Profilbild von Klusi

Klusi

Lesejury Star
offline

Klusi ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Klusi über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.12.2018

Kurzes Gastspiel

Ein ferner Duft wie von Zitronen
0

Dieses kleine Büchlein ist in der Fischer Taschenbibliothek erschienen. Ich liebe und sammle die kleinen Bände, denn sie sind immer besonders schön ausgestattet, da macht auch dieser hier keine Ausnahme. ...

Dieses kleine Büchlein ist in der Fischer Taschenbibliothek erschienen. Ich liebe und sammle die kleinen Bände, denn sie sind immer besonders schön ausgestattet, da macht auch dieser hier keine Ausnahme. Der grüne Einband in Leinenstruktur, die gelbe Schrift des Titels und der schwarz-weiße Weihnachtsbaum sind alle wie von einem zarten Goldhauch bestäubt. Dass die Autorin „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ geschrieben hat, war dann für mich ausschlaggebend, dieses Büchlein haben und lesen zu wollen.
Die ganze Geschichte ist auf 55 kleinen Seiten untergebracht, was bei normaler Größe vermutlich ungefähr die Hälfte an Seiten ergeben würde, also wirklich eine Kurzgeschichte.

Binny hat Kummer, denn gerade erst ist ihre Ehe und damit gefühlt ihr ganzes Leben zu Bruch gegangen. Sie ist antriebslos und überfordert, denn Weihnachten steht vor der Tür. Je mehr ich über sie und ihren Mann Oliver jedoch erfahre, umso mehr merke ich, mit beiden nicht warm werden zu können. Sie sind mir fremd geblieben, und ich konnte mich so gar nicht in sie hinein versetzen. Binny ist nicht erst durch das kürzlich Erlebte so aus der Bahn geworfen, sondern sie scheint ihr ganzes Leben schon länger nicht im Griff zu haben. Ihr inneres Durcheinander überträgt sich auf ihr Umfeld, denn anscheinend herrscht nicht nur in ihrem Kopf und im Herzen, sondern auch in ihrem Haus das blanke Chaos. Oliver kommt bei mir gar nicht gut weg, denn er wirkt in der Erzählung auf mich wie ein verwöhntes kleines Kind. Die einzige Person, der ich Sympathie entgegen bringen kann, ist die junge Frau in dem Laden, den Binny zufällig betritt. Sie versucht, trotz einer sehr schlimmen Erfahrung in der Vergangenheit, Normalität in ihr Leben zu bringen. Die Mittel, zu denen sie greift, sind außergewöhnlich, aber tröstlich und anscheinend heilsam. Auch auf Binny überträgt sich die Ausstrahlung und Ruhe dieser jungen Verkäuferin.
Zwar spielt die Geschichte an Heiligabend, aber weihnachtlich empfand ich sie eigentlich gar nicht. Sie hätte zu jeder anderen Zeit auch spielen können. Sie ist schön und schnell zu lesen und wirkt hauptsächlich durch ihre Symbolik, wobei sie auf mich keinen wirklichen Eindruck hinterlassen konnte. Ich muss gestehen, dass ich Binny und Oliver, eigentlich die ganze kurze Handlung, sehr schnell wieder vergaß, nachdem ich das Büchlein zugeklappt hatte. Es handelte sich für mich also nur um ein sehr kurzes Gastspiel. Um diese Rezension zu schreiben, musste ich das kleine Buch erneut lesen. Ehrlich gesagt hatte ich mir beim Namen „Rachel Joyce“ mehr erwartet.

Veröffentlicht am 20.12.2017

Sommer auf meiner Haut

Sommer auf meiner Haut
0

Auf den Spuren und mit dem Tagebuch ihrer verstorbenen Mutter im Gepäck reist die 26-jährige Lavinia nach Italien. Indem sie spontan einzelne Seiten des alten Reisetagebuchs aufruft, findet sie ihre Reiseroute, ...

Auf den Spuren und mit dem Tagebuch ihrer verstorbenen Mutter im Gepäck reist die 26-jährige Lavinia nach Italien. Indem sie spontan einzelne Seiten des alten Reisetagebuchs aufruft, findet sie ihre Reiseroute, die sie durch das ganze Land führt. Auf ihrem Weg tritt auch der attraktive Claudio wieder in ihr Leben. Sie kennt ihn bereits von einer früheren Begegnung unter völlig anderen Umständen. So unverhofft wie er auftaucht, verschwindet er auch wieder, aber er hinterlässt ihr etwas, das sie unbedingt zurückbringen möchte. Also begibt sie sich auf die Suche nach ihm.
Überall trifft sie Menschen, die ihr mit ihrer Gastfreundschaft helfen und in gewisser Weise ihr Leben verändern.

Der Roman ist völlig anders als erwartet. Ich war auf einen sommer-leichten, romantischen Roman gefasst, aber was ich da zu lesen bekam, hat mich recht zwiespältig zurück gelassen.
Ich fange damit an, zu erklären, was mir nicht so gut gefallen hat und werde mich dann zu den positiven Aspekten vorarbeiten.
Lavinia wirkt auf mich als sehr labiler Charakter. Egal wo sie in Italien ankommt, begegnet sie stets sofort Menschen, die ihr nicht nur Gastfreundschaft bieten, sondern mit denen sie sogleich eine sexuelle Beziehung anfängt, ganz egal ob Mann oder Frau oder auch gleich mehrere Personen. Ich habe ganz und gar nichts gegen erotische Szenen, die gut geschrieben sind und sich harmonisch in die Handlung einfügen. Hier war mir das des Guten jedoch zu viel, weil auf Lavinia quasi an jeder Ecke Italiens eine erotische Beziehung wartete. Dieses Sprunghafte, Oberflächliche hat mir die Ich-Erzählerin nicht gerade sympathisch gemacht. Ihr Verhalten wirkte auf mich relativ unglaubwürdig. Ich könnte mir nur vorstellen, dass dieses Unstete in ihrem Wesen der Tatsache geschuldet ist, dass zuhause ein ungeöffneter Brief auf sie wartet, der eine Diagnose enthält und ihr vermitteln kann, ob die tödliche Krankheit ihrer Mutter auch in ihren eigenen Genen schlummert. Diese Ungewissheit könnte der Grund sein, wieso sie sich dem Leben derart an den Hals wirft.
Ein zweiter Aspekt, der mich bei diesem Roman gestört hat, ist, dass es sich nur um den ersten Teil handelt, der sehr abrupt endet und vermutlich nahtlos in den zweiten Teil übergeht, welcher jedoch erst einen Monat später veröffentlicht wird. Alles bleibt ungeklärt. Das offene Ende hat mich enttäuscht, denn auch wenn ich absolut nichts gegen Reihen mit mehreren Bänden habe, so wünsche ich mir doch bei jedem Buch einen guten Abschluss, den ich hier leider vermisst habe.
Ein wenig konnte mich der locker-leichte, sehr bildhafte Schreibstil der Autorin versöhnen. Man findet sehr viele schöne Schilderungen über Italien in diesem Buch.
Meines Erachtens führt jedoch die Kurzbeschreibung dazu, diesen Roman der falschen Zielgruppe nahe zu bringen, denn für mich ist dies keine fröhliche, leichte und sommerliche Liebesgeschichte, sondern fällt schon unter das Genre des erotischen Romans.

Veröffentlicht am 02.11.2018

Chaotisch-kriminalistischer Kräuter-Quark

Schmälzle und die Kräuter des Todes
0

Eigentlich lese ich gerne Regionalkrimis, und ich mag es, wenn sie viel Lokalkolorit ausstrahlen. Mir gefallen amüsante Geschichten, wenn auch die Sache mit dem Humor sehr subjektiv ist.
Der Humor in diesem ...

Eigentlich lese ich gerne Regionalkrimis, und ich mag es, wenn sie viel Lokalkolorit ausstrahlen. Mir gefallen amüsante Geschichten, wenn auch die Sache mit dem Humor sehr subjektiv ist.
Der Humor in diesem Schwarzwald-Krimi hat bei mir leider nicht den Nerv getroffen. Die Charaktere wirkten auf mich alle sehr überspitzt, und man hat den Eindruck, als sei Justin Schmälzle der einzig „normale“ Mensch in der ganzen Handlung. Die Kollegen haben alle keinen Plan, vor allem nicht von ihrer Arbeit, und an Lust auf ihre Tätigkeit fehlt es hinten und vorne. Egal ob auf der Ermittler- oder Täterseite, ob bei Zeugen, Opfern oder anderen Beteiligten, viele Handlungen, Aussagen und Gedankengänge wirkten unstrukturiert. Manches war ja ganz lustig geschrieben, und an Wortwitz und Situationskomik fehlt es in dieser Geschichte nicht. Aber irgendwie ist der Funke bei mir nicht übergesprungen. Mir gab es zu viele Klischees, und wie die Bürger von Bad Wildbad dabei wegkommen, zumindest die, von denen man im Buch etwas erfährt, so werden sie alle ziemlich einfältig dargestellt, denn was sie daher schwätzen, ist an Unsinn kaum zu überbieten. Nicht einmal Schmälzles geliebte Frau Claudia bleibt vor Kritik verschont, denn sie wird zwar als kompetente Ärztin und Fachfrau für psychosomatische Erkrankungen dargestellt, aber es fehlt ihr wohl an praktischer Intelligenz, denn es gelingt ihr nicht, seine Hemden ordentlich zu waschen, so dass er sich des Nachts im Waschkeller selbst darum kümmern muss. Der Roman wirkte auf mich stellenweise wie eine Ansammlung ausgefallener Wortkreationen und skurriler Situationen, und ich muss gestehen, es ist mir schwer gefallen mich darauf zu konzentrieren. Und was die Langatmigkeit angeht, da bin ich ganz bei Justin Schmälzle, denn so wie er bei Vernehmungen gerne nervös wird, weil seine Gesprächspartner nicht zum Punkt kommen, so ging es mir mit diesem Buch.
Vielleicht hat mich die Story auch einfach auf dem falschen Fuß erwischt, aber zu meinem Bedauern konnte ich ihr nicht viel abgewinnen.

Veröffentlicht am 22.03.2018

Leider so gar nicht mein Ding

Tage wie diese
0

Die Box enthält drei CDs, jede davon eine Geschichte. Die Geschichten sind von verschiedenen Autoren und werden auch von unterschiedlichen Sprechern gelesen, aber sie hängen alle in gewisser Weise zusammen. ...

Die Box enthält drei CDs, jede davon eine Geschichte. Die Geschichten sind von verschiedenen Autoren und werden auch von unterschiedlichen Sprechern gelesen, aber sie hängen alle in gewisser Weise zusammen. Alle Handlungsstränge spielen an Weihnachten, während das Land um Gracetown im Schnee versinkt. Die Charaktere tauchen zum Teil nicht nur in einer, sondern in mehreren Geschichten auf, und die Hauptpersonen aller drei Liebesgeschichten sind Jugendliche.
Gelesen wird das Hörbuch von drei guten Sprechern, wobei mir von der Ausführung her die letzte CD, gelesen von Leonie Landa, am besten gefallen hat. Die Sprecherin hat eine sehr angenehme Stimme, sie liest lebendig und doch nicht übertrieben. Das mit teilweise übertriebenen Betonungen ist mir bei den ersten beiden Geschichten aufgefallen, was aber nicht ausschließlich den Sprechern zuzuschreiben ist, sondern an den teils recht schrillen Charakteren liegt, die in der Handlung mitwirken. Insgesamt fand ich alle drei Geschichten etwas albern, mit teils überspannten Dialogen, dabei aber weder weihnachtlich noch gefühlvoll oder romantisch.
Vielleicht liegt es daran, dass das eigentliche Buch für die Hörbuchversion stark gekürzt wurde, denn ab und zu sind mir diverse Lücken im Handlungsverlauf aufgefallen, beispielsweise Ortswechsel, die nicht wirklich nachvollziehbar waren. Ich war an dem (Hör)Buch interessiert, weil ich schon so viele gute, schwärmerische Kritiken gelesen habe, und vermutlich hatte ich einfach zu hohe Erwartungen. Auch gehöre ich altersmäßig nicht zur Zielgruppe, und Jugendliche empfinden das sicher wieder ganz anders aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass junge Hörer oder Leser Vergnügen daran haben, sich endlose Gespräche über die Größenbezeichnungen der Kaffeeportionen bei Starbucks anzuhören, um hier nur ein Beispiel zunennen. Trotz starker Kürzungen des Originaltextes haben sich für mich alle drei Geschichten ziemlich in die Länge gezogen. Es gibt viele begeisterte Stimmen zum Buch und auch zur Hörbuch-Version. Mein Ding war es leider nicht