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Veröffentlicht am 30.10.2024

Herausragender Thriller-Auftakt

Yoko
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MEINE MEINUNG
Der packende Spannungsroman "Yoko" des preisgekrönten österreichischen Erfolgsautors Bernhard Aichner ist der gelungene Auftakt eines raffiniert angelegten Thriller-Zweiteilers, der mich ...

MEINE MEINUNG
Der packende Spannungsroman "Yoko" des preisgekrönten österreichischen Erfolgsautors Bernhard Aichner ist der gelungene Auftakt eines raffiniert angelegten Thriller-Zweiteilers, der mich von Beginn an in seinen Bann ziehen und bis zur Letzten Seite fesseln konnte.
Aichner beweist mit "Yoko" einmal mehr sein herausragendes Talent für außergewöhnliche, vielschichtige Geschichten, clevere Inszenierung und interessante komplexe Charaktere.
Angemerkt sei allerdings, dass explizite Gewaltdarstellungen und moralisch zweifelhafte Taten manche Leser abschrecken könnten.
Im Mittelpunkt seiner Geschichte steht die faszinierende Protagonistin Yoko, die die Familienmetzgerei nach dem Tod ihres Vaters in eine florierende Glückskeksmanufaktur umgewandelt hat.
Ein schicksalhaftes Ereignis verändert auf einen Schlag Yokos endlich in geordneten Bahnen verlaufendes Leben und leitet eine dramatische Wende ein, die ihr Leben zu einem Albtraum werden lässt. Als sie bei einer Lieferung vor einem chinesischen Restaurant unbedacht eine brutale Tiermisshandlung stoppen will, wird sie entführt, brutal misshandelt und findet sich plötzlich selbst in der Rolle des Opfers wieder. Statt zu resignieren, stellt sie sich ihren Peinigern entgegen – unwissend, welch gefährliche Gegner und verheerende Konsequenzen ihre mutige Entscheidung nach sich zieht.
Hautnah erleben wir Yokos erstaunliche Wandlung von der friedliebenden Glückskeksfabrikantin und Gewaltopfer zu einer Antiheldin und erbarmungslosen Rächerin mit, die vor nichts zurückschreckt, um Gerechtigkeit zu erlangen. In geschickt eingestreuten Rückblenden erhalten wir zudem tiefe Einblicke in Yokos Vergangenheit und innere Dämonen.
Durch Aichners pointierten und prägnanten Schreibstil und seinen szenischen Erzählstil, der gekonnt Nähe zum Geschehen erzeugt und uns die Handlung äußerst intensiv miterleben lässt, entwickelt sich die Geschichte in einem rasanten Tempo. Zudem beleben lebendige Dialoge, die die Charaktere treffend widerspiegeln, die Handlung und sorgen für viel Dynamik.
Der Autor fesselt durch unerwartete Wendungen, steigert die Spannung mittels geschickter Perspektivwechsel und treibt die Handlung kontinuierlich voran, die schließlich in einem nervenaufreibenden Showdown gipfelt.
Mit Yoko hat eine Aichner faszinierende Antiheldin und facettenreiche Protagonistin geschaffen, die einem im Laufe der Geschichte trotz ihrer sehr erschreckenden Entwicklung zur gnadenlosen Rächerin ans Herz wächst. Aichner zeichnet sie zunächst als lebensfrohe, kreative Frau Ende zwanzig, die sich durch Mitgefühl und Gerechtigkeitssinn auszeichnet. Schrittweise lässt er uns tief in die labile Psyche der Protagonistin eintauchen, die bereits in der Vergangenheit eine traumatische Erfahrung durchleben musste, die nun wieder an die Oberfläche kommt .Detailliert lässt er uns an ihren inneren Kämpfen, Zweifeln und der allmähliche Verhärtung ihres Charakters teilhaben. So schafft er es geschickt, Empathie für Yokos radikale Wandlung zu wecken, auch wenn diese ethisch höchst fragwürdig sind.
In seinem Roman behandelt Aichner auch Fragen von Gerechtigkeit, Schuld und Rache und beleuchtet zudem anschaulich die Grenzen von Selbstjustiz sowie die Auswirkungen von Gewalt. Eindringlich zeigt er auf, wie Traumata das Leben eines Menschen prägen und bisweilen in unerwarteten Handlungen resultieren.
Nach dem packenden und höchst unerwarteten Ende darf man gespannt sein, was uns im Folgeband "John" erwarten wird.
FAZIT
Ein anspruchsvoller, psychologisch tiefgründiger Thriller mit einer komplexen Protagonistin und einem ein hochspannenden Plot!
Ein absolutes Muss für alle Thriller-Fans!

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Veröffentlicht am 07.10.2024

Sehr bemerkenswerter Debütroman

Skarabäus
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MEINE MEINUNG
In seinem beeindruckenden autofiktionalen Roman "Skarabäus“ erzählt uns der deutsche Debüt-Autor Hubertus von Prittwitz eine erschütternde, kafkaesk anmutende Coming-of-Age-Geschichte, die ...

MEINE MEINUNG
In seinem beeindruckenden autofiktionalen Roman "Skarabäus“ erzählt uns der deutsche Debüt-Autor Hubertus von Prittwitz eine erschütternde, kafkaesk anmutende Coming-of-Age-Geschichte, die uns tief in die Psyche des jungen Protagonisten Friedrich blicken lässt.
Die Erzählung geht über Friedrichs ergreifende Leidensgeschichte und seinen abenteuerlichen Weg in die Freiheit hinaus und gewährt einen gleichermaßen verstörenden wie fesselnden Einblick in die Abgründe einer zerrütteten, Adelsfamilie. Dabei offenbart sich ein vielschichtiges Bild familiärer Dysfunktion und generationenübergreifender Traumata.
Der selbst aus einer Diplomatenfamilie stammende Autor verarbeitet in seinem Roman persönliche Erfahrungen und familiäre Traumata. Bewusst verwischt er dabei die Grenzen von autobiografischen und fiktionalen Elementen, was für eine besondere Authentizität und emotionale Tiefe sorgt.
Nach der gewaltsamen Trennung von seiner Mutter und Schwester wächst der achtjährige Friedrich bei seinem Vater, einem BND-Agent, in einer surrealen Umgebung - dem "Dorf der Spione" in Neuried bei München auf. Dort, wo BND-Mitarbeiter ein vermeintlich langweiliges, unauffälliges Leben führen und selbst von anderen Geheimdiensten observiert werden, lauern hinter den makellosen Fassaden finstere Geheimnisse.
Von Prittwitz zeichnet ein erschütterndes Bild einer Familie, die aus gestörten, traumatisierten Menschen besteht, und deren Geschichte untrennbar mit den politischen Ereignissen der Vergangenheit verwoben ist.
Als Spross eines uralten Adelsgeschlechts trägt Friedrich die schwere Bürde überkommener Familientraditionen, die er fortführen soll. Das konservativ-altertümliche Rollenbild in seinem Zuhause steht in krassem Gegensatz zur sich wandelnden Welt außerhalb seines goldenen Käfigs, so dass Friedrich in einer beklemmenden Parallelwelt aufwächst. Einem übermächtigen, manipulativen Vater ausgeliefert, erfährt er emotionale Kälte, grausame Erziehungsmethoden und den Missbrauch durch seine Stiefmutter. Der Autor schildert detailliert einen von strengen Regeln, permanenter Überwachung und drakonischen Strafen geprägten Alltag sowie die allgegenwärtige Atmosphäre von Angst, Überwachung und Paranoia, in der Friedrich groß wird. Schonungslos führt er uns die subtilen psychologischen Taktiken des Vaters und der Stiefmutter vor Augen, die Friedrichs Autonomie untergraben und seinen Willen brechen sollen.
Die Handlung entfaltet sich als intensive emotionale Achterbahnfahrt, die gleichermaßen fesselt, erschüttert und zum Nachdenken anregt.
Gebannt folgen wir im weiteren Verlauf Friedrichs verzweifelten Fluchtversuchen, die ihn in kleinen Etappen Momente der Freiheit und Selbstbestimmung erleben lassen. Hervorragend kann man sich in die innere Zerrissenheit des Protagonisten hineinversetzen, wenn er sich immer wieder der engen Welt seines Familiengefängnisses und dem allgegenwärtigen Einfluss seines Vaters geschlagen geben muss. Mit zunehmendem Alter führen Friedrich seine Odysseen auf der Suche nach Freiheit schließlich über Indien, nach Kairo und in den Sudan in ein Strafgefangenenlager –einer Hölle, in der er sich einem harten Überlebenskampf stellen muss. Diese letzten eindringlich geschilderten, albtraumhaften Passagen, entwickeln eine äußerst beklemmende Dynamik und Intensität.
Höchst bemerkenswert ist der Mut des Autors, mit Missbrauch und familiärer Gewalt ein derart persönliches und tabuisiertes Thema zu behandeln und die langfristigen psychologischen Folgen für die Opfer von Gewalt und Missbrauch aufzuzeigen. Zudem übt von Prittwitz scharfe Kritik an der Welt des Adels und der elitären Kreise, an ihrer Doppelmoral und ihrem schockierenden Missbrauch ihrer Privilegien und Macht.
FAZIT
Ein beeindruckendes und verstörendes Debüt, das durch den persönlichen Bezug tief berührt und zum Nachdenken anregt.
Keine leichte, aber sehr lohnenswerte Lektüre, die sich vielschichtig mit den Themen Macht, Missbrauch, häuslicher Gewalt und der Bürde der Familiengeschichte auseinandersetzt.

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Veröffentlicht am 02.10.2024

Beeindruckende literarische Zeitreise

Am Himmel die Flüsse
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MEINE MEINUNG

Mit ihrem neuesten Roman „Am Himmel die Flüsse" ist der renommierten und vielfach ausgezeichneten türkisch-britischen Autorin Elif Shafak erneut ein beeindruckendes und sehr bewegendes Werk ...

MEINE MEINUNG

Mit ihrem neuesten Roman „Am Himmel die Flüsse" ist der renommierten und vielfach ausgezeichneten türkisch-britischen Autorin Elif Shafak erneut ein beeindruckendes und sehr bewegendes Werk gelungen, das zum Nachdenken und zu weitergehenden Recherchen anregt.
Hierin erzählt uns Shafak eine fesselnde, Jahrhunderte umspannende Saga, die sich um drei faszinierende Charaktere - Zaleekhah, Narin und Arthur - rankt, die jedoch geografisch und zeitlich durch verschiedene Epochen voneinander getrennt sind.
Als besonderes literarisches Stilmittel verbindet Shafak ihre drei Hauptfiguren durch einen einzigen kostbaren Regentropfen, der durch einen sich wiederholenden „ewigen“ Kreislauf von Fallen, Kondensation, Aufsteigen, Gefrieren und Auftauen durchläuft, sich auf einer langen Zeitreise befindet und zugleich mit jedem Charakter in einer gewissen Weise interagiert.
Typisch für ihren anspruchsvollen Erzählstil hat Shafak eine vielschichtige, hochkomplexe Handlung angelegt, in der sie geschickt verschiedene Zeitebenen und Erzählstränge miteinander verwoben hat. Sie lässt in ihrer raffiniert angelegten Geschichte nicht nur Ereignisse und kulturelle Traditionen aus Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen, sondern versteht es auch hervorragend historische Ereignisse sowie ewigwährende und aktuelle Probleme, die in religiösen und politischen Konflikten begründet liegen, mit ganz persönlichen Schicksalen ihrer Figuren zu verknüpfen und uns deren nachhaltige Auswirkungen auf das Leben der einzelnen Menschen äußerst detailliert und anschaulich vor Augen zu führen.
Durch die eindringliche Behandlung von gesellschaftlichen und persönlichen Themen gelingt es ihr, ein lebendiges, vielfältiges und authentisches Bild von Kultur und bewegter Historie zu zeichnen und darüber hinaus bedeutsame Fragen zu Identität, Vertreibung, kulturellem Erbe, Folgen des Kolonialismus und zur politischen Situation in der Region aber auch zu Menschenrechten und zur Rolle der Frau in der Gesellschaft aufzuwerfen.
Zugleich vermittelt sie uns spannende tiefgründige Einblicke in das Leben der Eziden, die uralte komplexe ezidische Kultur und die tragische Geschichte dieser schon im osmanischen Reich verfolgten Minderheit.
So rankt sich auch die Geschichte auch um Ninive - die bedeutende antike Stadt in Mesopotamien und letzte Hauptstadt des assyrischen Reiches am östlichen Ufer des Tigris gelegen. Sie symbolisiert die Blüte und den Fall dieses mächtigen Imperiums und spielt somit eine wichtige Rolle in der Geschichte des alten Nahen Ostens.
Der lebendige, poetische und sehr bildreiche Schreibstil der Autorin ist sehr ansprechend. Er lässt sich wegen des ausschweifenden Stils zwar nicht immer leicht lesen, konnte mich aber rasch in die schillernde Welt der Geschichte ziehen.
Der Roman ist auf drei unterschiedlichen, einander abwechselnden Zeitebenen angelegt, die von der Antike bis zur Gegenwart reichen. Auf der historischen Zeitebene lernen wir den cleveren Jungen Arthur, 1840 am Ufer der Themse als „König der Abwasserkanäle und Elendsquartiere" geboren, seinen Überlebenskampf in extremer Armut und seine erstaunliche Lebensgeschichte im spätviktorianischen London kennen.
Im Fokus eines weiteren, im Jahr 2014 angesiedelten Handlungsstrangs steht das bewegende Schicksal des 9-jährigen, ezidischen Mädchens Narin und ihre Erlebnisse rund um die brutale Vertreibung aus ihrem Dorf Hasankeyf am Tigris im Zuge eines großen Dammbauprojekts der türkischen Regierung.
Im Handlungsstrang der Gegenwart von 2018 begegnen wir schließlich der Hydrologin Zaleekhah, die wegen ihrer Ehekrise auf ein Hausboot auf der Themse gezogen ist.
Gekonnt schafft die Autorin faszinierende Berührungspunkte zu den verschiedenen Handlungsstränge und verwebt diese zu einer mitreißenden und bewegenden Geschichte, die schließlich alle drei Charaktere 2018 am legendären Tigris zusammenführt. Durch einen Wechsel der Perspektiven und den verschiedenen Schauplätzen wird der Spannungsbogen allmählich immer mehr gesteigert.
Sehr informativ und fesselnd war für mich insbesondere der sorgsam recherchierte historische Handlungsstrang, der uns mit den facettenreichen Einblicken in die sozialen Verhältnisse und beklemmenden Lebensbedingungen jener Zeit in eine längst vergangene Welt eintauchen lässt. Auch der bewegende Erzählstrang rund um Narin, ihre abenteuerliche Reise mit der Großmutter ins heilige Lalisch-Tal, ihr trauriges Schicksal sowie die eindrucksvollen Rückblenden zu den Ahnengeschichten haben mich mit seiner Intensität hat er völlig in den Bann gezogen.
Hervorragend ist der Autorin die einfühlsame, vielschichtige Figurenzeichung ihrer Protagonisten gelungen, die mit ihren geschilderten Beweggründen und inneren Konflikten sehr lebendig und glaubhaft wirken. Ein besonderes Highlight war für mich die liebevoll und authentisch ausgearbeitete Figur von Arthur und seinen bemerkenswerten Talenten, die auf einer realen historischen Persönlichkeit basiert. Auch Narins beklemmendes Schicksal und ihrer ezidischen Familie konnte mich sehr fesseln. Die faszinierenden Einblicke in die ezidische Kultur, ihre Traditionen und historischen Hintergründe sind sehr stimmig veranschaulicht und lehrreich.

Abgerundet wird der Roman durch ein interessantes Nachwort, in dem die Autorin ausführlich auf den historischen Kontext und zahlreichen überlieferten historischen Fakten ein, die sie im Rahmen ihrer fundierten Recherchen zusammengestellt hat, aber auch ihre künstlerischen Freiheiten, die sie sich genommen hat.

FAZIT
Ein anspruchsvoll erzählter und sehr beeindruckender Roman, der uns tief in die Historie eintauchen lässt, zum Nachdenken anregt und noch länger nachwirkt!

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Veröffentlicht am 02.10.2024

Viel versprechendes Debüt

Der Bademeister ohne Himmel
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MEINE MEINUNG
Das interessante Debüt „Der Bademeister ohne Himmel" der österreichischen Autorin Petra Pellini ist ein bewegender Roman, der sehr einfühlsam über die außergewöhnliche Freundschaft zwischen ...

MEINE MEINUNG
Das interessante Debüt „Der Bademeister ohne Himmel" der österreichischen Autorin Petra Pellini ist ein bewegender Roman, der sehr einfühlsam über die außergewöhnliche Freundschaft zwischen der 15-jährigen Linda und dem im gleichen Haus lebenden, 86-jährigen Hubert, einem pensionierten Bademeister mit rasch fortschreitender Demenzerkrankung, erzählt.
Zugleich präsentiert uns die Autorin eine erfrischende Coming of Age-Geschichte der höchst bewundernswerten jungen Protagonistin Linda, die im Mittelpunkt des tiefgründigen und nachdenklich stimmenden Romans steht.
Die 15-jährige Teenagerin muss sich mit einer Fülle von Problemen wie emotionaler Vernachlässigung, Gewalterfahrungen, Scheidung der Eltern, Selbstfindung, Einsamkeit, Depression und düsteren Suizidgedanken herumschlagen und kümmert sich dennoch äußerst rührend um den alten Hubert.
Mit ihrer direkten, ungeschönten Sprache und ihren bisweilen scharfzüngigen, witzigen Kommentaren lässt uns Linda als Ich-Erzählerin recht ungefiltert an ihrem Denken und Fühlen teilhaben. Diese sehr lebendige Erzählweise passt hervorragend zu der jungen Protagonistin und lässt ihre Figur sehr authentisch wirken.
Die warmherzige Darstellung der Charaktere und ihre lebendig eingefangene Interaktionen haben mich sehr beeindruckt und berühren können.
Die Autorin hat mit Linda einen sehr vielschichtigen und lebendigen Charakter geschaffen, der mich mit ihrer starken Persönlichkeit und Verletzlichkeit, ihren tiefgründigen Aussagen und großer Sensibilität sehr beeindruckt hat. Insbesondere in ihrem Umgang mit dem dementen Hubert wirkt sie sehr empathisch, verständnisvoll und reif für ihr Alter.
Sehr gelungen sind auch die faszinierenden Nebenfiguren von dem jungen Kevin, den der traurige Zustand unserer Welt und Umwelt zunehmend bedrückt und ängstigt sowie die patente, herzensgute polnische Pflegerin Ewa mit all ihren Schrullen und ihrem liebevollen Charakter. Sie sind entsprechend ihrer Rollen facettenreich ausgearbeitet und wirken sehr lebensnah, natürlich und glaubwürdig.
Die Autorin beleuchtet in ihrem Roman sehr einfühlsam und differenziert Huberts fortschreitende Demenz. Sie vermittelt uns anhand von eindrücklichen Momentaufnahmen des Alltags ein authentisches Bild dieser tückischen Krankheit und deren Auswirkungen auf das Leben. Versiert und mit viel Feingefühl beleuchtet sie den schwierigen Umgang mit den Betroffenen, die zunehmend den Bezug zur Realität verlieren, ihre Erinnerungen verlieren und zu ungewöhnlichem Verhalten neigen, so dass sie auf permanente Unterstützung im Alltag angewiesen sind.
Sehr bewegend ist es mit zu verfolgen, wie Linda sich trotz ihrer eigenen Probleme auf Huberts veränderte Persönlichkeit einlässt und sich bemüht, kleine Erinnerungsfetzen an seine Zeit als Bademeister und an die große Liebe zu seiner verstorbenen Frau Rosalie zu wecken. So gelingt es ihr bisweilen trotz Huberts Demenz emotionale Momente der Verbundenheit und Freude heraufzubeschwören. Sehr schön hat die Autorin die berührenden Interaktionen und die feine, respektvolle Verbindung zwischen den so unterschiedlichen Generationen herausgearbeitet, die einen nachhaltigen, positiven Einfluss aufeinander ausüben. Hautnah haben wir Anteil an Lindas eindrucksvoller persönlicher Entwicklung und erleben mit, wie sie an den Herausforderungen wächst, ihre schwierige Lebensphase bewältigen lernt und allmählich neuen Lebensmut schöpft.
Pellini versteht es hervorragend, komplexe Themen wie Depression und Verlust, die vielfältigen Herausforderungen des Alterns aber auch des Heranwachsen sowie das Krankheitsbild der Demenz mit all seinen Hochs und Tiefs facettenreich und mit viel Feingefühl zu behandeln. Dabei gelingt es ihr hervorragend trotz der ernsten Themen einen leichten und humorvollen Erzählton anzuschlagen.
Die Autorin lässt ihren Roman trotz einiger dramatischer und trauriger Entwicklungen mit einem stimmungsvollen, versöhnlichen Ausklang enden und entlässt eine gereifte, sehr bemerkenswerte Protagonistin ins Erwachsenenleben.

FAZIT
Ein nachdenklich stimmender, bewegender Roman über den Umgang mit Demenz und dem Altern und den Herausforderungen der Jugend – einfühlsam und humorvoll erzählt, mit liebenswerten, authentischen Charakteren!

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Veröffentlicht am 29.09.2024

Eine Liebeserklärung an die heimische Gemüsevielfalt

Liebes Gemüse
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MEINE MEINUNG
"Liebes Gemüse - Die wundervolle Welt unserer heimischen Vielfalt " erschienen im Gräfe und Unzer Verlag ist ein beeindruckendes, sehr liebevoll gestaltetes Kochbuch, das uns zudem mitnimmt ...

MEINE MEINUNG
"Liebes Gemüse - Die wundervolle Welt unserer heimischen Vielfalt " erschienen im Gräfe und Unzer Verlag ist ein beeindruckendes, sehr liebevoll gestaltetes Kochbuch, das uns zudem mitnimmt auf eine faszinierende Reise in die bunte Welt der heimischen Gemüsevielfalt.
Die Autorinnen Pascale Amez und Melissa Knüsel bekannt durch ihren Blog "Urkraut" präsentieren hierin eine beeindruckende Sammlung von praktischen Tipps, umfangreichem Fachwissen und interessanten Rezepten rund um regionale Gemüsesorten. Zudem spürt man in jeder Zeile deutlich, ihre Leidenschaft für nachhaltige, saisonale Ernährung und ihre tiefe Verbundenheit zur Natur. Es bietet nicht nur eine Vielzahl kreativer Rezeptideen, die uns inspirieren und die Alltagsküche bereichern werden, sondern auch eine Fülle von detaillierten Hintergrundinformationen zu den verschiedenen Gemüsesorten. So erfahren wir allerlei Wissenswertes über die Herkunft, besonderen Eigenschaften und vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten der vorgestellten Gemüse, die von Spinat, Tomaten, Gurken und Zucchini & Kürbisse über Möhren und Rote Beete bis hin zu Kohl und Zwiebeln reichen.
Das Buch richtet sich an ein breites Publikum - von Hobbyköchen bis hin zu erfahrenen Küchenprofis- und insbesondere an alle, die ihre Ernährung „pflanzlicher“ gestalten möchten und Interesse an nachhaltiger und regionaler Küche haben.
So finden Anfänger leicht umsetzbare Rezepte und grundlegende Informationen, während fortgeschrittene Köche sich Inspiration für kreative, gemüsebasierte Gerichte holen und mit neuen Gemüsesorten experimentieren können. Der Schwerpunkt liegt ganz deutlich auf den vielfältigen heimischen Gemüsesorten.
Insbesondere die Nachhaltigkeit und saisonale Ernährung liegt den Autorinnen sehr am Herzen. Wichtig ist ihnen, fast vergessene Sorten wiederzuentdecken und in unsere moderne Küche zu integrieren. Sie ermutigen uns, vorrangig saisonal und regional einzukaufen oder sogar den eigenen Anbau von Gemüse zu erwägen. Zudem geben sie viele praktische Ratschläge zur Haltbarmachung und optimalen Lagerung der verschiedenen Gemüsesorten. Sehr wertvoll sind auch die Tipps zur Verwertung von Gemüseresten zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung.
Das von den Autorinnen vorgestellte "Baukastenprinzip" macht es möglich, vorhandene Zutaten flexibel zu verwenden, fördert zugleich unsere Kreativität und Experimentierfreudigkeit in der Küche und unterstützt zudem den nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln. Die Rezepte reichen von einfachen Alltagsgerichten bis hin zu raffinierteren Kreationen, die sowohl Anfänger als auch erfahrene Köche ansprechen. Sehr gut gefallen hat mir auch die übersichtliche Zusammenstellung zu Aromakombinationen, die dazu anregen, neue geschmackliche Variationen auszuprobieren.
Das Buch zeichnet sich durch seine gut durchdachte und übersichtliche Gliederung aus. Es beginnt mit einer Einführung in die Grundlagen der vegetarischen und veganen Gemüseküche, gefolgt von Basisrezepten, die als Ausgangspunkt für kreative Variationen dienen.
Der Hauptteil des Buches widmet sich dann in den jeweiligen Kapiteln den einzelnen Gemüsesorten, die eine Menge an faszinierendem Hintergrundwissen zu den vorgestellten Pflanzen beinhalten. Von Herkunft und Geschichte, Anbautipps und Sortenvielfalt, über Verwendungsmöglichkeiten, Nährwert und gesundheitliche Vorteile bis hin zu zahlreichen detaillierten Rezepten inklusive praktischen Tipps zur Zubereitung und Lagerung, einer übersichtlichen Zusammenstellung von besonders gut harmonierenden Begleitern sowie kurzen einer Rezeptideensammlung für weitere Zubereitungsmöglichkeiten – hier ist wirklich an alles gedacht!
Die präsentierte Rezeptauswahl ist bemerkenswert vielfältig. Sie reicht von einfachen Alltagsgerichten bis hin zu raffinierten Kreationen. Besonders hervorzuheben sind hierbei interessante Gemüsesäfte und Smoothies, köstliche Suppen und Eintöpfe, vielseitige Aufstriche und Dips sowie abwechslungsreiche Ofengemüse-Variationen. Zudem gibt es Hauptgerichte, bei denen Gemüse im Mittelpunkt steht und nicht zuletzt außergewöhnliche Desserts mit Gemüse als Hauptzutat. Die Zubereitung wird verständlich und Schritt für Schritt nachvollziehbar beschrieben, so dass man keine Probleme beim Nachkochen hat. Zu jedem Rezept findet sich eine übersichtliche, meist für die jeweilige Personenzahl ausgelegte Zutatenliste die Kalorienzahl pro Portion sowie Angaben zur Zubereitungs- bzw Backzeit. Zudem finden sich noch hilfreiche Tipps zu Alternativen und mögliche Varianten der vorgestellten Rezepte.

Die hochwertige Ausstattung und die natürlich wirkenden, stimmungsvollen Fotos, die zum größten Teil von den beiden Autorinnen stammen, sind ein besonderes Highlight und runden den rundum positiven Eindruck dieses wundervollen Kochbuchs ab. Jede Gemüsesorte - von der knorrigen Wurzel bis zur filigranen Blüte - wird in ihrer natürlichen Pracht mit ihrer faszinierenden Palette an Farben und Texturen eindrucksvoll dargestellt. Auch die Fotos der Gerichte sind nicht nur appetitanregend, sondern auch höchst inspirierend, so dass man sofort Lust zum Nachkochen bekommt. 
Am Ende des Buchs findet sich noch eine Bezugsquellenübersicht für Samen und Netzwerke zur Sortenerhaltung und eine kurze Danksagung.
Insgesamt ein tolles Buch, das man immer wieder gerne zur Hand nimmt – sei es, um ein neues Rezept auszuprobieren, mehr über eine bestimmte Gemüsesorte zu erfahren oder sich von den wunderschönen Bildern inspirieren zu lassen.

FAZIT
Ein außergewöhnliches Kochbuch und eine liebevolle Hommage an die Vielfalt heimischer Gemüse! Die gelungene Verbindung aus verständlichem Fachwissen, praktischen Tipps und leckeren, originellen Rezepten macht es zu einer unverzichtbaren Bereicherung für jede Küche. Ein Muss für alle Gemüse-Liebhaber, Hobbygärtner und jene, die Wert auf eine gesunde, regionale und kreative Küche legen! 

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