Sollte man gelesen haben
Vergiss michAlex Schulman wirft einen sehr persönlichen Blick auf ein ernstes Thema. Vor allem die kindliche Sicht auf das zunehmende Alkoholproblem der Mutter? Die sich verschiebenden Realitäten innerhalb der Familie, ...
Alex Schulman wirft einen sehr persönlichen Blick auf ein ernstes Thema. Vor allem die kindliche Sicht auf das zunehmende Alkoholproblem der Mutter? Die sich verschiebenden Realitäten innerhalb der Familie, wenn aus Liebe, Spaß und alberner Vertraulichkeit plötzlich Angst wird. Wow das hat mich wirklich erschüttert, wie nahbar, mit Händen greifbar erzählt.
Schulman malt Bilder vom Familienleben, versteckten Flaschen und heimlichen Gläsern, von Mamas „Krankheit“. Und er schreibt von der Resignationen eines Erwachsenen, der sich nicht zu helfen weiß, der viel zu lange Komplize der Sucht seiner Mutter war. Die Emotionalität der Geschichte schwingt in jeder einzelnen Zeile mit und für mich ist es eine Gesichte, die mich tief berührt hat.
Das schambehaftete Tabuthema wird hier in seine Einzelteile aufgedröselt. Es ist eine Geschichte der Gegensätze: Härte und Verletzlichkeit, Hoffnung und Enttäuschung, Liebe und Gleichgültigkeit. Die Höhen und Tiefen werden hier sehr nahbar und authentisch aufbereitet, genauso wie der schmale Grat zwischen Licht und Schatten und das dünne Eis auf dem sich die einzelnen Familienmitglieder bewegen.
Alex Schulman schreibt einfach wunderschön und gibt diesem ernsten, traurigen Thema einen sanften und irgendwie auch versöhnlichen Ton. Das Buch liest sich einfach unglaublich, man hat stellenweise das Gefühl, sich verschämt wegdrehen zu müssen, den Figuren Raum zu geben, aber Schulmann hält dem Thema Alkoholismus den Spiegel vor und drängt den Leser auf bestimmte, aber einfühlsame Art hinzusehen.
Ich muss jetzt unbedingt auch noch „die Überlebenden“ lesen.