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Veröffentlicht am 13.09.2025

Wenn Süßigkeiten uns verzaubern.

Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei
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Bereits mit der Autorin betreten wir ein kleines Mysterium. Lee Onhwa ist das Pseudonym einer preisgekrönten Bestsellerautorin. Wer sich jedoch wirklich dahinter verbirgt, bleibt ein wohlbehütetes Geheimnis. ...

Bereits mit der Autorin betreten wir ein kleines Mysterium. Lee Onhwa ist das Pseudonym einer preisgekrönten Bestsellerautorin. Wer sich jedoch wirklich dahinter verbirgt, bleibt ein wohlbehütetes Geheimnis. Bekannt ist lediglich, dass sie in Seoul lebt und sich an traurigen Tagen mit süßen Köstlichkeiten selbst kleine Glücksmomente schenkt.
Dies ist ein sympathisches Detail, das charmant zum Titel ihres neuen Romans „Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei“ passt.
Als Lesende werden wir schnell in eine Welt zwischen Alltagswirklichkeit und magischen Momenten hineingezogen.

Für Yeonhwa ist ihre Zukunft noch unklar, doch eines steht für sie fest: Sie möchte ein Leben ohne Sorgen und Sehnsüchte führen und auf gar keinen Fall ein eigenes Geschäft betreiben. Doch das Schicksal hat andere Pläne. Nach dem Tod ihrer Großmutter erbt Yeonhwa das Hwawoldang, eine traditionsreiche Konditorei für koreanisches Gebäck. Hinzu kommt die merkwürdigen Bedingung ihrer Großmutter das Geschäft nur zwischen 22 Uhr und Mitternacht zu öffnen.
Yeonhwa bleibt nichts anderes übrig, als sich mit der Zubereitung traditioneller Backwaren vertraut zu machen und sich um die ganz besondere Kundschaft zu kümmern: die Geister der Verstorbenen. Nacht für Nacht treten sie in ihr kleines Café und erzählen von ihrem Leben und den letzten Augenblicken, die sie auf der Welt verbracht haben. Um Ruhe zu finden, wünschen sie sich ein Gebäck, das sie mit einem geliebten Menschen verbindet und Yeonhwa muss lernen, diese Sehnsüchte zu erfüllen.

Mich hatte die wunderschöne und stimmige Gestaltung bei dem Roman „Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei“ angesprochen. Ich liebe es, wenn das Cover auch zum Inhalt passt, und hier konnte ich mich direkt hineinfühlen in ein kleines Café irgendwo in Seoul. Besonders bezaubernd fand ich die Gestaltung der Leseabschnitte, die mit kleinen Teekannen markiert sind.
Ein schönes Extra war außerdem die beigelegte Karte mit einer Anleitung für koreanisches Gebäck sowie der QR-Code am Ende des Buches, über den man mehr über die Backtraditionen und die Vorlieben der Autorin erfährt.

Inhaltlich stehen die Geschichten rund um die Geister im Vordergrund . Jede Geschichte ist dabei eigenständig und unterscheidet sich von der vorhergehenden, die Café-Besitzerin Yeonhwa verbindet alles miteinander und führt angenehm ruhig durch den Erzählfluss. Alle Geschichten haben ihren eigenen Schwerpunkt, aber sie eint das große Thema der Liebe – in all ihren Facetten: zwischen Mutter und Tochter, in romantischer Hinsicht, als tiefe Freundschaft oder auch in Form einer Hassliebe zwischen Geschwistern.

Besonders mochte ich die vielen koreanischen Einflüsse, die Darstellung kultureller Aspekte und auch die leisen gesellschaftlichen Kritiken, die an manchen Stellen durchscheinen. Dies sollte man beim Lesen im Hinterkopf behalten, da sich die koreanische Kultur deutlich von der europäischen Lebensweise unterscheidet.
Die Atmosphäre im Buch ist manchmal melancholisch, aber am Ende auch immer hoffnungsvoll.
Der Schreibstil von Frau Onhwa ist unaufgeregt und gleichzeitig poetisch zart. Viele Sätze waren so schön formuliert, dass ich mir einige Zitate markiert habe.
Interessant fand ich den Wechsel im Tonfall. In Yeonhwas Perspektive wirkt der Stil etwas moderner und sachlicher, während er in den Geistergeschichten emotionaler wird. Das brachte eine angenehme Vielfalt ins Lesen.
Einzig das Ende war mir zu abrupt und nicht ganz auserzählt. Hier hätte ich mir einfach noch ein wenig mehr Tiefgang und Abrundung gewünscht, um die Geschichte noch eindringlicher abzuschließen.

Für alle, die ein entspanntes Buch suchen ohne nervenaufreibende Spannung, dafür mit einem feinfühligen, teils melancholisch-poetischen Ton und einem Hauch von Magie ist dies genau die richtige Wahl.
Mein Tipp: Holt euch eine Tasse Tee, legt euer Lieblingsgebäck dazu und lasst euch von diesem besonderen Buch verzaubern.

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Veröffentlicht am 29.08.2025

„Dorfgeträller“

Heimat
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Hannah Lühmann, bekannt durch ihre journalistische Tätigkeit, hat mit ihrem Debütroman „Auszeit“ bereits literarisches Terrain betreten.
Nun meldet sie sich mit ihrem neuesten Werk „Heimat“ zurück und ...

Hannah Lühmann, bekannt durch ihre journalistische Tätigkeit, hat mit ihrem Debütroman „Auszeit“ bereits literarisches Terrain betreten.
Nun meldet sie sich mit ihrem neuesten Werk „Heimat“ zurück und legt erneut den Finger in eine frische Wunde der Gegenwart: die Frage danach, wann eine Frau eine gute Ehefrau und Mutter ist. Kann eine Frau Karriere machen und Kinder großziehen, ohne dabei sich selbst zu verlieren?
Oder ist nicht vielleicht der bessere Traum, die traditionelle Rolle als liebende Ehefrau zu leben, die sich um die Kinder kümmert und den Haushalt organisiert?


Da sind wir schon mitten im Geschehen: Jana zieht schwanger mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern von der Stadt aufs Land. Ihren Job hat sie kurzerhand gekündigt, um einen Neuanfang zu wagen und den Traum vom Eigenheim zu realisieren.
Nur langsam gewöhnt sie sich an die neue Umgebung, das eng verflochtene Netz der Dorfgemeinschaft, die allgegenwärtige Migrationsfeindlichkeit und die Sehnsucht nach „alten Werten“.
Erst die Begegnung mit Karolin verändert alles. Die junge Frau ist tief in der Tradewife-Szene verankert und nach außen die perfekte Erscheinung: fürsorgliche Mutter, disziplinierte Hausfrau und treue, zugleich unterwürfige Ehefrau.
Sie führt ein scheinbar erfülltes, naturverbundenes Leben, das all das verkörpert, was Jana heimlich bewundert und vielleicht selbst anstrebt. Doch je näher sie Karolin kommt, desto stärker wächst der Verdacht: Hinter der makellosen Fassade verbirgt sich eine Wahrheit, die alles in Frage stellen könnte.


Bereits das Cover hatte mich angesprochen. Der großformatige Titel zog meinen Blicke auf sich, während das eigentliche Bild, eine ruhige Naturlandschaft, sich leise im Hintergrund einfügte. Für mich birgt diese vermeintliche ländliche Idylle eine trügerische Ruhe unter deren Oberfläche Verderbnis lauert.

Mit „Heimat“ greift Frau Lühmann viele bedeutende, hochaktuelle und spannende Themen auf. Wie die komplexe Frage nach Kindererziehung, Impfschäden, den gesellschaftlichen Rechtsruck, die aktuelle Gegenbewegung zum Feminismus in Form der Tradewife-Bewegung und nicht zuletzt die gefährliche Verlockung moderner Medien wie Instagram, die allzu schnell zur Suchtfalle werden können.

Die handelnden Figuren, allen voran Jana und Karolin, sind sehr interessant. Jana wirkt verloren, nach Halt suchend und doch unfähig, ihn zu finden. Besonders beeindruckend ist zu beobachten, wie sie immer wieder an ihren eigenen Glaubenssätzen zweifelt und wie schnell charismatische Menschen Einfluss auf ihre Umgebung ausüben können.

Ich bin etwas zwiegespalten in Bezug auf die Vielzahl an Andeutungen.
Außerdem blieb bis zum Schluss die Handlung in einem Nebel aus Möglichkeiten, ohne sich klar zu verdichten, wodurch viele offene Fragen entstanden, die nie geklärt werden.
Meiner Meinung nach hätte das vorhandene Material das Potenzial für eine viel größere Wirkung, wenn es konsequenter ausgestaltet worden wäre.

Die Autorin beherrscht es meisterhaft, durch ihren eindringlichen Schreibstil eine regelrechte Sogwirkung zu entfalten. Immer wieder musste ich mir Pausen auferlegen, um das Gelesene sacken zu lassen, es nachzuspüren und zu reflektieren.
Diese bewussten Unterbrechungen würde ich empfehlen, denn wie bereits erwähnt, berührt die Autorin zahlreich spannende und vielschichtige Themenkomplexe, die sie jedoch leider nicht vollständig entfaltet oder im größeren Kontext verankert. Dies regt zwar intensiv zum ausgiebigen Diskutieren ein, doch verliert der Text dadurch ein wenig von seiner durchschlagskräftigen Wirkung.


Persönlich hatte ich auf eine bitterböse Abrechnung gehofft oder zumindest auf einen tiefgründigen Einblick in die für mich noch recht fremde Tradewife-Szene. Doch stellenweise blieb die Darstellung zu eindimensional wie klischeehaft.
Dennoch hat mich der Roman sehr gut unterhalten und intensiv zum Nachdenken angeregt.
Ich würde den Roman jeden empfehlen, der nichts gegen lose Enden bei Erzählungen hat und viel Freude daran, die einzelnen Themenkomplexe zu analysieren und in einer Runde zu diskutieren.

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Veröffentlicht am 24.04.2025

weibliche Träume

Dream Count
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Die in Nigeria geborene Autorin Chimamanda Ngozi Adichie gehört zu den großen, wirklich bekannten Schriftstellerinnen unserer Zeit. Mehrfach mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet, ist sie für ihre feministischen ...

Die in Nigeria geborene Autorin Chimamanda Ngozi Adichie gehört zu den großen, wirklich bekannten Schriftstellerinnen unserer Zeit. Mehrfach mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet, ist sie für ihre feministischen Werke bekannt. Auch in Deutschland erfreut sie sich immer größerer Beliebtheit, spätestens seit ihrem Werk „Americanah“ wird sie hier gefeiert.
„Dream Count“ ist mein erster Roman der Autorin Adichie. Natürlich waren meine Erwartungen entsprechend hoch. Bereits das interessante Cover und der Titel haben mich angesprochen. Trotz der eher schlichten Gestaltung wirkt das Cover kraftvoll und interpretativ.

In diesem Roman geht es um vier verschiedene Frauen, deren Leben durch ein zartes Band der Freundschaft, Solidarität und der Suche nach Erfüllung ihrer ganz eigenen Träume miteinander verbunden sind. Sie streben nach dem perfekten Partner, einer Traumfamilie, möchten benachteiligten Frauen helfen, ein eigenes Restaurant führen oder einfach nur in Frieden leben.
Obwohl die Beziehungen zwischen ihnen nicht immer harmonisch verlaufen, sind sie dennoch eng miteinander verbunden. Die Protagonistinnen schaffen eine lebendige und authentische Atmosphäre, sodass man fast das Gefühl hat, Teil ihrer Gemeinschaft zu sein.
Im Gegensatz dazu fällt vor allem die Darstellung des Patriarchats und der Männer im Roman auf, allerdings nur bei oberflächlicher Betrachtung. Zwar gibt es die brutalen, misogynen männlichen Figuren, doch es existieren auch solche, die sich aufgrund mangelnder Aufklärung, fehlender Eigeninitiative oder schlechter Kommunikation falsch verhalten haben. Das ändert natürlich nichts an der Tatsache, doch es verdeutlicht, dass Respektlosigkeit oder Missachtung nicht ausschließlich aus absichtlichem, schlechtem Verhalten entstehen kann.

Adichie verwebt die losen Geschichten der Frauen, die teilweise wie unabhängige Kurzgeschichten wirken, mit ihrer einfühlsamen Sprache und ihrem scharfen Blick für Details. Das hat mich sehr überzeugt.
Mit scheinbarer Leichtigkeit werden dabei auch intensive Themen wie toxische Beziehungen, häusliche Gewalt, Missbrauch, internalisierte Misogynie, Fehlgeburten, Abtreibung, Genitalverstümmelung, Kriege und Armut in Afrika, aber auch dessen Schönheit in die Geschichte eingearbeitet.
Besonders schätze ich, dass das Buch auf viele kleine Probleme eingeht, ohne dabei belehrend zu wirken. Es fordert die Leserschaft auf, selbst nachzudenken und eigene Schlüsse zu ziehen.
Hierbei ist auch hervorzuheben, dass ein Austausch in einem Buchclub, einer Leserunde oder einfach im Gespräch mit Freund*innen sehr hilfreich sein kann.
Ohne die Diskussionen hätte ich sicherlich einiges übersehen.

Ein kleiner Abzug gibt es für Passagen, die mir etwas zu langatmig erschienen.
Außerdem hätte ich mir ein Glossar gewünscht, da die Autorin häufig auf afrikanische Gebräuche, Gerichte und Riten Bezug nimmt. Natürlich soll und darf ein Buch auch zur eigenen Recherche anregen, was „Dream Count“ zweifellos tut, dennoch fehlt mir einfach manchmal die Geduld, um jedes Essen oder jede Frisur nachzuschlagen.

„Dream Count“ ist eine lohnende Lektüre für alle, die sich mit feministischer Literatur beschäftigen möchten und bereit sind, sich eigenständig noch tiefer in die Materie einzuarbeiten. Zwar bietet das Buch einen leichten Einstieg, der vieles umreißt, doch im Nachhinein erfordert es umfangreiche Recherchen, wenn man sich wirklich auf das Thema einlassen möchte.
Für mich hat Chimamanda Ngozi Adichie bewiesen, warum sie zu den wichtigsten Stimmen der zeitgenössischen Literatur gehört.

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Veröffentlicht am 03.04.2025

Der etwas andere Krimi.

HEN NA E - Seltsame Bilder
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„HEN NA E - Seltsame Bilder“ ist ein japanischer Kriminalroman von Uketsu. Uketsu ist ein/eine beliebte, Schriftersteller/Schrifterstellerin (?) in Japan. Genaueres ist eigentlich nicht bekannt, da die/der ...

„HEN NA E - Seltsame Bilder“ ist ein japanischer Kriminalroman von Uketsu. Uketsu ist ein/eine beliebte, Schriftersteller/Schrifterstellerin (?) in Japan. Genaueres ist eigentlich nicht bekannt, da die/der AutorIn nur unter verfremdeter Stimme spricht, einen schwarzen Ganzkörperanzug trägt und eine weiße Maske aufhat, ist es schwer zu bestimmen. Gerade diese mysteriöse Ausstrahlung verleiht diesem Werk einen faszinierenden, wie ebenso gruseligen Anstrich.
Das Cover weiß durch seine schlichte Art, der geometrischen Formen, ebenso der fragmentierte Bilder und seine farbliche Begrenzung zu überzeugen.

Inhaltlich möchte ich an dieser Stelle nichts vorwegnehmen, denn dieses Buch lebt vom gelesen werden.
Ich kann nur empfehlen, sich über den Inhalt auszutauschen, denn das gemeinsame Rätseln hat definitiv seinen Reiz!

Dieser Krimi wagt etwas Neues: Er verbindet eine spannende Geschichte mit Bildern und Diagrammen, die gekonnt in den Text eingeflochten werden. Dadurch bietet sich ein großer Anreiz zum Miträtseln und Mitfiebern. Ich fand es sehr gut, dass hierbei die Original Bilder und Texte genutzt wurden und man nicht für die Übersetzung neue oder zu stark überarbeitete Versionen genutzt hat.

Besonders gelungen fand ich, dass die Leserschaft tatsächlich durch alle Hinweise selbstständig den Mörder und den Tathergang erschließen kann. Auch die wichtigen handelnden Figuren werden am Ende zu einem sinnvollen und nachvollziehbaren Schluss gebracht, ohne die Realität überzustrapazieren.

Was mich persönlich etwas gestört hat, war, dass der Autor es der Leserschaft möglichst einfach machen wollte. Es kommen sehr viele Wiederholungen des bereits Geschehenen vor. Sicherlich erspart das ein aufwendiges Notizen machen oder ein häufiges Zurückblättern, allerdings stürmt man dadurch geradezu durch die Geschichte und muss sich zwingen, kurze Phasen zur Rekapitulation einzulegen, insofern man das möchte.

Dieser Roman empfiehlt sich allen, die einen etwas anderen Krimi für zwischendurch suchen und sich einen leichten Schauer über den Rücken wünschen.

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Veröffentlicht am 09.03.2025

Eine Reise durch Schmerz und Freundschaft.

Erdbeeren und Zigarettenqualm
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Der viel gelobte Roman von Madeline Docherty „Erdbeeren und Zigarettenqualm“ wurde mit dem Preis der North Literary Agency der Universität Glasgow geehrt.

Mich persönlich hat der interessante und vielschichtige ...

Der viel gelobte Roman von Madeline Docherty „Erdbeeren und Zigarettenqualm“ wurde mit dem Preis der North Literary Agency der Universität Glasgow geehrt.

Mich persönlich hat der interessante und vielschichtige Titel angezogen.
Retrospektiv ist er eine spannende Metapher für Genuss und Vergänglichkeit. Immer wieder gab es berauschende, intensive Augenblicke im Buchgeschehen, die durch einen abrupten Absturz in Rauch sich auflösen.
In der Geschichte folgt man, der namenlosen Protagonistin, welche taumelnd durch das Erwachsenwerden geht, völlig im Unklaren, was ihre eigenen Gefühle, Bedürfnisse oder Wünsche angeht. Sie ist sich ihrer eigenen Sexualität genauso wenig klar wie der ihrer körperlichen Bedürfnisse, insbesondere im Zusammenhang mit einer chronischen Erkrankung. Dabei wirkt sie nicht immer sympathisch, bleibt aber in weiten Teilen authentisch. Hervorzuheben ist die besondere Frauenfreundschaft zwischen Ella und ihr. Es macht auch sehr deutlich, dass auch platonische Beziehungen Arbeit bedeuten.

Direkt auf den ersten Seiten spürt man die stimmungsvolle Atmosphäre.
Dies wird durch den introspektiven Schreibstil originell und sehr erfrischend hervorgehoben. Durch ihn kann man noch tiefer in die Geschichte eintauchen. So konnte ich ihren aufreibenden Schmerz und ihre Verzweiflung noch besser nachfühlen, auch wenn sie mir mit manchen Entscheidungen doch fremd blieb. Die Sprache ist sehr modern und trotzdem eloquent.

Ich fand, es war eine spannende Erzählung über eine Freundschaft, die stark von den inneren Konflikten der Protagonistin und der aufkeimenden Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt geprägt ist.
Sicherlich hätte es Potenzial gegeben, noch besser auf eine so schwerwiegende Erkrankung wie Endometriose einzugehen. Es wäre wichtig gewesen, nicht nur die Schmerzen und damit verbundenen Probleme zu thematisieren, sondern auch Wissen zu vermitteln.
Vielleicht erkennt sich im Geschriebenen die ein oder andere Leserin darin wieder.
Was allerdings, meiner Meinung nach, definitiv gefehlt hat, war eine Triggerwarnung am Anfang des Buches. Die Autorin beschreibt die Schmerzen, Blutungen und Komplikationen, die mit einer chronischen Erkrankung einhergehen, sehr intensiv, was definitiv auch eine triggernde Wirkung haben könnte.

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