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Veröffentlicht am 27.12.2024

Erschütternde Coming-of-Age-Geschichte

Wavewalker
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Die englische Autorin Suzanne Heywood erzählt in ihrem Buch "Wavewalker" die dramatische Geschichte ihrer Kindheit, die sie ab ihrem siebten Lebensjahr auf See verbrachte.

Für die 6-jährige Sue verläuft ...

Die englische Autorin Suzanne Heywood erzählt in ihrem Buch "Wavewalker" die dramatische Geschichte ihrer Kindheit, die sie ab ihrem siebten Lebensjahr auf See verbrachte.

Für die 6-jährige Sue verläuft Mitte der siebziger Jahre das Leben in England in geregelten Bahnen, als ihr Vater Gordon Cook ihr, ihrer Mutter Mary und dem ein Jahr jüngeren Bruder Jon erklärt, dass sie bald auf den Spuren Captain Cooks wandeln und die Welt umsegeln werden. Gemeinsam mit ihnen werden weitere Personen an Bord sein, die sich an den Kosten beteiligen. Das Abenteuer soll drei Jahre dauern, und genau 200 Jahre nach Captain Cook wird es losgehen. Der Vater muss für die Reise all seine Besitztümer verkaufen, dazu gehört auch das Hotel, das die Eltern neben der Verwaltertätigkeit des Vaters führen. Im nächsten Sommer wird es mit dem Segelschiff Wavewalker losgehen, die Eltern, beide Lehrer, werden ihre Kinder an Bord unterrichten.

Sues anfängliche Begeisterung verliert sich schnell, als die Wavewalker in gefährliche Gewässer gerät und sie Todesängste erleidet. Sie leistet von klein auf harte Arbeit an Bord, muss bei Orkanen oft tagelang in Dunkelheit unter Deck bleiben. Die so wichtige schulische Ausbildung bleibt ihr versagt, nur halbherzig und sporadisch wird sie von den Eltern unterrichtet. Gravierende Sturmschäden am Schiff zwingen die Familie immer wieder zu wochen- und monatelangen Aufenthalten an Land. Das Geld geht ihnen aus, nur wenn der Vater einer längeren Berufstätigkeit nachgeht, dürfen die Kinder eine öffentliche Schule besuchen. Aus den geplanten 3 Jahren werden 10 lange Jahre ...

Ich habe die fesselnde und erschütternde Coming-of-Age-Geschichte, die in sachlicher und einfacher Sprache geschrieben ist, sehr gern gelesen. Das Mädchen, das den Traum der Eltern leben musste und sein altes Leben schmerzlich vermisste, hat mir sehr leid getan. Ich konnte nicht verstehen, dass die Eltern nur ihre eigenen Bedürfnisse sahen und dabei die ihrer Kinder weitgehend ignorierten. Sues Entschlossenheit und ihr Wunsch, trotz mangelnder Schulbildung ein Studium zu absolvieren, haben mich sehr beeindruckt.

Sehr gut gefallen haben mir die zweiseitige Zeichnung im vorderen Innencover, die das Innere der Wavewalker zeigt, sowie die Farb- und schwarz weiß Fotos, die sich in der Buchmitte auf sieben Seiten befinden. Die Karten zu Beginn jeden Kapitels mit Angabe der Orte und Zeitabschnitte fand ich sehr hilfreich, um der Route gedanklich folgen zu können.

Leseempfehlung für diese wahre und berührende Geschichte!

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Veröffentlicht am 04.12.2024

Wunderbar erzählte Geschichte

Über allen Bergen
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Im Mittelpunkt von Valentine Gobys neuem Roman "Über allen Bergen" steht der 12-jährige Vadim aus Paris, der seit seiner Geburt an schwerem Asthma leidet. Klebstoffe und Lösungsmittel, die sein Vater in ...

Im Mittelpunkt von Valentine Gobys neuem Roman "Über allen Bergen" steht der 12-jährige Vadim aus Paris, der seit seiner Geburt an schwerem Asthma leidet. Klebstoffe und Lösungsmittel, die sein Vater in seinem Beruf als Schuhmacher verwendet, haben seine Krankheit so verschlimmert, dass seine Mutter entscheidet, ihren Sohn im Januar 1943 in die französischen Alpen zu schicken. Dort wird er endlich frei atmen können und vor den Schikanen, denen die jüdische Bevölkerung im besetzten Paris zunehmend ausgesetzt ist, in Sicherheit sein. Nach einer langen Zugfahrt, auf der Vadim von einer Ordensschwester begleitet wird, gelangt er nach einer anstrengenden Wanderung an sein Ziel. Von nun an wird er fern von seiner jüdisch-russischen Familie unter dem Namen Vincent Dorselles bei einer Bergbauernfamilie leben. 

In poetischer und wunderschöner Sprache schildert die Autorin Vincents Aufenthalt bei der Bauernfamilie, die aus Blanche und ihrem Ehemann Albert, dessen Zwillingsbruder Eloi und dem Großvater Louis besteht. Anfangs noch zurückhaltend und schüchtern, lebt der Junge sich bald in seiner neuen Umgebung ein. Er ist von der Bergwelt, dem Schnee und der wilden, rauen Natur verzaubert, ist fasziniert vom Wechsel der Jahreszeiten. In der 10-jährigen Moinette findet er eine Freundin, die ihm das Leben in den Bergen erklärt. 

Ich habe die ruhig erzählte Geschichte mit viel Freude gelesen und Vincent gern auf seinen Wegen begleitet. Ich mochte den wissbegierigen Jungen, und ich mochte auch seine kleine Gefährtin Moinette sowie die Bauernfamilie, die ihn mit großer Herzlichkeit aufgenommen hat. Die bildhaften Landschaftsbeschreibungen haben mich fasziniert, ebenso die Beschreibung des harten Lebens der Bergbewohner, für die Entbehrungen und Kinderarbeit zum normalen Leben gehören und die in den wenigen Sommermonaten fast rund um die Uhr arbeiten, um für die langen und eisigen Wintermonate genügend Vorräte für Mensch und Tier anzulegen.  

Das Buch, in dem es nicht nur um die Schönheit der Natur, sondern auch um Menschlichkeit und Nächstenliebe geht, hat mir sehr gut gefallen. Es hat mich von Anfang an bis zum stimmigen Ende gefesselt und tief berührt.

Absolute Leseempfehlung für alle, die ruhig erzählte Geschichten mit atmosphärischen Naturbeschreibungen lieben!

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Veröffentlicht am 26.11.2024

Warmherzige und humorvolle Geschichte

Zwei in einem Leben
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In seinem aktuellen Roman "Zwei in einem Leben" erzählt der britische Autor David Nicholls die Geschichte von Marnie und Michael, die sich durch Vermittlung einer gemeinsamen Freundin auf einer Wanderung ...

In seinem aktuellen Roman "Zwei in einem Leben" erzählt der britische Autor David Nicholls die Geschichte von Marnie und Michael, die sich durch Vermittlung einer gemeinsamen Freundin auf einer Wanderung kennenlernen.

Marnie ist 38, seit längerem geschieden und arbeitet als freiberufliche Lektorin und Korrektorin im Homeoffice. Sie liebt ihren Beruf, obwohl ihre Arbeit schlecht bezahlt wird. Marnie fühlt sich einsam, nachdem ihre Freunde nach und nach weniger wurden. Sie heirateten, wurden Eltern oder zogen fort, während Marnie in London blieb. Sie hat keine Langeweile, weiß sich zu beschäftigen, aber die sozialen Kontakte fehlen ihr.
Der 42-jährige Michael ist leidenschaftlicher und engagierter Erdkundelehrer. Nachdem seine Ehefrau Natasha ihn verlassen hat, wohnt er allein im Reihenhaus und macht während seiner Freizeit lange Wandertouren, um sich von seinen Problemen abzulenken und zur Ruhe zu kommen.

Cleo, eine gemeinsame Freundin von Marnie und Michael, lädt die beiden zu einer mehrtägigen Wanderung ein. Widerstrebend nehmen beide die Einladung an. Neben Cleo, Marnie und Michael werden Cleos 13-jähriger Sohn Anthony sowie Conrad, ein befreundeter Apotheker, dabei sein. Die Wanderung kann beginnen, die Hotels für die Übernachtungen sind gebucht, doch starker Regen sorgt dafür, dass Conrad, Cleo und ihr Sohn die Tour bereits am zweiten Tag abbrechen und abreisen. Nur Michael und Marnie, die anfangs dem Wandern sehr skeptisch gegenüberstand, trotzen dem schlechten Wetter und bewältigen ihre Etappen, die Marnie viel abverlangen und sie immer wieder an ihre Grenzen stoßen lassen.

Das Buch ist in schöner Sprache mit viel britischem Humor geschrieben und liest sich sehr flüssig. Es hat mir viel Freude bereitet, Marnie und Michael auf ihrer langen Wanderung zu begleiten. Die beiden erzählen einander von ihrem Leben, ihren Ehen, ihrer Kindheit und ihren Eltern. Michael, der eigentlich lieber allein wandert, findet zunehmend Gefallen an den Unterhaltungen mit Marnie und vertraut ihr sogar ein traumatisches Ereignis an, das ihn immer noch belastet. 

Mir hat die ruhig erzählte Geschichte von Beginn an bis zu ihrem stimmigen Ende sehr gut gefallen. Sie ist klug, warmherzig und melancholisch, dabei vollkommen kitschfrei und ohne Rührseligkeiten. Die authentischen Charaktere sind sehr liebevoll gezeichnet, und wir erhalten einen intensiven Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonisten. Ich mochte Marnie und Michael, die von ihren Träumen und Enttäuschungen erzählen und sich durch tiefgründige Gespräche ganz behutsam einander annähern. 
Die einzelnen Etappen der Wanderung werden durch Karten anschaulich dargestellt, die schönen und poetischen Landschaftsbeschreibungen sind faszinierend und mitreißend. Ich kann mir vorstellen, dass die Beschreibung der Wanderroute von der West- bis zur Ostküste Englands mit ihren zahlreichen Herausforderungen manchen Leser zum Wandern animieren wird. 

Absolute Leseempfehlung für diesen schönen und bewegenden Roman mit Tiefgang!

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Veröffentlicht am 19.11.2024

Spannendes Drachenabenteuer

Retter der Drachen – Sei schnell wie der Wind! (Retter der Drachen 1)
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In "Retter der Drachen - Sei schnell wie der Wind!" erzählt das Autorinnen-Duo Annett Stütze und Britta Vorbach die Geschichte des kleinen Drachen Avindur. Das Buch bildet den Auftakt zu einer neuen Kinderbuchreihe ...

In "Retter der Drachen - Sei schnell wie der Wind!" erzählt das Autorinnen-Duo Annett Stütze und Britta Vorbach die Geschichte des kleinen Drachen Avindur. Das Buch bildet den Auftakt zu einer neuen Kinderbuchreihe des Verlages arsEdition.

Lea ist gerade mit ihren Eltern nach Drachenfels gezogen und radelt zum Bäcker, um Brötchen zu kaufen. Als sie den Heimweg antreten will, tritt ihr aus einem Licht eine Frau entgegen, die so schön wie eine Elfe ist. Sie heißt Francesca Nebula und bittet Lea, ein leuchtendes Drachenei zu hüten. Wenn der Drache geschlüpft ist, soll sie ihm dabei helfen, sich in der Welt zurechtzufinden. Der Kleine kann nicht bei seinen Dracheneltern bleiben, weil ihm im Drachenreich große Gefahr droht. Der böse 13. Drache will die Macht über alle Drachen haben und würde den Kleinen sofort töten. Lea schwört, dem Drachen eine gute Freundin zu sein und nimmt das Drachenei mit nach Hause. Schon am Abend ist es soweit - der kleine Drache Avindur schlüpft aus dem Ei, und Lea muss nun herausfinden, was er frisst und ob er es gern warm hat. Nicht nur für Lea beginnt nun eine abenteuerliche Zeit.

Das Buch mit dem auffallend schönen und liebevoll gestalteten Cover richtet sich an Kinder ab etwa 7 Jahren und ist in altersgerechter Sprache erzählt. Die Schrift ist groß, die Sätze sind kurz, was kleine Leseanfänger dazu animieren wird, die Geschichte selbst zu lesen. Sie eignet sich aber auch hervorragend zum Vorlesen für Vorschulkinder. Die Texte sind ergänzt durch zauberhafte bunte Illustrationen von Stefanie Klaßen.

Es ist sehr spannend, Lea, ihre Freunde Julie und Nick und den munteren Drachen Avindur zu begleiten, der nur von seinen Freunden gesehen werden kann. Das Buch, in dem es nicht nur um lustige und spannende Abenteuer geht, sondern auch um Freundschaft und Hilfsbereitschaft, Mut, Magie und Selbstvertrauen, wird alle kleinen Drachenfans begeistern.

Im Februar 2025 erscheint mit "Retter der Drachen - Erwecke das Feuer!" der zweite Band der abenteuerlichen Reihe um den Drachen Avindur.
Absolute Lese- und Vorleseempfehlung! 

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Veröffentlicht am 16.11.2024

Eine außergewöhnliche Liebe

Die vorletzte Frau
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In ihrem neuen autobiographischen Roman "Die vorletzte Frau" erzählt Katja Oskamp die Geschichte ihrer Liebe zu einem berühmten Schweizer Schriftsteller.

Die Ich-Erzählerin Katja ist 30 Jahre alt und ...

In ihrem neuen autobiographischen Roman "Die vorletzte Frau" erzählt Katja Oskamp die Geschichte ihrer Liebe zu einem berühmten Schweizer Schriftsteller.

Die Ich-Erzählerin Katja ist 30 Jahre alt und nicht mehr glücklich mit ihrem Ehemann, einem holländischen Generalmusikdirektor, mit dem sie eine kleine Tochter, Paula, hat. An einem Leipziger Institut, an dem sie Theaterwissenschaften studiert, begegnet sie in einem Dramatik-Seminar dem 49-jährigen Schweizer Schriftsteller Tosch. Die beiden sind fasziniert voneinander und beginnen eine stürmische Liebesbeziehung voller Leidenschaft. Da sie einen unterschiedlichen Lebensrhythmus haben, treffen sie sich meistens nur an den Wochenenden. Die Beziehung verändert sich und wird zum Ausnahmezustand, als Tosch schwer erkrankt und Katja immer mehr zu seiner Pflegerin wird ....

Mit sehr viel Offenheit und stellenweise auch viel Humor beschreibt die Autorin ihre außergewöhnliche Beziehung zu Tosch, der bereits bei ihrem Kennenlernen ein gefeierter Star in der Literaturszene ist. Er hilft ihr beim Schreiben, korrigiert ihre Entwürfe und überarbeitet ihre Texte. Katja Oskamp gewährt dem Leser Einblicke in ihren Alltag mit Tosch und verschweigt auch nicht die persönlichen Eigenarten ihres stark ich-bezogenen Partners. Die beiden verbringen viele intensive Jahre, am Ende entfernen sie sich - bedingt durch Toschs Krankheit - langsam voneinander. 
 
Die Autorin erzählt viel Persönliches und Intimes aus der gemeisamen Zeit und geht dabei auch sehr detailliert auf Toschs zahlreiche gesundheitliche Probleme ein. Damit überschreitet sie meiner Meinung nach bisweilen die Grenzen des guten Geschmacks. Laut Wikipedia erklärte sich der Schriftsteller, der im Buch "Tosch" heißt, "mit der Publikation dieses Schlüsselromans über ein Paar mit einem Altersunterschied von 19 Jahren ungefragt explizit einverstanden".

Das fesselnde Buch ist in beeindruckender Sprache geschrieben und liest sich sehr flüssig. Die Protagonisten sind hervorragend gezeichnet. Ich habe die Geschichte über eine große und schmerzliche Liebe, Leidenschaft, Alter, Krankheit und Literatur sehr gern gelesen und mit der Autorin mitgefühlt und mitgelitten, als sie immer mehr zur Pflegerin ihres Lebensmenschen wurde und sich dadurch ihre Beziehung zunehmend veränderte und letztlich scheiterte.

Leseempfehlung für diesen großartigen und berührenden Roman! 

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