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Veröffentlicht am 26.02.2025

Kindlicher Blick

Schwimmen im Glas
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Die Geschichte wird hauptsächlich aus der kindlichen Sicht der damals zehnjährigen Lore erzählt. Dazwischen kommen Einschübe aus ihrem erwachsenen Leben. Der Schreibstil ist sehr speziell, da die Sätze ...

Die Geschichte wird hauptsächlich aus der kindlichen Sicht der damals zehnjährigen Lore erzählt. Dazwischen kommen Einschübe aus ihrem erwachsenen Leben. Der Schreibstil ist sehr speziell, da die Sätze meist sehr kurz sind und dadurch teilweise etwas abgehackt oder stichpunktartig wirken. Die Aussagekraft ist dennoch hoch. Mir hat sehr gut Lores Blickwinkel auf ihre Familie gefallen und es wird ihre Gefühlswelt sehr gut beschrieben. So würde sie gerne bei ihren Brüdern dabei sein, aber die wollen die Schwester nicht mitspielen lassen. Man begleitet Lore in der Geschichte beim Aufwachsen. Ihren Bezug zu den Großeltern und wie der Großvater über die ganze Familie wacht ist herausragend erzählt. Kinder haben einen anderen Blick auf Geschehnisse, was hier sehr deutlich wird. Am Ende fühlte ich mich gut abgeholt, weil dann die Zusammenhänge hergestellt werden, was es mit der Tante Ursula auf sich hatte und wie alle als Erwachsene auf die patriarchalische Familie geschaut haben.

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Veröffentlicht am 24.02.2025

Dreiecksbeziehung

Rückkehr nach Budapest
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Márta wohnt und wächst in Budapest auf. Ihre Sommer verbringt sie mit ihrer Cousine Theresa, die sonst in Ost-Berlin wohnt. Als sie es nicht mehr zuhause aushält, flieht sie zu ihr nach Berlin und lernt ...

Márta wohnt und wächst in Budapest auf. Ihre Sommer verbringt sie mit ihrer Cousine Theresa, die sonst in Ost-Berlin wohnt. Als sie es nicht mehr zuhause aushält, flieht sie zu ihr nach Berlin und lernt das dortige Leben kennen und macht Bekanntschaft mit ihren Freunden. Von Konstantin ist sie sehr fasziniert, obwohl er mit Theresa liiert ist. Regimekritik in dieser Zeitepoche war gefährlich und die Freunde geraten immer mehr ins Visier.

Erzählt wird in Gegenwart und Vergangenheit. Die Autorin hat einen sehr detaillierten, bildhaften Schreibstil, sodass man sich das Geschehen gut vorstellen konnte. Sie beschreibt sehr gut, wie es damals war, als die Grenzen geschlossen waren, wie vorsichtig alle Kritiker sich bewegt haben. In der Gegenwart blickt Márta auf dem Weg zu Theresas Beerdigung auf die damalige Zeit zurück und trifft auf einige Weggefährten. Ich bin etwas hin- und hergerissen von der Geschichte. Einerseits ist sie gut erzählt. Andererseits hat mir die Handlung der Protagonisten nicht zugesagt, weil da gefühlt jeder mit jedem was hatte. Mir blieben die Figuren sehr fern, da sie alle ziemlich egoistisch in ihren Handlungen wirkten. Jedoch hat auch niemand mal mit dem anderen Klartext gesprochen. Es gibt viele Heimlichkeiten, die nie ans Licht kamen. Da die Geschichte jedoch sehr gut erzählt wird und das vielleicht nur mein persönliches Empfinden den Charakteren gegenüber ist, empfehle ich das Buch trotzdem gerne. Die Geschichte ist auf jeden Fall sehr wendungsreich und bleibt bis zum Ende interessant.

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Veröffentlicht am 18.02.2025

Zerrissen

Russische Spezialitäten
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Eine Familie zieht Anfang der 1990er Jahre von Kyjiw nach Leipzig und eröffnet dort einen Einkaufsmarkt mit russischen Spezialitäten. Seit dem Ukrainekrieg wird es jedoch schwierig, Nachschub für die Regale ...

Eine Familie zieht Anfang der 1990er Jahre von Kyjiw nach Leipzig und eröffnet dort einen Einkaufsmarkt mit russischen Spezialitäten. Seit dem Ukrainekrieg wird es jedoch schwierig, Nachschub für die Regale zu bekommen. Die Eltern stammen ursprünglich aus Russland, lebten aber lange in Kyjiw. Die Mutter ist Putin erlegen, der Vater kann nach seinem Schlaganfall nicht mehr mitarbeiten und der Sohn dringt kaum noch zu ihnen durch, um die russische Propaganda aufzudecken. Kurzentschlossen reist er nach Kyjiw, was nicht sonderlich klug ist. Kann er seine Mutter wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen?

Der Autor malt ein Szenario, wie es in vielen russisch-ukrainischen Familien Alltag ist. Eine Seite für Russland, eine Seite für die Ukraine. Der Krieg spaltet die Menschen. Erzählt werden Alltagsereignisse mit der Mutter, im Einkaufsmarkt, dem kranken Vater. Vor allem die Mutter polarisiert, durch ihr vernageltes Denken, welches sie jeden Tag durch das russische Fernsehen vertieft. Ihr Sohn dringt kaum zu ihr durch. Gut gelungen ist auch die Beschreibung der Reise nach Kyjiw. Dort wird klar, wie sehr die Eltern in Deutschland, den Verwandten in der Heimat vor den Kopf gestoßen haben, mit harmlos klingenden Argumenten, die total haltlos sind. In der Geschichte wird beschrieben, wie es in der Ukraine aussieht, wie es sich anfühlt, mit dem ständigen Bombenalarm zu leben und wie gefährlich es von jetzt auf gleich werden kann. Der Autor hat einen sehr zugänglichen, unterhaltsamen Schreibstil, der zwischen Ironie, Tragik und Humor wechselt. Eine wirklich hochaktuelle, eindringlich erzählte Familiengeschichte über die Fragen nach Identität, Migration und Zusammenhalt.

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Veröffentlicht am 15.02.2025

Familienkelch

Campion. Tödliches Erbe
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Der Familienkelch von Familie Gyrth wird in einer fensterlosen Kapelle aufbewahrt. Selbst der Erbe, Percival, hat keine Ahnung, wie man in die Kapelle gelangt. Als dem Detektiv Albert Campion zu Ohren ...

Der Familienkelch von Familie Gyrth wird in einer fensterlosen Kapelle aufbewahrt. Selbst der Erbe, Percival, hat keine Ahnung, wie man in die Kapelle gelangt. Als dem Detektiv Albert Campion zu Ohren kommt, dass der Kelch gestohlen werden soll, bietet er Percival seine Hilfe an. Percival ist erst skeptisch. Doch als er einer Entführung entgeht und dann auch noch seine Tante tot aufgefunden wird, lässt er Campion ermitteln.

Die Detektivgeschichte entwickelt sich eher langsam. Zunächst wird man mit den Charakteren vertraut gemacht, bevor dann immer tiefer in die Mythen rund um den Familienkelch eingetaucht wird. Zum Ende hin wird es dann richtig spannend und es kommt zum finalen Showdown. Der Aufbau ist also ein klassischer Krimi, aber very british. Der Schreibstil wirkt etwas angestaubt, aber alles passt natürlich in die Zeit, aus der dieser Krimi stammt. Zeitweise ergaben sich ein paar Längen, die jedoch zum Verständnis des Krimis beitragen. Insgesamt ein sehr klassischer Krimi aus einer längst vergangenen Zeit, der gut übersetzt wurde und leicht zu lesen war.

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Veröffentlicht am 10.02.2025

Besondere Ermittler

Schmerz
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Polizistin Dora sitzt nach einem Unfall beim Einsatz, nur noch am Schreibtisch und wird mit keiner Ermittlung mehr betraut. Als jedoch alle Kräfte im Einsatz sind, muss sie einem Vermisstenfall nachgehen. ...

Polizistin Dora sitzt nach einem Unfall beim Einsatz, nur noch am Schreibtisch und wird mit keiner Ermittlung mehr betraut. Als jedoch alle Kräfte im Einsatz sind, muss sie einem Vermisstenfall nachgehen. Zur Seite wird ihr Rado gestellt, der sich bei der Polizei hochgearbeitet hat.

Das neue Ermittlerduo ist sehr speziell und hat noch nicht so richtig zueinander gefunden. Sie kannten sich bisher noch gar nicht wirklich und Rado wusste nicht, was Dora zugestoßen ist. Ich fand den Krimi eher mäßig spannend, weil sich da erst mal ein Gefüge entwickeln musste. Die Ermittlungen gestalten sich sehr sachlich. Erst gegen Ende kommt dann Spannung auf, als der Fall gelöst wird. Mir hat gut gefallen, wie Doras Gesundheitsprobleme in die Geschichte eingearbeitet wurden und sie damit sogar vorteilhaft kombinieren konnte. Rado ist auch ein sehr interessanter Charakter, der sich hoffentlich noch weiterentwickeln wird. Seine familiären Verbindungen werden vielleicht noch öfter thematisiert. Auch wenn ich die Spannung etwas vermisst habe, fand ich den Krimi schlüssig und gut zu lesen. Zum Auftakt einer Reihe muss man ja auch erst mal die Ermittler und ihr Umfeld kennenlernen. Ich bin auf den nächsten Band auf jeden Fall schon gespannt.

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