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Veröffentlicht am 08.10.2024

Großartige und fesselnde Familiengeschichte

Für diesen Sommer
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Gisa Klönne, von der ich bisher noch kein Buch gelesen habe, erzählt in ihrem neuen Roman die Geschichte der Familie Roth.
Das Buch beginnt damit, dass Franziska für drei Wochen ihren betagten und hilfsbedürftigen ...

Gisa Klönne, von der ich bisher noch kein Buch gelesen habe, erzählt in ihrem neuen Roman die Geschichte der Familie Roth.
Das Buch beginnt damit, dass Franziska für drei Wochen ihren betagten und hilfsbedürftigen Vater Heinrich in dessen Haus betreuen soll. Ihre Schwester Monika ist verreist, und sie soll die geplanten Umbauarbeiten im Haus vorbereiten und überwachen. Vater und Tochter haben sich seit der Beerdigung der Mutter nicht mehr gesehen, und Heinrich reagiert nicht sehr begeistert auf den Besuch seiner Tochter.

In zahlreichen Rückblicken aus Franziskas und Heinrichs Sicht schildert die Autorin das Leben, die Sorgen, Enttäuschungen und Schicksalsschläge der Familie.
Franziska, mittlerweile Anfang 50, wollte schon sehr früh die Welt retten, schloss sich Umweltaktivisten an und verließ nach zahlreichen Diskussionen mit dem Vater gegen den Willen der Eltern bereits mit 17 Jahren das Elternhaus. Sie bezeichnet sich als schwarzes Schaf der Familie, das die Eltern immer nur enttäuscht hat. Sie hat gescheiterte Beziehungen hinter sich, hat Jahre in Ashrams verbracht und ihren Weg immer noch nicht gefunden. Ihre drei Jahre ältere Schwester Monika hat dagegen alles erreicht, was sie sich vorgenommen hatte: Studium, Karriere, Familie, guter Kontakt zu den Eltern.
Heinrich, Sohn einer Tänzerin, heiratete früh die Kriegswaisin Johanne. Nach der Geburt der ersten Tochter erleidet die kleine Familie einen Schicksalsschlag, von dem Johanne sich nie mehr erholte. Inzwischen ist Heinrich alt geworden, verwitwet, und gesundheitliche Einschränkungen machen ihm das Leben schwer.

Gisa Klönne rollt die Ereignisse der Vergangenheit und die Erinnerungen von Franziska und Heinrich ganz behutsam und langsam auf, bisweilen nur in ganz kurzen Abschnitten. Mich hat diese Art des Erzählens von Anfang an begeistert, und ich konnte mich sehr gut in die Charaktere der Personen einfühlen. Der Roman ist in wunderbarem, klugem Sprachstil geschrieben.
Sehr gut hat mir gefallen, wie die Autorin den Zeitgeist in ihren Roman hat einfließen lassen.

Klare Leseempfehlung von mir und 5 Sterne für diesen großartigen Familienroman!

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Veröffentlicht am 08.10.2024

Außergewöhnliche und berührende Lebensgeschichte

Der Erinnerungsfälscher
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Abbas Khider erzählt in seinem neuen, vom Hanser-Verlag veröffentlichten Roman die Geschichte von Said Al-Wahid. Seit fast zwei Jahren ist Said Schriftsteller, er hat an einer literarischen Podiumsdiskussion ...

Abbas Khider erzählt in seinem neuen, vom Hanser-Verlag veröffentlichten Roman die Geschichte von Said Al-Wahid. Seit fast zwei Jahren ist Said Schriftsteller, er hat an einer literarischen Podiumsdiskussion in Mainz teilgenommen und befindet sich auf der Heimreise nach Berlin zu seiner Frau Monica und seinem Sohn Ilias. Während der Zugfahrt bekommt er einen Anruf seines Bruders Hakim aus dem Irak, der ihm mitteilt, dass die Mutter im Krankenhaus liegt und wahrscheinlich nicht mehr lange leben wird. Said macht sich spontan auf den Weg zum Frankfurter Flughafen und nimmt die nächste Maschine nach Bagdad.

Auf seiner Reise in die alte Heimat erinnert sich Said an sein bisheriges Leben.
Als junger Mann floh er vor dem Terrorregime des Irak. Es dauerte Jahre, bis er auf Umwegen endlich in Deutschland ankam. Aber auch dort war es nicht einfach für ihn, der Bürokratismus war eine ständige Herausforderung, die ersehnte Einbürgerung ein mühsamer, sich über Jahre hinziehender Prozess. Seitdem führt er seinen Reisepass, für den er so lange kämpfen musste, ständig mit sich.

Als er mit dem Schreiben beginnt und seine eigene, wahre Geschichte niederschreiben möchte, stellt er fest, dass seine Erinnerungen unvollständig sind. Ein großer Teil ist durch ein Loch im Gedächtnis verloren gegangen, einfach verschwunden. Er muss seine Gedächtnislücken schließen, neu erfinden, bezeichnet sich selbst als einen Erinnerungsfälscher, der die Lücken mit fiktiven Inhalten füllt.

Der in wunderschönem Sprachstil geschriebene Roman über Said hat mich sehr berührt und nachdenklich gemacht. Es ist die Geschichte eines Mannes, der seinen eigenen Erinnerungen nicht traut, aber auch eine unter die Haut gehende Geschichte über die Probleme in der neuen Heimat Deutschland, über Vorurteile, wiederkehrende Demütigungen und Schikanen.

Ich kann diesen großartigen Roman nur empfehlen - von mir wohlverdiente 5 Sterne!

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Veröffentlicht am 08.10.2024

Mit ganz viel Herz und Humor erzählte Geschichte - klare Leseempfehlung

Mongo
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Der neue, sehr lesenswerte Roman von Harald Darer erzählt die Geschichte eines jungen Paares, das sein erstes Kind erwartet. Dieser schöne Umstand wird getrübt durch die Tatsache, dass Katja, die werdende ...

Der neue, sehr lesenswerte Roman von Harald Darer erzählt die Geschichte eines jungen Paares, das sein erstes Kind erwartet. Dieser schöne Umstand wird getrübt durch die Tatsache, dass Katja, die werdende Mutter, Angst hat, dass das Kind mit dem Gendefekt Trisomie 21 geboren werden könnte. Ihre Sorge ist nicht unbegründet, da ihr Bruder Markus mit dem Down-Syndrom auf die Welt gekommen ist. Harry, der Ich-Erzähler, ist überfordert, nicht nur von der Tatsache, bald Vater zu werden, sondern auch von den nachzuvollziehenden Ängsten seiner Partnerin. Gemeinsam suchen sie einen Spezialisten für Pränataldiagnostik auf.

Rückblickend erzählt Harry von Albert, dem Jungen mit Down-Syndrom, der im gleichen Dorf wie er lebte und den er einmal derart schlecht behandelte, dass er später von seinem Vater - das einzige Mal in seinem Leben - gezüchtigt wurde. Er beschreibt, wie er den Bruder seiner Freundin Katja kennenlernte, wie befangen er damals war und wie schwer er sich tat, mit Markus ins Gespräch zu kommen. Im Laufe der Zeit beginnt er, das eine oder andere mit seinem Schwager zu unternehmen, und er schildert auf sehr warmherzige und berührende Weise die lustigen Erlebnisse mit Markus, aber auch die ganz und gar nicht lustigen.
Harry erzählt sehr eindrucksvoll und mit sehr viel Herz und Humor über Markus' Leben mit dem Down-Syndrom, die damit verbundenen Probleme und alltäglichen Herausforderungen, er berichtet aber auch über die liebenswerte und charmante Art seines Schwagers.

Der Autor ist Österreicher, an seinen besonderen Schreibstil habe ich mich sehr schnell gewöhnt. Es gab natürlich einige mir unbekannte Begriffe und Redewendungen, aber dank des Internets waren Unklarheiten immer schnell beseitigt. Der Roman hat mich von Beginn an in seinen Bann gezogen und bis zum Ende gefesselt und begeistert.

Das schöne bunte Cover ist ein Hingucker, der Titel eine bewusste Provokation, die hoffentlich viele dazu veranlasst, nicht nur den Klappentext zu lesen.

Von mir 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 08.10.2024

Anspruchsvoller und aufrüttelnder Roman

Die sieben Schalen des Zorns
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Markus Thiele, Schriftsteller und Rechtsanwalt, hat mit seinem dritten Buch "Die sieben Schalen des Zorns" einen aufrüttelnden und tiefgründigen Roman veröffentlicht, der sich mit dem wichtigen und brisanten ...

Markus Thiele, Schriftsteller und Rechtsanwalt, hat mit seinem dritten Buch "Die sieben Schalen des Zorns" einen aufrüttelnden und tiefgründigen Roman veröffentlicht, der sich mit dem wichtigen und brisanten Thema Sterbehilfe beschäftigt.

Max und Jonas kennen sich seit ihrer Internatszeit und haben nie den Kontakt zueinander verloren. Als junge Studenten gewinnen die Freunde eine Segelregatta. Bei der anschließenden Siegesfeier wird viel Alkohol konsumiert, und auf der Fahrt zur Party einer Freundin kommt es zu einem schweren Verkehrsunfall.

25 Jahre später: Max praktiziert inzwischen als Hausarzt und Internist, Jonas hat Karriere als Staatsanwalt gemacht.
Max' Tante Maria, die ihn nach dem Tod seines Vaters aufgenommen hatte, erkrankt an Alzheimer und nimmt ihrem Neffen das Versprechen ab, ihr Sterbehilfe zu leisten. Als die Zeit dafür gekommen ist, verabreicht Max ihr die tödlichen Medikamente. Wenig später wird er wegen Beihilfe zur Selbsttötung angeklagt. Max fürchtet, seine Approbation zu verlieren. Er bittet Jonas, ihm zu helfen, und stürzt diesen damit in einen gewaltigen Gewissenskonflikt.

Der Autor erzählt rückblickend die Lebensgeschichten der Freunde: auf der einen Seite die schwere Jugend von Max, die tragischen Verluste, die er erleben musste, auf der anderen Seite der Weg von Jonas, der durch die Dominanz des Vaters vorgezeichnet war. Im letzten Drittel des Buches stehen die Ermittlungen sowie der Verlauf des spannenden Prozesses gegen Max im Vordergrund.

Das in schönem und intelligentem Sprachstil geschriebene Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt und zutiefst berührt. Es beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit ein selbstbestimmter Tod möglich ist und ob hierzu Hilfe erlaubt ist. Der Autor erklärt die Unterschiede zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe und bringt dem Leser auf eindrucksvolle Weise die Problematik in der Rechtsprechung nah.

Der kluge Roman gehört für mich bereits jetzt zu meinen diesjährigen Lesehighlights.
Absolute Leseempfehlung von mir und wohlverdiente 5 Sterne!

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Veröffentlicht am 08.10.2024

Gelungener Krimi in englischer Tradition

Der Tote aus Zimmer 12
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Der zweite Kriminalroman von Anthony Horowitz "Der Tote aus Zimmer 12", in dem die ehemalige Lektorin Susan Ryeland ermittelt, knüpft an "Die Morde von Rye Hall" an. Es ist sicher hilfreich, diesen ersten ...

Der zweite Kriminalroman von Anthony Horowitz "Der Tote aus Zimmer 12", in dem die ehemalige Lektorin Susan Ryeland ermittelt, knüpft an "Die Morde von Rye Hall" an. Es ist sicher hilfreich, diesen ersten Band zu kennen. Mir fehlte das Basiswissen, da dies mein erster Roman der Serie ist, dennoch habe ich mich sehr schnell zurechtgefunden.

Susan Ryeland führt mit ihrem Lebensgefährten Andreas auf Kreta ein kleines Hotel. Eines Tages suchen die englischen Eheleute Lawrence und Pauline Treherne Susan auf und berichten ihr, dass in dem von ihnen geführten renommierten Hotel Branlow Hall in Suffolk vor 8 Jahren, am Hochzeitstag ihrer Tochter Cecily, ein Mord passiert ist. Dieser Mord diente dem Schriftsteller Alan Conway als Grundlage für seinen Roman "Atticus unterwegs".
Cecily hatte vor kurzem das Buch gelesen und ihren Eltern telefonisch berichtet, dass das Buch die Lösung des damaligen Mordfalls enthält. Der Roman beweise, dass seinerzeit die falsche Person des Mordes für schuldig befunden wurde. Seitdem ist Cecily spurlos verschwunden. Ihre Eltern sind in großer Sorge und bitten Susan, die das Buch seinerzeit lektoriert hatte, ihnen gegen Zahlung eines Honorars in Höhe von 10.000 Pfund zu helfen. Susan ist klar, dass sie für die Ermittlungen zurück in ihre alte Heimat muss und begibt sich auf die Reise nach England. Dort geht sie einer Vielzahl von Spuren nach und gerät selbst in Gefahr.

Die Geschichte ist in der Ich-Form äußerst spannend geschrieben und außergewöhnlich, da es innerhalb des Buches ein zweites Buch gibt. In diesem dreht es sich um den Mord an einer Schauspielerin, der durch einen deutschen Privatdetektiv aufgeklärt wird. Beide Fälle sind auf interessante Art miteinander verknüpft.

Anthony Horowitz ist es gelungen, einen faszinierenden Krimi englischer Tradition vorzulegen, der mich vom Anfang bis zum Ende gefesselt hat. Der gepflegte, kluge Sprachstil liest sich flüssig und hat mir sehr zugesagt. Wer klassische Kriminalromane ohne viel Blutvergießen schätzt, wird viel Lesefreude an diesem Buch haben.

Ich freue mich bereits jetzt auf den nächsten Band - Leseempfehlung von mir und 5 Sterne!

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