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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.11.2024

Cosy-Krimi, auch für Nicht-Hundefans (und Nicht CamperInnen)

Mord im Himmelreich
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Das Buch hält, was der Titel verspricht: Die HauptdarstellerInnen sind sehr sympathisch, die Geschichte macht - trotz des Mordfalls - sofort Lust, die wunderbar geschilderte Seen-Gegend zu besuchen. Und ...

Das Buch hält, was der Titel verspricht: Die HauptdarstellerInnen sind sehr sympathisch, die Geschichte macht - trotz des Mordfalls - sofort Lust, die wunderbar geschilderte Seen-Gegend zu besuchen. Und der heimliche Hauptdarsteller, äh, die Hauptdarstellerin - nämlich die Hundedame mit dem entzückenden Namen „Pinguin“ - ist liebenswert. Überhaupt, für die Namen hat Andreas Winkelmann ein gutes Händchen.
Die Geschichte ist vorwiegend lustig und schockiert nicht mit Brutalitäten. Wichtiger als der Kriminalfall scheint mir die Stimmung zu sein. Und von derjenigen auf einem Campingplatz hat der Autor merkbar viel Ahnung. Von mir bekommt das Buch somit eine unbedingte Empfehlung als leichtes, aber keineswegs seichtes Lesevergnügen.
Und weil ja Hobby-Kommissar Björn Kupernikus eine sehr taffe Dame kennen und lieben lernt, die ihn bei der Lösung des Mordfalls kräftig unterstützt, dürfen wir auf eine ebenso unterhaltsame Fortsetzung hoffen.

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Veröffentlicht am 26.10.2025

Rasante Alltagsgaunerei

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Diesen Roman habe ich sehnsüchtig erwartet, da ich alle Bücher von Vea Kaiser genossen habe. Diesmal orientiert sie sich an einer wahren Geschichte, die sie fantasievoll und „frei erfunden“ erzählt.
Hauptfigur ...

Diesen Roman habe ich sehnsüchtig erwartet, da ich alle Bücher von Vea Kaiser genossen habe. Diesmal orientiert sie sich an einer wahren Geschichte, die sie fantasievoll und „frei erfunden“ erzählt.
Hauptfigur ist die junge Angelika Moser, die mit Leidenschaft ihrem Beruf in der Buchhaltung des Grandhotel Frohner nachgeht. In ihrer Freizeit hängt sie mit KollegInnen im U4 ab und ist auch häufig in „Tschocherln“ zu finden. Zu ihrer Mutter, einer Hausmeisterin im Gemeindebau hat sie ein eher schwieriges Verhältnis, den Vater nennt ihr die Mutter nie.
Von einem erfolglosen Musiker wird sie schwanger. Er entpuppt sich als Niete, bleibt ihr aber stets freundschaftlich verbunden. Für ihren Sohn tut Angelika alles. Sie ist nicht nur eine ausgezeichnete Buchhalterin und wird schließlich zur ersten weiblichen Abteilungsleiterin im Hotel, sondern sorgt für ihren Chef auch immer wieder dafür, dass Ausgaben verschleiert werden. Dabei fällt ihr auf, dass falsche Abrechnungen von den Kolleginnen immer durchgewunken werden. Als sie, auch durch Ausgaben für ihr Kind bedingt, selber in Geldnot gerät, nützt sie das im eigenen Interesse - und veruntreut schließlich insgesamt etliche Millionen.
Die „Täterin“ ist einem da schon so sympathisch und ans Herz gewachsen, dass man Mitgefühl für ihr Handeln empfindet.
Nach ihrer Verurteilung muss sie ins Gefängnis. Das kann sie aber überraschend schnell wieder verlassen. Vermutlich hat ihr Sohn dafür gesorgt, dass sie ihre Schulden zurückzahlen konnte. Beide sind am Schluss unauffindbar.
Es ist schwierig, den Roman aus den Händen zu legen. Die Geschichte könnte gern noch weitergehen.

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Veröffentlicht am 12.09.2025

Mit archaischer Wucht und spielerisch leicht erzählt

Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten
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Der Titel ist keine Metapher: Es beginnt mit einem heimlich geschlachteten Schaf. Wie derzeit sehr viele AutorInnen gibt Anna Maschik einen Einblick ins Innere einer Familie. Tüchtige und skurrile Familienmitglieder ...

Der Titel ist keine Metapher: Es beginnt mit einem heimlich geschlachteten Schaf. Wie derzeit sehr viele AutorInnen gibt Anna Maschik einen Einblick ins Innere einer Familie. Tüchtige und skurrile Familienmitglieder kommen uns unter. Die Familiengeschichte beginnt mit der Kriegsgeneration der Groß- und Urgroßeltern, erzählt von Urenkelin Alma. Oft erst aus der Sicht der Nachkommen erklären sich Aktivitäten und Verhalten der Vorfahren. Und wir erkennen auch, wie sich deren Erlebnisse, Zwänge und Lösungen auf die späteren Generationen auswirken. Kann man der Vorbestimmung entkommen? Davon erzählt das Buch in sehr verdichteter und mitreißender Form. Maschik versteht es, manchmal in einem Satz eine ganze Geschichte zu vermitteln. Viele Kapitel sind nicht einmal eine halbe Seite lang. Hier genügt das auch. Ein grandioses Buch!

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Wer schreibt heute noch Briefe?

Die Briefeschreiberin
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Sie, Sybil van Antwerp, und wie!
Die kurze Einleitung gibt ein hilfreiches „Bild“ von der Schreiberin, die sich keinesfalls als Schriftstellerin sehen will. Dieses Bild wird durch ihre Schreiben immer ...


Sie, Sybil van Antwerp, und wie!
Die kurze Einleitung gibt ein hilfreiches „Bild“ von der Schreiberin, die sich keinesfalls als Schriftstellerin sehen will. Dieses Bild wird durch ihre Schreiben immer bunter. Ist sie eine Besserwisserin? Auf jeden Fall ist sie selbstkritisch und nimmt sich viel Zeit für ihre Formulierungen. Sie schreibt, was sie denkt und bringt ihre Lebenserfahrung mit ein.
Die Sprünge zwischen den verschiedenen AdressatInnen sind manchmal verwirrend, das mag gewollt sein. Viele unterschiedliche Menschentypen und Lebensgeschichten werden zunehmend vertraut — macht der Umgang mit dieser Vielfalt erst einen Menschen aus?
Das Lesen erfordert Konzentration und ist gleichzeitig so spannend, dass ich das Buch kaum weglegen mag. Besonders neugierig macht die Identität der lange unbekannten Empfängerin/des Empfängers des nicht abgeschickten Briefs.
Dieses gelungene Debüt schafft Vorfreude auf weitere Werke von Virginia Evans.
Das Personenverzeichnis am Ende ist sehr notwendig — für das raschere Auffinden wäre ein Lesebändchen (und eins als Lesezeichen) hilfreich.

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Veröffentlicht am 19.07.2025

Interessanter Titel

Ja, nein, vielleicht
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Ist die Erzählerin so eine unentschlossene Person? Ja, im Moment der Wiederbegegnung mit dem einst faszinierenden Mann. Nein, sie nimmt sich nach vielen unterschiedlichen Erfahrungen Zeit für ihre Entscheidung; ...

Ist die Erzählerin so eine unentschlossene Person? Ja, im Moment der Wiederbegegnung mit dem einst faszinierenden Mann. Nein, sie nimmt sich nach vielen unterschiedlichen Erfahrungen Zeit für ihre Entscheidung; hat gelernt, auf ihr Gefühl zu achten. Vielleicht ein bisschen unentschlossen, das ist in Liebesdingen ja recht verbreitet.

Eine Frau mit einiger Lebenserfahrung (bei einem Mann hieße es hier wahrscheinlich „in den besten Jahren“) beginnt, auch angeregt durch die Wiederbegegnung (s.o.), ihr Leben, ihr Frausein, ihre Zeit mit den heranwachsenden Kindern, die als Partnerin — ihre Entwicklung also — aus der momentanen Sicht zu betrachten.

Der unangenehme Besuch bei der Zahnärztin gleich zu Beginn, die beunruhigende Situation ihrer Schwester, auch diese Schilderungen gehören dazu. Manchmal wirkt die Geschichte dadurch etwas sprunghaft, dann wieder sehr flüssig erzählt. Doris Knecht hat ein anregendes Buch geschrieben, das zur Auseinandersetzung mit der eigenen Entwicklung anregt.

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