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Veröffentlicht am 06.03.2025

Lodernder Sturm

The Christmas Fix
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Die Kleinstadt Merry (Connecticut) wird vom Hurrikan Veronica heimgesucht, die halbe Stadt steht unter Wasser. Bürgermeister Noah Yates weiß, dass staatliche Hilfen möglicherweise erst in einigen Monaten ...

Die Kleinstadt Merry (Connecticut) wird vom Hurrikan Veronica heimgesucht, die halbe Stadt steht unter Wasser. Bürgermeister Noah Yates weiß, dass staatliche Hilfen möglicherweise erst in einigen Monaten eintreffen, tut sich aber gleichzeitig schwer dabei, die Unterstützung von Catalina – Cat – King und ihrem Reality-TV anzunehmen, da er befürchtet, dass es ihr nur um Quoten und Selbstdarstellung geht. Während Cat und Noah einen Streit nach dem anderen ausfechten, spürt ihre Umgebung schon einen ganz anderen Sturm auflodern.

Cat ist eine selbstbewusste junge Frau, die sich ihre Position im Showbusiness hart erarbeitet hat und ihr Leben tagtäglich so genießt, wie es gerade daherkommt, Noah ein rational vorgehender Mensch, der jeden Schritt mehrfach abwägt und daher heimlich als „Mr. Neinsager“ in der Stadt gilt. Dass Turbulenzen vorprogrammiert sind, wenn die beiden aufeinandertreffen, ist also keineswegs verwunderlich. Die Rahmenhandlung mit einer überfluteten Stadt und etlichen Bürgern ohne Dach über dem Kopf zwingt alle Beteiligten zum raschen Handeln, für Gefühle kann gar keine Zeit bleiben. Leider vermisst man diese aber auch später, während der Putz- und Wiederaufbauarbeiten und der sich anbahnenden Liebelei. Obwohl abwechselnd aus Cats und Noahs Sicht erzählt wird, können deren Emotionen nicht richtig an die Oberfläche dringen, schon gar nicht mich als Leser so berühren, dass ich mit ihnen fühle. Ich kann nicht genau benennen, woran es liegt, ich vermisse die romantische Stimmung, die weihnachtliche Atmosphäre, welche ich trotz einer vorangegangenen Katastrophe erwartet habe. Das Ende kommt dann überhastet, der zweite Epilog zieht die Sache unnötig in die Länge.

Die Idee zum Buch, welche der Klappentext vermittelt, gefällt mir ausgezeichnet, die Geschichte selbst könnte aber ein wenig straffer, dafür mehr gefühlsbetont sein. Alles in allem eine reizvolle Geschichte, die gut rund um die Weihnachtszeit passt.

Veröffentlicht am 15.02.2025

Krieg

Ginsterburg
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1935: Langsam, aber spürbar ändert sich im kleinen Städtchen Ginsterburg die Stimmung. Die Jugend marschiert zur HJ bzw. zum BDM, Lothar lässt sich zum Piloten ausbilden, Blumenhändler Gürckel wird Kreisleiter. ...

1935: Langsam, aber spürbar ändert sich im kleinen Städtchen Ginsterburg die Stimmung. Die Jugend marschiert zur HJ bzw. zum BDM, Lothar lässt sich zum Piloten ausbilden, Blumenhändler Gürckel wird Kreisleiter. Über einen Zeitraum von zehn Jahren beobachtet Arno Frank, wie der Krieg die Menschen beeinflusst.

Drei große Abschnitte, drei Jahre, 1935, 1940 und 1945, führen durch die Handlung, welche eher eine Ansammlung an Puzzlestücken ist als ein dahinfließendes Geschehen. Mehrere Personen aus Ginsterburg stehen im Mittelpunkt, und obwohl sie vieles am gemeinsamen Wohnort verbindet, gibt es große Verschiedenheiten, ganz besonders im Umgang mit dem Krieg. Obwohl Arno Frank mit seinen Figuren beste Beispiele erschafft, wie Menschen auf Judenhass, Paragraf 175 oder Gier nach Macht reagieren, wie auch Familienzusammenhalt und Liebe weitergehen können, so verspürt man beim Lesen kaum Gefühlsregungen. Einzelne, häufig wechselnde Szenen, nüchterne Beschreibungen, teilweise ohne Dialoge, lassen die Handlung manchmal eher zäh erscheinen, in die Figuren hineinversetzen, das funktioniert nur selten. Es braucht keine brutalen Episoden in solch einem historischen Roman, aber ein wenig mehr an Emotionen hätte schon sein dürfen. So fügen sich leider nur viele kleine Puzzlesteine aneinander, die zwar wichtige Themenbereiche ansprechen, aber das Gefühl einer real ablaufenden Geschichte vermissen lassen.

Ein nüchtern und kühl gehaltener Roman über die Zeit von 1935 bis 1945 mit einer Fülle an Botschaften, die jedoch die emotionale Ebene beim Leser kaum erreichen. 3 Sterne.

Veröffentlicht am 10.02.2025

Geständnis

Ein Sonntag in den Bergen
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Der Schweizer Architekt und Autor Daniel de Roulet hat im Jahre 1975 das in den Bergen gelegene Chalet des Pressemagnaten Axel Springer in Brand gesetzt. Erst viele Jahre später erkennt er, dass sein Motiv ...

Der Schweizer Architekt und Autor Daniel de Roulet hat im Jahre 1975 das in den Bergen gelegene Chalet des Pressemagnaten Axel Springer in Brand gesetzt. Erst viele Jahre später erkennt er, dass sein Motiv auf falschen Annahmen beruht, weshalb er dieses Buch als Geständnis und Erklärung niederschreibt.

In wechselnder Zeitabfolge dokumentiert dieses Büchlein einerseits die Tat selbst, andererseits die weltgeschichtlichen Hintergründe und Zusammenhänge für dessen Planung und die spätere Sicht auf die Fehleinschätzung. So springt das Geschehen munter hin und her und verlangt volle Aufmerksamkeit vom Leser, um nicht hoffnungslos unterzugehen zwischen falschen Doktoren und Ausflügen bis nach Hanoi.

Daniel de Roulets Schreibstil ist sachlich, aber detailverliebt, sodass man die Überlegungen des Täters gut nachvollziehen und den Tag des Brandanschlages bestens mitverfolgen kann. Dazwischen findet der geneigte Leser aber allerlei Ausschmückendes und Ausschweifendes, das gleichzeitig erklärt und ablenkt vom zentralen Thema, mich also zwiegespalten zurücklässt.

Der Sonntag in den Bergen ist ausgesprochen interessant, man muss sich aber auf allerlei Zeitgeschichtliches einlassen, um den Autor, der gleichzeitig Brandstifter ist, zu verstehen.

Veröffentlicht am 06.02.2025

Es wird Zeit

Von hier aus weiter
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Nach seiner Krebsdiagnose scheidet Rolf aus dem Leben, Witwe Marlene igelt sich im eigenen Heim ein und schleppt sich mehr schlecht als recht von Tag zu Tag. Erst Installateur Jack, die neue Dorfärztin ...

Nach seiner Krebsdiagnose scheidet Rolf aus dem Leben, Witwe Marlene igelt sich im eigenen Heim ein und schleppt sich mehr schlecht als recht von Tag zu Tag. Erst Installateur Jack, die neue Dorfärztin Ida und eine frühere Freundin, Wally, können Marlene aus ihrer Lethargie reißen. Es wird Zeit. Zeit, das eigene Leben wieder in die Hand zu nehmen.

Mit einer ebenso irritierenden wie komischen Episode beginnt dieser kurze Roman. Dann geht es ins fast Unglaubwürdige, wie Jack vor Marlenes Tür steht und kurz darauf nicht nur den Duschkopf repariert, sondern gleich einzieht. Auch die weiteren Kapitel mit Ida, den Stiefsöhnen und Wally wirken auf mich nicht unbedingt realitätsnah, sondern eher ohne näheren Zusammenhang und roten Faden. Nichtsdestotrotz will man weiterlesen, um Marlenes Wut auf den Grund zu gehen, was schlussendlich auch gelingt und den gewissen „Aha-Effekt“ auslöst. Danach plätschert die Handlung wie gehabt dahin und endet mit etlichen offenen Fäden, die man selbst weiterspinnen kann.

Die Charaktere sind gut vorstellbar, ihre Handlungsweise kann ich aber in den wenigsten Fällen nachvollziehen, aber ich war auch noch nie in einer ähnlichen Situation. Dass Marlene (vermutlich) aus ihrer emotionalen Enge einen Ausweg findet, ist jedenfalls eine schöne Entwicklung ihrer Figur.

Diese Geschichte hat mich trotz ihrer grundlegenden guten Idee nicht vollends überzeugt, was den Handlungsverlauf und die Zusammenhänge der Personen betrifft. Drei Sterne.

Veröffentlicht am 31.01.2025

Trauminsel Ever After

One Perfect Couple
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Obwohl Lyla als Wissenschaftlerin ganz andere Interessen hat, will sie ihrem Freund die Chance nicht verwehren, die sich ihm bei seiner Schauspielkarriere bietet und willigt ein, an einem Interview für ...

Obwohl Lyla als Wissenschaftlerin ganz andere Interessen hat, will sie ihrem Freund die Chance nicht verwehren, die sich ihm bei seiner Schauspielkarriere bietet und willigt ein, an einem Interview für eine Realityshow teilzunehmen. Tatsächlich reisen die beiden mit vier anderen Paaren und dem Filmteam auf eine entlegene Insel mitten im Indischen Ozean, aus dem Traum wird aber nach einem verheerenden Sturm bald ein Alptraum, ein Kampf ums Überleben.

Detailreiche Beschreibungen bringen dem Leser Lyla von Anfang an nahe, ihre Liebe zu ihrem Beruf als Virologin wird immer wieder betont, wobei auch gleich die gravierenden Unterschiede zu ihrem Freund Nico herausgearbeitet werden. Es dauert geraume Zeit, bis wir endlich die Trauminsel betreten, das Luxusresort ist allerdings noch nicht fertiggestellt und verlangt einiges an Improvisation von den Teilnehmern der TV-Show und den Mitgliedern der Crew. Die Spannung steigt nur allmählich, was ich ein wenig schade finde, denn mehr Tempo, mehr Dynamik während der unglaublichen Vorfälle auf dem kleinen Eiland hätte die angespannte Atmosphäre noch deutlicher unterstrichen. Ebenso bleiben die Charaktere und ihre Motivation für ihr Tun hinter meinen Erwartungen zurück, ich kann mich kaum in eine Figur außer Lyla hineinversetzen und deren Gedanken nachvollziehen. Die Insel Ever After hingegen ist wunderbar beschrieben, mit vielen Einzelheiten zu den Unterkünften, der Vegetation und den Geckos im Dachgebälk hat man sofort farbenfrohe Bilder vor Augen, die aber aufgrund der drastischen Umstände bald in stürmisches Grau wechseln und Tage widerspiegeln die abwechselnd von Hoffnung, Resignation und Misstrauen geprägt werden. Das Ende kommt im Vergleich zur bisherigen Handlung recht schnell daher, ist auch logisch dargestellt, scheint aber trotzdem eher „am Reißbrett entworfen“ zu sein als flüssig aus dem Geschehen hervorzugehen. Nichtsdestotrotz bietet die Geschichte interessante Einblicke in die Gruppendynamik, weitere Themen wie Überlebensstrategien bei Krankheit oder Verletzung, knappen Wasser- und Lebensmittelvorräten, Vertrauen oder Neid finden Platz mitten im Ozean.

Auch wenn dieses Buch für mich nicht an „Zero Days“ heranreicht, hat es mir doch unterhaltsame Stunden beschert.