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Veröffentlicht am 29.01.2025

»Deutsche, ihr sollt es wissen.«

Deutsche Hörer!
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»Deutsche, ihr sollt es wissen.«

In insgesamt 59 Rundfunkansprachen, die zwischen Oktober 1940 und November 1945 gesendet wurden, sprach der emigrierte Nobelpreisträger Thomas Mann aus seinem amerikanischen ...

»Deutsche, ihr sollt es wissen.«

In insgesamt 59 Rundfunkansprachen, die zwischen Oktober 1940 und November 1945 gesendet wurden, sprach der emigrierte Nobelpreisträger Thomas Mann aus seinem amerikanischen Exil direkt zu den deutschen Hörern und leistete damit wichtige Aufklärungsarbeit.
Dabei zeigt er sich von einer ganz anderen Seite – er ist direkter als je zuvor, lässt seiner Wut teils freien Lauf und scheut sich auch nicht vor beschimpfenden Worten über NS-Größen. Noch dazu sind diese Reden persönlicher, schließlich richten sie sich – als eine Stimme der Vernunft – direkt an die deutschen Bürger und ab der fünften Sendung, im März 1941, sprach er diese sogar selbst ein.
Thomas Mann berichtete über das Ausmaß der Zerstörung, warnte und klärte über Kriegsverbrechen, den Holocaust, Bombardements und Aktionen des Widerstands auf. Seine antifaschistische Haltung und sein Widerstand waren einzigartig und gab es in dieser Form kein zweites Mal von anderen Emigranten! Unter dem Gesichtspunkt, dass er diese Reden nicht hätte schreiben müssen – er war privilegierter als die allermeisten –, sondern er sich freiwillig engagierte und sich deutlich gegen Hitler und den gesamten Nationalsozialismus stellte, ist beachtenswert!
Während er in den ersten Reden noch strikt zwischen den Deutschen und den Nationalsozialisten differenzierte, schwächt diese Trennung im Verlauf der Zeit vermehrt ab.

Doch was interessieren uns heute noch diese Reden, fragt man sich. Sie bieten nicht nur in Zeiten des aufkommenden Hasses leider wieder aktuelle Parallelen, sondern widerlegen ebenfalls die oft verwendete Ausrede, dass man davon ja nichts wusste.

Diese Radioansprachen sind ein ganz besonderes Dokument, welche in dieser Ausgabe durch ein Vor- und ein Nachwort von Mely Kiyak auf den Punkt gebracht ergänzt werden und eine unbedingte Leseempfehlung sind!

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Veröffentlicht am 16.01.2025

»Ich dachte immer, du bist der eine Mensch, bei dem es keine Lügen gibt«

Für Polina
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»Ich dachte immer, du bist der eine Mensch, bei dem es keine Lügen gibt«

Erst zwölf Tage des Jahres waren verstrichen, als ich diesen Roman beendete und trotzdem wusste ich schon während der Lektüre, ...

»Ich dachte immer, du bist der eine Mensch, bei dem es keine Lügen gibt«

Erst zwölf Tage des Jahres waren verstrichen, als ich diesen Roman beendete und trotzdem wusste ich schon während der Lektüre, dass es für sämtliche andere Bücher, die ich dieses Jahr noch lesen werde, äußerst schwer werden wird, diesen Roman – in jeglicher Hinsicht – zu überbieten.
Ich habe auch die bisherigen vier Bücher von Takis Würger gelesen, mochte sie allesamt gerne und freute mich dementsprechend auf seinen neuen Roman, doch was mich erwarten würde, damit hätte ich wirklich nicht gerechnet!

Hannes Prager ist verliebt in Polina, doch möchte er ihre Freundschaft nicht aufs Spiel setzen, noch dazu schwärmt sie ständig von anderen Jungs. Um ihr dennoch seine Gefühle zu offenbaren spielt er ihr eine Melodie auf dem Klavier vor. Als jedoch kurz darauf seine Mutter bei einem Unfall verstirbt, überlässt Hannes seine Leidenschaft des Klavierspielens der Vergangenheit.
Noch dazu trennen die Wege des Erwachsenwerdens beide immer mehr voneinander, obwohl sie sich mehr bräuchten, als sie es sich selbst eingestehen möchten.
Einige Jahre vergehen und Hannes überdenkt sein Leben. Er realisiert, dass er alles, was ihm wirklich wichtig war, verloren hat – Polina und seine Liebe zur Musik.
Eine bewegende Liebesgeschichte über Verfehlungen, das Missachten bestimmter Zeichen und über all das, was im Leben wirklich wichtig ist.
Zugleich eine Liebeserklärung an die Schönheit und Kraft der Musik!

Während des Lesen habe ich mir gewünscht, dass keiner außer mir diesen Roman je lesen würde, weil er mich so berührt hat. Es sollte etwas persönliches sein. Und doch wünsche ich jetzt, dass es die ganze Welt liest, weil Würgers großartiger und bisher bester Roman kein egoistisches Gehabe braucht, sondern unzählige Leser!

Wenn ihr, nur um ein paar Referenzen zu nennen, die Bücher von Benedict Wells, Ewald Arenz oder den Roman „Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens mögt, dann lest – nein, ich kann es nicht anders sagen: ihr müsst – dieses Buch lesen!!!

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Veröffentlicht am 08.01.2025

»Ich will nicht der Grund dafür sein, dass ein anderer sein Lebtag lang denkt: Was wäre gewesen, wenn ... Ich will es nicht.«

Teufels Bruder
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»Ich will nicht der Grund dafür sein, dass ein anderer sein Lebtag lang denkt: Was wäre gewesen, wenn ... Ich will es nicht.«

Heinrich Mann ist auf dem Weg seinen Traum zu verwirklichen, er möchte Schriftsteller ...

»Ich will nicht der Grund dafür sein, dass ein anderer sein Lebtag lang denkt: Was wäre gewesen, wenn ... Ich will es nicht.«

Heinrich Mann ist auf dem Weg seinen Traum zu verwirklichen, er möchte Schriftsteller werden. Dagegen weiß sein jüngerer Bruder Thomas noch nicht recht, wohin sein Leben ihn führen wird. Soll er eine bürgerliche Ehe mit Ilse Martens eingehen? Und wird er sich ebenfalls als Schriftsteller durchsetzen können?
Der frühe Tod des Vaters verbindet die Brüder miteinander und doch trennen grundlegend verschiedene Erwartungen ihre Lebensweisen.
Als sie 1896 gemeinsam für längere Zeit nach Italien aufbrechen, ergeben sich unerwartete Unsicherheiten und Herausforderungen sowie positive Veränderungen voller Sehnsüchte und Wünsche.
Auf dieser Reise verliebt sich Heinrich und Thomas begegnet in Venedig einem traurig wirkenden Jüngling. Er ist fasziniert von ihm und als sich deren Wege wiederholt kreuzen, möchte er seinem Geheimnis auf die Schliche kommen und ihm gar eine Novelle widmen. Doch das, was Thomas Mann in Italien dann passierte, konnte er nicht erahnen und wird sich, weil es so prägend für ihn war, scheinbar in seinem späteren Werk wiederfinden.

Eine wirklich spannende Fiktion! Zu gerne würde ich wissen, was sich damals in Italien wirklich zugetragen hat oder ob es überhaupt so ein prägendes Erlebnis gab. Dabei verfolgt dieser Roman eine ähnliche Spur eines traumatisches Erlebnis Thomas Manns wie Michael Maars „Das Blaubartzimmer“.

Matthias Lohre ist ein großartiger Erzähler, der nicht nur die Lesenden innerhalb weniger Sätze für sich einnehmen kann, sondern nicht weniger geschickt Leben und Werk der Brüder miteinander verwebt, insbesondere die Bezüge zu einigen der früheren Erzählungen Thomas Manns. Dabei erwischt man sich fast dabei, diesen Roman als eine lebendige Biografie der beiden Brüder wahrzunehmen, anstelle der Fiktion, die sie darstellt.

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Veröffentlicht am 08.01.2025

»Jetzt dürfen Sie aber nicht auch noch mit den Verschwörungstheorien anfangen.«

Für immer
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Nach dem Klimaquartett entspinnt Maja Lundes neuester Roman ein fiktives Gedankenexperiment. Was wäre, wenn auf einmal keine Menschen mehr sterben und es ebenfalls keine Geburten mehr gibt, weil die menschliche ...

Nach dem Klimaquartett entspinnt Maja Lundes neuester Roman ein fiktives Gedankenexperiment. Was wäre, wenn auf einmal keine Menschen mehr sterben und es ebenfalls keine Geburten mehr gibt, weil die menschliche Zellteilung ausbleibt? Währenddessen bleibt die Natur davon unbeachtet.
Dabei katapultiert einen bereits der fesselnde Romananfang mitten ins Geschehen.
Um dieses Szenario anschaulich zu gestalten, begegnen wir verschiedenen Figuren und Familien, die sich an unterschiedlichen Abschnitten ihres Leben befinden und Hoffnungen sowie Wünsche haben. Darunter Menschen, die ein Kind erwarten, die wissen, dass sie nicht mehr lange leben werden und andere, die täglich mit Tod konfrontiert werden. Nicht zuletzt eine Fotografin, welche diesen nicht greifbaren Stillstand einfangen möchte.
Andere wiederum sehen mögliche Erklärungen der merkwürdigen Umständen als Lügen an und verbreiten, auf der Suche nach der wirklichen Wahrheit, Verschwörungstheorien. So bringt dieser Zeitgewinn einige unerwartete Veränderungen mit sich.
Trotz der vielen Perspektiven sind diese keineswegs überfordernd, sondern gut verständlich, vielschichtig und gelungen.

Der Roman ist eine Liebeserklärung an das Leben und zeigt sogleich, wie wertvoll dieses ist und wie schnell es vorbei sein kann. Die geschilderten teils emotionalen Schicksale sind als Plädoyer anzusehen, die jeweilige Zeit zu nutzen und wichtige Veränderungen anzugehen, anstelle zu bereuen, etwas nicht getan zu haben.

Andererseits habe ich nicht ganz verstanden habe, warum der menschliche Kreislauf unterbrochen wird, wie es begann und endete. Aber wahrscheinlich bleibt es schlichtweg unerklärlich.

Trotz dieses Kritikpunkts, habe ich den Roman regelrecht inhaliert und sehr geliebt! Maja Lunde hat mich auch mit diesem Buch (wieder mal) überzeugt.

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Veröffentlicht am 07.01.2025

„»Supervision«. Eigentlich genau das, was auch wir beide ständig miteinander machen.“

Kein Grund, gleich so rumzuschreien
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„»Supervision«. Eigentlich genau das, was auch wir beide ständig miteinander machen.“

Wie schon im Vorgängerbuch „Alle sind so ernst geworden“ erstreckt sich das Repertoire der vorliegenden Gespräche ...

„»Supervision«. Eigentlich genau das, was auch wir beide ständig miteinander machen.“

Wie schon im Vorgängerbuch „Alle sind so ernst geworden“ erstreckt sich das Repertoire der vorliegenden Gespräche über vielfältige Themen hinweg, die mal banal daherkommen und dann doch wieder tiefergehend ausfallen. Es geht über die persönliche Beziehung zu Blumen oder Sehtests, den Ursachen von Albträumen und der eigenen Wahrnehmung von Eitelkeit. Aber auch bis hin zu Fragen, die das gesellschaftliche Leben, hinsichtlich des Umgangs mit Rauschmitteln – besonders Alkohol und Zigaretten – bestimmen sowie die Wahrnehmung Außenstehender auf diese freiwillige Abstinenz.
In dem Buch ist viel geboten, doch Langeweile kommt niemals auf!
Annähernd alle Gespräche überschattend ist nicht nur der Tod von Martin Suters Frau Margrith, sondern insbesondere seine fortdauernde Liebe zu ihr. Doch auch Stuckrad-Barre wird mit einem familiären Todesfall regelrecht konfrontiert, schließlich erfährt er zufällig, durch eine Direct Message eines ihm Unbekannten auf Instagram, vom Tod seines Vaters. Spätestens bei dem Gespräch über diesen Verlust und das Verhältnis zu seinem Vater wird deutlich, dass dieses Buch durchaus nicht nur durch seinen humorvollen Witz brilliert, sondern gleichermaßen den Bogen zu ernsten Themen spannen kann.
Man erfährt nicht nur mehr über die beiden Autoren, sondern auch über sich selbst.

Auch wenn die Gespräche nur in gedruckter Form vorliegen, hört man beide, als säßen sie neben einem, in gewohnter Manier vor sich hin sprechen. Während sie sich in humorvollen, teils ironischen und tragikomischen Diskussionen verlieren und sich selbst dabei niemals zu ernst nehmen, genoss ich es sehr, ihnen zu lauschen.

Gerne hätte ich noch weiter gelesen und mehreren Gesprächen zugehört, aber nun überlasse ich – sehnsüchtig auf einen dritten Band hoffend – Benjamin von Stuckrad-Barre das Schlusswort:
„Ich finde die Gewissheit ganz schön, auch erleichternd, dass irgendwann Schluss ist.“

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