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Veröffentlicht am 10.02.2025

Geständnis

Ein Sonntag in den Bergen
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Der Schweizer Architekt und Autor Daniel de Roulet hat im Jahre 1975 das in den Bergen gelegene Chalet des Pressemagnaten Axel Springer in Brand gesetzt. Erst viele Jahre später erkennt er, dass sein Motiv ...

Der Schweizer Architekt und Autor Daniel de Roulet hat im Jahre 1975 das in den Bergen gelegene Chalet des Pressemagnaten Axel Springer in Brand gesetzt. Erst viele Jahre später erkennt er, dass sein Motiv auf falschen Annahmen beruht, weshalb er dieses Buch als Geständnis und Erklärung niederschreibt.

In wechselnder Zeitabfolge dokumentiert dieses Büchlein einerseits die Tat selbst, andererseits die weltgeschichtlichen Hintergründe und Zusammenhänge für dessen Planung und die spätere Sicht auf die Fehleinschätzung. So springt das Geschehen munter hin und her und verlangt volle Aufmerksamkeit vom Leser, um nicht hoffnungslos unterzugehen zwischen falschen Doktoren und Ausflügen bis nach Hanoi.

Daniel de Roulets Schreibstil ist sachlich, aber detailverliebt, sodass man die Überlegungen des Täters gut nachvollziehen und den Tag des Brandanschlages bestens mitverfolgen kann. Dazwischen findet der geneigte Leser aber allerlei Ausschmückendes und Ausschweifendes, das gleichzeitig erklärt und ablenkt vom zentralen Thema, mich also zwiegespalten zurücklässt.

Der Sonntag in den Bergen ist ausgesprochen interessant, man muss sich aber auf allerlei Zeitgeschichtliches einlassen, um den Autor, der gleichzeitig Brandstifter ist, zu verstehen.

Veröffentlicht am 06.02.2025

Es wird Zeit

Von hier aus weiter
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Nach seiner Krebsdiagnose scheidet Rolf aus dem Leben, Witwe Marlene igelt sich im eigenen Heim ein und schleppt sich mehr schlecht als recht von Tag zu Tag. Erst Installateur Jack, die neue Dorfärztin ...

Nach seiner Krebsdiagnose scheidet Rolf aus dem Leben, Witwe Marlene igelt sich im eigenen Heim ein und schleppt sich mehr schlecht als recht von Tag zu Tag. Erst Installateur Jack, die neue Dorfärztin Ida und eine frühere Freundin, Wally, können Marlene aus ihrer Lethargie reißen. Es wird Zeit. Zeit, das eigene Leben wieder in die Hand zu nehmen.

Mit einer ebenso irritierenden wie komischen Episode beginnt dieser kurze Roman. Dann geht es ins fast Unglaubwürdige, wie Jack vor Marlenes Tür steht und kurz darauf nicht nur den Duschkopf repariert, sondern gleich einzieht. Auch die weiteren Kapitel mit Ida, den Stiefsöhnen und Wally wirken auf mich nicht unbedingt realitätsnah, sondern eher ohne näheren Zusammenhang und roten Faden. Nichtsdestotrotz will man weiterlesen, um Marlenes Wut auf den Grund zu gehen, was schlussendlich auch gelingt und den gewissen „Aha-Effekt“ auslöst. Danach plätschert die Handlung wie gehabt dahin und endet mit etlichen offenen Fäden, die man selbst weiterspinnen kann.

Die Charaktere sind gut vorstellbar, ihre Handlungsweise kann ich aber in den wenigsten Fällen nachvollziehen, aber ich war auch noch nie in einer ähnlichen Situation. Dass Marlene (vermutlich) aus ihrer emotionalen Enge einen Ausweg findet, ist jedenfalls eine schöne Entwicklung ihrer Figur.

Diese Geschichte hat mich trotz ihrer grundlegenden guten Idee nicht vollends überzeugt, was den Handlungsverlauf und die Zusammenhänge der Personen betrifft. Drei Sterne.

Veröffentlicht am 31.01.2025

Trauminsel Ever After

One Perfect Couple
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Obwohl Lyla als Wissenschaftlerin ganz andere Interessen hat, will sie ihrem Freund die Chance nicht verwehren, die sich ihm bei seiner Schauspielkarriere bietet und willigt ein, an einem Interview für ...

Obwohl Lyla als Wissenschaftlerin ganz andere Interessen hat, will sie ihrem Freund die Chance nicht verwehren, die sich ihm bei seiner Schauspielkarriere bietet und willigt ein, an einem Interview für eine Realityshow teilzunehmen. Tatsächlich reisen die beiden mit vier anderen Paaren und dem Filmteam auf eine entlegene Insel mitten im Indischen Ozean, aus dem Traum wird aber nach einem verheerenden Sturm bald ein Alptraum, ein Kampf ums Überleben.

Detailreiche Beschreibungen bringen dem Leser Lyla von Anfang an nahe, ihre Liebe zu ihrem Beruf als Virologin wird immer wieder betont, wobei auch gleich die gravierenden Unterschiede zu ihrem Freund Nico herausgearbeitet werden. Es dauert geraume Zeit, bis wir endlich die Trauminsel betreten, das Luxusresort ist allerdings noch nicht fertiggestellt und verlangt einiges an Improvisation von den Teilnehmern der TV-Show und den Mitgliedern der Crew. Die Spannung steigt nur allmählich, was ich ein wenig schade finde, denn mehr Tempo, mehr Dynamik während der unglaublichen Vorfälle auf dem kleinen Eiland hätte die angespannte Atmosphäre noch deutlicher unterstrichen. Ebenso bleiben die Charaktere und ihre Motivation für ihr Tun hinter meinen Erwartungen zurück, ich kann mich kaum in eine Figur außer Lyla hineinversetzen und deren Gedanken nachvollziehen. Die Insel Ever After hingegen ist wunderbar beschrieben, mit vielen Einzelheiten zu den Unterkünften, der Vegetation und den Geckos im Dachgebälk hat man sofort farbenfrohe Bilder vor Augen, die aber aufgrund der drastischen Umstände bald in stürmisches Grau wechseln und Tage widerspiegeln die abwechselnd von Hoffnung, Resignation und Misstrauen geprägt werden. Das Ende kommt im Vergleich zur bisherigen Handlung recht schnell daher, ist auch logisch dargestellt, scheint aber trotzdem eher „am Reißbrett entworfen“ zu sein als flüssig aus dem Geschehen hervorzugehen. Nichtsdestotrotz bietet die Geschichte interessante Einblicke in die Gruppendynamik, weitere Themen wie Überlebensstrategien bei Krankheit oder Verletzung, knappen Wasser- und Lebensmittelvorräten, Vertrauen oder Neid finden Platz mitten im Ozean.

Auch wenn dieses Buch für mich nicht an „Zero Days“ heranreicht, hat es mir doch unterhaltsame Stunden beschert.

Veröffentlicht am 17.01.2025

Zwei Taschen

Regen
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Endlich kann sich Elisabeth dazu aufraffen, zum Supermarkt zu fahren, als - soeben dort angekommen - heftiger Regen einsetzt. Aus dem Auto vor ihr steigt ein telefonierender Mann aus und deponiert zwei ...

Endlich kann sich Elisabeth dazu aufraffen, zum Supermarkt zu fahren, als - soeben dort angekommen - heftiger Regen einsetzt. Aus dem Auto vor ihr steigt ein telefonierender Mann aus und deponiert zwei Taschen am Boden, ehe er wieder wegfährt. Nach langem Zögern, was zu tun sei, nimmt Elisabeth die beiden Taschen an sich und fährt nach Hause, aber das existiert nur mehr zur Hälfte, die andere Hälfte hat der tosende Bach mit sich gerissen. Sich selbst zerrissen fühlend, fährt sie ziellos Richtung Süden und landet auf einer süddeutschen Alpe, wo sie sich schließlich vor ihrem Ehemann und zwei Herren in schwarzen Anzügen versteckt.

Sowohl Titelbild als auch Klappentext wecken Neugierde auf diesen außergewöhnlichen Roman, dem auch etwas Kriminalistisches anhaftet. Und tatsächlich wird man erst einmal nicht enttäuscht, denn die melodievolle Sprache Claire Beyers nimmt einen sofort gefangen. Auch die Handlung beginnt spannend, wie Elisabeth so nachdenklich im Auto sitzt. Der prasselnde Regen lässt Melancholie aufkommen, das davongerissene Haus einen Entschluss fassen, die wohlerzogene Versicherungsangestellte bricht aus ihrem bisherigen Leben aus. Was nun folgt, ist zuweilen langatmig, an anderer Stelle phantasiebehaftet und schließlich wenig glaubhaft. Dennoch ist ihre Welt, in welche sich Elisabeth zurückzieht, bildhaft geschildert und lässt den Leser teilhaben an ihrer Flucht aus vormals engen Fesseln.

Regen – ein Roman, der sich deutlich vom Durchschnitt abhebt, mich aber trotz allem nicht zu berühren vermag. Elisabeth bleibt mir über all die gemeinsamen Stationen bis in den Süden Italiens hin fremd. Ich bin aber überzeugt, dass andere Leser ganz anders empfinden und auf die Fortsetzung gespannt sind.


Veröffentlicht am 12.01.2025

Lernen aus der Vergangenheit

Das Vermächtnis der Apfelblüte
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Durch eine List ihrer Großtante kehrt die Historikerin Eliza in ihre Heimat Appleton Valley zurück. Dort soll sie die Anhänger eines Bettelarmbandes suchen und das Leben von Urgroßmutter Josephine rekonstruieren, ...

Durch eine List ihrer Großtante kehrt die Historikerin Eliza in ihre Heimat Appleton Valley zurück. Dort soll sie die Anhänger eines Bettelarmbandes suchen und das Leben von Urgroßmutter Josephine rekonstruieren, um daraus ihre Lehren zu ziehen. Unterstützung erhält Eliza dabei von Harrold, einem Kinderfreund.

In zwei Zeitebenen spielt sich dieser Roman ab, wobei die Kapitel stets genau gekennzeichnet sind. Dies ist auch gut so, denn aufgrund der vorherrschenden Ähnlichkeit beider Erzählstränge könnte man sonst leicht durcheinanderkommen. Die Grundidee und die beiden „alten Hexen“, Großtante Mildred und ihre Freundin Agatha, sind gut gelungen, das Drumherum jedoch ein wenig blass und wirr geblieben. Auch die jeweiligen Hauptfiguren im Damals und Heute erhalten nicht das erwartete Profil und die Ausstrahlung, die den Leser mitreißen und mitfühlen lassen. Erst im letzten Drittel kommen deutlichere Emotionen auf und klären sich schlussendlich auch alle Zusammenhänge durch die bestandene Rätselralley.

Ein netter Roman über verzwickte Familienkonstellationen mit spannendem Ende.