Profilbild von Hanne2

Hanne2

Lesejury Profi
offline

Hanne2 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Hanne2 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.04.2025

Zwei Themen, die irgendwie nicht zusammen gehen

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
0

Die Leseprobe hatte mich für das Buch eingenommen und mich neugierig gemacht. In witzigem und kurzweiligem Ton erzählt die Autorin von Nina, die auf der Gartenparty ihres Ex-Mannes den deutlich jüngeren ...

Die Leseprobe hatte mich für das Buch eingenommen und mich neugierig gemacht. In witzigem und kurzweiligem Ton erzählt die Autorin von Nina, die auf der Gartenparty ihres Ex-Mannes den deutlich jüngeren David kennenlernt und sich schneller als sie sich versieht, Hals über Kopf in ihn verliebt. Ich mag den Humor, die etwas skurrile Figurenzeichnung und die scharfe Beobachtungsgabe von Anika Decker sehr und hätte mir auch anfangs den Roman super als unterhaltsame Verfilmung vorstellen können. Gekonnt erzählt sie von Klischees und Erwartungen im Gruneberger Milieu, von Rollenbildern angesichts verschiedener Themen wie Liebe und Altern. Eine herzerwärmende Geschichte zum Abtauchen? Nicht ganz. Leider ist diese Geschichte letztendlich mehr um das Thema Me-Too/Gewalterfahrung bzw. Ungerechtigkeit gegenüber weiblichen Darstellern in der Filmbranche herumgestrickt. Vermutlich ein Thema, das der Autorin, die mehrere Drehbücher geschrieben hat, selber sehr wichtig ist. Ich würde behaupten, dass ich eine gewisse Toleranz für Unerwartetes in Romanen habe bzw. es auch schätze, wenn Geschichten nicht vorhersehbar sind. Für mich ging letztendlich die Wendung trotzdem nicht auf. Vielleicht weil ich mich schon sehr auf Nina und David gedanklich eingelassen hatte, diese aber mehr zum Sidekick wurden und ich mich dann fast etwas gelangweilt durch den Rest des Romans gequält habe immer auf der Suche nach den beiden. Vielleicht aber auch weil das Me-Too-Thema dann doch zu sehr an der Oberfläche behandelt wurde, so dass es mich emotional gar nicht richtig berührt hat bzw. in mir beim Lesen kein richtiger Raum für das Thema entstand.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.02.2025

Lebendiger Erzählton und erster interessanter Einblick in eine mir bis dato fremde Kultur

Barfuß in Tetas Garten
0

Die Mutter (DDR-)Deutsche und der Vater Libanese, lernen sich die Eltern der Nachrichtensprecherin Aline Abboud in den 80er Jahren in einem Studentenwohnheim in Leipzig kennen und lieben. Die Autorin erzählt ...

Die Mutter (DDR-)Deutsche und der Vater Libanese, lernen sich die Eltern der Nachrichtensprecherin Aline Abboud in den 80er Jahren in einem Studentenwohnheim in Leipzig kennen und lieben. Die Autorin erzählt in ihrem Buch vom Aufwachsen zwischen den beiden Welten Ostdeutschland und Libanon. Dabei ist der Erzählton lebendig. Mit viel Wärme spricht sie über ihre Familie und das Leben während ihrer Sommerurlaube im Libanon - ein Land das die meisten nur aus den Nachrichten kennen als von Krisen geprägte Region. Wer eine Biografie erwartet, wird vermutlich enttäuscht werden. Dazu fehlt die notwendige Introspektion, Auseinandersetzung mit Ambivalenzen und möglichen Reifungsprozessen, kurzum eine gewisse psychologische Tiefe. Vielmehr fühlte es sich für mich beim Lesen wie das Blättern in einem Fotoalbum an. Hübsche Anekdoten, Bilder im Kopf von leckerem Essen und beeindruckender Landschaft, durchaus unterhaltsam und kurzweilig. Auch wenn es mich nicht unbedingt emotional tiefer berührt hat, mein Interesse für die libanesische Kultur ist durch das Buch von Aline Abboud geweckt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.01.2025

Eine nur mäßig unterhaltsame Zugfahrt

In einem Zug
0

"Und wir plaudern im steten Bemühen um Gleichklang und Ausgewogenheit über herrlich belanglose Dinge [...]. Kurzum: über die Sättigungsbeilagen des Alltags, die das Leben ausmachen, ohne dass man es merkt." ...

"Und wir plaudern im steten Bemühen um Gleichklang und Ausgewogenheit über herrlich belanglose Dinge [...]. Kurzum: über die Sättigungsbeilagen des Alltags, die das Leben ausmachen, ohne dass man es merkt." S.84

Eduard Brünhofer, ein in die Jahre gekommener Schriftsteller für Liebesromane mit Schreibblockade, trifft im Zug auf dem Weg zu einem unliebsamen Gespräch mit seinem Verlag auf Catrin Meyr, eine eher junge als alte Therapeutin mit der Fähigkeit, Menschen gekonnt auszufragen. Ganz besonders interessiert sie seine Partnerschaft mit seiner Frau Regina sowie seine Einstellung zur Liebe. Grundsätzlich eine hübsche Idee 2 gegensätzliche Personen auf diese Weise miteinander ins Gespräch kommen zu lassen. Allerdings habe ich die Dialoge weder als besonders pfiffig noch in die Tiefe gehend erlebt. Es ruckelt und zuckelt gemächlich wie die Regionalbahn durchs Hinterland ohne besonderes Aufsehen zu erregen. Naja, ganz ohne Aufsehen stimmt eigentlich nicht...genauso wie Eduard empfand ich das bohrende Nachfragen von Catrin zunehmend als unangenehm. Ganz interessant fand ich den Blick des Schriftstellers auf seine Leser und Kritiker - mögliche Ähnlichkeiten mit dem Autor sind selbstverständlich purer Zufall. Es blieb zum Ende das leise Gefühl zurück, von Glattauer an der Nase herumgeführt worden zu sein ("Ihr wollt euren Liebesroman, so, da habt ihr ihn...") und dass die weibliche, liebeshungrige Leserschaft (lese ich zwischen den Zeilen eine leise Verachtung des Autors gegenüber seiner Leserschaft heraus?) mit dem Kauf des Buches sein kleines Weingut mitfinanziert. Für mich war es insgesamt ein unaufgeregter Roman über die Alltäglichkeit einer Langzeitbeziehung, eine Art "Sättigungsbeilagen"-Roman mit der Erkenntnis, dass "so ein gediegenes Spießerleben zu zweit [...] härter erarbeitet [ist], als es den Anschein hat." (S.139). Phasenweise unterhaltsam, nach hinten raus ermüdend.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.10.2024

Mütter und ihre eigenen kleinen Monster

Kleine Monster
0

Angesprochen durch das fein gestaltete Cover und die Leseprobe bin ich mit einiger Vorfreude ins Buch gestartet in Erwartung eines psychologisch interessanten Familienromans. Die Geschichte hat zu Beginn ...

Angesprochen durch das fein gestaltete Cover und die Leseprobe bin ich mit einiger Vorfreude ins Buch gestartet in Erwartung eines psychologisch interessanten Familienromans. Die Geschichte hat zu Beginn tatsächlich einen gewissen Sog. Dabei ist die Sprache klar und schnörkellos. Der 7 jährige Sohn soll in der Schule ein Mädchen übergriffig behandelt haben und schweigt. In der Mutter entstehen Ängste und Sorgen, kennt sie ihr Kind wirklich? Das muss doch ein Irrtum sein. Gleichzeitig liest sich zwischen den Zeilen heraus, dass auch die Mutter als Kind Teil einer Tragödie war. Vieles scheint unausgesprochen und ungeklärt zu sein. Und während der Vorfall in der Schule mehr und mehr in den Hintergrund tritt, bekommt der Leser eine Ahnung, welche "kleinen Monster" die Ich-Erzählerin in sich trägt. Allerdings verliert mich der Roman leider ab der Mitte zunehmend. Beim Lesen entstanden immer mehr Fragen in meinem Kopf und mir war es dann am Ende tatsächlich etwas zuviel der Ungeklärtheiten und es blieb das Bild einer unschönen familiären Tragik mit einer Protagonistin, die wenig Sympathie und Mitgefühl auslöst, zurück. Wenn man als Leser die Aufklärung des Vorfalls in der Schule in den Hintergrund stellen kann zugunsten der Thematik um eine komplexe Mutterfigur, die durchaus beim Lesen polarisiert, wird man mit "Kleine Monster" seine Freude haben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.10.2024

Bademeister ohne Lesefluss

Der Bademeister ohne Himmel
0

Ich wollte das Buch wirklich mögen - zum einen aus einem kleinen Lokalpatriotismus heraus, die Autorin arbeitet und lebt in unserer Nähe. Dann wirft der Titel in Kombination mit dem Cover angenehm Fragen ...

Ich wollte das Buch wirklich mögen - zum einen aus einem kleinen Lokalpatriotismus heraus, die Autorin arbeitet und lebt in unserer Nähe. Dann wirft der Titel in Kombination mit dem Cover angenehm Fragen auf und hat mich neugierig auf das Buch gemacht. Linda, 15 Jahre, lebensüberdrüssig, betreut stundenweise den im selben Mietshaus lebenden 86 jährigen, an Demenz erkrankten Hubert. Das macht sie feinfühlig, witzig, intuitiv. Einerseits um abgeklärte Distanz bemüht und etwas schnodderig auftretend, spürt man beim Lesen, wie sich zunehmend eine Beziehung und Verbundenheit zu Hubert einstellt. Auf ganz leichte Weise beschreibt Petra Pellini, wie ein Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen gelingen kann, was die Herausforderungen im Alltag sind. Man spürt beim Lesen ihre große Erfahrung in dem Bereich. Leider hat sich bei mir im Verlauf weder ein Lesefluss noch die erhoffte Begeisterung eingestellt. Die Kapitel sind kurz. Als Leser hüpft man von Episode zu Episode, was mich streckenweise genervt und nervös gemacht hat. Vielleicht auch weil Absurdes, Berührendes und Aktkluges in kurzer Folge wechseln. Die Figuren sind überzeichnet, was ich grundsätzlich völlig in Ordnung finde. Aber es entstand für mich kein tieferes Bild oder ein emotionaler Bezug zu den Figuren. So blieb es für mich letztendlich eher an der Oberfläche, wenngleich ich die Ideenvielfalt im gelungenen Umgang mit demenzkranken Menschen sehr nachdenkens- und lesenswert fand.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere