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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.07.2025

Es hätte so gut werden können

Eine falsche Lüge – Wird es ihre letzte sein?
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Die Ausgangssituation dieses größtenteils in New York spielenden Thrillers fand ich vielversprechend: Im Zentrum steht die notorische Lügnerin Sloane Caraway, die durch eine zufällige Begegnung und ein ...

Die Ausgangssituation dieses größtenteils in New York spielenden Thrillers fand ich vielversprechend: Im Zentrum steht die notorische Lügnerin Sloane Caraway, die durch eine zufällige Begegnung und ein paar gutplatzierte Manipulationen einen Job als Kindermädchen bei einer reichen Familie ergattert. Eine eher labil wirkende Hauptfigur mit einigen beunruhigenden Verhaltensweisen; undurchsichtig, aber nicht komplett unsympathisch – da wollte ich doch wissen, was dahintersteckt. Sloane hütet einige Geheimnisse, die man als Leser*in erst nach und nach erfährt. Eine unterschwellige Spannung, ein „Das kann doch nicht gutgehen“ baut sich immer weiter auf, ohne dass die Geschichte handlungstechnisch an Fahrt aufzunehmen scheint. Pageturner-Charakter hat sie allerdings; das Agieren von Antiheldin Sloane hat mich nicht losgelassen. Dann kam ein Twist, der mich begeistert hat. Und dann? Ging alles den Bach runter.

Bei vielen Thrillern schadet es nichts, in Sachen Logik ein Auge zuzudrücken. Was Autorin Sophie Stava ihren Leserinnen und Lesern aber hier zumutet: huiuiui. Da werden Pläne geschmiedet, die dermaßen hanebüchen sind, dass ich froh bin, hier nicht ins Detail gehen zu dürfen – ich wüsste gar nicht, wo anfangen. Das Ende selbst habe ich nicht kommen sehen, was aber vor allem daran liegt, dass die Entwicklungen dorthin so haarsträubend sind. Ich fand „Eine falsche Lüge“ zwar spannend und habe das Buch recht schnell durchgelesen, doch es bleibt ein reichlich schaler Nachgeschmack. Der langsame Aufbau, die Entwicklung – das hatte mir alles gefallen. Im letzten Drittel hat es die Autorin dann leider vermasselt.

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Veröffentlicht am 31.01.2025

True-Crime- statt Krimi-Dinner

Das Dinner – Alle am Tisch sind gute Freunde. Oder?
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„Das Dinner“ hatte das Zeug, ein Thriller ganz nach meinem Geschmack zu werden: Fünf Freunde und ein vermeintlich fröhliches Zusammenkommen, das nach und nach durch immer mehr ans Licht kommende Geheimnisse ...

„Das Dinner“ hatte das Zeug, ein Thriller ganz nach meinem Geschmack zu werden: Fünf Freunde und ein vermeintlich fröhliches Zusammenkommen, das nach und nach durch immer mehr ans Licht kommende Geheimnisse getrübt wird. Begeistert hat mich das Buch aber leider nicht, was zum einen an gewissen Längen, zum anderen an ein paar Logiklücken liegt.

Lotta und Jonathan haben ihre alte Clique zu einem Abendessen eingeladen, nachdem sie sie jahrelang nicht gesehen haben: Kiano ist Jonathans ehemals bester Freund, Hanna Jonathans Schwester und Tristan ihr Ex. Man trifft sich in einem so stylischen wie abgelegenen Restaurant in der Eifel, das das Pärchen Lotta und Jonathan zusammen managt. Geplant ist ein Krimi-Dinner, wie zu früheren, unbeschwerten Zeiten. Doch ein Stuhl bleibt leer: Der von Maria, Hannas bester Freundin, die vor fünf Jahren bei einem Musikfestival spurlos verschwunden ist. Der verbliebene Freundeskreis hat sich seitdem nicht mehr getroffen, doch nun will man nach vorne sehen – oder? Beim Krimi-Dinner kommen Erinnerungen an jenen letzten Festivalabend hoch und es wird schnell klar, dass einige der Mitspielenden etwas zu verbergen haben und nicht mehr allzu viele freundschaftliche Gefühle vorhanden sind. Und irgendjemand scheint sein ganz eigenes Spielchen zu spielen – aber wer? Und warum?

Emily Rudolf lässt alle Figuren zu Wort kommen, sowohl in Rückblenden als auch in der Krimi-Dinner-Gegenwart. Das macht das Ganze zunächst sehr abwechslungsreich, hilft beim Kennenlernen der Charaktere und bei der Einschätzung der Situation. Allerdings kommt irgendwann der Punkt, an dem Lotta, Jonathan, Kiano, Hanna und Tristan ihre Erinnerungen immer genauer miteinander abgleichen – und da wird es dann manchmal etwas eintönig. Das Festivalgeschehen spielt sich zwischen Zelten, Tanzfläche und Toiletten ab; hier gibt es naturgemäß nicht so viel Abwechslung, wenn auch etwas mehr als beim gegenwärtigen Setting im Restaurant. Darüber hinaus habe ich weniger mit den Protagonistinnen und Protagonisten mitgefiebert als erwartet, denn kaum eine*r von ihnen war wirklich sympathisch; stattdessen werden jede Menge fragwürdige Entscheidungen bezüglich Partnerwahl und Substanzkonsum getroffen. Am Ende wartet Rudolf noch mit überraschenden Twists auf, bei denen allerdings nicht jedes Detail logisch erscheint. Insgesamt hatte ich mir von diesem Thriller einfach mehr erhofft.

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Veröffentlicht am 18.11.2023

Aus dem Leben eines Dreifachvaters

Väter sind was Wunderbares, das muss man den Müttern nur immer wieder sagen
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Humor ist bekanntermaßen Geschmackssache und Alexander Bayers und meine Wellenlängen kreuzen sich leider nur gelegentlich. Sein „Insiderbericht von der Windelfront“ deckt von der Verkündung der Schwangerschaft ...

Humor ist bekanntermaßen Geschmackssache und Alexander Bayers und meine Wellenlängen kreuzen sich leider nur gelegentlich. Sein „Insiderbericht von der Windelfront“ deckt von der Verkündung der Schwangerschaft bis hin zum Leben mit Schulkind alle möglichen Themenbereiche rund ums Familienleben ab. Über Geburtsvorbereitungskurse etc. hatte ich vielleicht einfach schon zu viele Kalauer gehört; die ersten Kapitel waren nicht so meins. Dann wurde es stellenweise viel besser; insbesondere die Passagen mit längeren Dialogen zwischen Vater und Kindern haben mir gefallen; schnelle Wortwechsel, viel Situationskomik und Mitgefühl für den Vater habe ich auch bekommen. Oft blieb mir Bayers Humor aber zu übertrieben. Vielleicht ist das Buch eher für Väter als für Mütter?

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Veröffentlicht am 30.06.2023

Starker Start, lässt dann jedoch nach

Zwei Fremde
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Die 33-jährige Remie Yorke tritt ihre letzte Schicht als Nachtmanagerin des Mackinnon an. Am nächsten Tag beginnt die Winterpause des einsam in den Highlands gelegenen Hotels, nach der sie nicht mehr zurückkehren ...

Die 33-jährige Remie Yorke tritt ihre letzte Schicht als Nachtmanagerin des Mackinnon an. Am nächsten Tag beginnt die Winterpause des einsam in den Highlands gelegenen Hotels, nach der sie nicht mehr zurückkehren möchte. Es ist ein ruhiger Abend mit nur noch zwei Hotelgästen im Haus und zunächst wird Remies Vorfreude nur durch einen aufziehenden, schweren Schneesturm getrübt. Doch dann klingelt ein Mann, der sich als Police Constable Gaines ausweist und berichtet, dass es bei einem Gefangenentransport ganz in der Nähe einen Unfall gab und der Schwerverbrecher Troy Foley flüchtig ist. Über eine Stunde später klingelt ein weiterer Verletzter in Uniform, der die gleiche Geschichte erzählt und sich ebenfalls als Gaines vorstellt. Einer von ihnen lügt offensichtlich und Remie, die bis zum nächsten Morgen die einzige Hotelangestellte vor Ort ist, muss sich entscheiden: Wem kann sie vertrauen? Und wie kann sie sich und ihre Gäste schützen?

Die Ausgangssituation in „Zwei Fremde“ sorgt sofort für Spannung: Eine Frau, fast auf sich alleine gestellt, muss eine Einschätzung treffen, von der vermutlich ihr Leben abhängt. Unweigerlich stellt sich die Frage, wie man an Remies Stelle handeln würde und wer denn nun der echte Gaines ist. Das undurchsichtige Katz-und-Maus-Spiel, das die ersten zwei Drittel des Thrillers prägt, fand ich dann auch am Fesselndsten, obwohl das Verhalten der verschiedenen Figuren mehr und mehr Rätsel aufgab.

Doch nach und nach geht dem Thriller etwas die Luft aus und Ungereimtheiten häufen sich. Im Nachhinein ist klar, dass fast alle Protagonistinnen und Protagonisten die Möglichkeit gehabt hätten, ihr jeweiliges Ziel schneller und risikoloser zu erreichen. Die durchaus überraschenden Wendungen verhindern leider auch nicht, dass „Zwei Fremde“ mehr und mehr an Nachvollziehbarkeit einbüßt. Schade, es begann alles sehr vielversprechend.

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Veröffentlicht am 23.10.2022

Abzug in der B-Note

Freiheitsgeld
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Bedingungsloses Grundeinkommen, Neubauten aus dem 3-D-Drucker, großflächige Naturschutzzonen überall in Deutschland - eine schöne neue Welt ist das, die Autor Andreas Eschbach für das Jahr 2064 entworfen ...

Bedingungsloses Grundeinkommen, Neubauten aus dem 3-D-Drucker, großflächige Naturschutzzonen überall in Deutschland - eine schöne neue Welt ist das, die Autor Andreas Eschbach für das Jahr 2064 entworfen hat. Mit dem sogenannten Freiheitsgeld richten sich die Figuren des gleichnamigen Romans völlig unterschiedlich ein: Sie hängen zugedröhnt zu Hause ab, gehen einem Job aus Leidenschaft nach oder zahlen einen hohen Preis, um sich besonderen Luxus leisten zu können, der Durchschnittsbürger*innen nicht mehr zur Verfügung steht. Eschbach gelingt ein faszinierendes, durchdachtes und dichtes Worldbuilding, das am besten funktioniert, wenn er es wie nebenbei in die Handlung einfließen lässt. Ein Teil der Informationen wird allerdings auch über längere Monologe und Gedankenstränge vermittelt. Dies wirkt nicht weniger stimmig, liest sich aber etwas aufgesetzt.

Ich habe mich sehr auf die Lektüre von „Freiheitsgeld“ gefreut und war gespannt, welche Dystopie Eschbach aus der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens entwickelt. Der Roman liest sich dann auch fesselnd und teilweise erschreckend. Einige Passagen haben mich allerdings ziemlich irritiert und mir so etwas Lesefreude genommen: Wenn es um Paarbeziehungen geht, von denen es in „Freiheitsgeld“ einige gibt, wird die Darstellung oft schwächer. Die Schilderung der meisten Charaktere bleibt sehr oberflächlich, stellt Interaktionen stereotyp dar und hat mich auch ab und zu verwirrt, da sich Protagonisten öfters unstimmig verhalten. Die Ausgestaltung neuer Lebenswelten liegt dem Bestseller-Autor offensichtlich mehr, als sich in zwischenmenschliches Verhalten einzufühlen.
Als zweite große Schwäche von „Freiheitsgeld“ empfinde ich, dass der Roman trotz gleich mehrerer Verbrechen, die ein junger, ehrgeiziger Polizist zu lösen versucht, sehr lange nur vor sich hinzuplätschern scheint. Die eigentliche Action kommt erst kurz vor Schluss und verpufft dann auch gleich wieder. Nach dem aufwändigen Worldbuilding bin ich doch etwas enttäuscht, wie unbedeutend die Rollen einiger Figuren letztendlich sind. Es bleibt das Gefühl, dass Eschbach aus „Freiheitsgeld“ mehr hätte machen können. Er hatte eine spannende Idee und beschreibt eine Welt, die so dicht an der Realität und dann doch wieder so anders ist, dass es mich gleichzeitig fasziniert und gegruselt hat. Die eigentliche Handlung und die von ihm geschaffenen Charaktere fallen dahinter zurück, als hätte der Autor auf ihre Ausgestaltung keine rechte Lust mehr gehabt. Wie schade, denn eigentlich hat „Freiheitsgeld“ alle Anlagen, um eine 5-Sterne-Bewertung zu bekommen.

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