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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.02.2025

Kind zweiter Klasse

Im Namen der Barmherzigkeit
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Die knapp dreijährige Steffi kommt in den Siebzigerjahren als Pflegekind auf einen abgelegenen Bauernhof zur Familie Kellerknecht. Dort muss sie zusammen mit den anderen Pflegekindern harte Arbeit verrichten, ...

Die knapp dreijährige Steffi kommt in den Siebzigerjahren als Pflegekind auf einen abgelegenen Bauernhof zur Familie Kellerknecht. Dort muss sie zusammen mit den anderen Pflegekindern harte Arbeit verrichten, bei karger Kost und Logis, während die echten Kinder ein Leben wie im Traum führen. Als Steffi ihre Tage bekommt, wird sie regelmäßig vom Bauern missbraucht. Mit fünfzehn entwickelt sie eine Magersucht und kommt in die Psychiatrie. Noch traut sie sich nicht, das Geschehene anzusprechen. Als sie kurz darauf schwanger wird von einem vermeintlichen Freund, wird sie in ein Kloster abgeschoben, in dem sich barmherzige Nonnen um ledige junge Mütter kümmern. Steffi will ihrer kleinen Tochter eine bessere Kindheit bieten. Gleichzeitig macht sie sich auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter.

Die Geschichte stützt sich auf wahre Geschehnisse, wurden doch bis in die 80er Jahre hinein Pflegekinder in Bauernfamilien untergebracht, wo sie unter oft menschenunwürdigen Zuständen nach Strich und Faden ausgenutzt wurden. Sie wurden zu Kindern zweiter Klasse. Steffi und die anderen Pflegekinder der Familie Kellerknecht sind dabei ganz auf sich allein gestellt, die Pflegeeltern wissen, wie sie sich das Jugendamt geneigt halten können, so dass keiner genau hinsieht. Es ist schrecklich, von ihren Erlebnissen zu lesen, man mag sich kaum das Leben dieses Kindes vorstellen. Und doch taucht man als Leser tief in die Ereignisse hinein, die Autorin Hera Lind versteht es, den Stoff ihrer Geschichte äußerst fesselnd zu erzählen. Steffis Schicksal geht unter die Haut, von der ersten Seite bis zur letzten.

Dieser Roman nach einer wahren Geschichte hat mich schnell in seinen Sog ziehen können, so dass ich das Buch sehr gerne weiter empfehle. Ich vergebe alle 5 möglichen Sterne.

Veröffentlicht am 31.01.2025

Vergnügliche Verkettung unglücklicher Umstände

Mordscoach
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Sophie Stach ist Coachin und Psychoanalytische Supervisorin. Ihre Praxis führt sie ganz erfolgreich. Auch in ihrer Ehe hat sie die erlernten Methoden eingeführt, mit ihrem Ehemann Jakob führt sie Paargespräche ...

Sophie Stach ist Coachin und Psychoanalytische Supervisorin. Ihre Praxis führt sie ganz erfolgreich. Auch in ihrer Ehe hat sie die erlernten Methoden eingeführt, mit ihrem Ehemann Jakob führt sie Paargespräche und Achtsamkeitsrituale. Ihre Ehe scheint ganz harmonisch zu sein. Doch dann kommt Jakobs Affäre in ihre Sprechstunde. Sophie reagiert für sie selbst völlig überraschend, sie ist rasend eifersüchtig – und plötzlich ist Amelie tot. Die Leiche muss weg, und niemand hat das beobachtet. Und was wenn doch?

Sophies Veränderung von der korrekten Therapeutin zur Serienmörderin entwickelt eine ganz eigene Komik. Sophie ist nämlich das perfekte Abziehbild der perfekten Therapeutin – zunächst mal. Sie scheint alles im Griff zu haben. Das ist wunderbar überzeichnet geschildert, ein Seitenhieb auf alle Therapeuten, die ihr Leben so scheinbar im Griff haben. Damit überrascht Sophie nicht nur sich selbst, wie schnell sie sich verändert, sondern auch den Leser. Hier reiht sich eine Verkettung unglücklicher Umstände an die andere. Das ist richtig vergnüglich zu lesen, man kichert immer wieder vor sich hin und freut sich auf die nächste überraschende Wendung, die Sophie zu bewältigen hat.

Dieser humorvolle Krimi ist ein Must-have für alle Therapeuten, um sich selber nicht allzu ernst zu nehmen, aber auch für alle, die eine vergnügliche Auszeit haben wollen. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe alle 5 möglichen Sterne.

Veröffentlicht am 21.01.2025

Bestens informiert ins All

Ab ins All!
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Was braucht man, um einen fremden Planeten zu einer weiteren Heimat zu machen? Abgesehen von dem finanziellen Aufwand gibt es noch ein paar weitere „Kleinigkeiten“ zu bedenken. Wie müsste ein idealer Planet ...

Was braucht man, um einen fremden Planeten zu einer weiteren Heimat zu machen? Abgesehen von dem finanziellen Aufwand gibt es noch ein paar weitere „Kleinigkeiten“ zu bedenken. Wie müsste ein idealer Planet aussehen, könnte man ihn terraformen? Was braucht es für den Flug dorthin, was braucht es, um dort zu überleben?

Umfassend hat die Wissenschaftsjournalistin Anne-Dorette Ziems sich mit diesen Fragen beschäftigt und bringt die Ergebnisse nun leicht verständlich an alle, die sich für dieses Thema interessieren. Ein rückwärts zählender Countdown bringt den Leser durch 10 Kapitel hin zum Höhepunkt, was alles nötig ist, wenn man denn mal auf dem avisierten neuen Planeten angekommen ist, um dort zu siedeln. Kurz gestreift werden auch die Visionen, die man so aus der Science-Fiction-Ecke kennt. Immer wieder blitzt auch der Humor durch, was das Sachbuch nicht nur sehr informativ werden lässt, sondern auch gut lesbar. Die Informationen nehmen den Leser dort ab, wo er steht, auch ohne weitere Vorkenntnisse vorauszusetzen.

Dieses gelungene Sachbuch informiert sehr umfassend und humorvoll zu seinem Thema, so dass ich das Buch sehr gerne weiter empfehle. Ich vergebe alle 5 möglichen Sterne.

Veröffentlicht am 17.01.2025

Rachelüstern

Blutbuße
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Während das Bergdorf Åre von Skitouristen überlaufen ist, wird die Stockholmer Immobilienentwicklerin Charlotte Wretlind in ihrem Hotelzimmer brutal ermordet. Hanna Ahlander und Daniel Lindskog übernehmen ...

Während das Bergdorf Åre von Skitouristen überlaufen ist, wird die Stockholmer Immobilienentwicklerin Charlotte Wretlind in ihrem Hotelzimmer brutal ermordet. Hanna Ahlander und Daniel Lindskog übernehmen die Ermittlungen. Hat sich die Immobilienentwicklerin in krumme Geschäfte eingelassen? Sie wollte ein verlassenes Hochgebirgshotel abreißen lassen und durch ein spektakuläres Luxushotel ersetzen. Die Anwohner können sich mit diesem Projekt nicht anfreunden. Dann geschieht ein zweiter Mord. Und den Ermittlern wird klar, dass nichts in diesem Fall so ist wie es scheint.

Das Buch ist bereits der dritte Fall für Hanna Ahlander und ihren Kollegen Daniel Lindskog. Der Fall ist in sich abgeschlossen, so dass man das Buch auch ohne weitere Vorkenntnisse lesen könnte. Doch wer sich auch für das Privatleben der Ermittler interessiert, kann die Feinheiten der Geschichte erst herauslesen, wenn die Bände in der richtigen Reihenfolge gelesen werden. Die Geschehnisse werden aus verschiedenen Perspektiven erzählt, und anfangs konnte ich die Handlungsfäden nicht so recht miteinander in Verbindung bringen, doch je mehr das Buch voranschritt, umso spannender wurde gerade diese Verknüpfung der Handlungsebenen. Ein ziemlich furioser und doch glaubwürdiger Showdown führt zu einem höchst spannenden Höhepunkt.

Mich hat dieser Krimi von Anfang an fesseln können, so dass ich das Buch sehr gerne weiter empfehle. Sehr gerne vergebe ich alle 5 möglichen Sterne.

Veröffentlicht am 15.01.2025

Warmherzige Geschichte mit vielen leisen Tönen

Wohnverwandtschaften
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Constanze hat sich von ihrem Lebensgefährten getrennt und zieht vorübergehend in eine Wohngemeinschaft mit Jörg, Murat und Anke. Die Wohnung gehört Jörg, der eigentlich auf eine Reise nach Georgien aufbrechen ...

Constanze hat sich von ihrem Lebensgefährten getrennt und zieht vorübergehend in eine Wohngemeinschaft mit Jörg, Murat und Anke. Die Wohnung gehört Jörg, der eigentlich auf eine Reise nach Georgien aufbrechen will, doch bald fragt man sich, wie das gehen soll, wird er doch immer vergesslicher. Anke ist eine Schauspielerin, die aufgrund ihres Alters kaum noch Rollen angeboten bekommt. Murat ist eine Frohnatur, der immer wieder die gesamte WG bekocht. Doch die vorübergehende Lösung wird zu einem dauerhaften Arrangement, Constanze kann sich bald gar nicht mehr vorstellen auszuziehen. Und so müssen sich die vier WG-Bewohner überlegen, ob sie eine reine Zweck-WG sind oder doch eine Wahlfamilie.

Die Geschichte überzeugt mit vielen leisen Tönen, denn die vier WG-Bewohner finden auf eine äußerst freundschaftliche Art zusammen. Man möchte fast selbst dort einziehen und sich bei den Schlemmereien beteiligen, die Murat aus dem Stegreif zaubern kann. Und so ist es denn auch ein deutliches Zeichen ihrer Freundschaft, wenn sie eine schwierige Situation gemeinsam meistern. Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven erzählt, so dass der Leser sich gut in die Gedanken der Protagonisten hineinfinden kann. Die Geschehnisse sind sehr einfühlsam erzählt, das kann die Autorin Isabel Bogdan sehr gut.

Diese warmherzige Geschichte hat sich mit ihren leisen Tönen in mein Herz geschlichen. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe alle 5 möglichen Sterne.

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