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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.01.2025

✎ Regina Feldmann & Martina Stuhlberger - 9 kleine Menschen

9 kleine Menschen
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Ich „kenne“ Regina Feldmann aus dem Internet. Ihre Mission, Diversität in Kinderzimmer zu bringen, befürworte ich sehr. Ob sie das mit „9 kleine Menschen“ schafft, bin ich mir nicht so sicher …

Als ich ...

Ich „kenne“ Regina Feldmann aus dem Internet. Ihre Mission, Diversität in Kinderzimmer zu bringen, befürworte ich sehr. Ob sie das mit „9 kleine Menschen“ schafft, bin ich mir nicht so sicher …

Als ich das Cover sah und las, von wem es geschrieben wurde, hatte ich direkt eine Vorstellung vom Inhalt. Ich erhoffte mir eine tiefgehende Message und viel Diversität.

Die Autorin erklärt im Nachwort, was sie zum vorliegenden Bilderbuch inspiriert hat. Bei den Abzählreimen „10 kleine (Zappelfinger)“ »hatte ich das Gefühl, dass nicht jedes Kind mitgedacht wurde.«
Ich verstehe ihre Intension, aber ich denke auch, nicht jedes Buch kann jedes Kind mitdenken. Man kann versuchen, so viel Diversität wie möglich hineinzubringen, doch es wird niemals gelingen, ALLE Kinder anzusprechen - auch in Büchern von Regina Feldmann nicht.

Es werden Gemeinsamkeiten von den Kindern aufgezählt:
- alle 9 kleinen Menschen kommen aus einer Stadt (Kinder aus Dörfern sind nicht mitgedacht)
- alle 9 kleinen Menschen sind satt(keins muss Hunger leiden oder hat zu wenig zu Essen)
- alle 9 kleinen Menschen werden in Familien groß(keins wächst in einem Heim auf)

Dann werden noch Unterschiede aufgezeigt:
- 1 Kind mit Sehbehinderung (Blindenstock, aber Brille)
- 1 Kind mit Prothese
- 1Kind mit Brille
- manche Kinder mit Haustieren

Ja, die Kinder werden mit verschiedenen Hautfarben dargestellt.
Ja, es gibt verschiedene Familienkonstellationen. (aber ich sehe zum Beispiel keine 2 Männer, die ein Kind großziehen)
Ja, die Kinder sind gleich und doch unterschiedlich.

Und trotzdem kann dieses Buch nicht den Anspruch erheben, alle Kinder mitzudenken. Auch, weil es einfach unmöglich ist.
Daher hat das Buch für mich - vor allem aufgrund des Nachwortes - einen bitteren Beigeschmack.

Mein Kind hat es übrigens nach dem ersten Lesen freiwillig abgegeben. Es durfte direkt weiter in den Kindergarten ziehen.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 24.01.2025

✎ Astrid Lindgren - Ronja Räubertochter

Ronja Räubertochter
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Bis zum heutigen Datum, kann ich mich nicht daran erinnern, „Ronja Räubertochter“ je als Buch gelesen oder als Film gesehen zu haben.

Ich dachte immer, das Buch wäre ein Kinderroman mit einer starken ...

Bis zum heutigen Datum, kann ich mich nicht daran erinnern, „Ronja Räubertochter“ je als Buch gelesen oder als Film gesehen zu haben.

Ich dachte immer, das Buch wäre ein Kinderroman mit einer starken Mädchenfigur.
Tatsächlich ist es jedoch ein Fantasyklassiker für Kinder ab ca. 9 Jahren.

Mir fiel der Einstieg in die Erzählung recht schwer. Ronja war mir unsympathisch, ihr Benehmen Birk gegenüber fand ich teilweise wirklich daneben. Doch das sehe ich aus der Erwachsenenperspektive. Es wird auch erläutert, wie sie aufwächst - und da wundert mich ihr Verhalten nicht immer. Und dennoch hatte ich durch Erläuterungen anderer ein anderes Bild von ihr im Kopf.

Im Laufe der Geschichte bekommen wir auch andere Seiten des Mädels zu sehen. Ihre Art, den Wald zu entdecken zum Beispiel, gefiel mir sehr. Sie hat ein offenes Wesen, ist mutig, wild.
Ich denke trotz allem, dass früher eine Ronja nötiger war als heute. Heute dürfen viele Mädchen so sein wie sie wollen. Die Klischees werden immer mehr aufgebrochen.

Es ist, wie bereits erwähnt, ein Fantasybuch. Fantasy lebt von detaillierten Beschreibungen. Die fehlen bei „Ronja Räubertochter“ jedoch fast komplett. Die Wesen, die auftauchen, hinterließen kein Bild in meinem Kopf. Selbst wenn sie dann als Zeichnung vorlagen, konnte ich diese mit den Schilderungen nicht in Einklang bringen. Astrid Lindgren hat den Fokus anders gesetzt und ich hätte mir gewünscht, dass sie dieses Element dann vielleicht gar nicht verwendet.

Dafür ist eine Stärke der Autorin, wunderbare Dialoge zu erschaffen.
Das war dann im Endeffekt auch das, was mich am Lesen hielt. Denn klar ist Ronja eine Figur, die man vielleicht selbst gern wäre als Kind - oder die man zumindest gern als Freundin hätte. Doch mich überzeugte das ganze Drumherum nicht.

Hinzu kommt, dass die Brutalität / Gewalt, die in dieser Geschichte vorkommt, nicht wenig ist. Die wird auch einfach so hingenommen von allen Beteiligten.

Was mich als Mama dann aber tief getroffen hat, war eine Szene zwischen Mattis und Ronja.
Ich habe gehört, dass Astrid Lindgren die Erwachsenen in ihren Büchern generell nicht gut wegkommen lässt. Doch diese Szene brach mir schier das Herz. Das sollte kein Kind erleben müssen.

Mein Lieblingsbuch ist es nicht. Vielleicht bin ich aber auch einfach schon zu alt.
Doch selbst meiner 7-Jährigen würde ich es nicht aktiv empfehlen oder derzeit gar vorlesen. (obwohl sie absolut kein ängstliches Kind ist)

Dennoch könnte ich mir vorstellen, eine Ausgabe im Regal stehen zu haben, falls meine Tochter irgendwann Interesse daran zeigen sollte.

Ich bin froh, die Lektüre im Zuge unserer Aktion „2 Leseblicke“ gelesen zu haben. So kann ich ab jetzt zumindest mitreden.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 23.01.2025

✎ Stieg Larsson - Millennium 3 Vergebung

Vergebung
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Vor Jahren habe ich die Reihe gelesen und fand sie interessant. Nun wollte ich mir nochmals ins Gedächtnis holen, was genau passiert ist. Einige Sachen wusste ich noch, doch ich stellte fest, dass die ...

Vor Jahren habe ich die Reihe gelesen und fand sie interessant. Nun wollte ich mir nochmals ins Gedächtnis holen, was genau passiert ist. Einige Sachen wusste ich noch, doch ich stellte fest, dass die vor allem im ersten Teil passierten.

Der 3. Band um Blomkvist & Salander ist für mich der schwächste.

Stieg Larsson hat leider nicht gewusst, wie man sich kurzfasst, obwohl ihm dies als Journalist eigentlich im Blut liegen sollte. Daher kommen seine Bücher auch nicht ohne Längen aus, die ich beim selbstständigen Lesen sicher überblättert hätte, in der Hörversion jedoch komplett übernommen wurden.

Hinzu kommen - vor allem am Anfang - die Wiederholungen, die es meiner Meinung nach nicht bedurfte.

Der Autor hat in diesem Teil versucht, einiges unterzubringen. Das birgt das Risiko, dass es schnell unübersichtlich wird. Viele Schauplätze, noch mehr Namen - manchmal wusste ich gar nicht, wo meine Gedanken zuerst hingehen sollten.

Verschiedenes verliert sich im Laufe der Geschichte. Ein deutliches Zeichen, dass es völlig irrelevant ist und gut weggelassen hätte werden können.

Für mich ist „Vergebung“ der schwächste Teil der Reihe und es bleiben am Ende auch zu viele Fragen offen. Man muss jedoch bedenken, dass es ursprünglich gar keine Trilogie werden sollte und der Verfasser sicher noch einiges aufgeklärt hätte.
Daher werde ich „Verschwörung“ eine Chance geben und schauen, ob mich die nächste Trilogie rund um Lisbeth und Mikael (mehr) überzeugen kann.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 13.01.2025

✎ Ursula Wölfel - Fliegender Stern

Fliegender Stern
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Das Buch ist bei uns eingezogen, weil es an unserer Schule scheinbar als Schullektüre in der 3. Klasse genutzt wird. Ich wollte mir daher einen Überblick über die Geschichte schaffen, denn rein vom Cover ...

Das Buch ist bei uns eingezogen, weil es an unserer Schule scheinbar als Schullektüre in der 3. Klasse genutzt wird. Ich wollte mir daher einen Überblick über die Geschichte schaffen, denn rein vom Cover her, welches bereits Klischees abbildet, hätte ich es niemals in die Hand genommen.

Ursula Wölfel versucht ein Stück amerikanische Geschichte auf knapp 100 Seiten kindgerecht unterzubringen.
Ich bin rein von der Erzählung her nicht gänzlich überzeugt. Es tauchen zu viele Fragen auf und es muss zu viel erklärt werden. Wenn das Unterrichtsmaterial dies hergibt, ist es ok. Ich als Mama kann das aber kaum abfangen, denn ich bin nicht in der Materie drin. Mir scheint dieses Thema zu komplex für einen einfachen Lesenachmittag.

Hinzu kommt, dass die Autorin meint, von „Schwarzfuß-Indianern“ zu berichten.
Ich habe versucht, herauszufinden, von wem sie redet, doch allein dieses Gebiet ist umfassend genug, um lange darüber berichten zu können.

Dennoch gibt die Lektüre den Kleinen einiges mit:
Sie begleiten Fliegender Stern beim Aufgenommenwerden in den Kreis der Großen; erleben mit, dass er in seiner kindlichen Naivität Verantwortung übernimmt; erfahren, dass nicht alle Menschen einer Gattung nur gut oder böse sind; lesen, dass nicht alle Personen das Leben leben dürfen, wie sie es gerne möchten.

Für mich persönlich wäre das vorliegende Buch nicht die erste Wahl, wenn ich meinem Kind etwas über die Ureinwohner Amerikas erzählen wollen würde. Ich bin gespannt, ob und wie kontrovers es (in 2 Jahren) in der Schule besprochen wird.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 02.01.2025

✎ Bonnie Leben - Eine Bonnie kommt niemals allein

Eine Bonnie kommt niemals allein
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Ich habe mich bereits früh mit dissoziativer Identitätsstörung beschäftigt. Spätestens, als mir „Aufschrei“ von Truddi Chase in die Hände fiel - ein Werk, welches mich bis heute nicht loslässt -, wurde ...

Ich habe mich bereits früh mit dissoziativer Identitätsstörung beschäftigt. Spätestens, als mir „Aufschrei“ von Truddi Chase in die Hände fiel - ein Werk, welches mich bis heute nicht loslässt -, wurde mein Interesse geweckt …

Vor dem vorliegenden Buch kannte ich den Instagramaccount der Bonnie Leben nicht. Ich bin also völlig unbefangen an diese Lektüre herangegangen, ohne Stimmen im Hinterkopf oder jegliche Informationen über ihre Personen.

Anfangs war ich sehr interessiert. Verschiedene Personen kommen zu Wort und sie werden gekennzeichnet, indem man ihren Namen nennt.
Oft habe ich dann in den Anhang geblättert, um zu schauen, welches Alter sie hat, um das Geschriebene irgendwie ein bisschen einordnen zu können.

Nur mit „Emely, ca. 4 Jahre, einsam, im Innen eingesperrt“ hatte ich die ganze Zeit meine Probleme.
Im Vorwort heißt es: »Das kann sich auch in ihrer Rechtschreibung bemerkbar machen. Gerade bei jüngeren Personen haben wir uns dazu entschieden, ihre Texte nur zu korrigieren, wenn es für das Verständnis nötig ist.«
Emely schreibt wie sie spricht. Aber: Wie kommt Emely, die im Innen eingesperrt ist, überhaupt dazu, am Text mitzuwirken? Und wie kann eine ca. 4 Jährige schreiben?

Für mich passt da irgendetwas nicht zusammen bzw. fehlt mir hier einfach ein erklärendes Wort.

Dadurch, dass jede Person, die wollte, ihre Worte zu Papier bringen durfte und das auch einige getan haben, kommt es manchmal zu Wiederholungen. Somit hat sich das Lesen für mich streckenweise in die Länge gezogen.

Dass die Namen nicht erklärbar sind, leuchtet mir ein. Trotzdem habe ich mich manchmal dabei erwischt, mich zu fragen, wie man auf den Namen „46“ (vier sechs) kommt.

Im Anhang gibt es ein Q&A, bei dem oft gestellte Fragen nochmals beantwortet werden. (von wem, wird dabei nicht erwähnt)
Auch Begrifflichkeiten werden aufgegriffen und erläutert.

Im Untertitel heißt es: »Meine Leben mit dissoziativer Identitätsstörung.« In meinen Augen ist es eher ein Aufklärungsbuch für Betroffene und Interessierte. Die Bonnies erzählen zwar viel, doch vor allem bestärken sie. Sie bestärken Betroffene, sich bemerkbar zu machen. Doch sie bestärken ebenso Außenstehende, genau hinzuschauen.

»Schrei nicht erst, wenn du denkst, endlich gehört zu werden.
Schrei, bis du gehört wirst.
Irgendwann wirst du auf Menschen treffen, die auch dein Schweigen verstehen.« (Alice)

©2025 Mademoiselle Cake


weitere Zitate:

»Wir nutzen lieber den Begriff Dissoziative Identitätsstruktur.
Wir sind nicht krank. Wir sind die Folge von kranken Umständen und deshalb anders strukturiert.
Heute unterstütze ich es aber auch, die DIS eine Störung zu nennen.
Es stört uns.
Wir sind nicht gerettet, weil wir viele sind, und nun glücklich und frei.
Wir sind eingeschränkt, weil wir viele sind.« (Fiona)

»Doch die eigene Bedeutungslosigkeit zu spüren, wenn man sich zuvor für den Protagonisten seines Lebens gehalten hatte, war ein Schlag ins Gesicht.« (Isa)

»Wir sind keine Überlebenden. Wir sind schon oft gestorben. Es war danach nur nicht vorbei.« (Ilke)

»Man kann um alte Zeiten trauen, ohne sie sich zurückzuwünschen.
Man darf vermissen, auch wenn es sich falsch anfühlt.
Denn eigentlich vermissen wir nicht unser altes Leben, sondern die Person, die wir hätten sein können, wenn es anders gewesen wäre.« (46)

»Es gibt kein Danach. Nur ein Damit.« (Alice)

»Es ist nie ein Fehler, wenn man sich für sich entscheidet.« (Delia)

»Wer dieses Buch liest und nicht selbst viele ist, lässt sich auf einen Perspektivwechsel ein.
Offenheit und die Fähigkeit, sich selbst zu hinterfragen, sind der Grundstein für eine Verbesserung der Lebensqualität Betroffener.
Wissen kann man schaffen. Die Bereitschaft, es aufzunehmen, muss jeder selbst einbringen.« (Fiona)

»Hilfen sind da, um in Anspruch genommen zu werden.Wenn es sie gibt und es niemanden weh tut, sie zu gewähren, warum gestaltet sich der Weg dorthin oft steinig?« (46)

»Wir zerbrechen innerlich, doch brechen nicht zusammen. […]
Manchmal möchten wir nicht stark sein. Manchmal möchten wir uns weinend in vertraute Arme verkriechen und gesehen werden, während wir uns verstecken.
Lieber möchten wir laut leben und leise weinen, als laut schreien und leise sterben.
Wir leben und das ist alles, was zählt.« (Alice)

»Im Wir zählt jedes Ich. Doch ohne das Wir ist auch das größte Ich machtlos.« (Fiona)