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Veröffentlicht am 04.01.2018

Tote Zeugen

Der Freund der Toten
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Leichtfüßig kehrt Mahony zurück in seinen Heimatort. Obwohl das Jahr 1976 geschrieben wird, wirkt sein Hippie-Outfit in dem verschlafenen Ort etwas deplatziert. Mahony fällt auf, umso mehr als er anfängt, ...

Leichtfüßig kehrt Mahony zurück in seinen Heimatort. Obwohl das Jahr 1976 geschrieben wird, wirkt sein Hippie-Outfit in dem verschlafenen Ort etwas deplatziert. Mahony fällt auf, umso mehr als er anfängt, Fragen nach seiner Mutter Orla zu stellen. Er hat immer geglaubt, sie habe ihn ins Waisenhaus abgeschoben, doch nun hat er eine Nachricht bekommen, aus der etwas anderes hervorgeht. Mahony will wissen, was mit seiner Mutter geschehen ist. Mit etwas Überredungskunst kommt er bei der alten Mrs Cauley unter, eine ehemalige Schauspielerin, die schnell eine gewisse Sympathie für Mahonys Schicksal hegt und ihm bei seinen Nachforschungen hilft.

Diese gewitzte alte Frau sprüht vor Ideen, wie man die verstockten Dorfbewohner an den Hammelbeinen packen kann. Mahony selbst ist auch nicht auf den Kopf gefallen, schließlich geht es um seine Vergangenheit. Und dass er die Gabe seiner Mutter, die Toten zu sehen, geerbt hat, erweist sich auch als nicht schädlich. Und so bilden die alte Dame und der junge Unruhe verbreitende Springinsfeld ein echt cooles Team, das erstmal gegen eine Mauer des Schweigens läuft. Hat denn wirklich jeder Dreck am Stecken? Wie kitzelt man da am Besten etwas aus den Leuten heraus, die eigentlich nichts erzählen wollen.

Mit der alten halb bettlägerigen Merle Cauley und dem vor Energie sprühenden Mahony ist der Autorin ein sich nahezu genial ergänzendes Team gelungen. Nach einem etwas befremdlichen Beginn, da man sich selbst daran gewöhnen muss, mit den Toten zu ermitteln, entwickelt das Buch immer mehr Reiz. Man möchte es nicht mehr aus der Hand legen. Beinahe ahnt man ein fürchterliches Ende voraus und kann doch nicht aufhören. So ein witzig skurriler Fall in einer weltabgewandten Umgebung - es funktioniert, es funktioniert sogar bestens. Wenn man schon immer geglaubt hat, dass es in Irland anders zugeht, wird man hier Bestätigung im besten Sinne finden. Mögen die Toten ihre Hand über Merle und Mahony halten.

Veröffentlicht am 03.01.2018

Velocity

The Woman in Cabin 10
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Bei ihr wurde eingebrochen, Laura Blacklock kann das Ereignis nicht überwinden. In ihren eigenen vier Wänden fühlt sie sich nicht mehr wohl. Soll sie unter diesen Umständen die berufliche Chance, die sich ...

Bei ihr wurde eingebrochen, Laura Blacklock kann das Ereignis nicht überwinden. In ihren eigenen vier Wänden fühlt sie sich nicht mehr wohl. Soll sie unter diesen Umständen die berufliche Chance, die sich ihr geboten hat, überhaupt annehmen. Während einer Schwangerschaftsvertretung für eine Kollegin bei der Zeitschrift Velocity hat Laura die Möglichkeit an der Jungfernfahrt eines exklusiven Luxus-Kreuzfahrtschiffes teilzunehmen. Eigentlich keine schlechte Idee, schließlich kann dort niemand eine Tür aufbrechen und in ihre privaten Räume eindringen. Zunächst ist Laura schier überwältigt von dem Leben der Reichen, an dem sie zu Promotionzwecken teilhaben darf. Bis sie Geräusche in der angeblich leer stehenden Nachbarkabine hört und glaubt, sie habe gesehen wie ein Körper ins Wasser fällt.

Durch den Einbruch von Ängsten geplagt, will sich Laura eigentlich erholen und die Reise genießen. Doch nach ihrer vermeintlichen Beobachtung, über die sie dem Sicherheitsoffizier berichtet, der ihr allerdings keinen Glauben schenkt, ist Laura nervlich ziemlich am Ende. Sollte ihr ihre Phantasie tatsächlich einen Streich gespielt haben. Laura beginnt nachzufragen, wie die anderen Gäste den Abend erlebt haben. Doch niemand hat etwas Ungewöhnliches beobachtet. Laura zweifelt und verzweifelt beinahe.

Kann der Leser Laura trauen? Schließlich hat sie den Einbruch noch nicht verwunden. Vielleicht ist ihre Phantasie doch etwas lebhaft. Und in manchen Momenten wirken die logischen Äußerungen der Mitkreuzfahrer einfach glaubhafter. Es muss ihr wie ein Kampf gegen Windmühlen vorkommen. Vielleicht kann man ihr Gefühl nachempfinden, wenn man selbst schon einmal in einer Situation schlicht die Wahrheit gesagt hat und nur ungläubiges Kopfschütteln geerntet hat. Da möchte man vor Frust in die Tischkante beißen. Oder kann in Lauras Fall mehr dahinter stecken?

Vielleicht wird in diesem Fall nicht jede Nuance bis ins Letzte geklärt, dafür aber bekommt man einen sehr spannenden und schnellen Thriller in einer Umgebung angesiedelt, in die man gerne einmal lugen möchte. Filmreif geschrieben mit treffenden Dialogen spielt sich die Handlung hauptsächlich in dem begrenzten Raum des Schiffes ab. Durch kleine Einschübe wird die Sorge um Laura verstärkt, die zwar auf dem Schiff vor etlichen Gefahren sicher ist, aber dieses auch nicht ohne weiteres verlassen kann. Flott gelesen, mitgerissen, fesselnde Unterhaltung genossen.

Veröffentlicht am 31.12.2017

Elisabeth I

Das Fundament der Ewigkeit
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Nach einiger Zeit im Ausland kehrt der junge Ned Willard im Jahr 1558 nach Knightsbridge zurück. Er sehnt sich nach seiner Jugendliebe Margery und muss zu seiner großen Enttäuschung erfahren, dass ihre ...

Nach einiger Zeit im Ausland kehrt der junge Ned Willard im Jahr 1558 nach Knightsbridge zurück. Er sehnt sich nach seiner Jugendliebe Margery und muss zu seiner großen Enttäuschung erfahren, dass ihre Familie einen anderen Schwiegersohn im Sinne hat. Leider gelingt es den jungen Leuten nicht, die Eltern des Mädchens umzustimmen. Im Gegenteil es wird eine gemeine Intrige gesponnen, die letztlich dazu führt das die Kaufmannsfamilie, der Ned angehört, fast alles verliert. Ned ergreift daher die Chance in die Dienste William Cecils zu treten und eine politische Karriere anzustreben. Bei Cecil handelt es sich um einen Berater der jungen Elisabeth Tudor.

Mit sehr gelungenen Formulierungen beschreibt der Autor das Leben des Ned Willard und seiner Getreuen, das schließlich eng mit der Regentschaft Elisabeths der Ersten verbunden ist. Große Hoffnungen hegen die Königsmacher, die Elisabeth große Toleranz zutrauen. Schließlich gilt es, zwischen Katholiken und Protestanten einen Frieden aufrecht zu halten. Dabei bedient sich Elisabeth einiger Kniffe, die etwas unverständlich erscheinen, die aber schließlich zu einem gewissermaßen weniger problematischen Umgang zwischen den Religionen führen. So wendet sich Elisabeth I dem Protestantismus zu und verbietet den Katholizismus. Insgeheim wird es jedoch geduldet, dass die Katholiken ihren Glauben ausüben. Wie anderes sieht es da zum Teil in anderen Gegenden des europäischen Festlandes aus, wo die Unstimmigkeiten in rohen Gewaltausbrüchen enden.

Gekonnt verbindet Ken Follett auch mit seinem dritten Knightsbridge-Roman geschichtliche Fakten mit geschickt eingestreuter Fiktion. Und so lässt er teilhaben an der spannenden Zeit der Regentschaft von Elisabeth I. Welche Ränke wurden schon damals in der Politik geschmiedet. Welch herausragende Frauen bestimmten die Geschicke ihrer Länder. Doch auch welche Grausamkeiten wurden ausgeführt, um Ziele durchzudrücken. Vor dieser fesselnden geschichtlichen Ära geraten die fiktiven Familienschicksale in den Hintergrund. Wer sich aber einmal mit Elisabeth I und ihrer Zeit beschäftigen möchte, wird ein hervorragend recherchiertes und ausgesprochen mitreißendes Sittengemälde der Epoche dieser herausragenden Regentin vorfinden. Ken Follett versteht es einfach, zu fesseln und seine Bücher unvergesslich zu machen.

Veröffentlicht am 26.12.2017

Rache

Der englische Spion
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In der Karibik explodiert eine Yacht, auf der sich eine englische Prinzessin befand. London ist in heller Aufregung. Unglaublich, dass sich ein Killer an eine Adelige herangewagt haben soll. Der britische ...

In der Karibik explodiert eine Yacht, auf der sich eine englische Prinzessin befand. London ist in heller Aufregung. Unglaublich, dass sich ein Killer an eine Adelige herangewagt haben soll. Der britische Geheimdienst versucht die Hintergründe des Vorfalls aufzuklären. Dazu überredet er den künftigen Chef des Dienstes Gabriel Allon, einen letzten Auftrag im aktiven Dienst auszuführen. Ihm zur Seite gestellt wird Christopher Keller, ein ehemaliger Offizier, der nach langer Abwesenheit in die Dienste des MI6 zurückkehren soll. Schon bald finden die beiden heraus, dass mehr hinter der Sache steckt und die Ermittlung bekommt etwas Persönliches.

Bei diesem Buch handelt es sich bereits um den 15. Band der Reihe um den Meisterspion Gabriel Allon. So ist es fast unvermeidlich, dass es etliche Bezüge auf vorherige Erlebnisse der Hauptperson gibt. Zum Glück ist es für das grundsätzliche Verständnis der Handlung dieses Romans nicht zwingend notwendig die vorherigen zu kennen, einige Äußerungen bleiben ohne weitere Kenntnisse etwas ungewiß. Daher ist dieser Band vielleicht nicht so gut geeignet mit der Reihe zu beginnen. Allerdings weckt er schon Neugier auf mehr und es bleibt jedem selbst überlassen, sich weiter mit dem exzellenten Spion Gabriel Allon zu beschäftigen.

Im vorliegenden Band beginnt nach der dramatischen Eingangssequenz eine beispiellose Jagd nach dem vermeintlichen Täter, die von Rachegedanken geprägt ist. Sowohl Allon als auch Keller haben sehr persönliche Gründe, den in ihren Augen identifizierten Täter tot zu sehen. In der Spionage ist es eben doch etwas anderes als im Krimi. Der mutmaßliche Schuldige soll nicht zwingend den Gerichten und einer gerechten Strafe zugeführt werden, sondern eine Elimination wird in Kauf genommen. Um die persönlichen Beweggründe einiger Beteiligter herum hat der Autor einen ausgesprochen spannenden Politthriller konstruiert, dessen Andeutungen einen kalte Schauer über den Rücken jagen. Attentate, Drogen, Waffen - vor nichts machen gewisse Staaten halt, wenn es gilt die eigene Politik durchzusetzen. Leider liegt der Autor damit wahrscheinlich recht nah an der Wahrheit. Die geheimen Dienst wissen ihre Intrigen gut im Verborgenen zu halten und so sind Bücher, die andere Denkansätze kredenzen als sie die herrschende Meinung öffentlich werden lassen möchte, allein schon deshalb lesenswert, weil sie das Gehirn etwas durchrütteln und es auffordern, mal einen anderen Blickwinkel einzunehmen.

Veröffentlicht am 25.12.2017

Bliss

Department 19 - Die Mission
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Jamie Carpenter ist erst 14 als sein Vater vor seinen Augen ermordet wird. Seit diesem Tag sind Jamie und seine Mutter Geächtete, denn der Vater soll ein Verräter gewesen sein. Zwei Jahre und etliche Umzüge ...

Jamie Carpenter ist erst 14 als sein Vater vor seinen Augen ermordet wird. Seit diesem Tag sind Jamie und seine Mutter Geächtete, denn der Vater soll ein Verräter gewesen sein. Zwei Jahre und etliche Umzüge später wird Jamies Mutter entführt und nun will Jamie der Sache auf den Grund gehen und nichts mehr als seine Mutter wieder zurückholen. Nachdem ein Hüne Jamie aus einer bedrohlichen Lage gerettet hat, landet Jamie bei einer der geheimsten Organisationen Englands, dem Department 19. Und hier erfährt er, dass Etliches, was er bisher für einen Mythos gehalten hat, mehr mit der Wirklichkeit zu tun hat als es einem jeden lieb sein kann.

Vampire, Werwölfe, Zombies - alles, wovor man Angst haben kann, soll wahr sein? Jamie will es erst nicht glauben, doch die Tatsachen sprechen für sich. Um seine Mutter aus den Fängen eines Vampirs zu befreien, nimmt Jamie vieles in Kauf. Mit dem Vertrauten seines Vaters zieht Jamie in den Kampf. Frankenstein heißt dieser Vertraute, ja, genau der Frankenstein. Stokers und Shelleys Geschichten sind keine Roman, sondern ausgeschmückte Berichte wahrer Begebenheiten. Daran muss sich Jamie gewöhnen. Doch viele in der Organisation halten Jamies Vater immer noch für den Verräter, wem also kann Jamie überhaupt vertrauen.

Um es gleich vorweg zu nehmen, für ein Jugendbuch enthält dieses Buch ganz schön viel Gemetzel. In eine packende Handlung gekleidet, aber eben doch Gemetzel. Dessen sollte man sich bewußt sein, bevor man mit der Lektüre beginnt. Bei Department 19 handelt es sich um eine soweit erkennbar fünfteilige Reihe, von denen bisher drei auf Deutsch erschienen sind. Es wird eine größere Geschichte erzählt als nur die Story des Auftakts. Doch bereits dieser Beginn fesselt und erfreut mit seinen Anspielungen auf die Literatur des Genres und Anleihen bei Personen und Handlungssträngen. Ein wenig, was wäre, wenn sie sich alle getroffen hätten, wenn die Geschichten weitergegangen wären. Wie es so häufig ist, wenn etwas besser werden soll, muss es erstmal schlechter werden. Und so beschreibt dieser erste Band ein Versagen, das Aussichten eröffnet, die einen schaudern lassen. Man kann kaum anders als weiterzulesen, um zu erfahren, ob es besser wird.