Vera, das "Polackenkind" kommt 1945 mit ihrer Mutter auf der Flucht aus Ostpreußen ins Alte Land. Auf dem Hof von Ida und ihrem kriegsversehrten Sohn Karl kommen sie unter, doch richtig akzeptiert werden ...
Vera, das "Polackenkind" kommt 1945 mit ihrer Mutter auf der Flucht aus Ostpreußen ins Alte Land. Auf dem Hof von Ida und ihrem kriegsversehrten Sohn Karl kommen sie unter, doch richtig akzeptiert werden sie nicht. Als ihre Mutter mit einem neuen Partner den Hof verlässt, bleibt Vera bei Karl zurück.
Viele Jahre später steht Veras Nichte Anne mit ihrem Sohn vor der Tür und sucht Zuflucht.
In ihrem Roman geht es Dörte Hansen um Vergangenheit und Gegenwart, um das Zusammenleben der Menschen auf diesem Hof im Alten Land. Er ist eine Zeitreise ohne viele Höhen und Tiefen, man spürt jedoch die Liebe der Autorin zu diesem Alten Land. Authentisch zeichnet sie die Bewohner und ihre Heimat. Ein altes Haus, das jemandem gehört und doch nicht. Niemand kann etwas von dieser Erde mitnehmen, alles geht seinen Gang. Es gilt das Beste zu wollen. Ein einfühlsames Buch, das berührt, unterhält und manchmal auch amüsiert. 4 Sterne
"Das Kamelienhaus" ist quasi die Fortsetzung der Kamelieninsel-Reihe. Sechsundzwanzig Jahre sind inzwischen vergangen, die nächste Generation, also Lucy, kehrt nach ihrer Ausbildung auf die kleine Insel ...
"Das Kamelienhaus" ist quasi die Fortsetzung der Kamelieninsel-Reihe. Sechsundzwanzig Jahre sind inzwischen vergangen, die nächste Generation, also Lucy, kehrt nach ihrer Ausbildung auf die kleine Insel in der Bretagne zurück und möchte Verantwortung übernehmen. Die Kosmetikfirma "Fleur de Camelia" von Sylvia Riwall steht gut da, doch es gibt Schwierigkeiten mit einem japanischen Lieferanten, der das nötige Tsubaki-Öl herstellt. Da Sylvia wegen Solenns akuter Herzschwäche nicht nach Japan reisen kann, überlässt sie Lucy, die als Jugendliche ein Jahr lang dort gelebt hat, die Verhandlungen. Schon auf dem Flug nach Tokio lernt Lucy den smarten Finn kennen, verbringt dort einen romantischen Tag und eine Nacht mit ihm. Leider trennen sich danach ihre Wege, da Lucy auf die Insel Soshima weiterreisen muss. Noch ahnt sie nicht, dass sich ihre Wege bald unter anderen Umständen wieder kreuzen werden.
"Das Kamelienhaus" ist die Geschichte der Rettung einer japanischen Ölmanufaktur und damit der gesamten Insel Soshima, für die sich Lucy mit Herz und Hirn einsetzt. Den Investoren sind die Schönheit der Natur, die Menschen und ihre Gebräuche völlig egal, für sie zählt nur die Rendite. Anders dagegen Lucy, die die Gesamtheit der Insel im Einklang erhalten möchte. Ihr "Kampf" beginnt, aber mit freundlichen Mitteln. Dass es dabei zu manchen Verwirrungen und Enttäuschungen kommen muss, ist klar.
Tabea Bach glänzt wieder mit ihrem erschöpfenden Wissen über Land und Leute. Bildhafte Beschreibungen wähnen die Leser*innen vor Ort. Die vielen Fremdwörter im Text, die im Glossar am Ende des Buches erklärt werden, lassen die Geschichte zwar authentisch wirken, hemmten aber meinen Lesefluss. Auch wirkte manches dann doch zu unrealistisch. Trotz allem ist "Das Kamelienhaus" eine entspannte, unterhaltsame Lektüre, für die ich gute 4 Sterne vergebe. Natürlich bin ich auch auf die Folgebände gespannt.
Das neue, großformatige (27x21,5 cm) Kochbuch von Steffen Henssler in dem frischen Orangeton und dem Konterfei des Meisters auf dem Titel präsentiert uns auf über 240 gut gegliederten Seiten über 100 einfache, ...
Das neue, großformatige (27x21,5 cm) Kochbuch von Steffen Henssler in dem frischen Orangeton und dem Konterfei des Meisters auf dem Titel präsentiert uns auf über 240 gut gegliederten Seiten über 100 einfache, unkomplizierte Gerichte.
Die Mahlzeiten sind in Frühstück, Mittag- und Abendessen unterteilt, wobei ich da durchaus auch tauschen würde. Für jedes Rezept stehen zwei Seiten zur Verfügung: rechts findet sich ein großes, appetitliches Foto, links stehen die Zutaten, Personenzahl, Kochzeit und die Anleitung. Tipps und Facts sowie lockere Sprüche dürfen bei Henssler natürlich auch nicht fehlen. Das Inhaltsverzeichnis und die alphabetische Liste der Rezepte runden das Buch ab. Des Weiteren sind ein Grußwort und Dankesworte des Meisterkochs zu finden. Das eingewebte Lesebändchen ist hilfreich zum Markieren der gewählten Seite.
Hensslers Schnelle Nummer "Morgens, mittags, abends" ist ein Kochbuch mit handelsüblichen, frischen Zutaten für Menschen mit wenig Kocherfahrung, wohl vor allem für jüngeres Publikum, die wenig Aufwand schätzen und sich nicht lange in der Küche aufhalten, aber trotzdem gut und gesund essen möchten. Aber auch für alte Hasen sind viele leckere Gerichte mit dem gewissen Etwas á la Henssler dabei. Den Preis von 29,90 Euro halte ich durchaus für angemessen.
Dies war mein erster Roman der Autorin Gabriella Engelmann. Schon das romantische Cover macht Lust, dieses Buch zu lesen.
Die Vergangenheitsgeschichte spielt in den Jahren ab 1937, wo die sechzehnjährige ...
Dies war mein erster Roman der Autorin Gabriella Engelmann. Schon das romantische Cover macht Lust, dieses Buch zu lesen.
Die Vergangenheitsgeschichte spielt in den Jahren ab 1937, wo die sechzehnjährige Lene Iwersen mit ihren Eltern Beeke und Konrad in Listland auf Sylt in einem typischen Reetdachhaus lebt. Das Nebenhaus wird an Sommerfrischler vermietet. Mutter wie Tochter sind Büchern sehr zugetan, daher der Name "Bücherfrauen". Als der junge Marten Behlau sich als Feriengast einmietet, verlieben sich Lene und er ineinander. Eine gemeinsame Nacht in den Dünen bleibt nicht ohne Folgen. Ab da spielt das Schicksal Lene übel mit.
Der Gegenwartsstrang erzählt von der fünfundfünfzigjährigen Journalistin Anna März, die nach Listland reist, um die fünfundachtzigjährige Bücherfrau Fenja Lorenzen zu interviewen. Leider findet sie nur einen Zettel im Haus vor, dass Fenja kurzfristig weg musste. Als ein starker Sturm tobt und das Reetdach beschädigt, versuchen Anna und Fenjas Tochter Elisa den Buchbestand vom Dachboden zu retten. Dabei findet Anna einen Gedichtband, der als Versteck für einen Samtbeutel und eine Dose dient. Damit ist Annas Interesse an Fenjas Lebensgeschichte erst recht geweckt. Doch wo ist Fenja?
Sehr ausführlich und detailliert erzählt Gabriella Engelmann abwechselnd den Lebensweg der Lene Iwersen, die einige Schicksalsschläge verkraften muss und ihrer zweiten Tochter entfremdet wird und von Martje Lorenzen, der Tochter von Lene, die nie verstehen konnte, warum ihr Stiefvater sie nie geliebt hat und ihre Schwester Fenja plötzlich verschwunden war. Fenjas Kinder Elisa und Eric wissen von all dem nichts und es ist an der Zeit, die Familiengeheimnisse zu offenbaren und daran zu heilen. Dabei unterstützt Anna März sie nach Kräften. Doch auch bei ihr schlummern noch ungeklärte Fragen aus der Vergangenheit, auf die noch nicht näher eingegangen wird. Das weckt Neugier.
Die Erzählstränge werden von Gabriella Engelmann gekonnt verknüpft und führen am Ende zu einem Ergebnis. Auf Martjes Geschichte dürfen wir uns in Band 2 "Der Duft des Strandhafers" freuen. Besonders gefallen haben mir die Beschreibungen von Flora und Fauna der Insel Sylt und der manchmal fast poetische Schreibstil. Dafür vergebe ich vier Sterne!
In Arno Franks neuem Buch geht es um eine fiktive Stadt in Deutschland: Ginsterburg. Deren Bewohnerinnen, von der Inhaberin des Buchladens, über einen Journalisten und einen Blumenhändler bis zum Großindustriellen, ...
In Arno Franks neuem Buch geht es um eine fiktive Stadt in Deutschland: Ginsterburg. Deren Bewohnerinnen, von der Inhaberin des Buchladens, über einen Journalisten und einen Blumenhändler bis zum Großindustriellen, und ihre Angehörigen begleiten die Leserinnen hier von den Anfängen der nationalsozialistischen Herrschaft (ab 1935) bis zu ihrem Ende 1945. Zwischendurch gibt es größere Zeitsprünge von immer etwa 4 Jahren, die jedoch das Verständnis der Entwicklung nicht einschränken. Sprachlich legt sich der Autor sehr ins Zeug, drückt sich sehr gewählt, manchmal fast umständlich aus, so dass man sich doch beim Lesen sehr konzentrieren muss. Für mich vermittelte das den Eindruck eines Deutschlands der Dichter und Denker, das hier systematisch an den Rand des Abgrunds geführt wird. Dabei schafft es Arno Frank jedoch, die verschiedensten Reaktionen der Menschen auf das neue System einzufangen. Da sind Menschen, die sich darin sofort einfügen, weil sie Vorteile für sich sehen oder mit dieser Gesinnung übereinstimmen, andere sträuben sich zunächst, können sich aber auf lange Sicht dem System nicht entziehen. Wieder andere kämpfen um ihre Freiheiten, gehen am System kaputt oder rutschen auf verschiedenste Arten mit hinein. Besonders bestürzt hat mich dabei z.B. das Schicksal einer Frau, die in Berlin mit einem Juden verheiratet ist, bis dieser von den Nazis abgeholt wird, woraufhin sie Zuflucht bei ihrer Schwester in Ginsterburg sucht, aber immer hofft, ihren Mann lebend wiederzusehen und vollkommen abdriftet. Oder das des Sohnes der Buchhändlerin, der seine Liebe zum Fliegen erst bei der HJ entdeckt und so zum Flieger-Ass wird, das im Krieg unentbehrlich wird. Alle sind ganz normale Leute, bis die Diktatur und der Krieg ihre Leben mehr oder weniger ins Chaos stürzt.
Diese Schicksale sind sehr eindrücklich geschildert und machen betroffen, manchmal auch wütend. Allerdings verliert sich der Autor auch nicht selten in nichtigen Kleinigkeiten, die für die Geschichte eigentlich kaum eine Rolle spielen. Dadurch gibt es hin und wieder Längen in der Erzählung. Zudem steuert Arno Frank für meine Begriffe die Sympathien oder Antipathien für manche Charaktere durch die gegebenen Informationen sehr und dann wirkt das Ganze auch mal zu konstruiert. Alles in allem fühlt man jedoch die Zwänge, denen viele der Bürgerinnen unterliegen, welche jedoch niemals eine Entschuldigung für ihr Handeln sein darf. Wirkliche Widerständlerinnen gibt es nicht und das kommt der Wahrheit - auch wenn viele diese nicht sehen wollen - sehr nahe. Der Roman kommt zwar zur "rechten" Zeit, dass er jedoch etwas bewirken kann, glaube ich nicht. Selbst wenn das Schicksal Ginsterburgs und seiner Bürger*innen am Ende nur schwer zu ertragen ist. 4 Sterne