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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.03.2018

Ausführliche Familienbiografie mit einigen Längen

Alles Geld der Welt
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Anders als es Cover und Klappentext vermuten lassen, handelt es sich bei diesem Buch nicht um die literarische Aufarbeitung der Entführung von Jean Paul Getty III, sondern hauptsächlich um die Biografie ...

Anders als es Cover und Klappentext vermuten lassen, handelt es sich bei diesem Buch nicht um die literarische Aufarbeitung der Entführung von Jean Paul Getty III, sondern hauptsächlich um die Biografie der kompletten Familie Getty, ausgehend von Jean Paul Getty Senior. Jean Paul Getty sen. hat sein Vermögen im Ölgeschäft gemacht und war der reichste Amerikaner seiner Zeit, da er aber auf sozialer Ebene Probleme hatte, feste Bindungen einzugehen und so eine unnatürliche Kälte seiner Familien gegenüber an den Tag legt, hilft ihm alles Geld der Welt nicht, um das Unheil, das er damit anrichtet, von seiner Familie fernzuhalten. Im Buch werden die verschiedenen Zweige der Familie Getty beleuchtet und die Werdegänge von Söhnen und Enkeln beschrieben. Die Entführung eines der Enkel (Jean Paul Getty III) durch die Mafia wird dabei nur in einem (längeren) Kapitel aufgegriffen.


Der Titel ist recht gut gewählt, weil Jean Paul Getty tatsächlich „alles Geld der Welt“ zu besessen haben schien, noch besser allerdings gefällt mir der Originaltitel „painfully rich“, der den Grundtenor der ganzen Biografie beschreibt: Der Reichtum scheint nur Schmerz und Tragödien in die Familie zu bringen. Die Hintergründe und Zusammenhänge dieser Tragödien werden in dem Buch ausführlich beleuchtet. Von vielen Personen, allen voran natürlich von Jean Paul Getty I, werden Charakterzüge und Wesenseigenheiten dargelegt und erklärt, sodass man als Leser das Gefühl hat, die Familie ein bisschen zu kennen, wenn man schon viele Handlungen und Entscheidungen nicht direkt nachvollziehen kann als Außenstehender. Es ermöglicht Einblicke in ein "System", das einem als Normalverdienenden Bürger kaum vorstellbar erscheint, sowohl in wirtschaftlicher wie auch in sozialer und persönlicher Art und Weise.


Der Schreibstil ist sehr detailreich und oft sind die Sätze unnötig verschachtelt, sodass das Lesen nicht ganz leicht fällt. Auch viele Aufzählungen kommen vor, vor allem von Namen mehr oder weniger berühmter Persönlichkeiten. Ich weiß nicht, ob es nur mir so gegangen ist, weil das alles doch so sehr deutlich „vor meiner Zeit“ war und mir deshalb die Mehrheit der erwähnten Leute so unbekannt war, aber ich fand es oft ermüdend, mir durchzulesen, wer dieses oder jenes Haus vorher besessen hat oder wer alles zu Besuch war. Bei einigen mag das ja durchaus interessant sein, um den gesellschaftlichen Einfluss ermessen zu können, den die Familie hatte, aber mir war es zu viel.

Woran ich mich auch nicht so richtig gewöhnen konnte, waren die Zeitsprünge. Oft wusste man gar nicht, zu welcher Zeit man sich gerade befand, weil Ereignisse aus der Vergangenheit eingewebt wurden oder Parallelen zu den anderen Familienzweigen gezogen worden sind, die aber zu einer ganz anderen Zeit stattgefunden haben.

Manche Tatsachen und Geschehnisse waren meines Erachtens nach sehr subjektiv dargestellt und irgendwie haben mir Quellenangaben und Zitate (aus Interviews, Presse, ect.) gefehlt, um dem ganzen einen „seriösen Eindruck“ zu geben. Manchmal kamen mir Personenbeschreibungen sehr voreingenommen vor und ich fragte mich, ob der Autor die Sympathien der Leser nicht absichtlich in die eine oder andere Richtung lenkt.


Wichtig war für mich der Stammbaum am Anfang des Buches, um den Überblick wenigstens halbwegs zu behalten, da viele Ehen und Scheidungen und Kinder von verschiedenen Frauen die Verhältnisse verkomplizieren, noch besser hätte es mir gefallen, wenn der Stammbaum ausklappbar gewesen wäre, sodass ich ihn beim Lesen neben dran gehabt hätte. So hab ich halt viel blättern müssen. :)


Alles in allem eine interessante Biografie über eine Familie, die mir überraschenderweise fast gänzlich unbekannt war, die aber einige Längen aufwies und etwas überladen wirkt.

Veröffentlicht am 30.12.2017

Standard-Krimi

Das Lied der toten Mädchen (Jan-Römer-Krimi 3)
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Eindruck nach der Leseprobe:

Zu Beginn etwas sehr gewollt und überfüllt von Klischees: Einsamer Wald, eine Beziehung von der niemand wissen darf und ein Job, der nicht das ist, was er zu sein scheint.
Auch ...

Eindruck nach der Leseprobe:

Zu Beginn etwas sehr gewollt und überfüllt von Klischees: Einsamer Wald, eine Beziehung von der niemand wissen darf und ein Job, der nicht das ist, was er zu sein scheint.
Auch der Journalist, der sich auf Tätersuche macht, passt ins klischeehafte Ermittlerbild: Klug, aber mit persönlichen Problemen, die er im Alkohol zu ertränken versucht.
Es bleibt abzuwarten ob sich im Laufe der Geschichte noch unerwartete Wendungen ergeben, aber wenn die Story ähnlich uninspiriert dahinplätschert wie die Leseprobe, erwartet den Leser ein solider Krimi, der sich aufgrund der fließenden Sprache zwar schön lesen lässt, aber nicht wirklich im Gedächtnis bleibt. Lese-Fastfood quasi.

Veröffentlicht am 15.12.2017

Guter Anfang, lässt dann stark nach!

Totengrab
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Das Buch beginnt mit einer Rückblende zum Verschwinden des Sohnes des Ermittlers Solomon Gray. Im nächsten Kapitel wird ebendieser zu einem Fall gerufen, bei dem er den vermeintlichen Selbstmord eines ...

Das Buch beginnt mit einer Rückblende zum Verschwinden des Sohnes des Ermittlers Solomon Gray. Im nächsten Kapitel wird ebendieser zu einem Fall gerufen, bei dem er den vermeintlichen Selbstmord eines Jugendlichen zu untersuchen hat. Schon die gewählte Anordnung dieser ersten beiden Kapitel sorgt dafür, dass sich der Leser genau wie Gray fragt, ob es sich nicht um seinen verschwundenen Sohn handeln könnte, da er die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat, diesen zu finden oder aber zumindest herauszufinden, was ihm zugestoßen ist. Als dann am Handy des Jungen die Nummer von Gray sowie die Nummer eines Bekannten des Ermittlers gefunden werden, erhärtet sich der Verdacht, der Fall könnte etwas mit der persönlichen Tragödie zu tun haben. Gray, der seit dem Verschwinden seines Sohnes mit Depressionen, Alkoholismus und sozialen Problemen zu kämpfen hat (zusätzlich noch verstärkt durch den Selbstmord seiner Frau), ist durch den Autor so überzeichnet dargestellt, dass es als Leser aber nicht gelingt Mitleid und Verständnis für ihn aufzubringen, wodurch der Roman an Plausibilität verliert.
Was zunächst als starker Fall mit bedrückend persönlicher Beteiligung konzipiert ist, rutscht durch weitere Morde irgendwie in die Absurdität ab. Keiner der Ermittlungsstränge wird konsequent verfolgt, die Kollegen von Gray scheinen irgendwie seine Verwicklung in dem Fall zu vergessen (es wird nicht weiter nachgeforscht, wieso sich die nummer auf dem handy befindet), diecweiteren Morde scheinen planlos und wirken, als hätte der Autor zu viel auf einmal gewollt. Die Aufklärung am Ende geht dann viel zu schnell, das Motiv für die Taten bleibt unplausibel und wirkt konstruiert, die verschiedenen Handlungsstränge werden nicht richtig zusammengeführt. Alles in allem wirkt das Ende überstürzt und vergisst den Leser auf halber Strecke, da das miträtseln und die Tätersuche nicht unterstützt werden.
Sieht man das Buch nur als Auftakt einer Reihe, das hauptsächlich dazu gedacht ist, Charaktere und Hintergrundgeschichten einzuführen, versagt es dahingehend, dass die Charaktere plakativ sind und die Interaktionen unbeholfen und unverständlich.

Es ist sehr schade, dass aus der eigentlich einen spannenden Fall versprechenden Ausgsngssituation nichts gemacht wurde.

Veröffentlicht am 11.09.2022

Enttäuschend für einen Tess Gerritsen Thriller - und eher ein Krimi als ein Thriller

Mutterherz
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Mutterherz
Während Jane Rizzoli mit dem Mord an Sofia Suarez, einer Krankenschwester die keine Feinde zu haben schien und überall beliebt war, konfrontiert ist, mischt sich ihre Mutter Angela in allerlei ...

Mutterherz
Während Jane Rizzoli mit dem Mord an Sofia Suarez, einer Krankenschwester die keine Feinde zu haben schien und überall beliebt war, konfrontiert ist, mischt sich ihre Mutter Angela in allerlei Nachbarschaftsangelegenheiten ein, die sie als verdächtig einstuft. Dabei scheint sie dann auch auf etwas zu stoßen.
Zuerst einmal ist es vielleicht etwas unfair, ein Buch aufgrund der Erwartung zu bewerten, mit der ich als Leser drangegangen bin. Aber wenn es sich bei diesem Buch um einen Thriller von Tess Gerritsen handelt, ist diese Erwartungshaltung irgendwie vorprogrammiert. Und sie wurde in diesem Fall bitter enttäuscht!
Bei dem Buch handelt es sich in keinem Fall um den raffinierten Thriller, den ich erwartet habe, sondern bestenfalls um einen gut geschriebenen Krimi, bei dem aber auch schon ab der Hälfte feststeht, wer der Täter sein muss und wie sich der Fall auflösen wird. Den Rest des Buches wartet man als Leser dann nur noch darauf, dass Jane Rizzoli auch die richtigen Schlüsse zieht. Ich erwähne hier zweimal explizit nur Jane und nicht Maura, weil ebenjene in diesem Fall zur Nebenfigur degradiert wurde und beinahe keinen signifikanten Auftritt hat. Die „medizinische Detailgenauigkeit“, die im Umschlagstext angekündigt ist, kommt definitiv zu kurz. Das mag zum Großteil daran liegen, dass Angela Rizzoli mehr Platz in der Geschichte eingeräumt werden sollte – wobei mir da jedoch das Warum ein großes Rätsel bleibt, ist diese Frau doch außer nervig nicht viel – sorgt aber dafür, das von der Raffinesse, mit der die Thriller von Tess Gerritsen normalerweise bestechen, wenig übrig bleibt.
Was man nicht leugnen kann, ist, dass das Buch flüssig geschrieben ist und sich leicht liest. Ich musste mich auch nicht, wie andere Teilnehmer in der Leserunde, im Zuge derer ich diesen Thriller lesen durfte, zwingen, das Buch bis zum Ende durchzulesen, aber die Angela-Teile haben meiner Meinung nach alles nur unnötig in die Länge gezogen und ich war die meiste Zeit mit imaginärem Augenrollen beschäftigt, so sehr ist sie mir auf die Nerven gegangen.
Als Teil der Reihe (und in Hoffnung auf einen besseren, weil typischeren, Nachfolgeroman) also lesbar, aber für Tess-Gerritsen-Neulinge gibt es definitiv bessere Empfehlungen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.06.2018

Chaotische "Ermittlungen"

Der einsame Bote
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Thommy Bergmann will sich nicht damit abfinden, dass die vermisste Amanda als tot gilt. Auch den Tod ihres Mörders Farberg zweifelt er an, da die DANN-Analyse des verbrannten Leichnams noch ausstehen. ...

Thommy Bergmann will sich nicht damit abfinden, dass die vermisste Amanda als tot gilt. Auch den Tod ihres Mörders Farberg zweifelt er an, da die DANN-Analyse des verbrannten Leichnams noch ausstehen. Daher beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln, um während der Ermittlungen auf alte Verdächtige und neue Bedrohungen zu stoßen.
Ohne die Vorgänger zu kennen, macht es wenig Sinn, diesen Kriminalroman zu lesen, aber auch, wenn man davon absieht, dass einem als Leser viele Vorinformationen fehlen, wirken die Ermittlungen oft chaotisch, neue Erkenntnisse und Verdächtige scheinen oft willkürlich und zufällig aufzutauchen und die Entscheidungen, die sowohl der Hauptagierende Kommissar Thommy Bergmann, wie auch Bergmanns Kollegin Bech machen, sind so oft irrational und nicht nachvollziehbar (warum muss sie zB alleine ins Haus des Verdächtigen gehen? Was soll der komplette Alleingang von Bergmann? Und warum muss eine Prosituierte mit von der Partie sein, wenn er auf den Hof eines Hauptverdächtigen fährt?). Der Eindruck des Chaotischen wird noch dadurch verstärkt, dass die Kapitel sehr kurz sind und daher irgendwie gehetzt wirken und es ohne erkennbares System zu Perspektivwechseln kommt. Die Idee hinter der Geschichte ist sehr gut und auch an Grausamkeit und menschlichen Abgründen wurde nicht gespart, aber insgesamt wirkt die Ausführung fast lieblos. Der Schreibstil ist aber eigentlich ganz angenehm, sodass sich das Buch ziemlich schnell durchlesen lässt, obwohl die Spannung etwas fehlt. Vielleicht für Fans der Reihe um Thommy Bergmann ganz interessant zu lesen, um einen Abschluss zu den vorhergegangenen Büchern zu haben, aber nicht unbedingt ein Buch, dass ich weiter empfehlen würde.
Sehr schade, vor allem, weil ich vom ersten Band der Reihe nur gutes gehört habe…