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Veröffentlicht am 26.02.2025

Herausforderungen und deren Wirkungen

Die erste halbe Stunde im Paradies
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Anne und ihr Bruder Kai werden sehr frühzeitig, im Kindes- beziehungsweise Jungendalter, mit der unheilbaren Krankheit Multiple Sklerose ihrer Mutter konfrontiert. Aufopferungsvoll und äußerst fürsorglich ...

Anne und ihr Bruder Kai werden sehr frühzeitig, im Kindes- beziehungsweise Jungendalter, mit der unheilbaren Krankheit Multiple Sklerose ihrer Mutter konfrontiert. Aufopferungsvoll und äußerst fürsorglich kümmern sich beide um die Schwerkranke, deren gesundheitlicher Zustand sich sehr schnell verschlechtert. Mit viel Respekt versuchen sie die Würde der Mutter zu bewahren, stoßen dabei immer wieder an Grenzen, die auch die Mutter zunehmend mental herausfordert, sie zu unkontrollierten Wutausbrüchen verleitet. Mit zunehmendem Alter werden bei den Kindern natürlich verstärkt eigene Interessen und Bedürfnisse wach, die tragischerweise zu ausufernden Konflikten führen.
Janine Adomeit führt uns Leser mit ihrem Roman 'Die erste halbe Stunde im Paradies' in eine Welt der starken Gefühle, die durch Drogen oder emotionale Verweigerung gesteuert werden. Während die vererbte Schuld, eine nicht näher beschriebene Ablehnung der beiden Väter durch die Mutter, eine expressive Notlage zwischen Wunsch und übertragener Pflicht auslöst, nehmen unheilbringende Ereignisse ihren Lauf, deren schmerzliche Aufarbeitung tiefe seelische Wunden hinterlassen. Das kluge Konzept fantastisch gesetzter Rückblenden, die poetischen Einbauten verursachen eine Sogwirkung, der man sich schwer entziehen kann. Mich hat die Geschichte mit ihren mannigfaltig ineinander verstrickten Aspekten der tragenden Rolle einer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und dem Individuum Mensch, sowohl traurig als auch nachdenklich gestimmt.
Ich möchte sehr gern dieses berührende, intelligente, mutige und anspruchsvolle Buch weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 26.02.2025

Hoffnung auf einen Menschen, der uns versteht

Für Polina
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Takis Würger präsentiert mit 'Für Polina' eine Geschichte, die zu Herzen geht, die aufwühlt, die gefangen nimmt. Mit anderen Worten hier spielen die Emotionen in den höchsten und gleichzeitig tiefsten ...

Takis Würger präsentiert mit 'Für Polina' eine Geschichte, die zu Herzen geht, die aufwühlt, die gefangen nimmt. Mit anderen Worten hier spielen die Emotionen in den höchsten und gleichzeitig tiefsten Tönen möglicher Empfindungen einen einzigartigen Reigen zu berührenden, lebendig dargestellten Ereignissen. Poetisch angehaucht mit brillanter Treffsicherheit für situative Momente menschlicher Gefühle strickt der Autor Wort für Wort Szenen aus dem Alltag seiner beiden Protagonisten, deren Seelen sich trotz ihrer enormen Unterschiedlichkeit aufs innigste berühren.
Hannes und Polina wachsen gemeinsam, fast wie Geschwister, auf. Ihre alleinerziehenden Mütter und Heinrich, ein eigenwilliger aber gutmütiger Charakter, geben den Kindern, trotz bitterer Armut, ein behütetes mit viel Liebe gestaltetes Heim, verzichten dabei selbst auf so manchen langersehnten Traum. Sie alle geben sich gegenseitig Stütze und Geborgenheit. Hannes ist kein großer Denker. Polina hingegen erfasst die sie umgebenden Welt mit Leichtigkeit. In der Musik kann sich Hannes verlieren, seinen Gefühlen Ausdruck geben und Menschen damit begeistern. Trauer über einen schwerwiegenden Verlust und die große Liebe zu Polina kann er mit eigenen Kompositionen eine Stimme geben, die keines Wortes bedarf. Diese Melodien begleiten ihn auf der Suche nach dem erhofften Glück.
Ein Roman, der nach Hilfe schreit und die Hoffnung hegt, den Menschen zu finden, der das liebende Herz versteht.
Meine Leseempfehlung gebe ich diesem bemerkenswerten Roman sehr gern.

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Veröffentlicht am 25.02.2025

Zerplatzte Lebensträume

Achtzehnter Stock
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Wanda wohnt mit ihrer kleinen Tochter Karlie im achtzehnten Stock eines Berliner Plattenbaus. Sie wohnt zur Miete, die sie sich mühsam erarbeiten muss und auch nicht immer pünktlich ihrem Onkel, dem Vermieter, ...

Wanda wohnt mit ihrer kleinen Tochter Karlie im achtzehnten Stock eines Berliner Plattenbaus. Sie wohnt zur Miete, die sie sich mühsam erarbeiten muss und auch nicht immer pünktlich ihrem Onkel, dem Vermieter, zahlen kann. Tristesse und Trostlosigkeit umgibt sie in diesen schimmeligen vier Wänden, die abgeschnitten sind von der bunten Welt da draußen durch ein großes Funkloch. Das ist kein Leben nach ihren Vorstellungen und Wünschen. Wandas Lebenstraum ist die Schauspielerei, obwohl ihr letzter Job in einem Werbefilm Monate her. Völlig unverhofft scheint ihr Traum dann doch in greifbare Nähe zu rücken und ein Angebot für eine Produktion flattert ihr ins Haus. Nun ist ihre ganze Aufmerksamkeit gefordert, stete Erreichbarkeit, keine festen Arbeitszeiten. Für eine alleinerziehende Mutter mit einem kränkelnden Kind keine leichte Aufgabe oder besser gesagt ein Ding der Unmöglichkeit.
Sara Gmuer spricht in ihren fordernden Roman 'Achtzehnter Stock' ein gesellschaftspolitisches Problem an, welches in der Regel alleinerziehende Mütter betrifft. Der Spagat zwischen Kinderbetreuung, beruflichen Herausforderungen, um den Lebensunterhalt zu sichern und den ganz privaten Wünschen wird zur Zerreisprobe, der die Nerven beansprucht und Gefühle zur Wallung bringt. Die Autorin setzt ein lautes Zeichen für alle die Alleingelassenen, die Teil der Gesellschaft sein möchten, sich ausgeschlossen fühlen durch die Umstände, die ihr Dasein maßgeblich bestimmen.
Ich gebe gern meine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 24.02.2025

Toxische Lebensumstände

Rückkehr nach Budapest
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Nikoletta Kiss entführt uns in ihrem Roman 'Rückkehr nach Budapest' in die achtziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts und lässt ihre Protagonistin Márta eine Geschichte erzählen, die tief emotional berührt, ...

Nikoletta Kiss entführt uns in ihrem Roman 'Rückkehr nach Budapest' in die achtziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts und lässt ihre Protagonistin Márta eine Geschichte erzählen, die tief emotional berührt, die einen Einblick gewährt in die Zeiten der staatlichen Überwachung der Bevölkerung durch die Staatssicherheit in der DDR und in Ungarn. Mit sprachlicher Eleganz lässt uns die Autorin eintauchen in die Szene regimekritischer Literaten aus Ost-Berlin, die ihre Worte des erlebten Schmerzes unzensiert zu Papier bringen möchten, damit immer wieder Enttäuschungen und Repressalien ausgesetzt sind. Die wunderbar gezeichneten Charaktere geben Zeugnis einer Ausweglosigkeit, die tiefe psychische Schäden bei den Menschen hinterlassen haben.
Ungeschönt und realitätsnah begleiten wir Márta, ihrer Cousine Theresa und den regimekritischen Schriftsteller Konstantin. Mártas Familienleben ist schwer belastet durch den alkoholkranken Vater und einer Mutter, die sich diesem Druck durch Flucht aus der Ehe entzieht. Völlig überlastet mit dieser Situation sucht Márta Geborgenheit bei Theresa, die mit ihren Eltern in Ost-Berlin lebt. Hier lernen beide Konstantin kennen und lieben. Eine toxische Liebe in einer toxischen Epoche, die tiefe seelische Wunden reist und in der es kritische, gefährliche Zeiten zu überwinden gilt.
Ein bemerkenswerter Roman mit Sogwirkung, der unglaubliche historische Ereignisse beschreibt, die durch die friedliche deutsche Revolution glücklicherweise der Vergangenheit angehören. Es ist eine Geschichte, die man gelesen haben sollte.

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Veröffentlicht am 22.02.2025

Ein Meisterwerk der Italien-Inspirationen

DUMONT Bildband Atlas der Reiselust Italien
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Wer, wie ich, ein großer Italien-Fan ist, kommt an diesem Meisterwerk von einem Bildband und Reiseführer, ich meine, eigentlich müsste es heißen Reiseverführer, nicht vorbei. Wer einen Blick in dieses ...

Wer, wie ich, ein großer Italien-Fan ist, kommt an diesem Meisterwerk von einem Bildband und Reiseführer, ich meine, eigentlich müsste es heißen Reiseverführer, nicht vorbei. Wer einen Blick in dieses überwältigende, traumhaft mit viel Liebe zum Detail gestaltete, prall mit wertvollen Insider-Informationen gefüllte Buch wirft, gerät unweigerlich ins Träumen und das Fernweh beginnt sich im ganzen Körper auszubreiten, die Lust auf Entdeckungstour zu gehen, wird sich beim Betrachten und Lesen jeder weiteren Seite unvermeidbar steigern.
Die DuMont Reiseverlag GmbH & Co. KG präsentiert mit dem DuMont Bildband 'Atlas der Reiselust Italien – Inspiration für ein ganzes Leben', geschrieben von Philippe Gloaguen, eine unfassbar umfangreiche Sammlung an Informationen über das Sehnsuchtsland vieler Deutscher. Der Titel des Bildbandes ist Programm mit seiner Ideenvielfalt auch weniger oder gar nicht bekannter Entdeckungsmöglichkeiten in den Regionen von Bella Italia. Fantastische Fotografien, bewundernswerte grafische Illustrationen geben der Darstellung von Land und Leuten mit ihrer uralten Kultur, ihren wunderschönen Landschaften und architektonischen Wunderwerken, den immer wieder aufs Neue verführerischen Speisen und edlen Weinen einen ansprechenden Rahmen, der seines Gleichen sucht.
Ich bin begeistert und gebe meine Empfehlung, auf unterhaltsame Entdeckungstour mit dem 'Atlas der Reiselust – Italien' zu gehen, sehr gern weiter.

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