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Veröffentlicht am 13.11.2024

Eine Kombination aus Technik-Fachsimpeln und moralischem Lehrauftrag, untermalt von Klischee-Teenager-Gefühlsachterbahnen

Infernia
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Infernia lag leider während einer längeren Leseflaute bei mir auf Eis, bevor ich mich Anfang Juni endlich wieder kopfüber in Karl Olsbergs Welt aus Teenagergefühlschaos, Online-Gaming und einer gehörigen ...

Infernia lag leider während einer längeren Leseflaute bei mir auf Eis, bevor ich mich Anfang Juni endlich wieder kopfüber in Karl Olsbergs Welt aus Teenagergefühlschaos, Online-Gaming und einer gehörigen Prise Zukunftsmalerei stürzen konnte.

Schon seit ich damals Erebos von Ursula Poznanski gelesen habe, finde ich Bücher wie dieses faszinierend: sie malen ein Bild davon, wie sich die Welten In-Game und IRL (in real life) verbinden; welche Risiken, aber auch welche Potenziale sich damit entdecken lassen. Dabei ist es schwer, die richtige Balance zwischen diesen beiden Ebenen zu finden. Manche Bücher legen den Fokus zu sehr auf die Welt außerhalb des Spiels, sodass der technische Aspekt der Handlung mehr wie ein störender Nebeneffekt wirkt. Andere sind so auf die fantasievollen Beschreibungen des Spiels fokussiert, dass mich überhaupt nicht mehr interessiert, was außerhalb passiert.

Ein gutes Beispiel, wie man es absolut richtig machen kann, ist Richard Schwartz‘ Fluchbrecher, den ich leider immer als Maßstab verwende, seit ich diesen ersten Band der Eisraben-Chroniken-Trilogie gelesen habe. „Leider“ deshalb, weil für mich nur wenige andere Bücher in diesem Genre an dieses herankommen. Auch Infernia schafft das nicht.

Ich teile Infernia rückblickend in drei Abschnitte auf:

Im ersten Drittel spielt das Game mit der namensgebenden Welt Infernia kaum eine Rolle, viel wichtiger sind die Hauptfiguren und ihre Beziehungen zueinander. Mir sind einige Szenen deutlich in Erinnerung geblieben, in denen die fünfzehnjährige Emma die körperlichen Annäherungsversuche (CN: es bleibt bei vereinzelten kurzen Übergriffen) ihres Freundes Ben als bedrohlich empfindet und abblockt, was problematische Verhaltensweisen von Ben zur Folge hat.

Die beschriebenen Situationen sind schlimm, aber ich finde es gut, wie reflektiert (und dabei trotzdem altersgemäß) Emma und die Erzählstimme damit umgehen. Uns Lesenden ist in jedem Moment klar, dass Ben derjenige ist, der sich falsch verhält, obwohl Emma an sich selbst zweifelt. Das Game ist in diesem Abschnitt mehr Mittel zum Zweck, um die Entwicklung der Beziehung zwischen Ben und Emma zu untermauern.

Im zweiten Drittel gibt es nur wenige Szenen, die außerhalb des Games stattfinden. Emma rutscht in Verhaltensmuster ab, die – wie Emmas Mutter treffend kritisiert – an Suchtverhalten erinnern. Es wird erstmals beschrieben, wie die Interaktion vom Spieler zum Spiel aussehen, wie die Welt in-game funktioniert. Emma nimmt uns in Form ihres Spielcharakters mit auf Missionen und Abenteuer, wobei Ben zunehmend ein Feindbild darstellt – besonders, als Emma mehr Zeit mit dem NPC (non-playable character) Jero verbringt.

Ich fand es schade, wie schablonenhaft Emmas Mutter in diesem Abschnitt wirkt. Sie ist die Person, die als Moralapostel dasteht – aus Emmas Perspektive eben die blöde Mutter, die nicht verstehen will was ihre Tochter umtreibt und die nur Verbote verhängt, weil sie nicht will, dass ihr Kind ständig am PC hockt und dabei die Schule vernachlässigt. Das ist das Bild von Eltern, das in deutschsprachigen Produktionen leider so oft dargestellt wird und mich ebenso oft stört.

Damit meine ich nicht nur deutsche Jugendbücher, sondern auch alle Filme und Serien, die dieses Abziehbildchen von „strenge Mutter“ oder „desinteressierter Vater“ beinhalten. Die Figur hat neben „geht zur Arbeit“ und „meckert über das Kind“ bis kurz vor dem Ende keine andere Funktion in der Geschichte, und das nervt mich gewaltig. Es müssen nicht alle das andere Extrem, also Beste-Freundin-Figuren wie in Gilmore Girls sein, aber diese oberflächliche Darstellung finde ich schlicht langweilig, so sehr Emmas Mutter mit ihrer Kritik und ihren Sorgen auch richtig lag.

Das letzte Drittel driftet nach meinem Empfinden völlig unerwartet und aus dem Nichts in eine vollkommen neue Richtung ab. Emma erkennt die Problematik daran, dass das Spiel mit einer KI arbeitet, die nicht einmal ihre Entwicklerinnen so richtig verstehen; daran, dass heimlich die Daten von Spielenden gesammelt und für Zwecke eingesetzt werden, denen man als Spielerin wahrscheinlich nicht zustimmen würde.

Es geht von 0 auf 100 in Richtung Aufdecken einer Verschwörung, Kriminalisierung von Minderjährigen, Social Media Hype und (Cyber-) Mobbing an der Schule, bis wir schließlich in den Gefilden von Science Fiction ankommen. Letzteres wird dann untermalt von so vielen technischen Details, dass ich nicht mehr unterscheiden kann zwischen „das kann die Technik jetzt schon“, „das weiß die Forschung jetzt schon, kann es aber noch nicht umsetzen“ und „das ist reine Spekulation“. Ich hätte mir ein kurzes Nachwort hierzu gewünscht, in dem der fachlich scheinbar sehr gebildete Autor diese drei Aspekte aufschlüsselt.

Ich hätte Infernia wahrscheinlich lieber gemocht, wenn die handelnden Figuren alle so ausgebaut worden wären, wie es bei Emma der Fall war. Bis auf diese eine Figur, die zugegebenermaßen die Hauptfigur ist, haben alle anderen nur ein, zwei Eigenschaften, maximal. Bens Vater interessiert sich nur fürs Geld, Emmas Mutter habe ich ja oben schon beschrieben, Ben ist ein Idiot, der kaum bis zur eigenen Nasenspitze denken kann, wenn er denn überhaupt sein Gehirn zum Denken benutzt, eine neue Bekanntschaft von Emma ist clever und mutig, aber ich habe keine Ahnung, wofür er sich außerhalb des Spiel interessiert, Nora ist Bens neue Freundin und kann deshalb ja nur „eines von diesen Mädchen“ sein – und so weiter.

Ich brauche keinen langen Steckbrief für jede Figur, die irgendwo am Rande mal auftaucht, aber Personen, die irgendwie die Handlung beeinflussen, würde ich in ihren Entscheidungen und Taten schon gern besser verstehen können.

Auch ging mir der Wandel von dem Mädchen, dass ab und zu ein neues Spiel ausprobiert zu dem Mädchen, das haarscharf an einer ausgewachsenen Sucht vorbeischrammt zum Mädchen, das sich publikumswirksam (inkl. Fernsehauftritt) für bzw. gegen etwas einsetzt und schließlich zu dem Mädchen, dass gefühlt einen dritten Weltkrieg verhindert, viel zu schnell.

Ich habe lange kein Buch mehr gelesen, in dem ich den Spannungsbogen, der mir im Deutschunterricht beigebracht wurde, so deutlich habe durchschimmern sehen. Besonders gegen Ende bekam ich den Eindruck, als hätte der Autor sich vor dem Schreiben überlegt, wohin die Reise gehen soll, und dann irgendwie dort ankommen müssen, nachdem der Großteil von Infernia schon geschrieben war. Wo der Einstieg in die Geschichte langatmig war, hat sich das letzte Drittel fast überschlagen mit neuen Informationen und kritischen Entscheidungen, die getroffen werden mussten.

Und nebenbei wurde aus dem normalen Mädchen eine öffentlichkeitswirksame Galionsfigur für ein Thema, das sie in Talk Shows befördert hat. Meine Vermutung, dass Luisa Neubauer da vielleicht als Vorbild diente, ist möglicherweise gar nicht so abwegig …

Fazit


Eine Kombination aus Technik-Fachsimpeln und moralischem Lehrauftrag, untermalt von Gefühlsachterbahnen, die Erwachsene Teenagern gern andichten: So fühlte sich ein Großteil von Infernia beim Lesen an. Die In-Game-Welt wurde leider nie so ausführlich beschrieben, dass ich ein Bild vor Augen gehabt hätte, und das Motiv des Buchcovers, das mich mit seinen erkalteten Lava-Strömen überhaupt erst neugierig auf Infernia gemacht hat, kam nie richtig vor. Ich bekomme von diesem Buch allein den Eindruck, dass der Autor zwar viel von KI versteht, aber nicht wirklich etwas von Gaming, und dass mit Infernia ein paar deutliche moralische Botschaften vermittelt werden sollen, was man meiner Meinung nach etwas dezenter hätte umsetzen können.

Dabei kann ich leider nicht sagen, ob ich mehr Freude an Infernia gehabt hätte, wenn mir nicht Fluchbrecher von Richard Schwartz im Hinterkopf als ständiger Vergleich gedient hätte. Ich vermute allerdings, dass mich auch ohne dieses Positivbeispiel des Genres mindestens die oberflächlichen Figuren und die rasanten Veränderungen von Emmas Charakter gestört hätten.

Veröffentlicht am 13.11.2024

Nicht mein Fall

Room for Love 1. Two in a Room
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Ich bin auf Two in a Room aufmerksam geworden, weil ich von der Autorin Laura Labas bereits einige andere Bücher gelesen habe – allerdings nur Fantasy. Jetzt war ich neugierig, wie eine reine New Adult-Romance ...

Ich bin auf Two in a Room aufmerksam geworden, weil ich von der Autorin Laura Labas bereits einige andere Bücher gelesen habe – allerdings nur Fantasy. Jetzt war ich neugierig, wie eine reine New Adult-Romance von ihr aussehen würde.

Die Geschichte von Two in a Room erinnert anfänglich ein bisschen an eine Cinderella-Version: armes Mädchen, nicht auf den Mund gefallen, stolpert in die scheinbar sorgenfreie Welt des reichen Jungen und zusammen laufen sie zu aufs Happy End. Mir hat aber gut gefallen, dass die beiden Hauptfiguren etwas mehr Tiefgang haben als es sonst in diesem Genre so oft der Fall ist. Ja, sie denken öfter an Sex als an die Monatsmiete, aber beide haben ihr mentales Päckchen zu tragen, was sie menschlicher macht. Beide machen Fehler, gestehen sich diese aber auch ein und arbeiten an ihrer Beziehung, anstatt sie beim ersten Stolperstein aufzugeben. Diese Aspekte haben mir richtig gut gefallen.

Weniger schön fand ich die Erzählweise, die ich von Laura Labas so nicht gewohnt bin. Die Handlung kam eher schleppend voran und ich habe öfter längere Pausen eingelegt, weil ich mit Two in a Room einfach nicht richtig warm wurde. Manche Passagen, das muss ich gestehen, habe ich gegen Ende einfach überblättert. Ich brauchte nicht noch eine heiße Nacht im Hotel oder die drölfte Beschreibung von Miles‘ Sixpack, mich interessierte viel mehr, welchen Weg Shiloh für sich aussuchen und wie sich die neuen zarten Freundschaften entwickeln würden.

Stellenweise hatte ich den Eindruck, dass unbedingt hier und da und dort auch noch eine Sexszene in die Geschichte gequetscht werden musste, „weil das ja zu New Adult einfach dazugehört“. Normalerweise lese ich das auch ganz gern mal. Aber ich glaube, ein bisschen weniger triebgesteuerte Gedanken hätten Two in a Room sehr gut getan.

Apropos „Two in a Room„: Abgesehen von der anfänglichen gemeinsamen Nacht im Hotelzimmer kann ich mir den Titel leider nicht erklären. Er fühlt sich irgendwie falsch an für diese Geschichte, etwas unpassend. Mich hat der Titel eher an eine Situation denken lassen, in der man plötzlich zusammen wohnen muss, so ähnlich wie bei Begin Again von Mona Kasten.

Und auch das Cover finde ich persönlich nicht ansprechend. Ohne den Namen der Autorin hätte ich das Buch wahrscheinlich gar nicht genauer angeschaut, dabei hat die Geschichte selbst ja durchaus Potenzial. Nur der Erzählstil, der mir sonst so gut bei ihren Büchern gefällt, ist mir diesmal leider am negativsten aufgefallen. Dabei kann ich gar nicht so genau sagen, ob sie anders geschrieben hat oder ob ihr normaler Stil einfach nicht zu einem Nicht-Fantasy-Roman passt.

Im Endeffekt mochte ich den Kern der Handlung von Two in a Room und die Botschaft von „du bestimmst selbst über dein Leben, nicht die Idee, die sich deine Eltern in den Kopf gesetzt haben“, aber die Art, wie die Geschichte von Shiloh und Miles erzählt wird, holte mich leider nicht ab.

Veröffentlicht am 11.09.2022

Unterhaltsam, aber zu viele Autor*innen-Comics

Dein Bücherregal verrät dich
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Ein Comic-Buch von einem Bücherwurm für Bücherwürmer, das viele fun facts und auch unangenehme Wahrheiten verspricht? Sign me up!

Wie erwartet habe ich mich in vielen Comics wiedererkannt – zum Beispiel ...

Ein Comic-Buch von einem Bücherwurm für Bücherwürmer, das viele fun facts und auch unangenehme Wahrheiten verspricht? Sign me up!

Wie erwartet habe ich mich in vielen Comics wiedererkannt – zum Beispiel wie nach einem großangelegten Aufräumtag plötzlich wieder viele neue Bücher fast unbemerkt in den Regalen landen oder wie ich beim ersten Besuch in einer anderen Wohnung immer das Bücherregal scanne – und oft schmunzeln oder sogar lachen müssen. Dein Bücherregal verrät dich hat mir einige Wochen lang die Wartezeit im Waschsalon versüßt.

Es gibt allerdings auch viele Strips, mit denen ich nichts anfangen konnte, da sie sich nur an Autor*innen richten und solche Menschen, die schreiben wollen. Daran ist erst einmal nichts verkehrt, auf diese Weise können viele Gruppen an Dein Bücherregal verrät dich Freude finden. Ich habe diese Abschnitte allerdings oft nicht vollständig nachempfinden können und deshalb auch mal ein, zwei Seiten überblättert.

Manche Witze funktionieren leider nur auf Englisch so richtig gut, was in der deutschen Übersetzung merkwürdig klingt. Deshalb ein großes Lob an die Übersetzerin Sophia Lindsey und den Verlag (von wem auch immer die Entscheidung getroffen wurde), die an den Seitenrand entsprechende Hinweise gesetzt hat!

Der einfache, aber ausdrucksstarke Zeichenstil ist sehr nett fürs Auge. Man entdeckt viele Details, manche muss man auch erst länger suchen, und trotzdem wirken die einzelnen Panels nicht überladen. Es ist nicht mein Lieblingsstil, aber die Zeichnungen sind sehr effektiv und passen zum Erzählten.

Einige Bilder und Comics gefielen mir so gut, dass ich sie an Freunde und Familie geschickt habe, um die Freude zu teilen, und als Reaktion habe ich ähnliche Erheiterung zurückbekommen. Allerdings hätten 20 Seiten weniger dem Buch gut getan: es gibt einige Comics, die mir wie “Seitenfüller” vorkommen, die einfach nicht so witzig sind wie der Rest und den Anschein erwecken, dass man die 128 Seiten unbedingt voll bekommen wollte. Wenn ein paar Seiten gestrichen worden wären, gäbe es nicht so viele meh-Comics, die man eher überblättert als Freude daran hat, und das Ergebnis wäre eine zwar etwas knappere, aber bessere Auswahl an Comics.

Ein tolles i-Tüpfelchen ist das Cut-Out-Cover: Durch eine Lücke im Bücherregal des Covers schaut eine Figur der ersten Seite die Lesenden an, bevor das Buch überhaupt aufgeschlagen wurde. Clevere Idee!
Der Originaltitel I Will Judge You by Your Bookshelf gefällt mir übrigens besser als der deutsche Titel Dein Bücherregal verrät dich.

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Veröffentlicht am 22.11.2021

Knallbunter Ziegelstein für die Einführung ins Programmieren

Big Fat Notebook - Alles, was du für Informatik brauchst
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Mein Interesse an Big Fat Notebook: Informatik (so kürze ich den Namen hier ab, da der ganze Titel doch recht lang ist) kommt vor allem aus der Richtung Webentwicklung: Ich wollte lernen, wie ich meinen ...

Mein Interesse an Big Fat Notebook: Informatik (so kürze ich den Namen hier ab, da der ganze Titel doch recht lang ist) kommt vor allem aus der Richtung Webentwicklung: Ich wollte lernen, wie ich meinen Blog mit HTML und CSS noch weiter individualisieren kann. Laut Klappentext ist das auch einer der Schwerpunkte des Buches. Klar, dass in diesem dicken Schinken noch mehr Dinge enthalten sind, aber Webentwicklung scheint ein wichtiger Themenblock zu sein.

[Umfassendes Nachschlagewerk und Übungsbuch in Informatik und Programmieren für Schülerinnen bis hin zu Studierenden. Optimal geeignet zur Vertiefung und Auffrischung oder zum Einstieg ins Programmieren und zur Vorbereitung auf Tests. Die außergewöhnliche Gestaltung mit Scribbles und Cartoons sowie witzige Kommentare sorgen für Auflockerung. Nach jedem Kapitel folgt ein Wissensquiz, Multiple-Choice-Test oder ein Lückentext zur Lernkontrolle.
Erfahre alles über • Computersysteme • Datenanalyse • Bugs • Bits und Bytes • Softwareentwicklung • Malware • Algorithmen • Programmierregeln • Scratch • Python • Webentwicklung, HTML, CSS und vieles mehr.
Mit Definitionen, Lerntipps, Übungsseiten, Lösungen und Doodles.(Klappentext. )]

Inhalte

Nun ja. Die ersten 200 Seiten führen ein in allgemeines Grundwissen über Computertechnik. Und damit meine ich wirklich die Basics, die zum Programmieren eigentlich auch nicht wirklich notwendig sind. Ein paar Beispiele: Was ist ein Computer? Was ist das Informationszeitalter? Informationsbeschaffung – mit Umfragen oder Interviews. Dass der Binärcode erklärt wird oder auch Begriffe wie In- und Output oder Strategien zur Fehlerbehebung vorgestellt werden, das ergibt Sinn. Aber einige Absätze und sogar ganze Kapitel hätte man sich an dieser Stelle meiner Meinung nach sparen können.

Die nächsten beiden großen Blöcke – oder Lektionen – behandeln die Programmiersprachen Scratch und Python. Erst ganz zum Schluss wird Webentwicklung erwähnt. Während Scratch ca. 100 Seiten lang erklärt wird und Python sogar fast 120 Seiten erhält, bleiben für die gesamte Webentwicklung nicht einmal 90 Seiten übrig, was HTML, CSS und “Was ist eigentlich das Internet?” einschließt, inkl. das Erklären von Farbcode-Systemen. Effektiv beziehen sich 72 von 551 Seiten auf die Themen, die mich interessierten.

Bitte versteht mich richtig: Ein Buch, das Alles, was du für Informatik brauchst heißt, kann sich natürlich nicht nur um HTML und CSS kümmern. Trotzdem finde ich die Gewichtung nicht ausgeglichen genug. Auch die historische Entwicklung von Computern und dem Internet ist zwar interessant, aber “braucht” man das tatsächlich zum Programmieren? Darauf liegt ja laut Untertitel und Online-Beschreibungen der Fokus des Buches. Wenn man außerdem “alles” verspricht und eine lange Einleitung in das große Thema schreibt – warum werden dann nur Scratch und Python erwähnt? Was ist mit Java, mit PHP? Ich finde die Auswahl und die Fokussierung einfach nicht schlüssig.

Die Inhalte von Scratch und Python beziehen sich übrigens auch ausschließlich auf das Programmieren von Spielen. Das mag vielleicht eines der Kerninteressen von Jugendlichen sein, die sich mit Informatik beschäftigen, aber alle anderen Verwendungszwecke von bspw. Python werden damit in die zweite Reihe verdrängt – sie gehören scheinbar nicht zu Allem, was du für Informatik brauchst. Schade.

Die einzelnen Lektionen enden mit Übungsseiten, auf denen eine ganze Reihe von Fragen zur Wiederholung der Informationen der Lektion auffordern. Das finde ich gut und für Jugendliche definitiv altersgerecht. Direkt danach folgen aber schon die Lösungsseiten. Ich hätte die Lösungsseiten eher hinten angehängt, beim Glossar/Index. Sonst blättert man ein bisschen weiter, um sich die nächsten Fragen anzuschauen, nur um aus Versehen die Lösungen zu lesen.

Die Lektionen selbst sind sehr gut erklärt, haben gut verständliche Beispiele und besonders bei Scratch sind die Bausteine der Programmiersprache deutlich abgebildet.

Zielgruppengerecht?

Das Big Fat Notebook: Informatik wird vom deutschen Loewe-Verlag ab 12 Jahren empfohlen. Die junge Zielgruppe lässt sich sehr gut an der knallbunten Aufmachung, den vielen Zeichnungen (“Doodles“) und der Schrift, die an eine runde Handschrift erinnert, erkennen. Der Notizbuchcharakter (“Notebook”) wird durch das linierte Papier deutlich. Soweit die Fakten.

Ich bin nun vielleicht etwas älter als die Kernzielgruppe, aber das Big Fat Notebook: Informatik wird auch für Studierende empfohlen, die mit Programmieren anfangen wollen. In die Kategorie passe ich gut hinein – aber das Buch nicht zu mir. Durch die vielen verschiedenen Farben, die unterschiedlichen Schriften, die bunten Kästen (verschiedene Farben für verschiedene Arten von Informationen) und die teilweise lieblos verteilten Zeichnungen wirkt das Buch viel zu überladen und durcheinander. Die Schrift ist anstrengend zu lesen, sodass ich gedanklich immer wieder abgeschweift bin. Aber immerhin steht der Text auf den Linien im Hintergrund, da hat die setzende Person gut aufgepasst.

Ich finde die bunte Aufmachung eine gute Idee, besonders das Farbschema zum Kennzeichnen verschiedener Informationskategorien. Aber es ist einfach zu viel, zu durcheinander. Besonders die kleinen Doodles überall im Text haben mich gestört. Ich war beim Lesen teilweise überfordert von all dem Chaos. Da helfen auch die paar leeren Notizseiten hinten im Buch nicht, um meine Gedanken zu sortieren. Damit ihr einen Eindruck bekommt, wovon ich rede, habe ich euch ein paar Innenseiten fotografiert:

[Fotos auf meinem Blog]

Ich habe mir ein paar Gedanken über das Buch als Gegenstand gemacht. Es ist ziemlich massiv, trotz flexiblem Einband. Massiv heißt in diesem Fall schwer und klobig. Es ist einfach zu dick, um bequem damit arbeiten zu können. Es klappt immer wieder zu, wenn man es nicht durchgehend festhält; mit beiden Händen tippen, während man das Buch offen neben sich liegen hat, geht also nicht. Es ist auch zu schwer, um es längere Zeit zum Lesen festzuhalten. Und dann stelle ich mir vor, wie kleinere Kinder-/Jugendlichen-Hände das versuchen, was für meine erwachsenen Hände schon schwierig war …

Für dieses Problem hätte ich einen Verbesserungsvorschlag: Ich kann mir gut vorstellen, dass man das Big Fat Notebook: Informatik in mehrere dünnere Bücher aufteilen und im Schuber anbieten könnte. Auf diese Weise wird es nicht wirklich in einzelne Bände aufgeteilt, aber man könnte den Teil, den man gerade braucht, viel angenehmer nutzen: die historische, allgemeine Einleitung in das grobe Thema Informatik und Technik, die Lektionen zu Scratch oder Python oder eben Webentwicklung. Für die Handhabung wäre das definitiv besser als dieser Ziegelstein. Eine Ringbuchbindung wäre auch eine Alternative. Damit könnte man die benötigte Seite aufschlagen und gleichzeitig Tippen, ohne, dass das Buch wieder zuklappt. Das wäre in der Produktion wahrscheinlich auch günstiger als ein Schuber mit mehreren dünnen Büchern.

Sonstiges

Ich finde es außerdem merkwürdig, dass der Autor nirgendwo im Buch zu finden ist – weder auf dem Cover, noch dem Buchrücken, noch auf irgendwelchen Innenseiten. Nicht mal im Impressum. Nur online konnte ich den Namen finden, auf Verlags- und Shopseiten. Warum das so ist, weiß ich nicht, aber es ist komisch.

Einen dicken Minuspunkt bekommt das Big Fat Notebook: Informatik für das generische Maskulinum, das konsequent verwendet wird. Es ist die Rede von Programmierern, Erfindern, Wissenschaftlern. Besonders in einem Buch mit einer jugendlichen Zielgruppe, das einen männlich dominierten Fachbereich thematisiert, finde ich es sehr wichtig, auf Gendern zu achten und darauf, nicht-männliche Personen nicht durch Sprache auszuschließen. Sonst helfen auch all die Bemühungen nichts, MINT-Fächer für nicht-männliche Schüler
innen attraktiv zu machen.

Fazit

Das Big Fat Notebook: Informatik beinhaltet viel Grundlagenwissen darüber, wie Computer funktionieren und wie Spiele programmiert werden können. Dabei werden 2 Programmiersprachen besonders intensiv behandelt. Webentwicklung kam dabei für meinen Geschmack zu kurz, zumal das mein Grund war, das Buch zu lesen.

Die Illustrationen und die Aufmachung insgesamt waren ziemlich kindlich, was die Alterseinstufung von 12 Jahren absolut unterstreicht – aber die Empfehlung des Verlags, dass das Buch auch für Studierende geeignet sei, passt dadurch nicht mehr so gut. Ab und zu fand ich die knallbunte Darstellung mit verschiedenen Farben, verschiedenen Schriftarten und die ganzen kleinen Zeichnungen zu überladen und unübersichtlich. Der angestrengte Versuch, die Zielgruppe abzuholen, geht meiner Meinung nach zum Teil nach hinten los.

Insgesamt finde ich das Buch für ältere Kinder und junge Teenager, die sich erstmals mit dem Thema Informatik beschäftigen, gut geeignet – sofern sie mit Scratch oder Python programmieren wollen. Für mich waren die meisten Teile des Buches absolut überflüssig und der Teil, der die für mich interessanten Themen enthielt, vergleichsweise sehr kurz.

Memo an mich selbst: das nächste Mal suche ich ein Buch aus, das spezieller auf mein Thema zugeschnitten ist und kein Standardwerk für Anfänger*innen.

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Veröffentlicht am 15.09.2019

Großartige Idee, die leider enttäuschend umgesetzt wurde

Washington Black
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Als ich sah, dass es zu diesem Buch in der Lesejury eine Leserunde geben würde, habe ich mich sehr gefreut: Ich war überzeugt, dass Stoff wie dieser zahlreiche Diskussionen anregen würde. Ganz daneben ...

Als ich sah, dass es zu diesem Buch in der Lesejury eine Leserunde geben würde, habe ich mich sehr gefreut: Ich war überzeugt, dass Stoff wie dieser zahlreiche Diskussionen anregen würde. Ganz daneben lag ich damit nicht, denn diskutiert wurde viel. Aber die Geschichte selbst verlief anders als erwartet - und das nicht im positiven Sinn.

Der Anfang war klasse, das Szenario bedrückend und meines Erachtens nach sehr realistisch beschrieben, der Sprachstil der Autorin sehr authentisch und gut zu lesen. Sie variiert die Art und Weise, wie sie schreibt, welche Worte sie wählt, bei den verschiedenen Charakteren. Das gefällt mir sehr gut. Dadurch werden sie mehr zu Menschen als zu Figuren. So ist die Sprache mal wissenschaftlich analytisch, vielleicht sogar distanziert, und ein anderes Mal derb, heftig, sehr direkt und brutal. Bei einem Thema wie Sklaverei ist das auch irgendwie angemessen - sie trifft jedenfalls den richtigen Ton. Die Charaktere selbst sind kaum stereotypisch, was mir sehr positiv auffiel. Dafür fehlt ihnen jegliche Raffinesse, nichts an ihnen ist irgendwie interessant. Der Protagonist George Washington Black bietet noch am meisten Grundlage für eine interessante Geschichte, entwickelt sich aber so, dass diese Grundlage nicht ausreichend genutzt wird.

Die Geschichte insgesamt entwickelt sich aber ab etwa dem zweiten Drittel in eine Richtung, die mir nicht gefiel. Die Spannung nimmt konstant ab, hat gegen Ende noch einen kurzen Aufschwung, nur, um dann direkt wieder abzufallen. Ohne zu spoilern kann ich es nicht genauer beschreiben, weshalb ich an dieser Stelle auf Details verzichte. So viel sei aber gesagt: Es gibt Szenen, die einfach nur unrealistisch sind, Absätze, die in drei Zeilen mehrere Wochen zusammenfassen, als sei nichts passiert - und das, obwohl es unfassbar viel Stoff für diese Zeitspanne gab -, Momente, in denen ich nicht die Charaktere, sondern die Autorin schütteln wollte und sie fragen, was sie sich eigentlich dabei denkt. Warum nutzt sie nicht die Chancen auf interessante Wendungen, wenn die sich ihr quasi von selbst präsentieren? Warum überspringt sie Zeitspannen, die sowohl für den Verlauf der Handlung als auch im Hinblick auf historische Korrektheit wichtig wären? Warum streicht sie wichtige Figuren für große Teile der Handlung aus dem Geschehen? Warum wiederholt sie bestimmte Muster, die schon beim zweiten Mal nicht mehr überraschend, geschweige denn interessant wirken? Auf diese Weise birgt die Handlung unfassbar viel ungenutztes Potential, was mich sowohl während der Lektüre als auch jetzt im Nachhinein einfach nur enttäuscht.

Erwartet hatte ich eine Geschichte über die Flucht aus der Sklaverei, eine abenteuerliche, vielleicht vom Steampunk angehauchte Reise um die Welt - etwas in der Art kündigten Klappen- und Werbetexte ja auch an und das Coverdesign unterstützt dies noch. (Letzteres gefällt mir übrigens sehr gut und ich bin froh, dass das Original weitestgehend beibehalten wurde. Nur etwas stärkere Farben hätte ich mir gewünscht, damit es aus der Masse mehr hervorsticht.)
Bekommen habe ich eine Geschichte darüber, wie ein schwarzer Junge, der in Sklaverei geboren ist, erwachsen wird und dabei allerhand halbwegs interessante Leute kennen lernt, viele positive, aber auch einige schlechte Zufälle erlebt, die Liebe zur Wissenschaft und Kunst entdeckt, für eine Zeit vergisst und dann wiederfindet, von manchen Menschen aus seiner Vergangenheit nie ganz los kommt und nie wirklich auf der Flucht ist, geschweige denn die ganze Welt sieht.

Geprägt ist "Washington Black" für mich von Enttäuschungen: Die Erwartungen, die ich vor dem Lesen an das Buch hatte, traten nicht ein. Während des Handlungsverlaufs wurden stetig Erwartungen und Hoffnungen geschürt, die jedes. einzelne. Mal. enttäuscht wurden und das Ende ist für mich eine einzige Enttäuschung an sich.
Ich hatte durchaus ein paar schöne Momente beim Lesen, unterhaltsam ist das Buch schon. Aber hätte ich es nicht im Rahmen der Leserunde gelesen, hätte ich es wahrscheinlich abgebrochen. Es gibt bessere Bücher über diese Themen.

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