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Veröffentlicht am 30.11.2025

Düsteres Verwirrspiel in der Forensischen Psychiatrie

Safe Space
8

"Ich heiße Anna Salomon und bin hier genau am richtigen Ort. "

"In der JVA Weyer zu sein, fühlt sich gleichzeitig so richtig und so falsch an. Ich suche Heilung an einem Ort, dem die Gefahr aus jeder ...

"Ich heiße Anna Salomon und bin hier genau am richtigen Ort. "

"In der JVA Weyer zu sein, fühlt sich gleichzeitig so richtig und so falsch an. Ich suche Heilung an einem Ort, dem die Gefahr aus jeder Pore strömt, und weiß am Ende doch nicht sicher, ob mein Plan überhaupt aufgehen wird. "

Was bewegt eine junge Frau dazu, sich um eine Anstellung in einer forensischen Psychiatrie zu bewerben? Anna, die Hauptprotagonistin des Romans tritt kurz nach Abschluss ihres Studiums eine neue Stelle in einer fiktiven JVA in der Nähe von Köln an. Sie hat sich bewusst für den Einsatz im dortigen Maßregelvollzug entschieden, und nach und nach wird klar, dass sie dafür nicht fachliche sondern persönliche Gründe hat. Sie ist geradezu besessen von einer Mission, über die ich hier nicht zu viel verraten will. Mit Anna erleben wir den Alltag des Maßregelvollzugs, die beklemmende Atmosphäre der Justizvollzugsanstalt, die Auseinandersetzung mit gefährlichen Straftätern und eine ständige Bedrohung, denn irgendjemand weiß um ihre Motivation und spielt ein perfides Spiel mit ihr.

In Rückblenden lesen wir die Tagebucheinträge von Sina, einer jungen Frau, die sich in einer toxischen Beziehung befindet und zudem noch gestalkt wird. Auch hier gelingt es der Autorin sehr gut, die psychische Anspannung von Sina darzustellen.

Und dann ist da noch Leon, ein Mann, der durch sein dysfunktionales Elternhaus geprägt wurde. Gerade in Bezug auf Leon wird die Leserin mit Szenen konfrontiert, die nichts für zarte Gemüter sind.

Der Roman trägt den Titel SAFE SPACE. Bestgen spielt wunderbar mit der Doppeldeutigkeit dieses Begriffs, denn Safe Space bezeichnet in der Psychologie das geschützte Verhältnis zwischen Therapeutin und Patientin. Da Anna so sehr von ihrer eigenen Motivation getrieben wird, verletzt sie diesen fachlichen Anspruch, Gleichzeitig wird ihr eigenen Safe Space, ihr Schutzraum, immer kleiner. Und das gilt gleichermaßen für Sina. So hält die Autorin durchgehend einen Spannungsbogen aufrecht, der das Buch zu einem Pageturner macht. Dabei spielt sie ein düsteres Verwirrspiel mit den Lesenden.

Typisch Psychothriller habe ich als Leserin keinen Wissensvorsprung vor der Hauptperson. Ich erlebe die Handlung durch Annas Augen, doch ich werde mit ihr nicht wirklich warm. Ihre Obsession empfand ich zunehmend als unangenehm. Überhaupt waren mir sowohl Anna als auch Sina zu eindimensional und statisch gezeichnet, es mangelt ihnen an einer charakterlichen Tiefe. Aber das macht Bestgen durch das hervorragende Setting, durch ihren gut zu lesenden Schreibstil und unerwartete Plot-Twists mehr als wett.

Sehr gut gefallen hat mir auch das Cover mit einem auffallenden orangen Farbschnitt und einem minimalistischen Cover mit einem ebenfalls orangefarbenem Stacheldraht. orange ist eine Warnfarbe und so wird direkt klar, dass hier eine Gefahr droht.

Fazit: Es hat mir Spaß gemacht zu ergründen, von wem diese Gefahr ausgeht und zu erleben, wie die Handlungsfäden miteinander verknüpft werden. Wer ein spannendes Leseerlebnis sucht und sich gerne von Plot Twists unterhalten lässt, wird hier einen Thrillergenuss erleben.
Ich vergebe ⭐⭐⭐⭐ 4 Sterne und freue mich auf weitere Bücher der Autorin.

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Veröffentlicht am 10.11.2025

Mordermittlung mittels Zeitmaschine

Manche Schuld vergeht nie
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Elly Griffiths hat sich bereits einen Namen als britische Krimischiftstellerin gemacht. Mit MANCHE SCHULD VERGEHT NIE (im Original: THE FROZEN PEOPLE) legt sie nun einen unerwarteten Mix aus Krimi und ...

Elly Griffiths hat sich bereits einen Namen als britische Krimischiftstellerin gemacht. Mit MANCHE SCHULD VERGEHT NIE (im Original: THE FROZEN PEOPLE) legt sie nun einen unerwarteten Mix aus Krimi und Zeitreise vor. Während der englische Originaltitel an den Begriff der Cold Cases anknüpft, lässt der deutsche Titel eine generationsübergreifende Schuld biblischen Ausmaßes vermuten. Am Ende hat sich mir die Wahl dieses Titels dann nicht erschlossen. Vielleicht liegt es daran, dass Band 1 nicht vollständig in sich abgeschlossen ist. Es bleiben noch viele Handlungsstränge offen. Das ist schade, denn Griffith hat erzählerisch so viel zu bieten. Die Beschreibungen der ProtagonistInnen und des Settings sind einfach großartig und lebendig. Gerade beim Blick zurück in das Viktorianische England meint man die Lebensbedingungen, winterliche Kälte, hygienische Bedingungen, andere Essgewohnheiten und gesellschaftliche Rollen mit allen Sinnen wahrnehmen zu können. Das ist für mich der große Pluspunkt des Buches. Auch ein Kriminalfall in der Gegenwart sorgt für Spannung. Ali Dawsen, die Hauptprotagonistin des Romans, wird seht sympathisch und lebensecht dargestellt, so dass sie mir auf Anhieb sympathisch war. Es hat Spaß gemacht, in ihre Welt und mit ihr gemeinsam in die Vergangenheit abzutauchen. Allerdings ergriff mich eine innere Unruhe, je mehr sich das Buch dem Schluss zuneigte, denn irgendwann war klar, dass nicht mehr alle Handelsstränge auf den verbleibenden Seiten würden aufgelöst werden können. Das hat mich bei aller Sympathie für die Grundidee des Buches und den Schreibstil etwas unbefriedigt zurückgelassen. Nun bleibt Band 2 abzuwarten, in der Hoffnung, dass dieser das Geschehen abrundet.

Ich vergebe trotzdem eine Leseempfehlung für Krimifans und solche, die auch einen Touch Fantasy/Mystery mögen. Freunde von SF und naturwissenschaftlicher Erklärungen werden sich weniger angesprochen fühlen. ⭐⭐⭐⭐

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Veröffentlicht am 02.10.2025

Die Geschichte einer Familie zwischen Tradition und Wandel

Auf dem Gräftenhof
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Arnold Pesch hat in seinem Roman "Auf dem Gräften-Hof - das Vermächtnis" Geschichte lebendig werden lassen. Selbst 1939 geboren wuchs er im Münsterland auf. Er ist somit Zeitzeuge der Ereignisse, die er ...

Arnold Pesch hat in seinem Roman "Auf dem Gräften-Hof - das Vermächtnis" Geschichte lebendig werden lassen. Selbst 1939 geboren wuchs er im Münsterland auf. Er ist somit Zeitzeuge der Ereignisse, die er beschreibt. Auch wenn es sich um eine fiktive Geschichte handelt, wirkt sie sehr authentisch. Das liegt an dem kundigen Wissen des Autors über die Heimatgeschichte der Region ebenso wie an den immer wieder eingeflochtenen Dialogen im Münsterländer Platt (der Inhalt wird dabei immer übersetzt oder erläutert). Im Mittelpunkt steht die Familie Große-Bawinkel nebst ihrer nächsten Nachbarn, den Schulze-Westhoffs. Und natürlich der Gräftenhof, ein von einem Wassergraben (Gräfte) umgebener Großbauernhof. Pesch nimmt und mit auf eine Zeitreise in die 50er- und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts, beschreibt die tiefe Verwurzelung der Menschen in ihre Heimat, die Traditionen, die Bodenständigkeit und das Gottvertrauen der bäuerlichen Gesellschaft. Doch es ist eine Zeit der Umbrüche. Die Folgen des Zweiten Weltkrieges, Flucht und Vertreibung, der Mauerbau und vieles mehr sind auch im Münsterland spürbar. Die Landwirtschaft erfährt bedeutende Veränderungen durch die Mechanisierung, während zugleich noch gesellschaftliche Schranken zwischen den Schichten bestehen. Trotz aller Schicksalsschläge, die das leben schreibt, bleibt der Grundton des Buches optimistisch. Mir war es an mancher Stelle etwas zu sehr "Heile Welt" und die Dialoge wirkten etwas hölzern und pathetisch. Die heimatkundlichen Kenntnisse des Autors machen das aber allemal wett.

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Veröffentlicht am 19.08.2025

Familiengeheimnisse aus unruhigen Zeiten

Die Holunderschwestern
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Der Start in das Buch macht neugierig: ein Abschiedsbrief aus dem Jahre 1936 leitet in den Roman ein, geschrieben von einer F. Doch wer ist F. und was ist passiert?

Mit „Die Holunderschwerstern“ hat die ...

Der Start in das Buch macht neugierig: ein Abschiedsbrief aus dem Jahre 1936 leitet in den Roman ein, geschrieben von einer F. Doch wer ist F. und was ist passiert?

Mit „Die Holunderschwerstern“ hat die promovierte Historikerin Brigitte Riebe alias Teresa Simon einen historischen Roman verfasst, der dieser Frage nachgeht. Es gibt zwei Handlungsstränge, die sich gut auseinanderhalten lassen. Der eine spielt im Jahr 2015 und dreht sich um die Restauratorin Katharina, die zusammen mit einer Kollegin eine eigene Werkstatt unterhält und liebevoll Möbel restauriert. Mit viel Detailwissen hat die Autorin ihr dabei über die Schulter geschaut. Und das ist typisch für den Schreibstil von Teresa Simon. Sie recherchiert sehr genau und lässt ihre Erkenntnisse dann in das Buch einfließen. Katharina hat ein angespanntes Verhältnis zu ihrer Mutter und kennt ihre weiblichen Vorfahrinnen aus vielen Erzählungen. Doch manches blieb dabei unausgesprochen. Es gibt Tabuthemen, die sich über Generationen weiterverbreitet haben. Doch erst als ein mysteriöser Kunsthändler aus London auf der Bildfläche erscheint, und der überraschten Katharina die Tagebücher ihrer Urgroßmutter Fanny übergibt, setzt sie sich intensiver mit der Geschichte ihrer Familie auseinander. Und das ist weitestgehend eine Geschichte der Frauen.

Anhand der Tagebücher reisen wir mit Katharina zurück in die Jahre zwischen 1918 und 1936, eine Zeit der gesellschaftlichen Umbrüche und politischen Unruhen. Beginnend mit den Entbehrungen des Ersten Weltkrieges begleiten wir Urgroßmutter Fanny auf ihrem Weg aus der bayrischen Provinz nach München und erfahren viel über die Lebens- und Arbeitsbedingungen in der damaligen Zeit. Auch hier überzeugt Simon mit dem Detailreichtum und ihren historischen Kenntnissen. Ausgestorbene Berufe tauchen auf, aber auch Persönlichkeiten aus der damaligen politischen und kulturellen Welt. Das beinhaltet dann natürlich auch die faschistischen Umtriebe. Und so ist manches Erlebnis eine schwere Kost. Auch wenn die Geschichte eine wichtige Rolle spielt, im Mittelpunkt steht immer die Protagonistin Fanny, der ihre Zwillingsschwester Fritzi nach München folgt. Das Verhältnis der Schwestern ist problematisch. Während die eine in einem jüdischen Haushalt in Stellung geht und auch viele Künstler wie etwa Paul Klee kennenlernt, wird die andere vom aufstrebenden Nationalsozialismus geblendet. Warum das Buch „Die Holunderschwestern“ heißt, möchte ich hier nicht verraten.

Teresa Simon hat in dieses Buch auch die Geschichte ihrer eigenen Familie und eigene Erlebnisse mit einfließen lassen. Das macht das ganze sehr lebendig. Allerdings bleiben am Ende doch auch einige Fragen offen. Das ist mutig von der Autorin und logisch nachvollziehbar, da sich die Geschichte nun einmal aus Tagebucheinträgen speist, für mich als Leserin aber dennoch leicht unbefriedigend. Zudem überzeugt mich der Handlungsstrang in der Gegenwart nicht ganz so wie der in der Vergangenheit.

Dennoch spreche ich eine eindeutige Leseempfehlung aus. So wie Simon schreibt, wird Geschichte lebendig.

Ach ja, abgerundet wird das Buch durch eine kleine Sammlung alter bayrischer Rezepte. Sehr verführerisch!

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Veröffentlicht am 04.05.2025

Mördersuche im Sabatical

Die Schlange von Sirmione
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Zunächst einmal ist da das Cover. Ich mag das Design mit dem schönen einladenden Titelbild und den abgerundeten Ecken. Ein richtig schönes Taschenbuch, perfekt für den Urlaub.

Eine Hauptrolle in dem Büchlein ...

Zunächst einmal ist da das Cover. Ich mag das Design mit dem schönen einladenden Titelbild und den abgerundeten Ecken. Ein richtig schönes Taschenbuch, perfekt für den Urlaub.

Eine Hauptrolle in dem Büchlein spielt der Gardasee. Gerade die wunderbaren Landschaftsbeschreibungen sind es, die die Lektüre zu einem zauberhaften Genuss machen. Also Achtung: „Die Schlange von Sirmione“ verführt zum Koffer packen und hinfahren.

Edwina Teufel, eine österreichische Kriminalinspektorin, die sich am Gardasee zur Genesung befindet, ist eine nicht ganz einfache Heldin. Sie ist keine, der die Herzen zufliegen. Im Cosy Crime ermittelt gemeinhin eine Privatperson. Eigentlich ein Stilmerkmal des Genres. In Edwinas Fall wird es dadurch verkompliziert, dass sie zwar vor Ort eine Privatperson ist, selbst aber immer wieder in einen Fall einmischt und dabei ihre berufliche Rolle betont. Das macht es aus meiner Sicht so schwierig, sich mit ihr anzufreunden. Sie wirkt oft besserwisserisch, arrogant und selbstsüchtig. Doch im Laufe des Buches erklärt sich dieses Verhalten. Man muss nur dranbleiben.

Der Stil ist typisch für Isabella Archan, voller Temperament und Humor. Wie bei der Autorin üblich bestechen auch hier ihre bunte Erzählweise, die Bildhaftigkeit ihrer Sprache und der erkennbare Background als Schauspielerin. Mit Sprache kann Isabella Archan umgehen! Der Kriminalfall wird schlüssig aufgelöst.

Fazit: Ein netter Cosy Crime für den Urlaub, mit viel italienischem Flair, frech und typisch Isabella Archan.

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