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Veröffentlicht am 05.12.2024

»Wesentlich ist nur, dass man die Sache liebt, die man tut, und sie ehrlich und anständig zu Ende tut.«

Clarissa
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»Wesentlich ist nur, dass man die Sache liebt, die man tut, und sie ehrlich und anständig zu Ende tut.«

Wie es der Titel bereits verlauten lässt, liegt der Fokus des Romans auf Clarissa, einer Offizierstochter. ...

»Wesentlich ist nur, dass man die Sache liebt, die man tut, und sie ehrlich und anständig zu Ende tut.«

Wie es der Titel bereits verlauten lässt, liegt der Fokus des Romans auf Clarissa, einer Offizierstochter. Als Lesende begleiten wir sie, ausgehend von ihrer Schulzeit, auf ihrem Weg des Erwachsenwerdens in einer schwierigen Zeit.
Sie entwickelt sich zu einer selbstbewussten, selbstständigen und modernen Frau, die dennoch von Zweifeln geplagt wird.
Als junge Frau litt sie unter ihrem Verhältnis zu ihrem Vater, von dem sie sich kaum beachtet fühlte und später unter ihrem eigenen Kind, das aus einer Affäre mit dem Franzosen Léonard, kurz vor dem ersten Weltkrieg, entstammt.
Dabei ist die Handlung von Beginn des 20. Jahrhunderts über die Jahre des Ersten Weltkriegs hinweg angesetzt und nimmt Bezug auf das politische Geschehen sowie die dadurch entstandenen Veränderungen der Gesellschaft.

Während Stefan Zweigs letzten Monate im brasilianischen Exil, bevor er sich, zusammen mit seiner zweiten Ehefrau, am 23. Februar 1942, das Leben nahm, arbeitete er an diesem Romanfragment.
So bleibt dieser erst 1981 entdeckte Roman nur ein Fragment und ist dennoch lesenswert, da Zweig – wenn auch in diesem Fall mit nur wenigen Worten – großartige, bleibende Bilder erschafft.
Sein sonst so schöner Stil war diesmal dementsprechend oftmals abgehackt oder es handelte sich nur um skizzenhafte Bruchstücke, nicht selten ausschließlich um vereinzelte Wörter oder grammatikalisch unkorrekte Sätze, die er in einer späteren Ausarbeitung selbstverständlich noch miteinander verbunden hätte.
Darüberhinaus handelt es sich gemäß seiner Aussage bei dem Fragment ausschließlich um handschriftliche Skizzen zum ersten Teil. Folglich hatte Zweig ein größeres Projekt geplant, doch leider wurde es nicht mehr umgesetzt.
Sicherlich bin ich nicht der Einzige, der „Clarissa“ gerne in einer von Zweig ausgearbeiteten Version gelesen hätte, doch leider wird uns das für immer verwehrt bleiben. Schade!

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Veröffentlicht am 26.11.2024

Ein großartiger Klassiker mit viel Spannung!

Das Geheimnis der See
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»Ein goldner Mond, wenn die Flut steigt an,
Und Lammas-Fluten, zu brechen den Bann;
Mit dem Tod vermählt, ein goldener Mann.«

Als sich Archibald Hunter wie jedes Jahr nach Cruden Bay begibt, um dort ...

»Ein goldner Mond, wenn die Flut steigt an,
Und Lammas-Fluten, zu brechen den Bann;
Mit dem Tod vermählt, ein goldener Mann.«

Als sich Archibald Hunter wie jedes Jahr nach Cruden Bay begibt, um dort seinen Urlaub zu verbringen, weiß er noch nichts von den vielen Überraschungen jedweder Art, die ihm das Leben in der kommenden Zeit bereithält. Alles fängt damit an, dass er auf die mysteriöse Frau Gormala trifft. Sie offenbart ihm, dass nicht nur sie selbst, sondern auch er über das sog. Zweite Gesicht verfügt. Bereits am nächsten Tag ereignet sich ein Unglück, welches Archibald tags zuvor voraus gesehen hat.
Bei einer weiteren, sich androhenden Tragödie schreitet er ein und rettet die zwei Frauen Mrs Jack und Miss Anita. Beide sind ihm äußerst dankbar und zwischen Miss Anita und dem Protagonisten bahnt sich sogleich eine Liebesgeschichte an. Jedoch weiß er nicht, dass sie ein Geheimnis mit sich trägt.
Ein anderes Rätsel – ein 300 Jahre alter Schatz – verbirgt sich dagegen direkt unter ihnen, in einer Höhle. Allerdings sind sie nicht die Einzigen, die danach trachten.

Dieses Buch verbindet Elemente des Schauer-, Abenteuer- und Liebesromans gleichermaßen. Zudem beruht es nicht ausschließlich auf einer Fiktion, sondern reale Ereignisse, besonders der Spanisch-Amerikanische Krieg von 1898 – immerhin wäre Spanien mit dem Schatz in diesem Kriegsgefecht gut geholfen –, lassen sich erkennen.
Aber auch verschiedenste Geheimcodes, welche häufig Erwähnung finden, sind teilweise auf die Binärcodes von Francis Bacons zurückzuführen.
Währenddessen konkurrieren konservative Schilderungen mit modernen Aspekten, bspw. dem Spiel mit Geschlechterrollen oder mit für damalige Zeiten höchst modernen Aktivitäten, wie dem Fahrradfahren.

Ein Roman, der sich flüssig lesen lässt und trotz seiner über hundert Jahre mit gegenwärtiger Spannungsliteratur problemlos mithalten kann. Noch dazu diese wunderschöne Ausgabe!

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Veröffentlicht am 22.11.2024

»Wie konnte dieser stumme Narr da stundenlang auf seinem Platz sitzen und nur lesen und lesen!«

Eine ganz gewöhnliche Fliege und andere heitere Erzählungen
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»Wie konnte dieser stumme Narr da stundenlang auf seinem Platz sitzen und nur lesen und lesen!«

Liebestrunken fährt ein Mann einer ihm relativ unbekannten Frau mehrere Stunden, getrieben von inniger Hoffnung, ...

»Wie konnte dieser stumme Narr da stundenlang auf seinem Platz sitzen und nur lesen und lesen!«

Liebestrunken fährt ein Mann einer ihm relativ unbekannten Frau mehrere Stunden, getrieben von inniger Hoffnung, hinterher, nur um enttäuscht zu werden. Dagegen erzählt die titelgebende Erzählung von einer Figur die eine Beziehung zu einer gewöhnlichen Fliege aufbaut und sich schnell in eine gewisse emotionale Abhängigkeit von ihr begibt.
Doch auch mitten in eine Revolution auf die Straßen Frankreichs führen uns die Erzählungen, gar nach Chicago!
Es sind Geschichten von Menschen mit sehnsuchtsgetriebenen Träumen und Wünschen, die für ihr Glück kämpfen und dennoch, auf sehr menschliche Weise, kläglich scheitern.

Ich wusste ja, dass Hamsuns Bücher sich einer großen Beliebtheit erfreuen, doch war mir nicht bewusst, was für ein großartiger Stilist er ist! Schon nach wenigen Sätzen der allerersten Erzählung „Die Königin von Saba“ wollte ich nicht mehr aufhören und mehr davon lesen!
Stets humorvoll und ironisch erzählen Hamsuns mal sehr kurze, mal etwas längere Erzählungen von menschlichen Schicksalen, der Suche nach Anerkennung und nicht selten von einer hoffnungsvollen, wenn auch unerwiderten Liebe.
Wie Gabriele Haefs im Nachwort treffend erwähnt, ist Hamsun großartig darin, menschliche Schwächen darzulegen und einem lesenden Publikum vorzuführen.
So verschlang ich diesen Erzählungsband innerhalb eines Tages und freue mich nun sehr auf seine Romane, die mir allesamt noch bevorstehen.

Wenn ihr auf toll geschriebene, kurzweilige und humoristisch Erzählungen Lust habt, ist dieses Buch mit ausgewählten Erzählungen von Knut Hamsun eine große Empfehlung, die euch hoffentlich genauso gut gefallen, wie mir.

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Veröffentlicht am 20.11.2024

Ein äußerst wichtiges Buch!

Esthers Spuren
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»Wenn das so weitergeht, wenn die Leute jetzt wieder schweigen, dann haben wir bald die gleiche Situation wie damals.«

41948, das war Esther Bejaranos Nummer. Um die diskriminierende Markierung als belanglose ...

»Wenn das so weitergeht, wenn die Leute jetzt wieder schweigen, dann haben wir bald die gleiche Situation wie damals.«

41948, das war Esther Bejaranos Nummer. Um die diskriminierende Markierung als belanglose Ziffer nicht zu vergessen, wurde sie ihr, zur Steigerung der Demütigung, auf den Arm tätowiert.
Szenen, die wir uns kaum vorstellen können.

Dieses Buch ist keine Biografie mit Anspruch auf Vollständigkeit, vielmehr ein Potrait einer Frau, die es keinesfalls leicht hatte, dem Tod von der Klippe sprang und viel Leid erleben musste, doch dabei auf beachtenswerte Weise nie ihren Mut sowie ihren Glauben an die Menschheit verlor.
Es herrscht keine stringent chronologische Erzählung, hingegen bestimmen Zeitsprünge das Buch. Ebenfalls nimmt Lehmann die Erforschung von Esther Bejaranos Leben zum Anlass, um sich auf eine eigene Spurensuche innerhalb der eigenen Familie zu begeben, schließlich war sein Großvater an Massenmorden während des Zweiten Weltkrieges beteiligt. Wie viel Lehmann an ihrer Geschichte liegt zeigt sich daran, dass er einige Orte bereist hat, die ihr Leben prägten, um ihr möglichst nahe zu sein.
Letztlich ist Benet Lehmanns Werk ein Aufruf, sich mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen, sich den einzelnen Schicksalen zu widmen und darüber zu sprechen.

Das Buch beginnt mit Esthers Kindheit, der immer stärker zunehmenden Diskrimierung als Jüdin bis hin zur sozialen Ächtung und erzählt von ihrer Zeit in Auschwitz.
Umfangreicher beleuchtet ist jedoch die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, ihr Weg nach Palästina und wieder zurück nach Deutschland. Besonders die Frage, warum sie zur Zeitzeugin wurde und die drückende Last des Schweigens über diese Verbrechen brach.
Dabei ergeben sich immer wieder Parallelen zur heutigen Zeit, bspw. über das Thema Flucht, welche Lehmann jeweils eingehend reflektiert.

Zwar verstarb Esther Bejarano im Juli 2021, doch ihre Geschichte sowie ihr mutiges und aktives Engagement werden, u.a. dank dieses Buchs, weiterleben, solange wir dafür sorgen!

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Veröffentlicht am 16.11.2024

»Was du glaubst oder nicht, spielt keine Rolle«

Die Henkerstochter und das Vermächtnis des Henkers (Die Henkerstochter-Saga 10)
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»Was du glaubst oder nicht, spielt keine Rolle«

Während Magdalena, ihr Mann Simon sowie Sohn Peter in Passau weilen, um verwundete Soldaten zu versorgen – immerhin stehen die Türken bereits vor Wien –, ...

»Was du glaubst oder nicht, spielt keine Rolle«

Während Magdalena, ihr Mann Simon sowie Sohn Peter in Passau weilen, um verwundete Soldaten zu versorgen – immerhin stehen die Türken bereits vor Wien –, soll ihr Vater, der ehemalige Henker Jakob Kuisl, in Schongau auf seine Enkelin Sophia aufpassen. Dagegen fehlt von Paul, dem zweiten Sohn der Henkerstochter, seit zwei Jahren jede Spur und die Familie macht sich, besonders aufgrund des Kriegsgeschehens, Sorgen.
Als bei Jakob ein ominöser Brief, von seinem Freund Nepomuk aus der gemeinsamen Zeit als Söldner, eintrifft und er darin gebeten wird ebenfalls nach Passau zu kommen, kann Jakob Kuisl nicht mehr lange stillhalten. Dort angekommen, muss er feststellen, dass neben ihm auch weitere ehemalige Weggefährten herbeigerufen wurden, um dem im Brief erwähnten mysteriösen Schatz auf die Spur zu kommen. Doch der Absender ist bereits tot. Zwischen der Brutalität des Kriegs und vielen unvorhergesehenen Ereignissen, werden die ehemaligen Söldner mit ihrer keinesfalls glänzenden Vergangenheit konfrontiert, zumindest solange sie den Fängen des Mörders entkommen können…
Ein weiteres Abenteuer beginnt!

Dieser Roman ist schon der zehnte Band der Henkerstochter-Serie und mal wieder hat Oliver Pötzsch es geschafft, die Lesenden vollkommen in die Irre zu führen, sie auf falsche Fährten zu locken und ihnen dadurch das Gefühl zu geben, sich mit der vermutenden Einschätzung, wie es ausgehen wird, in Sicherheit wiegen zu können – doch falsch gedacht! Die Bücher von Oliver Pötzsch sind stets so genial und ausgetüftelt konstruiert, dass sie nicht nur spannende Plot-Twist, sondern auch einige unvorhersehbare Überraschungen bereit halten. Daneben ist auch dieser rasante Krimi einfach toll geschrieben und entführt einen regelrecht in andere, düstere Welten der Vergangenheit.
So müssen Krimis sein!

PS: Lest das Nachwort erst, wenn es an der Reihe ist!

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