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Veröffentlicht am 25.02.2025

Der Plan

The boy you always wanted
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Francines Großvater hat Krebs und wird bald sterben. Da er keinen männlichen Nachkommen hat, welcher die Familientradition und Ehrerbietung den Ahnen gegenüber fortführen kann, ersinnt Francine einen raffinierten ...

Francines Großvater hat Krebs und wird bald sterben. Da er keinen männlichen Nachkommen hat, welcher die Familientradition und Ehrerbietung den Ahnen gegenüber fortführen kann, ersinnt Francine einen raffinierten Plan: der Sohn einer befreundeten Familie, Ollie, soll die Rolle des männlichen Erben ehrenhalber einnehmen.

Locker fließt dieser schöne Jugendroman dahin, die schweren Themen Tod, Tradition, starres Familiengefüge passen sich mit Leichtigkeit in die Handlung ein, in der eine aufkeimende Liebe natürlich nicht fehlen darf. Was kompliziert beginnt, geht auch kompliziert weiter, denn die chinesisch-vietnamesischen Hauptpersonen legen Wert auf Familie und Althergebrachtes, dem sich insbesondere die pflichtbewusste Francine nicht entziehen möchte. Dabei stößt sie allerdings auf Überraschungen, mit welchen sie nie gerechnet hätte.

Witzig, humorvoll und mit einem aufschlussreichen Blick hinter die Kulissen asiatischer Kultur präsentiert Michelle Quach diese liebenswerte Geschichte, in die – laut dem Vorwort – durchaus auch Persönliches miteinfließt. Angenehm zu lesen und trotz der Angst um den Großvater sehr unterhaltsam und informativ.

Veröffentlicht am 17.02.2025

Eine Tochter

Die Inselfamilie
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Anne hat sich gut eingelebt auf der nordfriesischen Insel Amrum und ist glücklich in ihrer Beziehung mit Ben. Da steht eines Tages eine junge Frau vor der Tür, ein fünfjähriges Mädchen an der Hand. Weil ...

Anne hat sich gut eingelebt auf der nordfriesischen Insel Amrum und ist glücklich in ihrer Beziehung mit Ben. Da steht eines Tages eine junge Frau vor der Tür, ein fünfjähriges Mädchen an der Hand. Weil sie Ben sehr ähnlich sieht, besteht kein Zweifel daran, dass Marie seine Tochter ist, noch dazu muss er die fremde Kleine aus Bayern auch gleich vorübergehend bei sich aufnehmen.

Warmherzig und voller Gefühl erzählt Jette Hansen, wie es weitergeht auf Amrum, Anne stehen wieder einige Herausforderungen ins Haus. Wer erst bei diesem zweiten Teil der Reihe einsteigt, bekommt wesentliche Informationen in Kurzform geliefert, den ersten Band vorneweg zu lesen, ist aber auf alle Fälle empfehlenswert. So werden verschiedene begonnene Fäden weitergesponnen, wie die Sache mit dem Pflegedienst oder mit Emmas Freundin Edith. Wenige, dafür umso lebendigere Figuren erkunden gemeinsam die schöne Nordseeinsel, erzählen von alten Leuchttürmen und wichtigen Wattbewohnern. So fühlt man sich schnell nahe dran am Geschehen und den überwältigenden Emotionen rund um Marie. Deren Schicksal ist gerade kein Honigschlecken, aber auch da findet Jette Hansen – oder das Leben – eine runde Lösung.

Abgesehen von den häufigen Nudeln und Fischstäbchen hat mir Teil zwei deutlich besser gefallen als sein Vorgänger, möglicherweise, weil ich mit den einzelnen Figuren schon vertraut war und hier noch bewegendere Probleme gewartet haben? Die kleine Marie ist wohl nicht nur mir schnell ans Herz gewachsen, ich bin gespannt, was sie beim nächsten Mal ihren Puppen erzählen mag.


Veröffentlicht am 09.02.2025

Endlager

Kummersee
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Ein Endlager soll im See bei Horlow, nahe der Grenze zur ehemaligen DDR errichtet werden. Dazu kommt erst einmal ein Vermessungsteam, begleitet von Polizeischutz, dem auch Lena Wolff angehört. Der Einsatz ...

Ein Endlager soll im See bei Horlow, nahe der Grenze zur ehemaligen DDR errichtet werden. Dazu kommt erst einmal ein Vermessungsteam, begleitet von Polizeischutz, dem auch Lena Wolff angehört. Der Einsatz selbst ist aber nicht Lenas Motivation, wieder hierherzukommen, ins Dorf ihrer Kindheit, nein, die 42jährige hat noch eine Rechnung offen mit dem Kummersee, in dem ihr Bruder dreiunddreißig Jahre zuvor auf mysteriöse Weise ertrunken ist.

Ein Dorf nahe der Grenze, am anderen Seeufer ist schon „drüben“, einzelne Wohnhäuser und ein Stacheldrahtzaun rund um das Gewässer. Die Gesichter hinter den Fensterscheiben spähen dem Vermessungsteam schon ablehnend hinterher, bald darauf verschwindet ein Mann aus dem Team, alte Geistergeschichten und Legenden über Monster im See werden wieder erzählt. Was hat es auf sich mit diesem dunklen Teich, was bringt ihn des Nachts zum Leuchten und die Menschen zum Fürchten? Lauert das Böse am Grund? Wilde Mythen ranken sich um die Gegend und beschwören eine düstere Atmosphäre herauf, welche Iver Niklas Schwarz lebhaft beschreibt. Beklemmend erscheinen die Szenen, mit Grauen erinnert sich Lena an das Drama in ihrer Kindheit.

Kapitel für Kapitel fließt dahin, die Dunkelheit und der Regen, welche sich über die Gegend breiten, hüllen die Wahrheit allerdings lange ein, bis man erkennen kann, ob mystische Elemente Dorf und See heimsuchen oder nachvollziehbare Erklärungen möglich sind. Während sich also irgendwann einige Längen einschleichen, kommt es gegen Ende hin zu sich überschlagenden Ereignissen und Informationen, mit welchen man kaum rechnen konnte, dabei aber auch zu eher unglaubwürdigen Details. Die Charaktere selbst wiederum sind gut vorstellbar, die Themen Endlagerung und Umweltschutz unaufgeregt ins Geschehen eingebettet, wodurch der Handlungsverlauf stimmig daherkommt.

Die Themen, insbesondere Lenas Trauma durch den Tod ihres Bruders, sind geschickt kombiniert und zu einem roten Faden verflochten, sodass der „Kummersee“ trotz kleiner Kritikpunkte aufregende Lesestunden bedeutet.


Veröffentlicht am 06.02.2025

Aufblühen

Die Zuverlässigkeit des Zufalls
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Gemeinsam mit ihrer Mutter betreibt Nina-Marie eine kombinierte Buch- und Blumenhandlung und hat sich damit einen Traum erfüllt. Mit Freude empfiehlt sie alte und neue Bücher und bindet duftende Sträuße, ...

Gemeinsam mit ihrer Mutter betreibt Nina-Marie eine kombinierte Buch- und Blumenhandlung und hat sich damit einen Traum erfüllt. Mit Freude empfiehlt sie alte und neue Bücher und bindet duftende Sträuße, allerdings fehlt ihr selbst das wahre Glück im Leben, seit sie drei Jahre zuvor ihre große Liebe verloren hat. Können vielleicht der alte Herr, dem Nina-Marie Blumen liefern soll, oder sein Sohn, dem sie irgendwo schon einmal begegnet ist, die junge Frau wieder zum Aufblühen bringen?

Mit einem bunten Mix an Erzählung im Jetzt, Erinnerungen an Nina-Maries Zeit mit Eric und einem Buch, das unsere Hauptfigur zur Bewältigung ihrer Trauer niederschreibt, geht es abwechslungsreich durchs Geschehen. Wenige, überschaubare Charaktere sind liebevoll gezeichnet und treffen in unterschiedlichsten Varianten aufeinander, wobei sich Ninas Rückzug in ihr Schneckenhaus wie ein roter Faden durch die Handlung zieht. Angst vor neuerlicher Verletzung lässt sie Distanz halten und sich völlig in ihre Arbeit zurückziehen. Ob die Begegnungen mit Curt Fernau und Jack dem zuverlässigen Zufall geschuldet ist, ob es Schicksal ist oder ganz etwas anderes, Nina-Marie entwickelt sich jedenfalls langsam heraus aus ihrer Lethargie, aus ihrer Verklärung der Vergangenheit. Auch die anderen Figuren erleben einen Fortschritt auf ihrem Lebensweg, den man ein Stück weit begleiten darf. Die doch sehr intensiven Gedanken über Trauer und Verhaftung im Gestern überschatten teilweise die hoffnungsvollen und zukunftsorientierten Kapitel, abgesehen davon handelt es sich aber um einen liebens- und lesenswerten Roman mit sympathischen Charakteren und unaufdringlichen Tipps im Umgang mit kleineren oder größeren Herausforderungen im Leben.

Ein flüssig geschriebener Roman mit bewegendem Inhalt, bei dem man den Duft der Pflanzen und die wohltuende Stimme eines Vorlesers zwischen den Zeilen spüren kann. Für unterhaltsame Stunden vergebe ich vier Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 01.02.2025

Im Mittelpunkt

Die Schwarze Gräfin. Geheimnisse an der Eisenstraße
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1949: Das Grenzgebiet Niederösterreich – Oberösterreich – Steiermark wird gemeinhin auch Eisenstraße genannt ob der aufstrebenden Industrie, welche hier vorherrscht. Während da die reichen Schneebergs ...

1949: Das Grenzgebiet Niederösterreich – Oberösterreich – Steiermark wird gemeinhin auch Eisenstraße genannt ob der aufstrebenden Industrie, welche hier vorherrscht. Während da die reichen Schneebergs wohnen, lebt dort Magdalena in armen Verhältnissen mit einem gewalttätigen Säufer als Mann. Nicht bereit, solch ein Dasein zu fristen, trachtet Magdalena nach gesellschaftlichem Aufstieg.

Erst einmal muss man sich orientieren im Buch, das zu Beginn eher informativ als erzählend wirkt und die grundlegenden Rahmenbedingungen der damaligen Zeit mitten in Österreich schildert. In kurzen Kapiteln geht es dann aber bald flott dahin mit einer raffinierten, berechnenden Protagonistin, welche nicht nur den Leser immer wieder überrascht und verblüfft. Die gesellschaftlichen Gepflogenheiten, die dörfliche Struktur in Windischgarsten sind exzellent getroffen, die Atmosphäre bedrückend und ironisch wiedergegeben. Durch Perspektivenwechsel und unterschiedliche Blickwinkel (Magdalena erzählt in der Ich-Form, andere Kapitel sind aus neutraler Sicht verfasst) wird die Geschichte lebendig und authentisch, auf raffinierte Weise wird Magdalenas berechnendes Vorgehen immer deutlicher offenbar. Aber nicht nur sie, auch der Pfarrer, der Jäger, der Maler oder Oscar als Erbe einer Hammerherrendynastie sind ausgezeichnet charakterisiert. Wer spielt die Hauptrolle für die eigenwillige Frau? Das ist wohl sie selbst, die auf ihre ganz besondere Art sogar den Teufel hinters Licht führt.

Ein besonderes Buch, welches durch Raffinesse der im Mittelpunkt stehenden Figur ebenso besticht wie durch die kunstvolle Erzählweise, welche den Leser durch die Handlung führt.