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Veröffentlicht am 07.02.2025

Was ist damals geschehen?

Die Villa
1

Jess Ryder hat mit „Die Villa“ einen spannenden Psychothriller vorgelegt, der die Hintergründe um Aoifes Tod näher durchleuchtet. Sie erzählt von damals, als fünf Freundinnen in der Villa Floriana residierten, ...

Jess Ryder hat mit „Die Villa“ einen spannenden Psychothriller vorgelegt, der die Hintergründe um Aoifes Tod näher durchleuchtet. Sie erzählt von damals, als fünf Freundinnen in der Villa Floriana residierten, um hier und im nahen Ferienort ihren Spaß zu haben. Und sie erzählt von heute, von dem Willen, mit dem noch immer unaufgeklärten Tod abzuschließen.

Ein Junggesellinnenabschied muss heutzutage unbedingt sein, zumindest meinen dies Dani, Celine, Tiff und Beth, die es mit der zukünftigen Ehefrau Aoife nochmal so richtig krachen lassen wollen. Das Wochenende in der Nähe von Marbella mit allem Drum und Dran will sorgfältig vorbereitet werden, Tiff übernimmt die Planung. Drei Jahre ist es nun her, dass diese Tage, die unbeschwert sein sollten, völlig aus dem Ruder gelaufen sind. Aoife liegt in ihrem Blut auf den Boden, der Notarzt kann nur noch ihren Tod feststellen.

Was ist damals passiert? Dani fehlen noch immer entscheidende Momente, also beschließt sie, die Freundinnen von damals nochmal zusammenzutrommeln. Vordergründig sollte der Todestag von Aoife gemeinsam begangen werden, aber eigentlich hofft Dani darauf, ihrem lückenhaften Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen. Und auch wenn es so scheint, als ob Celine, Tiff und Beth damit abgeschlossen haben, so lässt Dani nicht locker.

Die Kapitel wechseln vom Damals zum Heute. Sämtliche Locations werden nochmal aufgesucht, auch Aoifes Verlobter Nathan und so einige mehr werden näher betrachtet, das Bild jedes einzelnen setzt sich sukzessive zusammen und wie es so oft der Fall ist, trügt der äußere Schein. Überhaupt werden die Freundschaften untereinander näher durchleuchtet, die so unterschiedlichen, geheimnisumwitterten Charaktere bekommen mehr und mehr Kontur.

Die zwei Zeitebenen wechseln sich ab, beide sind sie spannend umgesetzt. Wie es denn zu dem Tod von Aoife kam, lässt mich aber doch unzufrieden zurück und ist für meine Begriffe nicht so ganz schlüssig. Ich lese eher von Feindschaften denn von Freundschaften, von Misstrauen und kriminellen Machenschaften, all das durchzogen von exzessivem Alkoholkonsum.

Nach etwa einem Viertel des Buches keimte in mir ein Verdacht auf. Ein Gedanke, der wieder verschwand, der aber immer wieder neue Nahrung bekam und der letztendlich auch in die richtige Richtung zielte. Ein durchweg fesselndes Buch, das gut unterhält.

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Veröffentlicht am 04.02.2025

Thriller trifft Mystik

Apartment 5B
3

Lisa Unger inszeniert ihr APARTMENT 5B in vier Akten. Zunächst erfahren wir von der „Erbschaft“. Dieses Apartment, über das wir noch eine ganze Menge erfahren werden, hat Chads Onkel Ivan ihm und seiner ...

Lisa Unger inszeniert ihr APARTMENT 5B in vier Akten. Zunächst erfahren wir von der „Erbschaft“. Dieses Apartment, über das wir noch eine ganze Menge erfahren werden, hat Chads Onkel Ivan ihm und seiner Frau Rosie hinterlassen. Es ist nicht irgendeine Wohnung, nein. Das luxuriöse Apartment befindet sich im „Windermere“-Gebäude, von dem der zweite Akt mehr preisgibt, danach begegnen uns „Geister und Gargoyles“. Mit „Auferstehung“ wird der vierte Akt eingeleitet und abschließend sehen wir noch einige Monate in die Zukunft.

Rosie und Chad sind arm, aber glücklich. Sie schreibt Bücher, er ist ein eher unterbeschäftigter Schauspieler. Beide sind überrascht, dass Ivan sie und nicht seine Tochter Dana als seine Erben eingesetzt hat. Nun, sie machen sich schon Gedanken, wie sie die extrem hohen Fixkosten, die ihre derzeitige Miete übersteigen, aufbringen können und doch entschließen sie sich, ins Windermere zu ziehen.

Lisa Unger versteht es, ihre Leser sofort mitzunehmen. Von Anfang an ist die Atmosphäre bedrückend. Das Windermere hat eine düstere Geschichte, schon früher kam es zu Selbstmorden, die – so meint man zwischen den Zeilen zu lesen - vielleicht Morde waren. Ein Paar, das hier gelebt hat, taucht auf, daneben sind es diese durchscheinenden Gestalten, die Rosie immer mal wieder sieht. Übersinnliches zieht sich durchs Buch, nichts davon ist rational erklärbar. Seltsame Dinge geschehen, das Haus scheint zu leben, mysteriöse Todesfälle werfen Fragen auf, die Nachbarn benehmen sich durchweg befremdlich.

Die Charaktere sind von bieder, unsicher und gutgläubig bis hin zu durchtrieben, rational, stark, selbstbewusst und manipulativ sehr differenziert dargestellt. Sie sind durchweg glaubhaft angelegt, ich war bei so einigen hin- und hergerissen, wusste nicht so recht, was ich von denen halten sollte. Sie sind undurchschaubar bis zuletzt, genau so, wie ich es von einem Thriller erwarte.

Das Mystische zwischendurch ist gut integriert, solange es nicht zu sehr ins Übersinnliche abdriftet – was schon auch der Fall ist. Hier war ich raus. Und das zwar überraschende, aber zu süßliche Ende mochte ich gar nicht. Und doch war der Thriller ein spannender Nervenkitzel, den ich - mit den vorgenannten Abstrichen - gerne gelesen habe.

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Veröffentlicht am 30.01.2025

Zug-Gespräche

In einem Zug
1

Eduard Brünhofer ist Autor von diversen Liebesromanen, er ist seit einer halben Ewigkeit verheiratet und nun sitzt er „In einem Zug“, ihm schräg gegenüber hat sich eine Frau mittleren Alters dazugesellt, ...

Eduard Brünhofer ist Autor von diversen Liebesromanen, er ist seit einer halben Ewigkeit verheiratet und nun sitzt er „In einem Zug“, ihm schräg gegenüber hat sich eine Frau mittleren Alters dazugesellt, sie stellt sich ihm als Catrin Meyr vor.

Zwei Menschen, einander völlig fremd, begegnen sich. Sie fahren ab Wien, sitzen im selben Abteil und wie es so ist, kommen sie ins Gespräch, besser gesagt, sie spricht ihn an. Sie meint, in ihm ihren ehemaligen Englischlehrer zu erkennen, was er verneint. Der Anfang ist gemacht, zumindest aus ihrer Sicht. Denn er will seine Ruhe haben, er ist unterwegs nach München, ihm steht ein unangenehmer Termin bevor.

Daniel Glattauer erzählt unaufgeregt, er lässt diese beiden Fremden aufeinander los, den antreibenden Part übernimmt sie, die sich ihm als Therapeutin vorstellt. Und schon habe ich ein Schema vor Augen. Meine, dass ein Therapeut eher zuhört denn den anderen mit Fragen löchert und ihn dabei immer weiter zurückdrängt. Catrin drängt sich ihm auf, sie drängt sich in sein Leben auf eine geradezu penetrante Art und ich frage mich, warum er, der doch mit Worten umgehen kann, sich dermaßen entblößen lässt. Sie will von seiner Ehe alles wissen, geht ins intimste Detail, zwischendurch dann fließt Alkohol nicht zu knapp, sie redet ohne Luft zu holen, schließt auch Fragen zu seiner monetären Situation nicht aus. Und er – antwortet brav, wenngleich er in seinen Gedanken eine andere, eine starke Rolle einnimmt, die ihr Halt gebietet. Es sind jedoch lediglich gute Vorsätze, die er vergisst, sobald sie ihn wieder geschickt auf ihre Fährte lockt.

„Ich rede nicht gerne und ich rede auch nicht viel. Normalerweise. Wenn ich etwas zu vermelden habe, dann schreibe ich es nieder, dann lege ich es einer meiner Romanfiguren in den Mund.“

Nun, diese Zugfahrt beginnt ganz amüsant, driftet aber bald in eine Richtung, die mir so gar nicht gefällt. Am liebsten würde ich Eduard an die Hand nehmen und ihn aus den Fängen dieser Frau befreien wollen. Catrin stellt die Liebe ihres Gegenübers auf die Probe, sie kennt keine Grenzen, ist übergriffig bis unerträglich. Ich bin gespannt, wohin die Reise letztendlich geht, welches Ziel Catrin verfolgt. Ihre Fragen sind zunächst ganz unverfänglich, sie will von dem Autor, der von der Liebe schreibt, mehr darüber wissen. Die Dialoge sind witzig, zuweilen schräg, die Gespräche anregend, verlieren sich aber zwischendrin in Belanglosigkeiten.

Der tiefere Sinn dahinter – ich ahne es, je mehr sie sich dem Hbf von München nähern. Hier bin ich wieder einigermaßen versöhnt, wenngleich die Figur Catrin meine Nerven über weite Strecken arg strapaziert hat und auch Eduard kommt mit seiner fast schon arglosen Gutmütigkeit nicht sehr lebensnah daher. Und doch war diese Zugfahrt nicht ohne, bis auf einige Längen hat mich das Buch dann doch gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 28.01.2025

Wenn die Vergangenheit dich einholt

Dunkle Asche
0

„Die Haustür wurde geöffnet. Jemand kam herein. Schritte, die sich näherten, dann wurde der Lichtschalter umgelegt. Eine Gestalt stand in der Tür. Was machst du den hier?“ Es ist der 15. Juli 1992, eine ...

„Die Haustür wurde geöffnet. Jemand kam herein. Schritte, die sich näherten, dann wurde der Lichtschalter umgelegt. Eine Gestalt stand in der Tür. Was machst du den hier?“ Es ist der 15. Juli 1992, eine halbe Stunde nach Mitternacht.

Es geht um den Mord an Sanna, eine 18jährige, die damals im Ferienhaus ihrer Eltern mit zwölf Messerstichen getötet wurde und wie sich herausstellte, wurde das Haus anschließend in Brand gesteckt. Schon der Prolog legt klar, dass da jemand etwas entdeckt hat, was nie an die Öffentlichkeit dringen darf. Wer das war und auch dessen Motiv bleiben sehr lange im Unklaren.

Der Fall wird von der Cold Case Unit der Kripo Kiel neu aufgerollt, nachdem ein Anruf eingeht - ein Schwerkranker will eine Aussage bezüglich dieses dreißig Jahre zurückliegenden Falles machen. Das Ermittlerduo Möller/Engster werden darauf angesetzt, die alten Akten werden als Grundlage für ihre erneuten Ermittlungen herangezogen. Die beiden erhoffen sich neue Hinweise, da sie heute bezüglich der alten Spuren wesentlich mehr Möglichkeiten haben, daraus ihre Schlüsse zu ziehen. Zunächst stoßen sie auf eine Mauer des Schweigens, auch spüren sie instinktiv, dass es eher Lügen denn Erinnerungslücken sind, die ihnen aufgetischt werden.

Gudrun Möller und ihre neue Kollegin Judith Engster könnten unterschiedlicher nicht sein. Die eine ist impulsiv und durchaus trinkfest, während die andere eher die kühle Methodikerin ist, beide sind sie in den Fünfzigern. Dass Gudrun in diesem Sommer in die Clique um die ermordete Sanna involviert war, ist schon heikel. Die damaligen Freunde werden nun erneut verhört, dabei macht sich so mancher verdächtig. Und zwischendurch sind es die Gedanken des wahren Täters, die kurz aufblitzen - er scheint die Ermittlungen genau zu beobachten.

Die beiden Ermittlerinnen haben auf den ersten Blick so gar nichts gemeinsam und doch wachsen sie zusammen – irgendwie. Beide sind sie ehrgeizig, wobei ihr privater Hintergrund unterschiedlicher nicht sein kann. Gudruns damaliges Umfeld ist in Visier ihrer Polizeiarbeit, dabei stellt sich schon heraus, dass der Fall vor dreißig Jahren zu schnell abgehandelt und abgehakt wurde. Jona Thomsen gibt Einblicke in den damaligen Freundeskreis, wir erleben sie auch im Heute und nicht nur einer macht sich verdächtig. Es sind ganz und gar unterschiedliche Charaktere, nicht jedem gelingt ein Leben auf der Überholspur.

Mich hat „Dunkle Asche“ von Anfang an abgeholt, ich wollte wissen, wer denn dieser Unbekannte ist, der seelenruhig auf sein späteres Opfer zu warten scheint, um seine verräterischen Spuren dann gewissenhaft in Flammen aufgehen zu lassen. So einige hatte in Verdacht, der wahre Schuldige war lange nicht dabei. Was ich nicht ganz nachvollziehen kann ist die Tatsache, dass Gudrun, trotzdem sie damals in Sannas Nähe war und so gut wie alle kannte, den Fall bearbeiten konnte. Davon abgesehen ist Jona Thomsen ein durchweg spannender Krimi mit interessanten Protagonistinnen und auch ansonsten authentischen Charakteren gelungen.

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Veröffentlicht am 28.01.2025

Interessante Erzählweise

Dancing Queen
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„Die Orientierungslosigkeit der Millennials“ hat mich zunächst irritiert, ich musste mich sozusagen erst einlesen in Paulinas Geschichte. Paulina wacht blutend und bewegungsunfähig in einem verunfallten ...

„Die Orientierungslosigkeit der Millennials“ hat mich zunächst irritiert, ich musste mich sozusagen erst einlesen in Paulinas Geschichte. Paulina wacht blutend und bewegungsunfähig in einem verunfallten Auto auf, das Mädchen auf dem Beifahrersitz kennt sie nicht. Was ist passiert?

Die Mittdreißigerin bekommt gefühlt nichts auf die Reihe, ihre biologische Uhr tickt, mit dem Freund, den sie nicht halten kann, trifft sie sich so dann und wann, denn so ganz kann sie ihn nicht loslassen, er schwirrt noch immer in ihren Gedanken herum. Sie liest Liebesgeschichten, die sie so nie erleben wird, hängt ihrem jüngeren Ich nach. Sie fühlt sich „wie ein Musikstück mit überwiegend dissonanten Tönen“. Sie lebt in Buenos Aires, ist mit ihrer Kollegin Maite auf dem Weg zu deren Zuhause, sie lernt neue Leute kennen, zwischendurch dann schwenkt der Fokus in das Unfallfauto mitsamt Paulina und dem Mädchen, von dem wir irgendwann erfahren, dass sie Lara heißt.

Wie oben erwähnt, war ich ziemlich ratlos, nachdem ich von dem Unfall gelesen und gemeint habe, jetzt ginge es „normal“ weiter. Was auch immer als normal gelten mag. Nun, das Leben kommt Paulina in Gedankenfetzen dazwischen, was auch angesichts ihrer Situation durchaus verständlich scheint. Zumindest dann, wenn die wie lose zusammengesammelten Ideen besser greifbar werden und spätestens dann war ich mit Paulinas Geschichte versöhnt.

Camila Fabbri hat schon einen ganz eigenen Schreibstil, der als zerrissen durchgehen kann, wenn man sich auf diese Art der Darstellung nicht einlassen will oder kann. Alle Charaktere sind eher kurz skizziert und auch Paulina kommt eher steril, ja blutleer bei mir an. Vordergründig ist sie es, von der erzählt wird. Und eigentlich ist es die Generation der Millennials, die durchs Leben stolpern.

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