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Veröffentlicht am 30.10.2024

Gegen alle Widerstände

Lindt & Sprüngli (Lindt & Sprüngli Saga 1)
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Ich muss zugeben, dass ich nicht nur ein Coffeeholic, sondern auch ein Schokoholic bin ;) und so ist mir natürlich der Roman von Lisa Graf sofort ins Auge gesprungen. Und weil ich schon den Kaffee angesprochen ...

Ich muss zugeben, dass ich nicht nur ein Coffeeholic, sondern auch ein Schokoholic bin ;) und so ist mir natürlich der Roman von Lisa Graf sofort ins Auge gesprungen. Und weil ich schon den Kaffee angesprochen habe - die Dallmayr Trilogie der Autorin habe ich tatsächlich noch gar nicht gelesen. Auch "Lindt & Sprüngli" soll eine Trilogie werden und ich bin schon mega gespannt darauf!

In "Zwei Familien - eine Leidenschaft" begegnen wir allerdings erst einer der beiden und zwar der Familie Sprüngli. Wir sind im Jahre 1826 in Zürich. David Sprüngli ist Geselle in der Konditorei Vogel in der Marktgasse, die über die Grenzen hinaus für exquisite Torten bekannt ist. Sein erst zehnjähriger Sohn Rudolf interessiert sich ebenfalls für die Konditorenlehre, doch als er beim Apotheker Flückinger den ersten Kakaotaler kostet, möchte er selbst so etwas ähnliches kreieren - nur schmackhafter und nicht so bröselig soll es schmecken. Und trotz seines Alters möchte der noch kleine Rudolf seinen Traum erfüllen.
In der Schweiz gibt es zu dieser Zeit erst zwei Hersteller von Schokolade und diese sind in der französischen Westschweiz beheimatet.

Der ersten Teil der Saga erzählt nur vom Werdegang der Familie Sprüngli. Die Geschichte handelt von den Jahren 1826 bis 1863 und erzählt vom Werdegang von Rudolf. Dabei ist sowohl die berufliche, wie auch die private Entwicklung Thema.
Während Vater David nicht von seinen Traditionen abrücken möchte und Rudolfs Neugier und Unternehmergeist nicht verstehen kann, möchte sein Sohn seinen Traum einmal Schokalde herzustellen unbedingt durchsetzten. Die Kluft zwischen der alten und neuen Generation wird immer größer, denn Rudolf möchte Neues wagen. Nach seiner Gesellenprüfung geht er deshalb auf Wanderschaft in die Westschweiz, um die Schokoladeherstellung bei Chocolatier François-Louis Cailler zu erlernen. Wenige Jahre später erreicht ihm die Nachricht, dass sein Vater die Konditorei Vogel nach dem Tod des Inhabers gekauft und in "David Sprüngli et fils" umgetauft hat. Daraufhin macht er sich auf den Weg zurück nach Zürich in die Konditorei, die nun auch seinen Namen trägt. Seinen Traum Schokolade herzustellen ist er all die Jahre treu geblieben, wie auch seine Liebe zu Katharina, der Tochter des Feuerwächters und Instrumentenbauers Kaspar Ammann.

Inspiriert durch andere Unternehmer zu dieser Zeit, setzt er sich gegen die festgefahrenen Ansichten seines Vaters durch und stellt noch unter einfachen Bedingungen 1845 als Erster in der deutschsprachigen Schweiz eine feste Schokoladetafel her. Im Roman steht ihm seine Ehefrau Katharina stets zur Seite und bringt auch die spätere Idee eine Confiserie mit in die Familie.

Lisa Graf hat einen sehr bildhaften und lebendigen Erzählstil. Die damalige Zeit ist anschaulich dargestellt. Ich habe das erste Mal von einem Feuerturm gehört, wo in alle Himmelrichtungen nach Feuer Ausschau gehalten und im Notfall mit einer Glocke gewarnt wurde. Man erfährt auch von den Lebensumständen der ärmeren Bevölkerung, den schlimmen Arbeitsbedingungen in den Fabriken und den Zünften. Lisa Graf hat hervorragend recherchiert und Fakten mit Fiktion - besonders rund um die weiblichen Familienangehörigen, die im Stammbaum der Familie Sprüngli nicht einmal heutzutage auf der aktuellen Seite von Sprüngli auftauchen! - miteingewoben.
Deshalb freut es mich umso mehr, dass Lisa Graf nicht nur aus der Sicht von Rudolf, sondern auch aus der von Katharina, seiner zukünftigen Frau, erzählt.
Einen Kritikpunkt habe ich aber trotzdem: Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein zehnjäriger Junge Anfang des erst 19. Jahrhunderts Taschengeld hat, um für seine kranke Mutter beim Apotheker den ersten Schokoladentaler zu kaufen, hatten doch die meisten Menschen nicht einmal genug zu essen.

Noch schnell ein Wort zum Buchcover, welches ein echter Hingucker ist. Ich habe mich wohlweislich noch vor dem Lesen des Buches mit Schokolade eingedeckt.

Fazit:
Noch geht es im ersten Band der Trilogie nur um die Familie Sprüngli, aber mir hat der Auftakt trotzdem gut gefallen und ich bin schon gespannt, wie es weitergehen wird. Empfehlung für Freunde von Familiensagen und Schokoladenliebhaber.

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Veröffentlicht am 26.10.2024

Zurück ins Leben

Día de Muertos und die Schönheit des Lebens
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Ist das Cover nicht wunderschön? Meine Tochter weilt gerade in Mexiko und freut sich schon ganz besonders auf dieses Fest, welches dort eine ganz andere Bedeutung hat, als bei uns. Es ist das Fest des ...

Ist das Cover nicht wunderschön? Meine Tochter weilt gerade in Mexiko und freut sich schon ganz besonders auf dieses Fest, welches dort eine ganz andere Bedeutung hat, als bei uns. Es ist das Fest des Lebens und nicht der Trauer.

Nicky lebt mit ihren Eltern und ihrer Schwester Lena in einem Vorort von München. Die Schwestern verstehen sich blendend und sind beste Freundinnen. Auf dem Weg zu Freunden verursacht Nicky einen Autounfall. Nur ein Moment der Unachtsamkeit, bei dem Lena ums Leben kommt. Nicky ist völlig traumatisiert und zieht sich ab diesem Zeitpunkt völlig zurück. Sie beendet jegliche Kontakte, sogar zu ihren Eltern und ihrem Freund Max. Sie ist in ihrer Trauer und den Selbstvorwürfen derart gefangen, dass sie in Depressionen versinkt. Nach zwei Jahren beginnt Nicky langsam wieder ins Leben zurückzufinden und lernt Maria in einem Café kennen. Maria ist vor Jahrzehnten nach Mexciko ausgewandert und urlaubt zurzeit in Deutschland Sie lädt Nicky ein, sie in Mexiko zu besuchen. Nicky erkennt, dass sie ihr Leben und ihren Aufenthaltsort, der sie noch zu viel an ihr altes Leben erinnert, verändern muss und reist zu Maria nach Mexiko. Sie beginnt wieder am Leben teilzunehmen und zu vertrauen.....

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mir etwas anderes erwartet hatte, jedoch von der einfühlsamen Schreibweise und von der Geschichte eingenommen wurde. Man spürt zu Beginn die tiefe Freundschaft der Schwestern und nach Lenas Tod die Verzweiflung und die Selbstvorwürfe, die Nicky begleiten. Ich habe mit ihr mitgefühlt und getrauert. Es ist schön zu lesen, wie Nicky wieder langsam zum Leben erwacht und sich nicht auf ewig für den Tod ihrer Schwester bestraft. Auch die Beziehung zu ihrer Mutter, die sie langsam wieder aufbaut und enger wird, ist sehr realistisch beschrieben. Die Charaktere sind wunderbar ausgearbeitet und wirken direkt aus dem Leben gegriffen. Was mich jedoch etwas gestört hat, war der viele Zigaretten- und Alkoholkonsum.

Das Leben in Mexiko wird sehr bildhaft und ungeschönt beschrieben. Julia Bultman hebt dabei nicht nur die Schönheites des Landes hervor, sondern erzählt ebenso von Drogenbanden, Gewalt und Hunger. Man lernt einige köstliche Spezialitäten kennen und erfährt mehr über Spiritualität und Glauben. Dabei sind wir auch kurz bei einer Feier zum Día de Muertos anwesend.
Hier muss ich sagen, dass ich mir zu diesem Thema mehr Seiten gewünscht hätte. Das hatte ich auch bezugnehmend zu Titel und Cover erhofft. Wir lernen zwar einiges über Mexiko, doch vorallem handelt der Roman von Trauerbewältigung und die verschiedenen Arten mit dem Tod umzugehen. Denn in Mexiko feiert man das Fest des Lebens und nicht der Trauer und so lange man an den/die geliebten Menschen denkt, die vor uns gegangen sind, solange sind sie in unseren Herzen lebendig. Erst wenn niemand mehr an sie denkt, sind sie tot.

Fazit:
Ein sehr tiefgründiger Roman über Trauerbewältigung und den Versuch ins Leben zurückzufinden. Das zusätzliche mexikanische Setting hat mir natürlich gefallen. Die Figuren sind sehr lebendig gezeichnet und haben Tiefe. Auch wenn ich mir eine andere Art Roman vorgestellt hatte, kann ich "Día de Muertos und die Schönheit des Lebens weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 23.10.2024

Regt zum Nachdenken an

Die Abschaffung des Todes
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Die Bücher von Andreas Eschbach landen fast alle auf meiner Wunschliste. Auch "Die Abschaffung des Todes" ist so ein Kandidat, denn Dystopien und Gedankenspiele über das ewige Leben sind mega interessant. ...

Die Bücher von Andreas Eschbach landen fast alle auf meiner Wunschliste. Auch "Die Abschaffung des Todes" ist so ein Kandidat, denn Dystopien und Gedankenspiele über das ewige Leben sind mega interessant. Bei Maxim Leos "Wir werden jung sein" bleibt man ewig jung, bei Andreas Eschbach soll unser Bewusstsein weiterleben, welches uns als Menschen ausmacht.

Als Ich-Erzähler begleiten wir den Journalisten James Henry Windover. Seine Zeitung, The Windover View, ist keine gewöhnliche, sondern hat nur 49 Abonnenten und kostet eine Million im Jahr. Der Stützpunkt befindet sich in Amsterdam. Das Außergewöhnliche daran ist, dass die Berichterstattung objektiv und keinen Meinungsjournalismus enthalten darf. Keine Propaganda, sondern die pure Wahreheit. Ein Team aus Experten weltweit steht so in Diensten der Superreichen, um ihnen die Basis für ihre geschäftlichen Entscheidungen zu liefern und James ist einer der beiden Inhaber.

Mitbegründerin der Zeitung ist Anahit Kevorkian, eine querschnittgelähmte Milliardärin, die in London lebt. Sie bittet James an ihrer Stelle zum Investorentreffen der Firma Youvatar zu erscheinen und herauszufinden, welches sensationelle Projekt die Firma vor hat, zu dem ebenfalls nur die Superreichsten ins Silicon Valley eingeladen wurden. Sie erhofft sich eine neue Erfindung, die sie von ihrer Querschnittlähmung befreit.

Die erste Hälfte des Buches dreht sich hauptsächlich um Gehirnforschung, Nanotechnologie und das Bewusstsein. Es überwiegen wissenschaftliche Erklärungen von Neuronen, Synapsen etc. gepaart mit Hightech. Eschbach erklärt aber alles so verständlich, dass sogar ich als völliger Laie mitkomme und verstehe, was Sache ist. Das Thema selbst ist nicht unbedingt neu, aber wird von Andreas Eschbach intensiv und anders umgesetzt.
Vorallem hält er uns als Gesellschaft einen Spiegel vor und zeigt auf, wie sehr die Medien und die Wirtschaft unser Leben bestimmt. Eschbach macht sich Gedanken über den Tod, dem ewigen Leben oder der Wiedergeburt. Jede Religion hat dazu ihre eigenen Anschauungen. Dem gegenüber steht die Wissenschaft und die Gehirnforschung, die religiösen Gedanken keinen Raum lässt. Man beginnt selbst zu reflektieren und überlegt, ob man ewig leben möchte.
Das war großteils spannend, hatte aber auch ein paar Längen. Eschbach erzählt sehr detailliert aus der Sicht von James Windover und beschreibt sämliche täglichen Abläufe mit großer Detailverliebtheit.

Doch in der zweiten Hälfte des Buches ändert sich der Stil und die Handlung gravierend. Manchmal kam ich mir vor, wie bei einem James Bond Film, denn James Windover kommt den Unternehmern auf die Spur. Ein Thriller-Autor hat sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigt und dürfte in seinem Manuskript, welches von einem der Unternehmer aufgekauft wurde, zu einem Schluss gekommen sein, der dem Projekt im Wege steht. Doch wer ist dieser Schriftsteller und was hat er damals in seinem Manuskript geschrieben, das ihm das Leben kosten könnte?

Es kommt zu Verfolgungsjagden per Bahn, Auto und Flugzeug, die quer durch Europa führen. Dabei sind Windover und der gefundene Autor den Verfolgern immer nur knapp voraus. Hier passt das Wörtchen "Thriller", welches vorne am Cover zu sehen ist. Trotzdem war es für mich nicht wirklich einer, aber ein sehr interessantes Gedankenspiel über die geplante Abschaffung des Todes.

Fazit:
Andreas Eschbach schafft es immer wieder neue Denkansätze zu schaffen und den Leser zum Nachdenken zu bringen. Philosophisch, interessant und unterhaltsam, aber auch teilweise erschreckend.

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Veröffentlicht am 21.10.2024

Nihts für schwache Nerven

Krähentage
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Auf "Krähentage" bin ich nicht nur bei Lovelybooks, sondern auch an anderen Social Media Kanälen nicht vorbei gekommen. Nachdem ich zuerst etwas skeptisch war, habe ich mir den Thriller dann doch von meiner ...

Auf "Krähentage" bin ich nicht nur bei Lovelybooks, sondern auch an anderen Social Media Kanälen nicht vorbei gekommen. Nachdem ich zuerst etwas skeptisch war, habe ich mir den Thriller dann doch von meiner Bücherei geholt.

Es ist der erste Teil einer Reihe rund um Jakob Krogh und Mila Weiss, die zur neuen Einheit "Gruppe 4" gehören, die im Fall von Serientätern ermitteln.
Gleich bei ihrem ersten Fall, der sich mit Überfällen auf Frauen in ihrer eigenen Wohnung beschäftigt, stoßen sie auf einen weiteren Todesfall. Eine alte Frau, die neben dem letzten Überfallsopfer wohnt, wird tot aufgefunden. Sie scheint einige Tage in ihrer Wohnung gelegen zu haben, wurde aber nach dem Todeszeitpunkt von Zeugen gesehen. Wie ist das möglich? Kurze Zeit später findet man einen toten Studenten, der ebenfalls nach seinem Tode an der Uni gesehen wurde. In beiden Fällen waren agressive Krähen am Tatort. Nicht nur diese Tatsache, sondern auch die vermeintlichen Sichtungen der Opfer, stellt die Ermittler vor Rätsel.

Was für eine interessante Thematik! Wie kann es sein, dass bereits getötete Menschen von Zeugen lebendig gesehen werden? Und was hat es mit den Krähen auf sich?

Benjamin Cors legt mit seinem ersten Fall ein wahrlich spannendes und düsteres Thrillerdebüt hin. Die Einblicke in die Morde sind brutal, denn der Autor beschreibt diese sehr bildhaft. Für Leser mit schwachen Nerven ist "Krähentage" daher weniger zu empfehlen, denn vorallem die Übergriffe der Krähen auf die Todesopfer wird sehr plastisch beschrieben.

Als Leser lernen wir den Täter bereits früh kennen. Trotzdem bleibt die Spannung auf sehr hohem Niveau bestehen. Gegenüber den Ermittlern ist man also im Vorteil, auch wenn man nichts über die Hintergründe und die Motive des Täters erfährt. Man tappt lange Zeit im Dunkeln. Einige Überraschungsmomente und Wendungen halten den Leser in Atem. Die Krähen schaffen zusätzlich eine düstere und bedrohliche Atmosphäre.
Einen Aspekt des Falles (die Sichtung der Toten) konnte ich mir nur sehr schwer vorstellen. Benjamin Cors erklärt es zwar richtig gut und theoretisch ist es auf jeden Fall machbar, aber praktisch stelle ich mir das sehr schwer vor. Leider kann ich dazu nicht mehr sagen, sonst würde ich spoilern.

Auch bei den Figuren greift der Autor auf sehr unterschiedliche Charaktere zurück. Vorallem Mila Weiss, die über ihr Privatleben kaum etwas preisgibt und Altballast von ihrem ehemaligen Arbeitsplatz in Wien mitgeschleppt hat, ist ein komischer Kauz und sehr zurückhaltend. Der Rest der neu gegründeten Gruppe 4 bleibt allerdingss sehr blass. Man bekommt über jeden Charakter ein paar Häppchen hingeschmissen, aber das ist viel zu wenig, um sich ein Bild von Jakobs und Milas Kolleg:innen zu machen. Sie bleiben zu sehr an der Oberfläche.

Das Ende war mir etwas zu dick aufgetragen, jedoch fand ich den Spannungsbogen immer sehr hoch und den Schreibstil fesselnd.
Während das Geheimnis um Mila (noch) nicht gelüftet wird, erfahren wir das von Jakob. Richtig stimmig war es für mich allerdings nicht.

Fazit:
Ein spannender und brutaler Thriller, der für die Folgebände noch ein bisschen Luft nach oben hat, was die Ermittlergruppe betrifft. Schreibstil und Spannungsaufbau waren gelungen, Auflösungen manchmal etwas too much. Nicht für Leser mit schwachen Nerven!

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Veröffentlicht am 15.10.2024

Erstmals Frauen bei der Olympiade

Gegen den Wind des Widerstands
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In "Gegen den Wind des Widerstandes" nimmt sich Beate Maly wieder einer starken Frau an, die sich gegen alle Konventionen durchsetzt, als zu dieser Zeit Sport für Frauen verpönt war.

Helen wächst am Genfer ...

In "Gegen den Wind des Widerstandes" nimmt sich Beate Maly wieder einer starken Frau an, die sich gegen alle Konventionen durchsetzt, als zu dieser Zeit Sport für Frauen verpönt war.

Helen wächst am Genfer See auf, wo sie als Heranwachsende Baronin Julie von Rothschild kennenlernt. Diese ist eine exentrische und selbstständige Frau, die sich für die Schifffahrt interessiert. Auch Helen hat das "Segelfieber" gepackt und lernt früh zu segeln. Dabei ist sie ihren beiden Brüdern um Nasenlängen voraus. Als sie bei einer Soirrée Hermann de Pourton kennenlernt, ist er der erste Mann, der ihre Segelleidenschaft teilt und diese auch akzeptiert - im Gegensatz zur Gesellschaft und allen anderen Männern außerhalb ihrer Familie. Die beiden heiraten und Helen geht mit Hermann nach Cannes. Die Stadt ist zu dieser Zeit gegenüber Nizza ein verschlafenes Nest und doch bekommt Helen neben der vielen Neider auch Unterstützung. Sie segelt mit Hermann erstmals auf dem Meer. Dabei bemerkt sie, wie hinderlich ihre Kleider und die vielen Unterröcke sind, die sie als Frau tragen muss. Als sie erstmals dadurch in Lebensgefahr gerät, greift sie zu drastischen Mitteln.....
Als Helen unbedingt bei der Olympiade starten möchte, stellt sich Hermann gegen sie und Helen ist am Boden zerstört.

Beate Maly greift in "Gegen den Wind des Widerstands" auf das Leben der ersten weiblichen olympischen Teilnehmerin und Olympiasiegerin zurück. Neben den historischen Fakten der realen Figur von Hélène de Pourtalès, an die der Roman angelehnt ist, webt sie ihre fiktive Geschichte mit ein, die sich sehr an ihr Vorbild hält.
Helen ist eine willenstarke und ehrgeizige junge Frau, die es jedoch mit großem Widerstand zu tun bekommt, bis sie und ihre Mitstreiterinnen als erste Frauen bei der Olympiade in Paris 1900 teilnehmen dürfen. Schlussendlich sind nur wenige Sportarten zugelassen worden: Golf, Krocket, Tennis und Segeln. Die damalige Olympiade war jedoch eine Randveranstaltung im Rahmen der Weltausstellung und hieß "Internationaler Wettbewerb für Leibesübungen und Sport" und fand kaum Beachtung.

Besonders gut gelingt Maly die Leidenschaft und auch das Können von Helen darzustellen. Dabei ist sie ihrer Zeit weit voraus - nicht nur was den Sport betrifft. Der Widerstand der Gesellschaft rund um die Jahrhundertwende um 1900, die natürlich männlich geprägt ist, lässt einem beim Lesen oftmals die Zornesröte ins Gesicht steigen oder den Kopf schütteln. Die Argumente der Männer lesen sich aus heutiger Sicht einfach nur absurd oder einfach dumm. Die sozialen Normen und die Kämpfe der wenigen Frauen, die sich auflehnen oder einfach ihrer Liebe zum Sport nachgehen wollen, werden in diesem Roman sehr authentisch dargestellt.

Der Schreibstil ist der damaligen Zeit angepasst und lässt sich flüssig lesen. Man erhält auch Einblicke in die Organisation des internationalen Wettbewerbs für Leibesübungen und Sport. Heute kann man darüber schmunzeln und kann kaum glauben, wie unwichtig die Olympiade damals war. Für die Frauen war es aber ein wichtiger Vorstoß endlich an diesem Sportereignis teilnehmen zu dürfen.

Fazit:
Mit diesem Roman über die erste weibliche Olympiasiegerin in Segeln habe ich wieder jede Menge Neues gelernt und erfahren. Beate Maly hat die fiktive Geschichte mit den historischen Begebenheiten großartig verwoben und daraus einen sehr interessanten Roman geschrieben, der mich überzeugt hat.

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