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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.01.2018

Unverwechselbar

Die Eishexe
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Als in Fjällbacka die vierjährige Linnea Berg verschwindet, erinnert alles an einen dreißig Jahre zurückliegenden Fall. Damals wurde die vierjährige Stella Strand zunächst vermisst, dann tot im Wald aufgefunden. ...

Als in Fjällbacka die vierjährige Linnea Berg verschwindet, erinnert alles an einen dreißig Jahre zurückliegenden Fall. Damals wurde die vierjährige Stella Strand zunächst vermisst, dann tot im Wald aufgefunden. Die zwei dreizehnjährigen Mädchen, die auf Stella an diesem Nachmittag aufgepasst hatten, legten ein Geständnis ab. Ganz Fjällbacka war schockiert über die Grausamkeit der Mädchen. Kurz darauf widerriefen sie ihr Geständnis, doch die Verdächtigungen blieben. Eine der beiden lebt seit Jahren zurückgezogen noch immer im Ort, die andere ist eine erfolgreiche Schauspielerin geworden und kehrt nun, nach dreißig Jahren, für Dreharbeiten nach Fjällbacka zurück.
Die beiden Fälle weisen erstaunliche Parallelen auf, sodass Patrik Hedström und seine Kollegen nicht nur im aktuellen Fall ermitteln, sondern auch den alten Fall erneut ins Visier nehmen. Gut, dass Erica gerade ein Buch über diesen Fall schreiben will und sowieso auf ihre ganz typische Art dazu recherchiert.
Kapitelweise wird noch eine dritte Ebene in die Handlung eingesponnen. Erzählt wird die Geschichte Elins und ihrer Tochter aus dem 17. Jahrhundert zur Zeit der Hexenverfolgung.
Was zunächst scheinbar willkürlich wirkt, fügt sich nach und nach zu einem sinnvollen Ganzen zusammen.

Wie immer in Läckbergs Kriminalromanen gibt es zu Beginn sehr viele Personen und Handlungsstränge, die den Einstieg, vor allem für Neulinge etwas erschweren, da man nur nach und nach weitere Informationen bekommt. Für Kenner der Reihe um Erica Falck und Patrik Hedström dagegen ist es ein Wiedersehen mit alten Bekannten, deren Familien, Sorgen und Problemen. So geht das Leben weiter, die Kinder werden größer, die anstrengende Schwiegermutter Kristina heiratet, Anna erwartet wieder ein Kind, Martin Molin bekommt nach dem Tod seiner Frau eine neue Chance, Bertil Mellberg schießt in seiner unnachahmlichen Art mal wieder den Vogel ab.... Diese eher privaten und menschlichen Seiten der Beteiligten, die viel Raum neben der eigentlichen Krimihandlung einnehmen, sind sicherlich nicht jedermanns Sache. In meinen Augen macht aber gerade dies Läckbergs Romane unverwechselbar und diesen über 700 Seiten starken Band absolut empfehlenswert.

Veröffentlicht am 02.12.2017

Freund oder Feind?

Oxen. Gefrorene Flammen
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Der ehemalige Elitesoldat Niels Oxen lebt am Rande der dänischen Gesellschaft, versteckt in einer Kellerwohnung und ernährt sich von dem, was die Wohlstandsgesellschaft wegwirft.
Seine Einsätze auf dem ...

Der ehemalige Elitesoldat Niels Oxen lebt am Rande der dänischen Gesellschaft, versteckt in einer Kellerwohnung und ernährt sich von dem, was die Wohlstandsgesellschaft wegwirft.
Seine Einsätze auf dem Balkan und in Afghanistan haben ihm hohe Auszeichnungen für sein heldenhaftes Verhalten und seinen Einsatz für Kameraden eingebracht – aber auch schwere Traumata. Der ,,tapferste Kriegsheld der Nation“ hat sich von allen sozialen Kontakten distanziert und aus dem gesellschaftlichen System ausgeklinkt. Niemand weiß, wo und wie er wohnt. Doch seine inneren Dämonen suchen ihn Nacht für Nacht heim, und so zieht er sich mit seinem Hund in ein großes, abgelegenes Waldgebiet zurück, um zur Ruhe zu kommen. Doch seine Neugierde beschert ihm das Gegenteil. Bei einem nächtlichen Besuch in einem Schlosspark hinterlässt er Spuren und wird so zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall. Der Schlossbesitzer Hans-Otto Corfitzen, ehemaliger Botschafter Dänemarks, wurde in seinem Arbeitszimmer ermordet. Außerdem wurde Corfitzens Hund erhängt aufgefunden.
Oxen wird zwar verdächtigt und mehrmals verhört, allerdings wird ihm vom Chef des dänischen Geheimdienstes PET, Axel Mossmann, auch eine Art Undercover-Job angeboten. Oxen soll im Geheimen, mit allen legalen und illegalen Mitteln und natürlich auf eigenes Risiko für Mossmann ermitteln.
Zur Seite steht ihm die Geheimdienstmitarbeiterin Margrethe Franck, die aber ähnlich misstrauisch veranlagt ist wie Niels Oxen. Nur sehr zögerlich arbeiten die beiden zusammen und fassen allmählich Vertrauen zueinander, als sie merken, dass Mossmann vermutlich ein doppeltes Spiel mit ihnen spielt. Wem können sie vertrauen, wer ist Freund und wer ist Feind?
Sehr eindrücklich werden Oxens alptraumhafte Erinnerungen an seine Kriegserlebnisse geschildert, die ihn dazu gebracht haben, alle Brücken hinter sich abzubrechen. Oxen selbst, aber auch Margrethe Franck, sind nicht unbedingt sympathische, aber ungewöhnliche und interessante Figuren. Die Handlung ist sehr verwickelt, aber hochspannend und mitreißend erzählt. Da dies der erste Teil einer Trilogie ist, bleibt das Ende natürlich so offen, dass noch Luft für Band zwei und drei bleibt. Definitiv lesenswert!

Veröffentlicht am 17.10.2017

Extrem

Niemals
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Wer den ersten Band ,,Endgültig“ gelesen hat, weiß, was einen erwartet: Harte Krimikost in jeglicher Hinsicht.
Jenny Aaron ist eine ganz besondere Heldin, denn sie ist blind. Als Mitglied einer Spezialeinheit ...

Wer den ersten Band ,,Endgültig“ gelesen hat, weiß, was einen erwartet: Harte Krimikost in jeglicher Hinsicht.
Jenny Aaron ist eine ganz besondere Heldin, denn sie ist blind. Als Mitglied einer Spezialeinheit des Bundeskriminalamtes nahm sie sechs Jahre lang an höchst riskanten und meist geheimen Einsätzen teil. Ihre überragenden Fähigkeiten in physischer und psychischer Hinsicht waren ausschlaggebend dafür, dass sie als einzige Frau dieser Sondereinheit angehörte. Bei einem Einsatz wurde sie so schwer verletzt, dass sie seitdem blind ist. Doch Jenny Aaron will sich nicht mit ihrem Schicksal abfinden und kämpft darum, auch blind genauso gut zu sein wie früher.
Während die Sondereinheit mit der neuen Chefin Inan Demirci sie nun nach fünf Jahren unbedingt zurückholen will, ist Aaron verunsichert, ob sie sich dieser Herausforderung wirklich stellen kann. Da erfährt sie, dass ihr Feind Ludger Holm, der im ersten Band eine wichtige Rolle spielt, ihr zwei Milliarden hinterlassen hat. Um an das Geld zu kommen, muss sie allerdings nach Marrakesch. Dort erwartet sie der gefährlichste Mann der Welt und Aaron muss sich ihrer Vergangenheit und ihrer größten Angst stellen.
Andreas Pflügers Stil ist äußerst knapp, fast schon telegrammstilartig. Die Szenen wechseln rasant, die Dialoge sind oft radikal verkürzt, sodass man als Leser ständig aufs Neue herausgefordert ist. Jenny Aaron mit ihrem absoluten Willen und ihrer extremen Risikobereitschaft ist nicht unbedingt sympathisch. Dafür wirkt sie zu stark und unnahbar. Nur ganz zu Beginn, als sie an sich zweifelt, und am Ende, als sie endlich loslassen kann, kommt man ihr etwas näher.
Die Handlung wird sehr tempo- und actionreich geschildert, dem Leser sind nur wenige Verschnaufpausen vergönnt. Allerdings verliert man angesichts der zahlreichen Figuren, die teils auch noch ein Doppelleben führen, und angesichts der vielen Verwicklungen gelegentlich etwas den Überblick, was der Spannung aber keineswegs abträglich ist.
Ein hoch spannender Thriller, der dem Leser einiges abverlangt.

Veröffentlicht am 02.09.2017

Das wirkliche Leben

Was man von hier aus sehen kann
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Wie das merkwürdige Tier Okapi, das aussieht, als wäre es aus lauter unterschiedlichen Tieren zusammengesetzt und als würde nichts davon zusammenpassen, so sieht auch manchmal das wirklichen Leben aus. ...

Wie das merkwürdige Tier Okapi, das aussieht, als wäre es aus lauter unterschiedlichen Tieren zusammengesetzt und als würde nichts davon zusammenpassen, so sieht auch manchmal das wirklichen Leben aus. Menschen, die eigentlich nicht zusammengehören, kommen zusammen, es passieren Dinge, die eigentlich nicht geschehen sollten, zumindest nicht in dieser Kombination.
Auf wunderbar leichte Art erzählt Mariana Leky in ihrem Roman ,,Was man von hier aus sehen kann“ vom Leben in einem kleinen Dorf im Westerwald. Hier wächst Luise auf, mit einem Vater, der immer ,,mehr Welt hereinlassen will“ und schließlich auf Reisen in ferne Länder geht, mit einer Mutter, die immer schnell wieder los muss, dem Schulfreund Martin, der einen gewalttätigen Vater hat, und ihrer Großmutter Selma, die verlässlicher Dreh- und Angelpunkt in Luises Welt, aber auch in der ganzen Geschichte ist.
Selma erscheint hin und wieder im Traum ein Okapi, und binnen 24 Stunden stirbt jemand. Das will Selma zwar eigentlich für sich behalten, aber jeder im Dorf bemerkt Selmas Ablenkungssversuche und das ,,Geheimnis“ spricht sich sehr schnell herum. Da niemand weiß, wen der Tod ereilen wird, lassen sich die Dorfbewohner zu Handlungen oder Geständnissen hinreißen, die sie bisher ein Leben lang tunlichst vermieden haben.

Dieser Roman erzählt in drei Teilen von Luise als zehnjährigem Mädchen, als Buchhändlerlehrling in den Zwanzigern und als Frau in den Dreißigern. Im zweiten Teil begegnet sie Frederik, der Liebe ihres Lebens. Doch dieser ist ein buddhistischer Mönch und lebt in einem Kloster in Japan.

Lekys Sprache ist klar und scheinbar einfach, Luises Sicht wirkt gelegentlich etwas kindlich-naiv, um dann in einer plötzlichen Spitze oder verblüffenden Wendung den Leser zu überraschen. Ein äußerst lesenswertes und hinreißendes Buch, das einen zum Weinen und zum Lachen bringen kann, so wie das wirkliche Leben.

Veröffentlicht am 05.08.2017

Getriebene

Die Fährte des Wolfes
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Getrieben und gejagt sind in diesem Roman nicht nur die Opfer, asiatische Frauen, die zur Prostitution gezwungen werden, oder die Täter, die von ihrem Hass und ihren Trieben gesteuert werden. Auch der ...



Getrieben und gejagt sind in diesem Roman nicht nur die Opfer, asiatische Frauen, die zur Prostitution gezwungen werden, oder die Täter, die von ihrem Hass und ihren Trieben gesteuert werden. Auch der junge Kommissar Zack Herry ist getrieben – von seiner Drogensucht, von der Vergangenheit und von den Erinnerungen, die ihn immer wieder einholen. Wie so manch andere skandinavische Ermittler ist auch Zack Herry eine sehr widersprüchliche und facettenreiche Figur. Jung, attraktiv, brillant als Polizist, aber auch aggressiv und unberechenbar, exzessiv und unkontrolliert. Sein bester und wohl auch sein einziger Freund ist Abdula, ein Drogendealer. Zack steht eigentlich ständig mit einem Bein über dem Abgrund. Damit wirkt er nicht unbedingt sympathisch, auf jeden Fall aber interessant.

Als in einer Stockholmer Wohnung vier thailändische Masseurinnen auf brutalste Weise hingerichtet werden, tappen Zack Herry und seine Kollegen zunächst im Dunkeln. Geht es um Rassismus und Frauenhass, oder gibt es eventuell einen Bandenkrieg im Frauenhandelmilieu? Als eine Zeugin schwer verletzt und noch weitere Frauen getötet werden, wird deutlich, dass der Täter äußerst brutal, grausam und menschenverachtend vorgeht.
Unterstützt wird Zack Herry von seiner Kollegin Deniz, einer Kurdin, die als Zwölfjährige mit ihrem kleinen Bruder aus ihrer Heimat geflohen ist. Sie wurde Polizistin, um gegen das Böse und für Gerechtigkeit zu kämpfen. Interessant ist auch der blinde Kollege Rudolf Gräns, ein Verhörspezialist, da er häufig mehr wahrnimmt als seine sehenden Kollegen. Nach einem Dienstunfall ist die Kollegin Sirpa nur noch innendiensttauglich, dafür aber umso ausgefuchster, was PC-Fragen legaler und illegaler Art angeht. Eine etwas undurchsichtige Figur ist Douglas Juste, der glattgebügelte Chef der Truppe. In einzelnen Kapiteln wird das Geschehen aus der Perspektive dieser Figuren geschildert, was zwar nicht unbedingt die Handlung vorantreibt, aber die Menschen hinter den Polizisten erkennbar werden lässt und so das Besondere und Unverwechselbare dieses Krimis ausmacht.
Zack selbst mit seinen inneren und äußeren Konflikten jedoch ist der unbestrittene Held oder eher Antiheld dieses spannenden und temporeichen Krimis. Für mich ein absolut gelungener Auftakt einer neuen Reihe!