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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.12.2024

Ein Sachbuch für Kochliebhaber

Flavorama
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Arielle Johnsons Flavorama ist ein faszinierendes Werk, das die Welt der Aromen auf wissenschaftliche, aber dennoch zugängliche Weise beleuchtet. Die Autorin, die als Expertin für Fermentation und Geschmackswissenschaften ...

Arielle Johnsons Flavorama ist ein faszinierendes Werk, das die Welt der Aromen auf wissenschaftliche, aber dennoch zugängliche Weise beleuchtet. Die Autorin, die als Expertin für Fermentation und Geschmackswissenschaften gilt, öffnet mit diesem Buch eine Tür in die chemischen, biologischen und kulturellen Aspekte des Geschmacks – ein Thema, das sie mit Begeisterung an uns heranträgt und mit viel Fachwissen bunterfüttert.
Das Buch ist weniger ein klassisches Kochbuch und viel mehr ein Wissenswerk, das sowohl Köche als auch neugierige Genießer anspricht. Johnson gibt detaillierte Einblicke in die Mechanismen, die Geschmack und Geruch bestimmen, und erklärt, wie wir Aromen wahrnehmen und miteinander kombinieren können. Besonders spannend sind ihre Ausführungen zu Fermentation und Molekularbiologie, die neue Perspektiven auf altbekannte Lebensmittel bieten.
Dabei besticht Flavorama durch seine klare Struktur, selbst komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge sind verständlich. Trotzdem richtet sich das Buch eher an Leser, die bereit sind, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Die wenigen enthaltenen Rezeptideen dienen vielmehr als Beispiele für die praktischen Anwendungen der theoretischen Konzepte. Eher ein Buch für diejenigen, die tiefer in die Welt der Aromen eintauchen möchten.
Insgesamt ist Flavorama eine Bereicherung für alle, die sich für die Wissenschaft hinter dem Geschmack interessieren. Es ist ein Buch, das den Horizont erweitert, ohne sich in Fachjargon zu verlieren, und eine wunderbare Ressource für jeden, der das Zusammenspiel von Wissenschaft und Kulinarik besser verstehen möchte.

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Veröffentlicht am 10.12.2024

Dunkel draußen, schlafend drinnen?

Der längste Schlaf
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Melanie Raabes Der längste Schlaf war bei dem ollen Wetter da draußen genau das Richtige! Aus der Ich-Perspektive geschrieben, zieht die Geschichte einen sofort in ihren Bann – eine Mischung aus psychologischem ...

Melanie Raabes Der längste Schlaf war bei dem ollen Wetter da draußen genau das Richtige! Aus der Ich-Perspektive geschrieben, zieht die Geschichte einen sofort in ihren Bann – eine Mischung aus psychologischem Thriller und tiefgründiger Auseinandersetzung mit Verlust, Schuld und dem Unbekannten.
Die Handlung dreht sich um eine junge Frau, die nach dem plötzlichen Tod ihrer Schwester in deren alte Hütte im Wald zieht. Dort stößt sie nicht nur auf die Dämonen ihrer eigenen Vergangenheit, sondern auch auf ein düsteres Geheimnis, das ihre Familie seit Generationen verfolgt. Die winterliche Kulisse und die zunehmende Isolation der Protagonistin verstärken die beklemmende Atmosphäre.
Melanie Raabe ist Meisterin darin psychologische Spannung mit literarischem Anspruch zu verbinden. Die Ich-Perspektive lässt einen unmittelbar an den Gefühlen und Gedanken der Protagonistin teilhaben – ihre Trauer, ihre Zweifel und schließlich ihre unaufhaltsame Suche nach der Wahrheit. Dabei entstehen eine intensive Nähe und ein Mitgefühl, die das Lesen noch fesselnder machen.
Besonders passend finde ich das Thema für die kalte, dunkle Jahreszeit. Die mystische Waldkulisse, die langen Nächte und die unheimliche Stille des Winters schaffen eine Atmosphäre, die einem bis unter die Haut geht.
Fazit: Durchdachte Charaktere, ein packendes Thema und eine beklemmende Stimmung, die perfekt in die grauen Wintertage passt. Für alle, die nach einem intensiven Leseerlebnis suchen, das Spannung und Nachdenklichkeit vereint, ist dieses Buch eine klare Empfehlung.

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Veröffentlicht am 05.11.2024

Zwischen den Kriegen ein britischer Blick aus der High Society

Die Mitford Schwestern
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Marie Benedict ist für ihre guten Frauenportraits bekannt. Es gibt schon einige Romane von ihr über sehr bekannten Frauen und nun kommen gleich mehrere im Paket dazu: Die Mitfordschwestern.
Es sind immerhin ...

Marie Benedict ist für ihre guten Frauenportraits bekannt. Es gibt schon einige Romane von ihr über sehr bekannten Frauen und nun kommen gleich mehrere im Paket dazu: Die Mitfordschwestern.
Es sind immerhin 6 Schwestern, die hier zwischen den Weltkriegen in England hoch aktiv sind. Geboren in die upper class und somit gut ausgebildet, vornehm und auch Meinungs- und Willensstark. Eine lässt sich scheiden, was zur damaligen Zeit ungeheuerlich ist. Noch schlimmer ist aber eine Affären mit einem deutschen Faschisten.
Der Roman lässt uns an dem innerfamiliären Konflikt über sehr unterschiedliche politische Ansichten teilhaben. Diese politische Komponente entzweit und führt zu einer Spaltung.
Diesen Aspekt hat Marie Benedict sehr gut herausgearbeitet. Spannend ist auch die sehr britische Perspektive auf das aufkeimende Nazi-Deutschland.
Gelungen und gut lesbar!

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Veröffentlicht am 08.10.2024

Tierische Alltagsentscheidungen

Die Magie der Gemeinschaft
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Kooperation hat uns Menschen weit gebracht, aber wir stoßen nun auf Grenzen. Eine fundamentale Kernaussage des Sachbuchs „Die Magie der Gemeinschaft“ von Karsten Brensing. Er ist Biologe und Verhaltensforscher ...

Kooperation hat uns Menschen weit gebracht, aber wir stoßen nun auf Grenzen. Eine fundamentale Kernaussage des Sachbuchs „Die Magie der Gemeinschaft“ von Karsten Brensing. Er ist Biologe und Verhaltensforscher und hat sich angeschaut wie unsere menschliche Art der Zusammenarbeit uns so weit vorangebracht hat.
Er macht in seinem Text wahnsinnig interessante Zusammenhänge auf, wenn er beispielsweise erläutert, dass das Trinken von Milch Menschen überlebensfähiger machte, auch wenn das bedeutete, dass Menschen vielleicht 1,000 Bauchschmerzen hatten. Uns Menschen hat geholfen, dass wir in der Lage sind über das Denken zu reflektieren, sprich Metakognition.
Trotz dieser famosen Fähigkeit sind unsere Entscheidungen noch sehr bauchgetrieben. Wir entscheiden wie ein Tier und sind dann noch so schlau uns selbst davon zu überzeugen, dass es die rational richtige Entscheidung ist. Und das der Punkt wo wir uns verändern müssen.
Großartig im Vermehren und die komplexesten Probleme zu bewältigen, aber Lösungen sind schwierig zu kreieren. Auch macht er die Zukunftsperspektive auf in dem er die KI beleuchtet.
Insgesamt ein tolles Sachbuch, dass einen interessanten Ansatz verfolgt, viele Beispiele beschreibt. Leicht zu folgen und gut zu lesen.

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Veröffentlicht am 18.09.2024

Sonntagslektüre über Sonntage

Am See
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Sucht ihr nach einem Roman, der kurz ist, aber trotzdem einnimmt? Dann gerne zu „Am See“ von Maria Barbal greifen. Kurz, schön, gut, auch wenn nicht so viel passiert.
Es geht auf den nicht mal 200 Seiten ...

Sucht ihr nach einem Roman, der kurz ist, aber trotzdem einnimmt? Dann gerne zu „Am See“ von Maria Barbal greifen. Kurz, schön, gut, auch wenn nicht so viel passiert.
Es geht auf den nicht mal 200 Seiten um Nora, ein Mädchen, dass auf ihre sonntäglichen Ausflüge dem Erwachsen werden zum Greifen nahe ist. Sonntags macht sie sich mit dem Cousin ihrer Mutter, dessen Frau und Sohn sowie der Großmutter auf zu einem Seen in den katalanischen Pyrenäen. Mit von der Partie ein weiteres befreundetes Paar, Lídia und ihr Mann. Lídia ist eine Schlüsselfigur, denn die bildhübsche Frau ist nicht nur Nora nahe sondern weckt auch Begehren. Einerseits werden hier Beziehungen und Geflechte aus fast entwachsenen Kinderaugen toll beschrieben und andererseits auch naiv wahrgenommen. Interessant gewählte Perspektive.
Große Klasse sind die äußeren Umstände, der See, die Natur, wenn man die Augen schließt liegt man daneben am See. Die katalanische Autorin beschreibt es wunderbar, aber nicht ausschweifend. Ohnehin gut übersetzt von Heike Nottebaum aus dem Katalanischen, soweit ich das beurteilen mag.
Handlung ist wenig vorhanden, aber diese Stimmung dieser Sonntage wird großartig transportiert. Zum Ende hin wird ein Ereignis beigemengt, dass einen Abschluss und eine Veränderung herbeiführen. Ist aber ohnehin nicht das entscheidende bei diesem schmalen Band. Also, nicht auf die „Pointe“ warten, sondern den See genießen.

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