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Veröffentlicht am 08.10.2024

Spannende Kriminalgeschichte

Die andere Schwester
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Das schwedische Autorenduo Peter Mohlin und Peter Nyström hat mit "Die andere Schwester" den zweiten Teil seiner Karlstad-Serie veröffentlicht. Das Buch schließt sich handlungsmäßig an den ersten Band ...

Das schwedische Autorenduo Peter Mohlin und Peter Nyström hat mit "Die andere Schwester" den zweiten Teil seiner Karlstad-Serie veröffentlicht. Das Buch schließt sich handlungsmäßig an den ersten Band "Der andere Sohn" an, und es ist sicherlich hilfreich, diesen ersten Band zu kennen. Mir fehlte das Basiswissen, da dies mein erster Roman der Serie ist. Die Vorgeschichte wird allerdings in Kurzform erzählt, so dass man sich schnell zurechtfindet.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht John Adderley, ein ehemaliger FBI-Agent, der im Rahmen eines Zeugenschutzprogramms wieder in Schweden, der Heimat seiner Mutter, lebt. Unter dem Namen Fredrik Adamsson ist er als Ermittler für die Polizei in Karlstad tätig. In den USA war es ihm und seinem Freund und Kollegen Trevor gelungen, den Anführer eines nigerianischen Drogennetzwerkes, Ganiru, hinter Gitter zu bringen. Doch auch aus dem Gefängnis heraus wird er von Ganirus Auftragskillern verfolgt, so dass sein altes Leben ihn schnell wieder einholt.

In Karlstad wird in einer Kaffeerösterei die Leiche einer jungen Frau aufgefunden. Stella Bjelke war die nicht von jedem geschätzte Geschäftsführerin des Dating Services Raw, einer erfolgreichen Dating-App. Sehr schnell gerät ihre Schwester Alicia Bjelke, die als IT-Verantwortliche bei Raw tätig ist, unter Verdacht.
Parallel zur Suche nach Stellas Mörder gerät John mehr und mehr unter Druck, da sein eigenes Leben akut bedroht ist. Nach einem schweren Ermittlungsfehler wird ihm Mona Ejdewik von der Landeskriminalpolizei zur Seite gestellt. Die Zusammenarbeit mit ihr stürzt John in neue Konflikte.

Der Krimi ist sehr spannend und in schönem Sprachstil geschrieben, er liest sich sehr flüssig, und es gibt einige unerwartete Wendungen. Allerdings war mir keiner der Protagonisten wirklich sympathisch. Die Ermittlungen fand ich nicht immer glaubwürdig, und das Ende empfinde ich als moralisch sehr zweifelhaft.

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Veröffentlicht am 08.10.2024

Interessantes Buch über die Welt der Diplomatie

Die Diplomatin
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In ihrem neuen Roman "Die Diplomatin" erzählt Lucy Fricke über das Leben der Botschafterin Fred Andermann. Die ehrgeizige Fred - eigentlich Friederike - ist 50 Jahre alt und arbeitet seit 20 Jahren im ...

In ihrem neuen Roman "Die Diplomatin" erzählt Lucy Fricke über das Leben der Botschafterin Fred Andermann. Die ehrgeizige Fred - eigentlich Friederike - ist 50 Jahre alt und arbeitet seit 20 Jahren im diplomatischen Dienst. Ihr letzter Einsatzort war Bagdad, nun befindet sie sich seit einigen Wochen in Montevideo. Der Tag der deutschen Einheit wird auch dort gefeiert, und Fred ist daher mit den Vorbereitungen für das Fest beschäftigt. Die einflussreiche Zeitungsverlegerin Elke Büscher wendet sich an Fred mit einem verzweifelten Hilferuf. Ihre Tochter, die sich in Uruguay aufhält, wird vermisst. Fred ermittelt nicht schnell und gründlich genug.

Nach einem Jahr in Deutschland wird Fred nach Istanbul versetzt. Ein weiteres Jahr ist vergangen, und die Konsulin wird mit einem neuen Fall konfrontiert, der sie vor große Herausforderungen stellt. Meral, eine deutsch-kurdische Kunsthistorikerin, sitzt wegen ihres Engagements für politisch Verfolgte im Gefängnis. Ihr Sohn Baris will sie dort trotz Reisewarnung der deutschen Behörden besuchen. Weil auf seine Mutter eine Gerichtsverhandlung wartet und er als Jugendlicher für Menschenrechte an einer Demonstration teilgenommen hatte, darf er Istanbul nicht mehr verlassen. Auch der Journalist David, den Fred auf einer Veranstaltung kennengelernt hat, befindet sich wegen seiner Tätigkeit in Schwierigkeiten.

Der Roman schildert sehr eindrucksvoll, wie Fred an ihre Grenzen stößt und den Glauben an die Diplomatie verliert. Sie muss erkennen, dass das System so ganz anders ist als wir es kennen. Unschuldige Menschen werden verhaftet, müssen wochenlang unter menschenunwürdigen Bedingungen auf ihre Scheinprozesse warten und werden zu hohen Strafen verurteilt. Trotz ihres hohen Ranges ist es Fred unmöglich, unter dem herrschenden Regime Einfluss zu nehmen, und sie beginnt, nach ihren eigenen Regeln zu handeln.

Das Buch, das aus vielen kurzen Kapiteln besteht, ist in sehr schönem, flüssigem Stil in der Ich-Form geschrieben. Lucy Fricke hat in ihre tiefgründige Geschichte - besonders in der ersten Hälfte - viel Humor einfließen lassen und die Leser auf interessante Art und Weise in die Welt der Diplomaten entführt.

Ich habe mich gut unterhalten gefühlt - daher 4 Sterne!

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Veröffentlicht am 08.10.2024

Emotionale und fesselnde Fortsetzung

Was ich nie gesagt habe
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Der dtv Verlag hat den Roman "Was ich nie gesagt habe - Gretchens Schicksalsfamilie" von Susanne Abel veröffentlicht. Das Buch schließt sich handlungsmäßig an den ersten Band "Stay away from Gretchen" ...

Der dtv Verlag hat den Roman "Was ich nie gesagt habe - Gretchens Schicksalsfamilie" von Susanne Abel veröffentlicht. Das Buch schließt sich handlungsmäßig an den ersten Band "Stay away from Gretchen" an, und es ist sicherlich hilfreich, diesen ersten Band zu kennen. Wem dieses Basiswissen fehlt, dürfte sich aber auch zurechtfinden, da die relevanten Ereignisse des ersten Buches als Erinnerungen in den zweiten Band einfließen.
Bei der Geschichte, die auf zwei sich abwechselnden Zeitebenen erzählt wird, geht es wiederum um das Leben der Familie Monderath.
Neben Gretas Ehemann Konrad, genannt Conny, steht Gretas Sohn Tom im Mittelpunkt des Geschehens.

Connys Geschichte beginnt 1933 in Köln. Als er fünf Jahre alt ist, stirbt sein Vater, und seine Mutter zieht ihn, seinen älteren Bruder Franz und die kleine Schwester Lizzy, die am Down-Syndrom leidet und später ein grausames und trauriges Schicksal erleidet, allein groß. Ein Schwerpunkt der Handlung liegt auf der Zeit des Nationalsozialismus. Conny wächst heran und erleidet kriegsbedingt weitere schwere familiäre Verluste. 1944 gerät er in amerikanische Gefangenschaft und muss auf Baumwollplantagen in Mississippi Schwerstarbeit verrichten. Als er nach zwei Jahren entlassen wird, geht er zurück in die Heimat. Durch Vermittlung eines Onkels, der sich in Kriegsgefangenschaft befindet, eröffnet sich ihm die Möglichkeit eines Medizinstudiums in Heidelberg. Dort verliebt er sich in Greta, sie heiraten, und gemeinsam ziehen sie nach Köln, wo er mit seinem Onkel eine gynäkologische Praxis führt. Doch die junge Ehe ist belastet durch Gretas Vergangenheit und ihre dunklen Geheimnisse sowie ihre daraus resultierenden Depressionen ...

Im Hier und Jetzt - 2016 bis 2018 - steht Gretas Sohn Tom im Vordergrund. Der 47jährige populäre Nachrichtensprecher ist frisch verliebt in seine ehemalige Kollegin Jenny und in ihr 14 Wochen altes Baby Carl. Er genießt sein neues und glückliches Familienleben. Sein Leben gerät allerdings aus den Fugen, als er eine Email über ein Ahnenforschungsinstitut von dem ihm unbekannten Henk aus den Niederlanden erhält, in der dieser ihm mitteilt, dass sie anscheinend denselben Vater haben. Kurze Zeit später treffen sich die beiden, die sich fast wie Zwillinge ähneln. Tom möchte herausfinden, was damals geschehen ist. Warum war seine Mutter nicht immer für ihn da, und warum hat sein Vater nie mit ihm über seine Vergangenheit gesprochen? Seine Mutter Greta, die an Alzheimer leidet, kann ihm seine Fragen nicht beantworten, sein Vater ist schon lange tot. Durch einen Gentest stellt sich heraus, dass es noch weitere Halbgeschwister gibt. Tom geht davon aus, dass sein Vater seiner Greta untreu war und begibt sich auf Spurensuche. Im Keller seines Elternhauses wird er fündig, und er stößt auf eine Wahrheit, die ihn zutiefst erschüttert.

Das Buch ist sehr gut recherchiert und vermittelt dem Leser die Zeit des Nationalsozialismus sowie die Nachkriegsjahre auf eindrucksvolle Weise. Es ist spannend und fesselnd geschrieben. Die Charaktere sind sehr authentisch und lebendig gezeichnet. Der Schreibstil ist flüssig, aber leider sehr schlicht. Etwas genervt hat mich der zu häufig vorkommende Satz: "Sie gab ihm ein Küsschen" bzw. "Er gab ihr ein Küsschen".
Sehr gut hat mir gefallen, wie die Autorin den Zeitgeist in ihren Roman hat einfließen lassen. Da ich Porz gut kenne, hat mich das Lokalkolorit des Buches natürlich begeistert.

Der emotionale Roman hat mir gut gefallen, er hat mich gleichermaßen gefesselt und berührt - 4 Sterne!

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Veröffentlicht am 08.10.2024

Spannender Roman über das Leben einer starken Frau in Indien

Die Hennakünstlerin
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Der Verlag Harper Collins Germany hat mit "Die Hennakünstlerin" den Debütroman der 62jährigen Alka Joshi veröffentlicht. Es handelt sich um den ersten Band der Jaipur-Trilogie. Nachdem ich las, dass die ...

Der Verlag Harper Collins Germany hat mit "Die Hennakünstlerin" den Debütroman der 62jährigen Alka Joshi veröffentlicht. Es handelt sich um den ersten Band der Jaipur-Trilogie. Nachdem ich las, dass die amerikanische Schauspielerin Reese Witherspoon das Buch in ihrem monatlich erscheinenden Lesezirkel sehr gelobt hatte, war ich bereits seit neugierig auf den Roman.

Die faszinierende und fesselnde Geschichte, aus der Perspektive der Ich-Erzählerin Lakshmi Shastri geschrieben, spielt in der Mitte der fünfziger Jahre des letzten Jahrtausends in Indien, kurz nach der Unabhängigkeit von den Briten. Lakshmi, bereits mit 15 Jahren in einer von ihren Eltern arrangierten Ehe gefangen, flieht nach zwei Jahren aus dieser unglücklichen und missbräuchlichen Verbindung. Mittlerweile ist sie 30 Jahre alt und hat sich in der Großstadt Jaipur ein vollkommen neues Leben aufgebaut. Im Laufe der Jahre hat sie sich mit viel Fleiß und Ehrgeiz einen guten Ruf als Hennakünstlerin erworben. Ihre Kundinnen sind die Damen der Oberschicht, die ihr auch ihre gesundheitlichen Probleme anvertrauen. Lakshmi hat bei ihrer Schwiegermutter alles über die Heilkräfte der Kräuter gelernt und wendet auch diese Kunst bei ihren reichen Damen an. Durch ihre regelmäßigen Einkünfte kann sie sich ihren Traum von einem eigenen Haus erfüllen.

Ihr Leben ändert sich, als nach vielen Jahren ihr Ehemann Hari erscheint, zusammen mit ihrer 13jährigen Schwester Radha, von deren Existenz sie bisher nichts wusste. Radha lebt fortan bei Lakshmi. Sie erweist sich als geschickte Helferin und darf Lakshmi zu deren Terminen begleiten. Das nicht ganz einfache Verhältnis der Schwestern wird schwer belastet, als Lakshmi feststellen muss, dass ihre kleine Schwester schwanger ist ......

Sehr gern habe ich mich in die mir bisher vollkommen fremde Welt Indiens entführen lassen. Ich fand es sehr interessant, so viel über die indische Gesellschaft, Kultur, das Kastensystem, Rituale und ganz besonders die Stellung der Frau in der damaligen Zeit zu erfahren und in das Leben der Protagonisten einzutauchen. Sehr beeindruckend fand ich neben der detailreichen Schilderung der Hennakunst auch die Beschreibung der unterschiedlichen Heilkräuter und ihrer Anwendungsgebiete.

Das Buch enthält in Kursivschrift sehr viele indische Begriffe. Auf den letzten 8 Seiten sind diese alphabetisch aufgeführt und erklärt. Dieses Glossar habe ich einerseits als sehr nützlich empfunden, aber auch als zeitaufwändig, da ich häufig nach hinten blättern und suchen musste.

Im letzten Teil des Romans überschlagen sich die Ereignisse, so dass die Geschichte für mich nicht mehr ganz glaubwürdig ist.
Dennoch hat mir das Buch gut gefallen, es hat mich gleichermaßen gefesselt und berührt. Der Schreibstil der Autorin ist leicht und flüssig, und die einzelnen Charaktere sind gut beschrieben. Lediglich die Darstellung des kleinen Malik fand ich unglaubwürdig. Die Sätze, die Malik in den Mund gelegt werden, und wie er agiert - so redet und handelt kein 8jähriges Kind.

Das Ende des Buches lässt auf eine spannende Fortsetzung hoffen - von mir 4 Sterne!

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Veröffentlicht am 08.10.2024

Schöner Debütroman über drei Freundinnen und eine nigerianische Hochzeit

Freundin bleibst du immer
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Der Hanser Verlag hat den Debütroman "Freundin bleibst du immer" der in Brooklyn lebenden Kulturredakteurin Tomi Obaro veröffentlicht.

Der Roman erzählt die Geschichte der drei nigerianischen Freundinnen ...

Der Hanser Verlag hat den Debütroman "Freundin bleibst du immer" der in Brooklyn lebenden Kulturredakteurin Tomi Obaro veröffentlicht.

Der Roman erzählt die Geschichte der drei nigerianischen Freundinnen Funmi, Enitan und Zainab. Sie haben sich in den Achtziger Jahren an der Universität kennengelernt und teilten sich zeitweise ein Zimmer im Studentenwohnheim. Nach dem Studium trennten sich ihre Wege. Nach 30 Jahren treffen sich die Frauen anlässlich der Hochzeit von Funmis Tochter Destiny mit Dele in Lagos wieder.

Das Buch gliedert sich in drei Teile: der erste spielt im Hier und Jetzt. Im Vordergrund stehen Anreise und Vorbereitungen für die mehrere Tage andauernden Hochzeitsfeierlichkeiten. Im zweiten Teil beschreibt die Autorin die gemeinsame Zeit der Protagonistinnen in den achtziger Jahren sowie im Rückblick deren Kindheit und Jugend. Schließlich geht es im letzten Teil wieder um die Gegenwart, hier ganz speziell um die Hochzeit.

Die Freundinnen sind sehr verschieden, sowohl vom familiären wie auch religiösen Hintergrund.
Funmi ist die Schöne, die früh ihre Mutter verlor und nach dem tragischen Ende ihrer Beziehung zu einem Studenten den Geschäftsmann Yinka heiratete, an dessen Seite sie ein Luxusleben führt. Das Verhältnis zu ihrer einzigen Tochter Destiny ist ein schwieriges.
Enitan ist die eher Unscheinbare, jedoch die Intelligenteste von allen, die sich von ihrer strengreligiösen Mutter löst, um mit einem Amerikaner in dessen Heimat ein neues Leben zu führen. Sie ist mittlerweile von ihrem Mann Charles getrennt und reist gemeinsam mit ihrer Tochter Remi zur Hochzeit nach Lagos.
Zainab ist die Patin der Braut. Sie hat Englische Literatur studiert und Ahmed geheiratet, den Protegé ihres wohlhabenden Vaters, und vier Kinder bekommen. Ahmed hat bereits mehrere Schlaganfälle erlitten und ist auf Zainabs Pflege und Unterstützung angewiesen.

Funmi, Enitan und Zainab verbindet keine reine Bilderbuchfreundschaft, es gab auch schwierige Zeiten. Mir hat sehr gut gefallen, wie die Autorin die Höhen und Tiefen ihrer Freundschaft beschreibt und wie authentisch die unterschiedlichen Charaktere der drei Frauen und ihrer Töchter gezeichnet werden.

Der Roman über Freundschaft und Liebe, schmerzliche Verluste, aber auch Enttäuschungen und Generationskonflikte hat mir gut gefallen. Ich habe mich gerne nach Nigeria, ein Land mit vielen Traditionen, entführen lassen. Auch das überraschende Ende fand ich stimmig. Der schöne Schreibstil der Autorin ist flüssig und anspruchsvoll. Das Cover finde ich außergewöhnlich schön und sehr edel mit der goldenen Schrift.

Leseempfehlung von mir und 4 Sterne!

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