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Veröffentlicht am 17.03.2025

»Ich bin J.D. Salinger.«

Gunzenhausen
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»Ich bin J.D. Salinger. Ich wurde am 1. Januar 1919 in New York geboren. Ich bin Amerikaner, fünfundzwanzig Jahre alt.«

Der Autor Piet de Moor wagt sich an eine fiktive Autobiografie über J.D. Salinger, ...

»Ich bin J.D. Salinger. Ich wurde am 1. Januar 1919 in New York geboren. Ich bin Amerikaner, fünfundzwanzig Jahre alt.«

Der Autor Piet de Moor wagt sich an eine fiktive Autobiografie über J.D. Salinger, welche sich jedoch überwiegend mit seiner Zeit als Geheimdienstoffizier im fränkischen Gunzenhausen beschäftigt. Dort wird er mit Bürgern konfrontiert, die jegliche Schuld und alles Wissen über die Verbrechen während des Dritten Reichs von sich weisen. Salinger verzweifelt daran und kann es nicht fassen. Er weiß, zu welchen Taten die Deutschen fähig waren, schließlich sah er es mit eigenen Augen.

In diesem Buch geht es um viele Liebschaften aus dem Leben des Schriftstellers, besonders um eine Beziehung zu Oona O‘Neill, welche ihn für Charlie Chaplin – in ihren Augen die bessere Wahl – verließ und Sylvia, die er in Gunzenhausen kennenlernte und später heiratete.
Dabei sind unzählige weitere sog. Fraternisierung mit deutschen Frauen mehr als fragwürdig. Gleichfalls werden Salinger höchst misogyne Ansichten angedichtet, die ihn nicht eben als sympathischen Zeitgenossen erscheinen lassen, sondern viel mehr als narzisstischen und neurotischen Exzentriker.
Viele Zweifel plagen ihn, über sich selbst, sein Leben und Verhalten anderen gegenüber, aber auch über den Krieg.
Dabei kommt er oft sehr nachdenklich und verletzlich rüber und denkt über sein Buch „Der Fänger im Roggen“ nach.

Der dritte Teil des Buches fungiert abschließend als großer Rückblick auf das Leben des mittlerweile einundneunzigjährigen Salingers.

Ich bin mir sicher, dass dieses Buch nicht für jeden etwas ist, da man sich auf die Atmosphäre einlassen und die vielen Anekdoten wirken lassen muss. Für mich war es aber ein besonderes Buch, das selbst den Rang eines Klassikers verdient hätte. Man bekommt ein eindrückliches Bild von Gunzenhausen, kurz nach der deutschen Kapitulation.
Was jedoch Fiktion und was Wahrheit ist, kann ich nicht beurteilen, da mir dafür schlichtweg die benötigten Kenntnisse fehlen.

»Ich stelle nur fest, dass die Deutschen ihre Vergangenheit so schnell wie möglich begraben möchten.«

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Veröffentlicht am 27.02.2025

»Ich kenne keine Zonen. Mein Besuch gilt Deutschland selbst, Deutschland als Ganzem, und keinem Besatzungsgebiet.«

Thomas Mann – 1949
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»Ich kenne keine Zonen. Mein Besuch gilt Deutschland selbst, Deutschland als Ganzem, und keinem Besatzungsgebiet.«

Thomas Mann, der 1938 nach Amerika emigrierte, begab sich 1949 auf eine Europareise. ...

»Ich kenne keine Zonen. Mein Besuch gilt Deutschland selbst, Deutschland als Ganzem, und keinem Besatzungsgebiet.«

Thomas Mann, der 1938 nach Amerika emigrierte, begab sich 1949 auf eine Europareise. 16 Jahre waren vergangen, seitdem er Deutschland verlassen hatte und nun führte ihn diese Reise durch mehrere deutsche Städte. Der Höhepunkt war jedoch die „Ansprache zum Goethejahr“, welche er am 25. Juli in der Frankfurter Paulskirche und am 1. August im Weimarer Nationaltheater hielt. Dabei wurde er durchaus bejubelt. Doch nicht von allen wurde sein Deutschlandbesuch positiv aufgefasst, besonders der Besuch beider Goethe-Städte wurde kritisiert. Dennoch ließ sich Thomas Mann nicht davon abbringen, schließlich gab es für ihn keine Zonen.
Dieser Graphic Novel, entstanden aus einer Zusammenarbeit des Autors Julian Voloj, der Illustratorin Magdalena Adomeit und dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Friedhelm Marx, entführt die Lesenden in das von Krieg zerstörte Deutschland im Jahr 1949 und schildert Eindrücke dieser Reise deutlich. Dabei gibt es gleich zu Beginn und auch während des Weiteren Verlaufs Rückblenden, die zwar anfangs etwas verwirren, aber unfassbar gut gelungen und sogleich notwendig sind, um die Hintergründe der Reise nachvollziehen zu können.
So erfährt man von Klaus Mann, der als Berichterstatter für die U.S. Army tätig war, dass die „Poschi“ – Manns Münchner Haus in der Poschingerstraße, welches zwanzig Jahre sein Zuhause war – während der Herrschaft der Nationalsozialisten beschlagnahmt und als sog. „Lebensborn“ missbraucht wurde. Auch die Fortsetzung der Reise, nachdem man über den Suizid des ältesten Sohnes informiert wurde, wird ebenfalls thematisiert.
Darüberhinaus findet auch die Wagner-Verehrung der Nationalsozialisten sowie Erika Manns Arbeit als Korrespondentin Erwähnung.

Eine wirklich tolle gelungene Graphic Novel, die mich sehr begeistert hat und hoffentlich vielen weiteren Lesenden Thomas Manns wichtigste Reise durch Deutschland näher bringt.

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Veröffentlicht am 09.02.2025

»Unser freier Raum ohne Konventionen und Gesetze funktioniert nur, wenn keiner von ihm weiß«

Fun
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»Unser freier Raum ohne Konventionen und Gesetze funktioniert nur, wenn keiner von ihm weiß«

Bereits während der wenigen Seiten des Prologs überkommt einen ein mulmiges Gefühl, es wird klar, in welche ...

»Unser freier Raum ohne Konventionen und Gesetze funktioniert nur, wenn keiner von ihm weiß«

Bereits während der wenigen Seiten des Prologs überkommt einen ein mulmiges Gefühl, es wird klar, in welche Richtung der Roman zielt und es erinnert deutlich an Rammstein. Dennoch soll der Roman, auch wenn es wirklich viele entsprechende Parallelen, wie z.B. die lyrisch, düsteren Texte, ein orchestrales Intro oder die Rekrutierung von Frauen, gibt, nicht ausschließlich auf diese Band zurückzuführen.
Vielmehr beschäftigt sich dieser mit dem Machtmissbrauch in der Musikindustrie und wie z.B. das, was auf AfterShow-Partys passiert, geheim halten werden soll.

Im Wesentlichen geht es auch um allgemeine patriarchale Strukturen, die überall zu finden sind. Dies macht der Autor deutlich, indem er neben der Rockband eine Familie in das Setting des Romans platziert, die teilweise mit den Musikern aufeinandertrifft und andererseits der Familienvater selbst seine Machtposition ausnutzt. Zudem wird deutlich wie aus anfangs einvernehmlichen Handlungen plötzlich solche werden, die es nicht mehr sind und wie schwierig es für Betroffene ist, damit umzugehen, geschweige denn dagegen vorzugehen.
Noch dazu werden wir mit misogynen Polizisten konfrontiert, die lieber – da sie selbst Fans sind – mit der Band Fotos machen und sich auf die Gästeliste setzen lassen, anstatt die Anliegen der Betroffenen ernst zu nehmen.
Nichts wird beschönigt, vielmehr ist es inhaltlich wirklich krass und nicht leicht zu lesen!
Bela B. selbst sagte in einem Spiegel-Interview (Nr. 5/ 2025) über solchen Machtmissbrauch auf Konzerten, dass man es hätte entdecken können, wenn man hätte hinschauen wollen.

Einzig mit den häufigen Perspektivwechseln und den vielen Namen der Band sowie der Crew, hatte ich einige Probleme und wusste öfters nicht, wer jetzt welche Position inne hat. Darüber hinaus hätte ich mir das Ende nicht allzu offen gewünscht.
Trotz der Kritikpunkte ist es ein wichtiger Roman, der unbedingt gelesen werden sollte!!!

»FUN! Ganz egal, wie hoch der Preis ist, den andere dafür zahlen.«

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Veröffentlicht am 09.02.2025

Es ist so absurd, dass es gar nicht wahr sein kann – doch leider ist es das.

Das Höcker-Album
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Wir sehen Bilder von lachenden Menschen, Männern in SS-Uniformen und schick angezogene Frauen. Genüsslich werden Blaubeeren gegessen oder die Zeit auf der sog. „Solahütte“ genossen. Auch Höckers liebevoller ...

Wir sehen Bilder von lachenden Menschen, Männern in SS-Uniformen und schick angezogene Frauen. Genüsslich werden Blaubeeren gegessen oder die Zeit auf der sog. „Solahütte“ genossen. Auch Höckers liebevoller Umgang mit seinem Schäferhund „Favorit“ ist in diesem Album zu sehen.
Es ist schön, Menschen in so einer gemütsvollen Runde zu sehen. Betrachtet man jedoch den Hintergrund dieser Fotografien und das, was direkt nebenan passierte, so wirken diese einfach nur absurd und wie ein Hohngelächter. Noch dazu erschaudert man beim Betrachten dieser Fotos geradezu!
Wie konnten diese Menschen sich so fröhlich amüsieren, während von ihnen gleichzeitig solche Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt wurden?
Zudem reden hier von NS-Größen, wie dem Lagerarzt Josef Mengele oder Rudolf Höß.

Der Kern dieses Buchs ist zwar das erst 2006 veröffentlichte Höcker-Album, doch wird dieses, um ein besseres Verständnis und die nötigen Hintergrundinformationen zu erlangen, durch einige eindringliche Aufsätze ergänzt.
Einer davon beschäftigt sich mit der Leben Karl Höckers und der Geschichte dieses Albums, während ein anderer explizit die Entwicklung Auschwitz’ zu einem Vernichtungslager aufzeichnet und sich dabei dem Prozess der Vergasung und dem (Auf-)Bau dieser Kammern widmet.
Im letzten Text befasst sich Tilman Taube mit der Rolle seines Großvaters, der ebenfalls auf den Bildern zu sehen ist.

Die Lektüre war bedrückend, wie es nur wenige Bücher sind und noch dazu habe ich lange dafür gebraucht, weil man diese Texte und Fotos auf sich wirken lassen muss, auch wenn alles bekannt ist.
Umso wichtiger, sich dieser Grausamkeiten immer bewusst zu sein und sich hin und wieder selbst damit zu beschäftigen und zu konfrontieren.
Es ist so absurd, dass es gar nicht wahr sein kann – doch leider ist es das.
Ganz sicher werde ich diese Bilder und die Lektüre nicht mehr vergessen!

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Veröffentlicht am 29.01.2025

»Wenn es so weitergeht, bleibt mir irgendwann nur noch die Familie.«

Unsere kleine Welt
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»Wenn es so weitergeht, bleibt mir irgendwann nur noch die Familie.«

Was wäre man ohne Familie? Für viele ein Albtraum. Doch auch der Alltag mit der Familie ist oftmals nicht eben einfach, manchmal anstrengend ...

»Wenn es so weitergeht, bleibt mir irgendwann nur noch die Familie.«

Was wäre man ohne Familie? Für viele ein Albtraum. Doch auch der Alltag mit der Familie ist oftmals nicht eben einfach, manchmal anstrengend und nervenaufreibend. Andererseits fühlt man sich nicht selten wie in einer Sitcom gefangen und fragt sich, unauffällig den Raum absuchend, wo denn die Kameras seien?

Solche Situationen schildern die drei der Geschwister Ewald, Sigrun und Helwig Arenz in diesem Buch auf amüsante und unterhaltsame Weise.
Es geht um Umzüge, unerwartet kuriose Geschenke, mit denen man konfrontiert wird und ratlos ist sowie die Frankfurter Buchmesse. Auch die wahre Bedeutung des sog. „Fastenbrechens“ wird wortwörtlich herausgefunden.
Pannen des Alltags und nicht ausschließlich kommunikative Schwierigkeiten innerhalb der Familie sind garantiert!
Die Figuren Heinrich, Katharina und Jörg sind dabei Alter Egos der drei Autor*innen.

Diese kurzen Kolumnen umfassen meist nicht mehr als drei Seiten, beginnen langsam und finden ein pointiertes Ende.
Nicht nur deshalb ist es die perfekte Lektüre für zwischendurch. Diese knappen Episoden helfen auch alle Gedanken, u.a. an die schrecklichen Geschehnisse, die sich tagtäglich ereignen, für eine kurze Zeit vergessen zu können.
Darüberhinaus stehen die Geschichten der Geschwister einander in nichts nach, sondern sind allesamt gleichermaßen unterhaltsam.

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