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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.01.2025

Ein wichtiges Buch

Beklaute Frauen
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Was ist der "Matilda Effekt" und warum hat Rosalind Franklin keinen Nobelpreis? Wieso wissen wir so wenig über Frauen im bewaffneten Widerstand und was hat das mit patriachalen Strukturen zu tun? Wieso ...

Was ist der "Matilda Effekt" und warum hat Rosalind Franklin keinen Nobelpreis? Wieso wissen wir so wenig über Frauen im bewaffneten Widerstand und was hat das mit patriachalen Strukturen zu tun? Wieso beging die erste Frau mit Doktortitel in Chemie, Clara Immerwahr aus Protest gegen die Rolle ihres Mannes in der Entwicklung von Giftgas Suizid? Was hat all das mit unserem Leben heute zu tun und vor allem... wieso kennen wir all diese Frauen nicht?

Wieso stehen sie nicht in den Geschichtsbüchern, wieso lernen wir nichts in der Schule über sie und wäre es nicht an der Zeit endlich die Diversität der Welt zu sehen und anzuerkennen?

Würden wir nicht alle von neuen "Role models" profitieren mit denen wir uns identifizieren können anstatt durch "othering" also das gezielte darstellen von andersartigkeiten als Problem immer wieder Ungleichheiten und Unterdrückungsmechanismen zu reproduzieren und zu stärken?

Diesen Fragen und noch vielen anderen mehr widmet sich die Historikern, Journalistin und Moderatorin Leonie Schöler in diesem interessanten und großartig recherchierten Buch. Es war wirklich ungemein informativ allerdings musste ich während dem Lesen immer wieder mal kurze Pausen einlegen.

Dies war aber auf keinen Fall dem sehr flüssigen Schreibstil Schölers geschuldet sondern meiner beim Lesen immer wieder aufkommenden Wut und Frustration angesichts der strukturellen Ungerechtigkeiten die die Autorin in ihrem Buch aufzeigt und auch dem Drang bestimmte Persönlichkeiten die im Buch vorkommen in Suchmaschinen einzugeben um herauszufinden was das Internet so über sie ausspuckt.

Man fragt sich wieso nicht längst alle Geschichtsbücher komplett überarbeitet wurden und bekommt gleichzeitig die Antwort die man befürchtet und mit der man gleichzeitig rechnet... strukturelles totschweigen, mathilda Effekt (die systematische Verdrängung und Leugnung des Beitrags von Frauen in der Wissenschaft, deren Arbeit häufig ihren männlichen Kollegen zugerechnet wird) und tief verwurzelter Sexismus und misogynie die von Karl Marx und Siegmund Freud bis heute immer wieder die Geschichte durchdringt sieht man als Antrieb eines Systems das von Ungleichheit profitiert.

Tolles Buch

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Veröffentlicht am 15.01.2025

Ein wirklich spannendes Buch

Für immer
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Was würde passieren wenn wir den Tod überwinden, die Zeit stehenbleiben und niemand mehr geboren werden würde. Diese extrem spannende Frage stellt Maja Lunde in ihrem aktuellen Roman. Während manche die ...

Was würde passieren wenn wir den Tod überwinden, die Zeit stehenbleiben und niemand mehr geboren werden würde. Diese extrem spannende Frage stellt Maja Lunde in ihrem aktuellen Roman. Während manche die glaubten den Großteil ihres Lebens hinter sich zu haben die verbleibende Zeit so gut als möglich nutzen wollen haben andere, die Hebamen und Bestattungsinstitute plötzlich nichts mehr zu tun. Wie geht die Gesellschaft mit so einem Zustand um. Bald bilden sich diverse Verschwörungstheorien und sowohl die Wissenschaft als auch diverse Religionsgemeinschaften melden sich zu Wort. Doch was macht es mit den Menschen wenn sie stillzustehen scheinen? Je weiter man im Buch kommt desto dramatischer zeigen sich die Abgründe der Menschheit auf und wie der stillstand nicht nur Hoffnung bringt sondern auch Verzweiflung.

Als großer Fan des Klimaquartetts war ich wirklich sehr gespannt auf dieses Buch und hatte große Erwartungen. Mag die Ausgangssituation im Buch eien sehr ungewöhnliche sein schafft es die Autorin gerade durch diese ausnahmesituation aufzuzeigen das wir doch alle von ganz normalen Sorgen, Ängsten und Hoffnungen angetrieben werden. Ein wirklich sehr spannendes Buch das zum nachdenken anregt.

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Veröffentlicht am 02.01.2025

Eine großartige, mutige Frau

Irenas Liste oder Das Geheimnis des Apfelbaums
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Irena Sendler, die oftmals auch als weiblicher Oskar Schindler bezeichnet wird, was ihr in meinen Augen absolut nicht gerecht wird, war eine wirklich beeindruckende Person.

Wie viel Mut muss es sie und ...

Irena Sendler, die oftmals auch als weiblicher Oskar Schindler bezeichnet wird, was ihr in meinen Augen absolut nicht gerecht wird, war eine wirklich beeindruckende Person.

Wie viel Mut muss es sie und ihr Netzwerk gekostet haben tausende Kinder vor der Deportation und dem sicheren Tod in den Konzentrationslagern zu retten?

Wie viel Planung, unglaubliches Geschick und Glück muss Irena Sendler gehabt haben, die von den Nazis in Polen schnell zur Feindin Nummer eins erklärt, gefangengenommen, gefoltert und nur gerettet wurde weil die Nazis sie für Tod hielten und sie einfach liegen ließen.

Ein unglaubliches Leben, eine unglaubliche Frau voller Menschlichkeit die scheinbar übermenschliches zu leisten vermochte. Die innerhalb ihres Netzwerkes so viel an Mut, Unterstützung aber auch schwere Verluste erlebte und nie aufgab Kinder vor den Nazis zu verstecken, zu retten und sie sogar in ihrer eigenen Wohnung unterzubringen und dabei ihr Leben zu riskieren.

Wie kam es jedoch dazu das diese großartige, mutige Frau und ihre Geschichte über die Jahre vergessen wurde und nur durch die Enteckung einiger Schüler wieder ans Tageslicht kam?
Das alles und noch mehr erzählt Tilar J. Mazzeo in ihrem beeindruckenden Buch über diese mutige Frau deren Namen nie wieder vergessen werden darf.

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Veröffentlicht am 29.12.2024

Eine großartige Liebeserklärung an die Literatur

Lese gefährlich
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In Gilead sind religiöse Minderheiten [...] die von der extremen Bibelauslegung durch die Herrscher abweichen der Verfolgung ausgesetzt. Ganz ähnlich sieht es in der Islamischen Republik aus. [...]In beiden ...

In Gilead sind religiöse Minderheiten [...] die von der extremen Bibelauslegung durch die Herrscher abweichen der Verfolgung ausgesetzt. Ganz ähnlich sieht es in der Islamischen Republik aus. [...]In beiden Republiken werden Frauen und Minderheiten verfolgt. Beide betrachten Frauen als geistig Minderbemittelt, den Männern untergeordnet, ihre Körper als Sündig, warum sie auh vom Kof bis Fuß verschleiert sind" Azar Nafisi über "Der Report der Magd

Azar Nafisis Buch "Lolita lesen in Teheran" hat mich schon ungemein beeindruckt. Ihre Einstellung zur Literatur als Subversive Kraft und als Mittel um diktatorische Regime zu stürzen und gesellschaftlichen Wandel herbeizuführen, ihre Fähigkeit identifikationsfiguren aufzuspüren, die im ersten Moment alles andere als Offensichtlich sind und anhand derer gesellschaftliche Missstände aufzuzeigen ist grandios.
In diesem Buch beschäftigt sie sich mit der Frage wie und warum Regime bestimmte Literatur verbieten und zu unterdrücken versuchen und ob nicht gerade das uns dazu bringen muss eben jene Autoren umso wehementer lesen zu wollen.
Angefangen bei Platon und Ray Bradburry über Toni Morrison, Zora Neale Hurston bis hin zu Margaret Atwood und James Baldwin liefert sie hier eine Ansammlung an Literaten und Werken die auf gesellschaftlichen Wandel und das aufzeigen von Missständen hinweisen und schriebt wie eben jene Werke uns zeigen wie wichtig Empathie, Rückgrat, Mut und Altruismus ist und wie wir uns mithilfe von Literatur mit Missständen, Utopien und gesellschaftlichen Problemen auseinandersetzen können und wie uns diese Werke verändern können.

Azar Nafisi die selbst als Literaturprofessorin in Teheran tätig war bis das Regime sie dazu zwang ihre Arbeit niederzulegen nachdem sie sich weigerte sich zu verschleiern sprüht nur so vor Leidenschaft für Literatur. Das ist sowohl in "Lolita lesen in Teheran" als auch in "Lese Gefährlich" mit jedem Satz deutlich spürbar. Welche Bedeutung es für sie hat selbstständiges Denken zu fördern und wie sie die Literatur als Mittel zur Förderung dessen und der Empathie und Fantasie ansieht ist wirklich beeindruckend und ich hoffe das sie noch ein paar Bücher schreibt.

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Veröffentlicht am 27.12.2024

Ein sehr unkonventionelles Interessantes Buch

Die Liebhaberinnen
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"Obwohl brigitte heinz hasst, will sie ihn doch bekommen damit er ganz ihr gehört und keiner andren. Wenn b.heinz jetzt schon habt, bevor sie ihn überhaupt bekommen hat wie wird sie ihn erst hassen, wenn ...

"Obwohl brigitte heinz hasst, will sie ihn doch bekommen damit er ganz ihr gehört und keiner andren. Wenn b.heinz jetzt schon habt, bevor sie ihn überhaupt bekommen hat wie wird sie ihn erst hassen, wenn sie ihn einmal, was noch sehr zweifelhaft ist, für immer und ewig bekommen haben wird und sich nicht mehr anstrengen muss ihn zu bekommen." S 92

Die Österreichische Literaturnobelpreisträgerin Efriede Jelinek erzählt in ihrem Roman die Liebhaberinnen die Geschichte mehrere Frauen die sich entweder in die streng vorgegebenen Werte und Normen der Gesellschaft zu fügen versuchen und sich dadurch selbst aufgeben oder aber versuchen auszubrechen und den Preis dafür Zahlen.

An den Schreibstil ohne groß und Kleinschreibung und an Jelineks Sprache musste ich mich durchaus erst gewöhnen. Das Buch ist Bissig, sarkastisch und unverblümt. Sie scheut sich nicht vor derben Ausdrücken und setzt meiner Ansicht nach diese als Stilmittel gezielt ein um zu schokieren und damit zu Zeigen wie bestimmte Ausdrücke sich mit unserer Sozialisation reiben. Die Beschreibungen von Gewalt, Sex, Machtkampf und Unterwerfung bzw Dominierung porträtieren eine ungleich aufgebaute Gesellschaft in der bestimmte Werte, Regeln und Norman vorausgesetzt werden. Wer sich nicht daran hält muss damit Rechnen alles zu verlieren.

Jelineks Beobachtungsgabe, ihr Schreibstil und die Geschichte die sie erzählt hat definitiv etwas mit mir gemacht. Sie hat abwechselnd Wut, Eckel, Mitleid aber auch auf gewisse Weise Raum für die eigene Identifikation geschaffen und es somit geschafft ein Szenario zu erschaffen bei dem man sich wünscht das einem nicht das Selbe Schicksal bevorsteht aber immer im Hingerkopf hat das es wohl aber genau so passieren könnte.

Ein wirklich sehr interessantes Buch und wenn man sich erst mal an den Stil gewöhnt hat auch mal eine ganze andere Leseerfahrung

Damit habe ich mein erstes, aber sicherlich nicht letztes Buch von Elfriede Jelinek gelesen

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