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Veröffentlicht am 23.10.2024

Charmantes Debüt mit britischem Flair

Tee auf Windsor Castle
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MEINE MEINUNG
Der Debüt-Roman "Tee auf Windsor Castle" von Claire Parker ist eine kurzweilige und herzerwärmende Erzählung, die uns in die majestätischen Hallen von Windsor Castle und ie faszinierende ...

MEINE MEINUNG
Der Debüt-Roman "Tee auf Windsor Castle" von Claire Parker ist eine kurzweilige und herzerwärmende Erzählung, die uns in die majestätischen Hallen von Windsor Castle und ie faszinierende Welt des britischen Königshauses entführt.
Die bisweilen märchenhaft anmutende Erzählung mit netten Lebensweisheiten ist nicht nur unterhaltsam und inspirierend, sondern regt mit den angeschnittenen ernsten Themen wie Selbstfindung und Lebenssinn dazu an, innezuhalten und über die wahren Prioritäten im Leben nachzudenken. Darüber hinaus
Parkers lebendiger, lockerer Schreibstil besticht durch warmherzigen Humor sowie feinsinnige Schilderungen des britischen Alltagslebens und royaler Traditionen und ist zudem gewürzt mit witzigen Dialogen und atmosphärischen Beschreibungen von Windsor Castle und seiner Umgebung.
Im Mittelpunkt der Handlung steht die Protagonistin Kate, die sich entgegen ihrer recht kritischen Einstellung zur Monarchie von ihrer Freundin zu einer Führung durch Windsor Castle überreden lässt. Prompt verirrt sie sich durch ein Missgeschick im Labyrinth der ausgedehnten Gänge des altehrwürdigen Schlosses und trifft durch eine glückliche Fügung in der Teeküche auf die im Schloss lebende Betty. Die liebenswerte ältere Dame lädt Kate spontan zu einem köstlichen Beuteltee in königlichem Porzellan.
Die ungleichen Frauen finden überraschend schnell einen Draht zueinander. Ihre anfängliche Unterhaltung entwickelt sich rasch zu einem interessanten, tiefgründigen Gedankenaustausch über persönliche Lebenserfahrungen und sie beginnen, die Welt einmal durch die Augen der anderen neu zu entdecken. In der kurzen Zeitspanne von nur einem Tag und einer Nacht entsteht zwischen ihnen eine besondere Verbindung und eine unerwartete Freundschaft, die ihr Leben trotz der Kürze ihrer Bekanntschaft bereichert und nachhaltig verändert.
Parker hat ihre beiden Hauptfiguren Kate und Betty facettenreich und mit viel Liebe zum Detail angelegt. Die charmante ältere Betty zeichnet sich durch große Herzenswärme, Lebensweisheit und faszinierender königlicher Distinguiertheit aus. Auch die bodenständige, vorwitzige Kate mit ihren zynischen Kommentaren und ihrer bewegten Vorgeschichte ist ein interessanter, liebenswerter Charakter, mit dem man sich mühelos identifizieren kann. Spannend ist es mitzuerleben, wie ihre zufällige Begegnung sie zu Offenheit für Neues, generationsübergreifendem Verständnis und gegenseitigem Lernen inspiriert.
Geschickt spielt Parker mit unseren Vorahnungen und Erwartungen, indem sie uns bis zum Ende über Bettys tatsächliche Rolle im Schloss und ihre wahre Identität im Unklaren und somit Raum für allerlei spannende Spekulationen lässt.
Auch wenn die Handlung stellenweise vorhersehbar ist, konnte mich diese charmante Erzählung mit den liebenswerten Charakteren, humorvollen Momenten und seiner zauberhaften Atmosphäre bestens unterhalten.
Die Autorin erinnert uns daran, dass unerwartete Begegnungen oft die wertvollsten sind, dass es nie zu spät ist, neue Perspektiven zu entdecken, und dass wir den Zauber des Moments schätzen sollten.
FAZIT
Eine unterhaltsame und herzerwärmende Geschichte mit Humor und Tiefgang und zudem eine wundervolle Hommage an die britische Kultur und Traditionen.
Empfehlenswert für alle Liebhaber warmherziger Erzählungen mit britischem Charme -  am besten zu genießen mit einer schönen Tasse Tee!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.10.2024

Packender Stockholm-Krimi

Wintersonnenwende (Wolf und Berg ermitteln 2)
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MEINE MEINUNG
"Wintersonnenwende" ist die packende Fortsetzung einer neuen Nordic Noir-Krimireihe aus der Feder des aufstrebenden schwedischen Autors Pascal Engman und seines Co-Autors und Journalisten ...

MEINE MEINUNG
"Wintersonnenwende" ist die packende Fortsetzung einer neuen Nordic Noir-Krimireihe aus der Feder des aufstrebenden schwedischen Autors Pascal Engman und seines Co-Autors und Journalisten Johannes Selåker. Der Roman knüpft nahtlos an die Ereignisse des ersten Bandes an und entführt uns ins winterliche Schweden der Jahre 1994 und 1995. Im Mittelpunkt steht erneut das unkonventionelle Ermittlerduo, bestehend aus dem Polizisten Tomas Wolf und der Journalistin Vera Berg.
Die Autoren präsentieren einen beeindruckenden, wendungsreichen Krimi mit einem packenden, komplexen Plot, in den sie geschickt historische Ereignisse und damals aktuelle gesellschaftliche Themen einflechten. Neben der fesselnden Krimihandlung gewähren sie uns schockierende Einblicke in die Abgründe der menschlichen Psyche und zeichnen ein nachdenklich stimmendes, realitätsnahes Bild der damaligen Gesellschaft und Politik.
Die lebendige, atmosphärische Darstellung Stockholms der 1990er Jahre und der schwedischen Winterlandschaft ist äußerst gelungen und unterstreicht die für Nordic Noir typische, beklemmende Gesamtstimmung.
Nachdem in der eiskalten Silvesternacht 1994 ein Freier in einem Stockholmer Bordell erschossen wird und die nackte Prostituierte Lucy durch ihre Flucht nur knapp dem Tod entkommen kann, nehmen Kommissar Tomas Wolf und sein Kollege Zingo zunächst die Ermittlungen auf. Es dauert gar nicht lange bis ein zweiter Mord geschieht, bei dem ein Nachtclubbetreiber und Porno-Produzent auf brutale Weise umgebracht wird. Parallel dazu recherchiert die ehrgeizige Journalistin Vera Berg zu den rätselhaften Mordfällen im Rotlichtmilieu und vermutet, dass die untergetauchte Lucy eine zentrale Rolle bei den grausamen Verbrechen spielt. Die Suche nach der verschwundenen Prostituierten entwickelt sich zu einer nervenaufreibenden Jagd, bei der Wolf und Berg trotz ihrer Differenzen und Vorbehalte wieder zusammenarbeiten müssen.
Die Handlung entfaltet sich zu einem fesselnden Page-Turner mit mehreren verwobenen Erzählsträngen. Durch den temporeichen Erzählstil, rasche Perspektivwechsel und geschickt platzierte Cliffhanger erzeugen die Autoren eine konstant hohe Spannung, die uns bis zur letzten Seite in ihren Bann zieht.
Die Autoren wechseln gekonnt zwischen den Perspektiven von Tomas, Vera und Lucy, so dass wir aufschlussreiche Einblicke in die Gedanken und Motivationen der Hauptfiguren erhalten, aber dennoch über die Hintergründe lange Zeit im Ungewissen bleiben. Allmählich verdichten sich die verschiedenen Ermittlungsergebnisse und Hinweise auf den möglichen Täter. Nach einigen unvorhersehbaren Wendungen, falschen Spuren und überraschenden Enthüllungen gipfelt der Fall in einem packenden, sehr nervenaufreibenden Showdown. Einige Wendungen gegen Ende wirkten allerdings etwas zu forciert und unglaubwürdig auf mich. Auch die Aufklärung der Hintergründe des Falls wirkte auf mich nicht ganz rund und lässt einige logische Unstimmigkeiten erkennen.
Die Hauptfiguren Tomas Wolf und Vera Berg sind komplex und vielschichtig gezeichnet. Ob nun der Polizist Tomas Wolf mit seiner belasteten Vergangenheit als Ex-Mitglied einer rechtsextremen Gruppierung und belastenden Traumata aus seiner Zeit als UN-Soldat im Balkan-Krieg oder die ambitionierte Journalistin bei der Boulevardzeitung Aftonbladet Vera Berg, die sich um den kleinen Sohn ihres kleinkriminellen Ex-Freunds kümmern muss, und taucht dennoch unerschrocken in die gefährlichen Recherchen zur neuen Story ein – beide sind faszinierende, emotional angeschlagene Charaktere mit ungewöhnlichen Hintergrundgeschichten, konfliktbeladenen Privatleben und dunklen Geheimnissen. Ihre persönlichen Traumata beeinflussen nicht nur ihr berufliches und privates Leben, sondern auch ihre gegenwärtigen Handlungen und ihren moralischen Kompass.
Die Dynamik zwischen den beiden und ihre komplizierte Zusammenarbeit, die von Misstrauen und gegenseitiger Abhängigkeit geprägt ist, sorgen für viel Spannung. Sehr beeindruckend ist es, neue Facetten ihrer Persönlichkeit zu entdecken und ihre persönliche Weiterentwicklung mitzuerleben. Beide Protagonisten wirkten zwar insgesamt glaubwürdig, jedoch wegen einiger ihrer Eigenarten und Handlungen nicht sehr sympathisch auf mich.
Die Autoren verstehen es hervorragend, gesellschaftliche Themen, insbesondere die Schattenseiten der Prostitution schonungslos darzustellen und das gnadenlose Umfeld der Sexindustrie kritisch zu beleuchten. Äußerst gelungen ist zudem die Einbettung der Handlung in den historischen Kontext. Insbesondere die Estonia-Katastrophe als kollektives Trauma der schwedischen Nation zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Die vielfältigen Auswirkungen historischer Ereignisse werden gekonnt mit den persönlichen Schicksalen der Charaktere verwoben. Geschickt zeigen die Autoren die oftmals ineinander fließenden Grenzen zwischen Recht und Unrecht auf, die bei den polizeilichen Ermittlungen nicht selten für moralische Dilemmata und riskante Alleingänge sorgen.
FAZIT
"Wintersonnenwende" ist eine gelungene Fortsetzung der fesselnden Nordic-Noir-Reihe, die uns auf eine faszinierende Zeitreise ins Stockholm der 1990er Jahre mitnimmt. Mit seiner komplexen Handlung, vielschichtigen Charakteren und beklemmenden Atmosphäre geht dieser Krimi unter die Haut.

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  • Handlung
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Veröffentlicht am 21.10.2024

Bemerkenswert zeitloser Klassiker

Ex-Wife
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MEINE MEINUNG
Bei dem faszinierenden Roman „Ex-Wife" von US-amerikanischen Autorin Ursula Parrott handelt es sich um einen wiederentdeckter Klassiker aus den 1920er Jahren, der uns einen intimen Einblick ...

MEINE MEINUNG
Bei dem faszinierenden Roman „Ex-Wife" von US-amerikanischen Autorin Ursula Parrott handelt es sich um einen wiederentdeckter Klassiker aus den 1920er Jahren, der uns einen intimen Einblick in die Befindlichkeiten einer jungen Frau während ihrer Trennung und Scheidung gewährt und uns tief ins New York der schillernden Goldenen 1920er Jahre eintauchen lässt.
Als zeitgeschichtliches Zeugnis ist der Roman, in dem viele gesellschaftliche Konventionen hinterfragt werden, auch beinahe 100 Jahre nach seinem Erscheinen mit seinen zeitlosen, immer noch aktuellen Themen von Relevanz und zugleich ein spannendes Zeitdokument. Der 1929 anonym veröffentlichte, für damalige Zeiten bahnbrechende Roman wurde rasch ein Bestseller und war sogar zunächst kommerziell erfolgreicher als F. Scott Fitzgeralds „The Great Gatsby", bis das Werk dann aber in Vergessenheit geriet.
Insbesondere die bemerkenswert unverblümte Thematisierung von damaligen Tabus wie die offene Erkundung weiblicher Sexualität, vorehelicher Sex, außereheliche Affären und Abtreibung aber auch die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen, Selbstfindung und das Ausloten von weiblicher Identität und modernen Beziehungen in einer sich rasant wandelnden Welt sind äußerst aufschlussreich und unterhaltsam zu lesen.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht die 24-jährige Protagonistin Patricia, die, nachdem ihr Ehemann sie verlassen hat, ihr Leben völlig neu ordnen muss und beschließt, sich ins pulsierende New Yorker Nachtleben zu stürzen anstatt vollständig in Selbstmitleid zu versinken. Mutig setzt sie sich über gesellschaftliche Erwartungen hinweg und beschreitet schließlich selbstbewusst ihren eigenen Weg.
Parrott versteht es, ein faszinierendes und sehr facettenreiches Bild der turbulenten Stadt während der legendären Roaring Twenties zu zeichen. Sehr eindrucksvoll erhalten wir aufschlussreiche Einblicke in jene Zeit des Umbruchs und der sich schnell verändernden gesellschaftlichen Veränderungen. Dank der lebendigen Schilderungen können wir uns rasch in den damaligen Zeitgeist hineinfühlen und erleben hautnah die trotz Prohibition alkoholgeschwängerte Atmosphäre jener flirrenden Ära mit. So begleiten wir die unternehmungslustige, modebewusste Protagonistin neben ihren Einkaufstouren auch zu ihrer Arbeit in einer Werbeagentur und vor allem in Manhattans Nachtleben mit seinen Flüsterkneipen und Clubs. Detailliert beschreibt sie die damals beliebten Drinks und modischen Outfits, angesagte Lokale und Treffpunkte sowie Schauplätze in der Stadt. Hochinteressant und aufschlussreich sind auch die Einblicke in die Stellung der Frauen in der männlich dominierten Arbeitswelt und die in der Gesellschaft verbreitete Doppelmoral.
Parrott ist eine vielschichtige, feinfühlige Charakterisierung ihrer Protagonistin gelungen, die wir zwischen ihren diversen Freundschaften und Affären mit all ihren Höhen und Tiefen, Enttäuschungen und Rückschlägen erleben. Glaubhaft schildert sie Patricias beeindruckende persönliche Entwicklung, die allmählich an der Trennung von ihrem Ex-Mann reift, sich vom traditionellen Frauenbild befreit und auf dem Weg zu einem erfüllten, selbstbestimmten Leben, eine neue, abgeklärtere Einstellung zu Liebe, Beziehungen und Ehe erlangt.

Der Schreibstil der Autorin wirkt erstaunlich zeitgemäß, ist prägnant, bisweilen humorvoll und erstaunlich unverblümt – mit einem netten angestaubten Charme. Vor allem aber bei der nicht immer fesselnden Inszenierung der Handlung merkt man dem Roman aber doch das Alter an.

Sehr lesenswert ist nicht nur das interessante Vorwort von Mareike Fallwickl, in dem der historischen Kontext und die Bedeutung des Werks für die Literaturgeschichte beleuchtet werden, sondern auch das von Parrots Sohn im Jahr 1989 verfasste Nachwort, in dem wir sehr interessante Einsichten in das Leben der überaus bemerkenswerten Autorin und ihr in Vergessenheit geratenes Meisterwerk erhalten.


FAZIT
Eine bemerkenswerte Wiederentdeckung aus den 1920er Jahren, die die gesellschaftlichen Umbrüche seiner Zeit einfängt und gleichzeitig zeitlose Fragen zu Identität und Selbstbestimmung aufwirft.
Als historisches Zeitdokument und auch als Roman über weibliche Emanzipation sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 13.10.2024

Charmante Fortsetzung

Ein mysteriöser Gast
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MEINE MEINUNG
Nach ihrem charmanten Debüt und New York Times-Bestseller „The Maid” hat die kanadische Cheflektorin und Autorin Nita Prose mit "Ein mysteriöser Gast" eine unterhaltsame Fortsetzung der herzerwärmenden ...

MEINE MEINUNG
Nach ihrem charmanten Debüt und New York Times-Bestseller „The Maid” hat die kanadische Cheflektorin und Autorin Nita Prose mit "Ein mysteriöser Gast" eine unterhaltsame Fortsetzung der herzerwärmenden und humorvollen Wohlfühlkrimi-Reihe vorgelegt.
Auch im zweiten Band tauchen wir in die faszinierende Welt der unvergesslichen und sehr liebenswerten Protagonistin Molly Gray ein, die inzwischen zum Chefzimmermädchen im renommierten Regency Grand Hotel aufgestiegen ist. Als der berühmte Krimiautor J.D. Grimthorpe während einer Pressekonferenz im Hotel plötzlich tot zusammengebricht, wird Molly erneut in Mordermittlungen hineingezogen und wirkt tatkräftig bei der Aufklärung des rätselhaften Falls mit.
Die Autorin hat ihre kurzweilig erzählte Geschichte diesmal auf zwei Zeitebenen angelegt, die geschickt miteinander verwoben sind: Zum einen erleben wir im Handlungsstrang der Gegenwart die Ermittlungen rund um den Tod des Krimiautors aus Mollys Perspektive mit und zum anderen erhalten wir in Rückblenden sehr aufschlussreiche Einblicke in Mollys Kindheit bei ihrer geliebten Gran und ihre Erlebnisse auf dem Anwesen der Grimthorpes.
Der Schreibstil von Prose besticht erneut durch clevere Dialoge und viele humorvolle Elemente.
Prose gelingt es mit ihren lebendigen Beschreibungen meisterhaft, nicht nur das schillernde Setting des eleganten Regency Grand Hotels einzufangen, sondern auch die besondere Atmosphäre einer Welt voller Geheimnisse, Gerüchte und Intrigen, die sich im Schatten des luxuriösen 5-Sterne-Glanzes verbirgt. Es ist sehr faszinierend, sich an der Seite des fleißigen Zimmermädchens Molly mit den Begebenheiten vor Ort vertraut zu machen und ihre ganz eigene Sicht auf ihre kleine Welt und die Vorgänge hinter den Kulissen kennenzulernen.
Mit der faszinierenden Protagonistin Molly Gray Molly hat die Autorin eine wundervoll lebendige, vielschichtige und sehr sympathische Heldin geschaffen, die man einfach ins Herz schließen muss.
Ihre eigenwillige, aber sehr liebenswerte Art und ihre erfrischend andere Sicht auf die Welt sehr ist unterhaltsam und erhellend, und sorgt für viele amüsante Momente.
Mollys einzigartige, vielschichtige Persönlichkeit hat die Autorin brillant ausgearbeitet. Ihre leicht autistischen Eigenheiten, ihre Defizite im sozialen Umgang und die altmodischen Sinnsprüche ihrer verstorbenen Großmutter lassen sie zwar etwas naiv und weltfremd erscheinen, sind aber ein bereichernder Teil ihrer besonderen Fähigkeiten ebenso wie ihr Fleiß, ihre Hilfsbereitschaft und perfekten Umgangsformen.
Mollys außergewöhnliche Beobachtungsgabe, ihre Liebe zur Ordnung und der besonderen Blick für besondere Details machen sie zu einer hervorragenden Ermittlerin, die wieder wesentlich zur Aufklärung des kniffligen Mordfalls beitragen kann.
Die clevere Plotkonstruktion mit den geschickt miteinander verwobenen Handlungssträngen hält einige überraschende Wendungen, falsche Fährten und nette Spannungsmomente für uns bereit und lädt zum Miträtseln ein.
Auch wenn die abwechslungsreiche Handlung in eher gemütlichem Tempo voranschreitet, so gelingt es der Autorin dennoch uns mit den Ermittlungen zum Mordfall zu fesseln und zum Ende hin sogar noch gehörig zu überraschen. Die Auflösung des Falls ist zwar in sich stimmig, konnte mich jedoch vor allem wegen des etwas konstruiert wirkenden Mordmotivs nicht völlig überzeugen.
Mir haben der nette Ausklang dieses unterhaltsamen Cosy Crime und das wohlverdiente Happy End für Molly richtig gut gefallen! Man darf gespannt sein, ob es weitere Abenteuer mit dieser liebenswerten Protagonistin geben wird.
FAZIT
Eine solide Fortsetzung dieser charmanten Cosy Crime-Reihe – amüsant, unterhaltsam und mit der einzigartigen Protagonistin Molly Gray! Eine vergnügliche Lektüre, die dem Auftakt allerdings nicht ganz das Wasser reichen kann!

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Veröffentlicht am 02.10.2024

Bewegende Reise in die Vergangenheit

Seinetwegen
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MEINE MEINUNG
Nach ihrem fesselnden historischen Roman „Die Marschallin“, in dem sich die Schweizer Autorin Zora del Buono dem bewegten Leben ihrer Großmutter väterlicherseits Zora del Buono angenommen ...

MEINE MEINUNG
Nach ihrem fesselnden historischen Roman „Die Marschallin“, in dem sich die Schweizer Autorin Zora del Buono dem bewegten Leben ihrer Großmutter väterlicherseits Zora del Buono angenommen hat, beschäftigt sie sich auch in ihrem neuen autofiktionalen Roman „Seinetwegen“ mit der eigenen, äußerst vielschichtigen Familiengeschichte.
Zora del Buono nimmt uns mit auf eine sehr persönliche und berührende Reise, in der sie den näheren Umständen des frühen tragischen Unfalltods ihres Vaters auf den Grund geht, in die Vergangenheit abtaucht und zugleich die vielfältigen Auswirkungen eines solchen Ereignisses auf die Hinterbliebenen aus verschiedensten Aspekten beleuchtet. Im Alter von nur 8 Monaten wurde sie 1963 durch den folgenschweren Autounfall des Vaters Halbwaise – ein höchst traumatisches Geschehnis, das eine allzeit präsente Leerstelle hinterließ, über die sich die Familie für lange Zeit in ein unergründliches Schweigen hüllte.
In kurzen, anekdotischen und tagebuchähnlichen Einträgen erzählt die Autorin sehr eindrucksvoll von ihrer unerbittlichen Spurensuche nach dem damaligen Unfallverursacher, den sie hasserfüllt als „Töter“ ihres Vaters bezeichnet. Bei der Aufarbeitung des allumfassenden familiären Traumas begibt sie sich nicht nur auf eine emotional aufwühlende Suche nach den näheren Todesumständen, sondern versucht sich auch an einer schrittweisen Annäherung an den fehlenden, unbekannten Vater und seine Persönlichkeit, die sie nicht kennen lernen konnte. Der schmerzhafte Aufarbeitungsprozess setzt ein allmähliches Durchbrechen des Schweigens voraus, bei dem schließlich auch dunkle, sorgsam verborgene Familiengeheimnisse zutage befördert werden. Auch der anfängliche Hass auf den vermeintlich verantwortungslosen Unfallverursacher wandelt sich im Laufe der gewonnenen Erkenntnisse zu Interesse an dem Menschen hinter dem Täter und einem Mitgefühl für dessen Schicksal. Gekonnt lässt sie zwischen die Episoden mit persönlichen Erlebnissen auch sachliche Ausführungen einfließen sowie weiterführende Informationen und Fun Facts beispielsweise rund um das Thema Autounfälle und verdichtet dies zu einem faszinierenden Gesamtbild.
In vielen aneinandergereihten Begebenheiten, die oftmals durch Zeitsprünge unterbrochen sind, zeichnet del Buono ein facettenreiches und aufschlussreiches Porträt ihrer Familie und ihrer Lebenswege. Die Autorin versteht es hervorragend, bedeutsame Themen wie Identität, Erinnerung, Schuld, Verantwortung, Verlust, Trauma- und Trauerbewältigung sowie Vergebung auf sehr persönliche Art zu verarbeiten. Gekonnt gelingt es ihr die Komplexität menschlicher Beziehungen und Emotionen einzufangen und thematisiert darüber hinaus ihre Beziehung zu der an Demenz erkrankten Mutter oder die Ausgrenzung der italienischstämmigen Familie väterlicherseits in der Schweiz.
Diese hochinteressante und facettenreiche literarische Aufarbeitung wird für die Autorin letztlich auch zu einer eindrucksvollen Reise der Selbstfindung und der Möglichkeit, die eigenen Verletzlichkeiten auf heilsame Weise zu verarbeiten. Dieser außergewöhnliche Roman hat mich trotz des recht distanzierten Schreibstils aufgrund del Buonos großen erzählerischen Talents nachhaltig berührt und zum Nachdenken angeregt.

FAZIT
Bewegender, vielschichtiger autofiktionaler Roman, der Trauma, Identität und Vergebung thematisiert! Sehr lesenswert!

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