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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.01.2025

"ICh war mit der Revolution verheiratet."

Die Farben der Revolution. Éléonore und Robespierre
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Éléonore „Léo“ Duplay, eine junge Malerin und Tochter des die Revolution gutheißenden Tischlermeisters Maurice Duplay, will gemeinsam mit ihrer Schwester Elisabeth eine Petition rund um mehr Frauenrecht ...

Éléonore „Léo“ Duplay, eine junge Malerin und Tochter des die Revolution gutheißenden Tischlermeisters Maurice Duplay, will gemeinsam mit ihrer Schwester Elisabeth eine Petition rund um mehr Frauenrecht unterzeichnen als es auf dem geschichtsträchtigen Marsfeld zu einer Demonstration kommt, die mit Gewalt aufgelöst wird und einige Tote fordert. Für Léo bringt dieses Ereignis neben Angst und Schrecken auch die Begegnung mit Maximilien Robespierre, dem Anwalt und nunmehrigen Mitglied der Assemblée Nationale, der Nationalversammlung.

Robespierre bezieht Unterkunft im Hause Duplay und erhält Léos Malzimmer, das sie - aus Sicht der Mutter - nur für ihr Vergnügen benutzt. Nun ja, auf Grund der allgemeinen Teuerung können die Duplays die Mieteinnahmen gut brauchen.

Léo und Maxime, wie Robespierre genannt wird, diskutieren viel miteinander. Während SIE leidenschaftlich für die Rechte der Frauen kämpft, versucht Maxime seinen Traum von einer Republik zu verwirklichen, in der die Menschen tugendhaft und ohne Religion leben. Der Politiker nimmt für seine Vision von Tugend im Staat den Terror in Kauf, dem er letztlich selbst zum Opfer fallen wird, während einige der (doch) korrupten Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses wie Joseph Fouché und Paul Barras den Terror überleben und wenig später, unter Napoleon Bonaparte, noch eine große Rolle spielen werden.

Meine Meinung:

Da ich schon zahlreiche Bücher über die Französische Revolution und ihre Folgen, nämlich 25 Jahre Krieg mit fast allen Dynastien Europas, gelesen habe, war ich äußerst gespannt, wie Jeanette Limbeck diesen historischen Roman, der eine Liebesgeschichte zwischen der jungen Malerin und Robespierre, der als blutrünstiger Politiker in die Geschichte eingegangen ist, beschreibt, anlegen wird. Über Robespierres Privatleben ist wenig bekannt. Es scheint, als hätte er seine Vorstellung von Tugend selbst gelebt. Auch im Roman benimmt er sich Léo gegenüber, die augenscheinlich Gefühle für ihn entwickelt, obwohl sie auf Wunsch ihrer Eltern den Tischlergesellen Jean heiraten soll, damit die Werkstätte im Familienbesitz bleibt, zunächst zurückhaltend, ja fast asketisch.

Die (Vor)Geschichte der Französischen Revolution ist höchst komplex und kann in diesem Roman nicht in vollem Umfang erzählt werden. Dazu eignet sich das Sachbuch „Tugend und Terror“ von Johannes Willms sehr gut, das ich nun im Nachgang lese.

Gut beschrieben sind die gesellschaftlichen Zwänge, in denen sich Léo befindet. Als Frau gilt sie nichts. Die wenigen Zugeständnisse, die Kämpferinnen wie Olympe de Gouges erreicht haben, werden nach deren Hinrichtung wieder zurückgenommen. Statt mehr Freiheit und Gleichheit zu erhalten, werden die Frauen wieder an den Herd und in die Mutterschaft verbannt. Die Spirale der Gewalt dreht sich immer schneller. Als dann Léo auf einer der Proskriptionslisten steht, benutzt er seine Macht, um ihren Namen gegen einen anderen auszutauschen. Damit handelt er eigentlich, seinem eigenen, ehernen Gedanken der Unbestechlichkeit zuwider.

Geschickt verknüpft die Autorin fiktive und reale Personen sowie erfunden und historische Fakten miteinander. Dazu hat sie penibel recherchiert. Interessant habe ich den Konnex zum Jahr 2017 gefunden, in dem Massendemonstrationen in Paris ein wenig an jene Unruhen von 1789 erinnert haben. Von diesem Handlungsstrang habe ich mir, ehrlich gesagt, ein bisschen mehr erwartet. Er ist in den dramatischen Ereignissen rund um Robespierre und Léo Duplay dann ein wenig untergegangen.

Der Roman ist aus Sicht Éleonores und in der Ich-Form geschrieben, so dass man sich sehr gut in ihre Gedanken- und Gefühlswelt hineinversetzen kann. Obwohl es keinen Beweis für eine tatsächliche Liebesgeschichte zwischen Léo und Maxime gibt, kann es sich durchaus so oder ähnlich zugetragen haben.

"Ich war mit der Revolution verheiratet." und werde an den Mann denken, der sie verkörperte. "Ich war die Malerin der Revolution!" (S. 447)

Léos Schwester Elisabeth Le Bas, Witwe nach Philippe-François-Joseph Le Bas, der sich der Hinrichtung durch die Guillotine, durch Selbstmord entzogen hat, wird später in ihren Memoiren über die Verlobung Léos mit Maxime schreiben. Léo selbst wird bis zu ihrem Tod um Maxime trauern.

Fazit:

Ein penibel recherchierter historischer Roman, der mir sehr gut gefallen hat und dem ich gerne 5 Sterne sowie eine Leseempfehlung gebe.

Veröffentlicht am 28.01.2025

Giftpflanzen und Abgründe

Fatale Flora. Von giftigen Pflanzen und gemeinen Menschen
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„Alle Pflanzen hinter diesen Toren haben die Fähigkeit, euch zu töten. Ihr dürft sie nicht berühren, an ihnen riechen oder ihnen zu nahekommen.“

Mit diesen Worten begrüßt John Knox die Besucher des Poison ...

„Alle Pflanzen hinter diesen Toren haben die Fähigkeit, euch zu töten. Ihr dürft sie nicht berühren, an ihnen riechen oder ihnen zu nahekommen.“

Mit diesen Worten begrüßt John Knox die Besucher des Poison Garden, jenem Garten in dem wohl die giftigsten Pflanzen der Welt wachsen. Gegründet wurde der Garten 2005 von Jane Percy, Herzogin von Northumberland. Ein Schelm, wer Böses über die Herzogin denkt. Poison Garden ist Teil der Schlossgartenanlage von Alnwick Castle. Um sich von den zahlreichen (Schloss)Gärten in UK abzuheben, setzt Jane Percy auf diese makabre Idee.

Gemeinsam mit Autorin Noemi Harnickell können wir nun in diesem Garten lustwandeln und alles über die Tod bringenden Gewächse lernen. Nicht zur Nachahmung empfohlen!

In vierzehn Kapitel können wir über alles Giftpflanzen, spektakuläre Morde und TäterInnen nachlesen. Aber Achtung! Also, wer nun glaubt, sich eines missliebigen Verwandten, Partners oder Chefs unauffällig entledigen kann, sei gewarnt. Den perfekten Mord gibt es nicht. Manchmal dauert es ein wenig länger, bis die Vergiftung nachgewiesen werden kann.

Noemi Harnickell erzählt spannund und dabei ein wenig launig von den skurrilsten und legendärsten Giftmorden der Geschichte, ihren Protagonisten und bis heute unterschätzten Mörderinnen. Ja, statistisch gesehen, morden Frauen häufiger mit Gift als Männer.

Im Anhang findet sich ein Glossar über die wichtigsten Giftpflanzen und ihre Tod bringenden Inhaltsstoffe. Dabei spannt sie den Bogen von Aconitin bis Tropanalkaloide.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Streifzug durch das tödliche Potenzial in unseren Gärten und die menschliche Abgründe 5 Sterne.

Veröffentlicht am 28.01.2025

Penibel recherchiert und fesselnd erzählt

Berchtesgaden
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Anlässlich des 80. Jahrestages der Befreiung Europas vom NS-Regime erscheinen nun zahlreiche Sachbücher und Romane aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln.

Dieser historische Roman hier beschäftigt ...

Anlässlich des 80. Jahrestages der Befreiung Europas vom NS-Regime erscheinen nun zahlreiche Sachbücher und Romane aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln.

Dieser historische Roman hier beschäftigt sich mit der Ankunft der amerikanischen und französischen Truppen im Mai 1945 in Berchtesgaden, dem Lieblingswohnsitz von Hitler. Die ersten Tage der Befreiung sind Tage des Chaos, in dem die alliierten Truppen selbst plündern. Vor allem NS-Devotionalien sind ein begehrtes Souvenier. Auf Hitlers Berghof wird sogar die Klomuschel geraubt. Doch nicht nur die Soldaten bemächtigen sich der Güter aus sichtlich verlassenen Häusern, die vor kurzem noch von NS-Bonzen bewohnt wurden. Auch die einheimische Bevölkerung raubt, was nicht niet- und nagelfest ist, ohne sich darum groß zu kümmern, ob sie sich nicht Raubguts bemächtigen, das jüdischen Familien gestohlen wurde.

Inmitten dieses Chaos sucht die 19-jährige Sophie einen Job bei der amerikanischen Militärverwaltung. Sie hat sich Englisch mit Hilfe von Schallplatten, die ein jüdischer Feriengast im Haus der Eltern zurückgelassen hat, und einem Wörterbuch selbst beigebracht.
Obwohl sie gerüchteweise von den Gräueltaten des Regimes gehört hat, ist es für Sophie ein schwerer Schock, die Fotos aus den befreiten KZs zu sehen. Das und die Menschen, die sie im Military Government trifft, werden den Blick auch auf ihre eigene Familie ändern. Ihr Bruder Max ist Angehöriger der Waffen-SS und versteckt sich in der Nähe. Eindrucksvoll ist der Gewissenskonflikt in den Sophie zwischen Familie und die Wahrheit über die deutschen Verbrechen gerät dargestellt.

Meine Meinung:

Carolin Otto ist mit diesem historischen Roman ein sehr gutes Bild deutscher Orte im Mai 1945 gelungen. Sie erzählt eine Geschichte, die sich fast in jedem Ort, in jeder Stadt Deutschlands und Österreichs so oder so ähnlich abgespielt hat: Niemand war in der Partei, keiner hat etwas von den Gräueln gewusst - nichts als Ausflüchte und (Selbst)Betrug. Die Amerikaner stehen vor der kaum lösbaren Aufgabe, Menschen für eine zivile Verwaltung zu finden, die keine Nazis waren und sind. Nur wenige der Regimegegner haben in einem der diversen KZ überlebt. Sie werden, wie der einst zum Tode verurteilte Rudolf Kriss, als Bürgermeister eingesetzt.

Eine wichtige Rolle spielen auch rechtzeitig emigrierte Juden, die nach einer Ausbildung in der US-Army als Soldaten mit den alliierten Truppen nach Deutschland zurückkehren. Einer davon ist Frank Rosenzweig, der als sogenannter „Ritchie-Boy“, Sophies Vorgesetzter ist und mit großer Sorge auf Nachricht von seinen jüdischen Verwandten hofft.

Eine interessante Figur ist auch die Kriegsfotografin Meg, die unschwer als Lee Miller zu identifizieren ist, die auch in der Realität die alliierten Truppen bei ihrem Vormarsch begleitet hat.

Als sich Sophie und der schwarze GI Sam ineinander verlieben, lernt sie das ungerechte System der Segregation der Amerikaner kennen, das schwarzen US-Amerikanern die so hoch gehaltenen Bürgerrechte teilweise verweigern. So erhält ein schwarzer GI für besondere Verdienste nur eine winzige Belobigung, während sein weißer Kamerad für dieselbe Leistung einen Orden erhält. Auch der Verstoß gegen das Fraternisierungverbot wird unterschiedlich gehandhabt: während sich weiße GIs meistens von ihren deutschen Freundinnen verabschieden dürfen, werden schwarze in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in die USA zurückgeschickt.

Sophies Bruder Max steht stellvertretend für die zahlreichen Nazis, die weiter an ihrem Gedankengut festhalten.

Der Roman ist penibel recherchiert. Zahlreiche Charaktere haben historische Vorbilder, wie die Autorin im Nachwort erklärt.

Fazit:

Diesem penibel recherchierten und mitreißend erzählten Roman-Debüt der erfolgreichen Drehbuchautorin Carolin Otto zum 80-jährigen Jubiläum des Kriegsendes, gebe ich gerne 5 Sterne.

Veröffentlicht am 24.01.2025

Eine gelungene Fortsetzung

Letztes Glückskeks
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Das örtliche Tourismusbüro hat mit dem Deutschen Kai Kröker einen neuen Direktor, der wenig von Transparenz hält und Altaussee für chinesische Touristen attraktiv machen möchte. Dafür scharwenzelt er um ...

Das örtliche Tourismusbüro hat mit dem Deutschen Kai Kröker einen neuen Direktor, der wenig von Transparenz hält und Altaussee für chinesische Touristen attraktiv machen möchte. Dafür scharwenzelt er um eine vierköpfige chinesische Delegation herum, die wiederum überlegen, eine Kopie von Altaussee in China aufzubauen. Diese Idee spaltet das Dorf, hat man ja Hallstatt als abschreckendes Beispiel vor der Haustür. Man demonstriert gegen den Ausverkauf der Heimat und kommt so einem umtriebigen Baumeister in die Quere, der mit fragwürdigen Mitteln agiert.

Auch sonst bahnen sich einige Änderungen in Altaussee an. Die Frau Doktor Kohlross heiratet und arbeitet nach einer Beförderung nur mehr Teilzeit. Daher kommt mit Emina Jovanovic eine neue Ermittlerin ins Spiel, Gasperlmaiers Kollegin Manuela ist schwanger (aber nicht krank, wie sie nicht müde wird, zu betonen) und Schwiegertochter Richelle arbeitet im Tourismusbüro und hat ungeahnte Kenntnisse.

Wenig später schwimmt einer, der Chinesen, deutschstämmige Rinderer Johann Ning, tot im Pool des Hotels Lakeview. Obwohl auf den ersten Blick keine offensichtliche Fremdeinwirkung zu sehen ist, lässt Frau Doktor Kohlross die Leiche ins Krankenhaus von Liezen zur Obduktion bringen. Dort wird der Tote, auf Anordnung des Außenministeriums, vom BKA quasi entführt. Auch der Leihwagen mit dem Rinderer zuvor einen Unfall hatte, verschwindet spurlos.

Keine Leiche - keine Ermittlungen. Gasperlmaier und Fr. Doktor Kohlross kommt das eigenartig vor, weshalb dezent und unter dem Radar weiter recherchiert wird.

„Und ihr habt völlig recht - zwei solche Unfälle hintereinander. Das stinkt!“ (S 119)

Man befragt die anderen Delegationsmitglieder, was nur über die Dolmetscherin Lin Lien, die in München studiert hat, möglich ist. Die beiden anderen Männer der Gruppe behaupten, weder die deutsche noch die englische Sprache zu verstehen.

Wenig später findet man den umtriebigen Tourismusobmann in einem ausgebrannten Autowrack....

Meine Meinung:

Wie schon Commissario und Viechbauer Johann Grauner von Lenz Koppelstätter, liebäugelt auch Chefinspektor Franz Gasperlmaier mit dem Übertritt in die vorzeitige Alterspension, denn Gasperlmaier mag Veränderungen in seinem Umfeld nicht gar so gerne. Außerdem sind ihm die neuen Ermittlungsmethoden mit den ganzen technischen Spielereien und der OFA, der operativen Fallanalyse, von der Manuela ständig schwärmt, ein bisschen zu komplex.
Für ihn zählt der Hausverstand und solide Polizeiarbeit.

Herbert Dutzler hat mit diesem 12. Fall wieder mehrere sozialkritische Aspekte aufgegriffen: Den überbordenden Tourismus im Salzkammergut und die Bautätigkeit von Baumeistern und Immobilienhaien, die nur auf den schnellen Profit aus sind und deswegen ausschließlich teure Ferienwohnungen bauen, weshalb es für Einheimische kaum mehr leistbare Wohnungen mehr gibt. Auch die sexuellen Übergriffe, denen Frauen im Gastgewerbe ausgesetzt sind, finden Eingang in diesen Krimi.

Natürlich dürfen Einblicke in die schöne Landschaft des Ausseerlandes nicht fehlen. Wir dürfen auch wieder die Deckel der Kochtöpfe im Haus Gasperlmaier lüpfen und mit den Nachbarn eine private Weinkost absolvieren.

Und das alles wird in flüssigem österreichischen Deutsch präsentiert. Das Keks ist bei uns sächlichen Geschlechts, während der Gummi in allen Varianten ob Haar- oder Kaugummi sowie als Dialektbezeichnung für Kondom und Autoreifen, grammatikalisch männlichen Geschlechts ist.

Fazit:

Wieder ein fesselnder Krimi rund um Chefinspektor Franz Gasperlmaier und Altaussee. Bin schon neugierig, ob er ernst damit macht, in Pension zu gehen. Gerne gebe ich diesem 12. Fall, der das Dutzend voll macht, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 23.01.2025

Eine unbedingte Leseempfehlung!

Die Formel des Widerstands
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Die Wissenschaftsjournalistin Astrid Viciano entführt uns mit diesem Buch in das von den NS-Truppen besetzte Paris zwischen Juni 1940 und August 1944. Genauer gesagt in die Labors von Irène (1897-1956) ...

Die Wissenschaftsjournalistin Astrid Viciano entführt uns mit diesem Buch in das von den NS-Truppen besetzte Paris zwischen Juni 1940 und August 1944. Genauer gesagt in die Labors von Irène (1897-1956) und Frédéric Joliot-Curie (1900-1958), die seit einigen Jahren gemeinsam mit ihrem Team an den bahnbrechenden Forschungen zur Kernphysik arbeiten.

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts ist geprägt von weitreichenden Entdeckungen und Erfindungen, die nicht immer nur friedlichen Zwecken dienen, wie man unter anderen bei Fritz Haber sehen kann, dessen Ammoniaksynthese nicht nur zur Herstellung von Düngemitteln sondern zum Einsatz des daraus entwickelten Giftgas im Ersten Weltkrieg geführt hat.

Nun geht es um die Kernspaltung. Neben Paris wird dazu auch in Deutschland durch Lise Meitner, Otto Hahn und Fritz Straßmann geforscht. Während die jüdische Physikerin Lise Meitner im letzten Moment emigrieren kann, gelingt Hahn und Straßmann erstmals eine Kernspaltung. Wenig später bricht der Zweite Weltkrieg aus und Nazi-Deutschland setzt alles daran, eine Atombombe zu bauen.

Nach der Besetzung Paris‘ ab 1940 versucht das NS-Regime die Forschungsarbeiten der Gruppe um Joliot-Curie für ihre Zwecke zu kontrollieren. Besonders das neu entwickelte Zyklotron steht im direkten Fokus. Zur Überwachung der Forscher wird ausgerechnet Wolfgang Gentner (1906-1980) abgestellt, der in den 1930er-Jahren an der Sorbonne mit Marie Curie (1867-1934) zusammengearbeitet hat und mit dem Ehepaar Joliot-Curie befreundet ist. Gentner weiß um die Gefahren einer Atombombe und versucht mit allen Mitteln zu verhindern, dass die Technik in die Hände der Nazis fällt. Er nimmt Verbindung zu Admiral Wilhelm Canaris (1887-1945) auf, der schon seit 1938 zahlreiche Regimegegner heimlich unterstützt, während Frédéric Joliot-Curie sich der Résistance anschließt. Für Gentner beginnt ein gefährliches Vabanque-Spiel, dessen Ausgang völlig offen ist. Er muss nach außen hin an dem deutschen Uranprojekt festhalten, während er gleichzeitig Frédéric und seine Kollegen im Widerstand schützt.

An den Lebensdaten von Gentner und dem Ehepaar Joliot-Curie ist unschwer zu erkennen, dass sie den Krieg überlebt haben. Canaris wird nach dem missglückten Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 verhaftet und 1945 im KZ Flossenbürg zum Tode verurteilt und gehängt.

Meine Meinung:

Der Wissenschaftsjournalistin Astrid Viciano gelingt es ausgezeichnet das komplexe Thema der Kernspaltung so in die Handlung zu integrieren, dass wir Leser nicht im physikalischen und chemischen Fachvokabular untergehen. Sie schreibt die beklemmende und gefährliche Atmosphäre in den Pariser Forschungsstätten. Neben Frédéric Joliot-Curie haben sich noch weitere Wissenschaftler wie Jacques Solomon und Paul Langevin dem französischen Widerstand angeschlossen und sabotieren die Forschungsarbeiten unter anderem am Zyklotron. Daneben erfahren wir einiges über das Privatleben der Joliot-Curies.

Der Schreibstil ist sachlich. Da die Autorin immer wieder die Perspektive verschiedener Personen in den Fokus rückt, kommt es einige Male zu Redundanzen und Wiederholungen.

Fazit:

Diesem Buch, das seinen Fokus auf die historischen Ereignisse legt und daher auch von physikalischen Laien sehr gut lesbar ist, gebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.