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Veröffentlicht am 25.02.2025

Heinz und Erika

Das Würfelhaus
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Das Würfelhaus ist ein intelligentes Sachbuch mit autobiografischen Bezug, aber über das Individuelle hinaus übertragbar.
Sebastian Moll reise 2009 aus New York zurück nach Frankfurt, um sein Elternhaus ...

Das Würfelhaus ist ein intelligentes Sachbuch mit autobiografischen Bezug, aber über das Individuelle hinaus übertragbar.
Sebastian Moll reise 2009 aus New York zurück nach Frankfurt, um sein Elternhaus aufzulösen, nachdem auch die Mutter gestorben war. Der Vater, 1927 geboren, war schon Jahre vorher verstorben.
Doch diese Aufgabe wird zu einem Auseinandersetzen mit den Eltern und ihren Rollen in Kriegs- und Nachkriegszeit. Sie waren keine Täter, da auch zu jung, aber gläubige Mitläufer. Der Autor widmete sich besonders dem Vater, der als Jugendliche begeisterter HJ war. Er war aber gebildet und auch intellektuell ausgerichtet, es gab z.B. einige Gedichte und Briefe, die er schrieb. Gegen Kriegsende war er Flaghelkfer, ging zur Marine und war dann noch kurz in Kriegsgefangenschaft.
Sebastian Moll stellt viele Bezüge her, z.B. zu Klaus Theweleits Männerphantasien.
Der Untertitel des Buches „Mein Vater und die Architektur der Verdrängung“ ist auch stimmig für das Buch und die Zeit noch lange nach dem Krieg.
Ich denke, es ist eine absolut glaubwürdige Darstellung einer Generation, überwiegend packend geschrieben. Es ist auch wichtig, zu betonen, dass das Buch keine Abrechnung mit den Eltern ist. Es geht vielmehr nur um das Verstehen.

Veröffentlicht am 18.02.2025

Leben mit Realität und trotzdem an den Traum glauben

Achtzehnter Stock
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Wanda lebt mir ihrer kleinen Tochter Karlie im Achtzehnten Stock und hofft, als Schauspielerin rauszukommen.
Sie steht damit in einem Konflikt sich ausreichend um ihr Kind zu kümmern, aber auch alles ...

Wanda lebt mir ihrer kleinen Tochter Karlie im Achtzehnten Stock und hofft, als Schauspielerin rauszukommen.
Sie steht damit in einem Konflikt sich ausreichend um ihr Kind zu kümmern, aber auch alles für ihre Karriere zu tun. Die ist aber bisher anscheinend kaum in Fahrt gekommen.
Ziemlich oft muss sie die Hilfe der Nachbarin in Anspruich nehmen. Die nennt sie immer nur Aylins Mutter. Anscheinend kennt sie ihren Namen nicht. Das passt ein wenig dazu, dass sie immer wieder mal egoistisch und oberflächlich wirkt. Davon abgesehen finde ich schon, dass sie an ihre Träume glauben soll.
Ein zentraler Moment des Buches ist als Karlie krank wird. Eine Mittelohrentzündung stellt sich als Hinhautentzündung heraus. Das wurde zuerst unterschätzt. Für Wanda eine Zeit der Angst.

Sara Gmuer schafft mit Wandas Stimme einen Sound für ihren Roman, ein wenig rotzig und forsch, aber das hat was.

Veröffentlicht am 18.02.2025

Ein Kultautor

Ich gehe in ein anderes Blau
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Rolf Dieter Brinkmann, jung gestorben, war ein wichtiger Deutscher Autor der siebziger Jahre.
In letzter Zeit war es eher ruhig um ihn und seine Bücher.
Diese Biographie bietet die Chance ihn wieder zu ...

Rolf Dieter Brinkmann, jung gestorben, war ein wichtiger Deutscher Autor der siebziger Jahre.
In letzter Zeit war es eher ruhig um ihn und seine Bücher.
Diese Biographie bietet die Chance ihn wieder zu entdecken oder vielleicht sogar überhaupt erst kennen zu lernen.
Die Biografie ist relativ konventionell aufgebaut, das heißt es wird zeitlich von Kindheit bis zum tödlichen Autounfall erzählt. Für mich ist diese Form sehr in Ordnung.

Man spürt schon schnell, dass Brinkmann ein Erneuerer der Sprache war, der radikal und kompromisslos schrieb. Schon das Cover, auf dem er abgebildet ist, strahlt das irgendwie stark aus.
Er war streitbar, anscheinend auch manchmal exzentrisch und immer suchte er das Neue in seine Texten.
Solche Schriftsteller sind in heutiger Zeit eher selten.
Außerdem erfährt man in diesem Buch viel vom Literaturbetrieb dieser Zeit und das hat mich vielleicht am meisten am Buch überzeugt.

Veröffentlicht am 02.02.2025

grandios gezeichnet

Der Passagier der Polarlys
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Mit Der Passagier der Polarlys setzen Jose-Louis Bocquet und Christian Caillenaux einen frühen Roman des Kultautors Georges Simenon als Graphic Novel um.
Zugegeben, ich bin kein Kenner der Graphic Novel. ...

Mit Der Passagier der Polarlys setzen Jose-Louis Bocquet und Christian Caillenaux einen frühen Roman des Kultautors Georges Simenon als Graphic Novel um.
Zugegeben, ich bin kein Kenner der Graphic Novel. Vielleicht bin ich deswegen nahezu sprachlos. Was sind das für grandios gemalte Bilder? Detalliert, ausdrucksstark.
Zudem ist die Handlung aber auch wirklich stark.
Bevor es auf die Fahrt von Hamburg nach Norwegen auf dem Schiff Polaryls geht, gibt es eine Art Prolog. Eine junge Frau erlebt in Montaparnasse eine wilde Nacht, die sie leider nicht überlebt.
Auf der Schiffahrt geht es geheimnisvoll zu. Sowohl Besatzung als auch Passagiere könnten etws zu verbergen haben.
Das Buch überzeugt mit einem raffinierten Plot.
Simenons Romane haben sich stets durch erzählerische Dichte ausgezeichnet. In dieser Form erreicht es neue Ausmaße.

Veröffentlicht am 25.01.2025

Ein Roman wie ein Faustschlag

Sing mir vom Tod
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Ein Auszug aus dem Prolog zeigt schon eine gewisse Haltung:
„Ich mag eine Mörderin sein. Ich mag Stimmen hören. Aber das heißt nicht, das ich verrückt bin.“
Die amerikanische Schriftstellerin Ivy Pochoda ...

Ein Auszug aus dem Prolog zeigt schon eine gewisse Haltung:
„Ich mag eine Mörderin sein. Ich mag Stimmen hören. Aber das heißt nicht, das ich verrückt bin.“
Die amerikanische Schriftstellerin Ivy Pochoda gestattet ihren Figuren Eigenwilligkeit und Persönlichkeit. Das schätze ich sehr.
Außerdem gibt sie den Frauen Stimmen, die diese Persönlichkeiten ausdrücken. Dadurch wird es auch mehr als nur ein Thriller.

Im Mittelpunkt stehen Dios und Florida, die beide aus dem Knast kommen und doch bald schon fliehen müssen.
Die beiden sind sehr unterschiedlich und durch die Ereignisse doch auch miteinander verbunden.
Gesucht werden sie von einer weiteren beeindruckenden Figur: Lobos, die Polizistin und doch auch ein Stück einsame Wölfin.

Ich mag Ivy Pochodas Stil. Sie konnte mich mit Sing mir vom Tod genauso überzeugen wie mit ihren vorherigen Roman Diese Frauen.