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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.05.2025

Ein zu Unrecht vergessener Roman!

Elisabeth, ein Hitlermädchen. Roman der deutschen Jugend
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»Man kann es ihnen nicht klarmachen, dass sie diese Begeisterung, diese Fahne nicht kennen, dass unser Krieg nicht sein würde, wie der ihre war.«

Elisabeth ist ein überzeugtes Hitlermädchen und begegnet ...

»Man kann es ihnen nicht klarmachen, dass sie diese Begeisterung, diese Fahne nicht kennen, dass unser Krieg nicht sein würde, wie der ihre war.«

Elisabeth ist ein überzeugtes Hitlermädchen und begegnet anderen Meinungen mit überheblichem Trotz. Als sie am 01. Mai 1933 auf dem Tempelhofer Feld den hübschen SA-Mann Erwin trifft, bahnt sich alsbald eine Liebesbeziehung an und sie wird schwanger. Doch sie wird das Kind nicht behalten.
Kurz darauf wird die junge Liebe getrennt, denn Elisabeth muss in ein Arbeitslager und erst dort beginnt ihre Faszination für Hitler und den Nationalsozialismus zu bröckeln, bis sie sich gar gegen ihn stellt und sich dadurch von Erwin immer mehr entfernt.

Neben dem damaligen Alltag wurde die dargestellte Rollenverteilung, insbesondere der sog. „Männlichkeit“, wie es damals üblich war und heute teils immer noch ausgeprägt ist, von der Autorin treffend dargestellt. So empfand sich Erwin erst nachdem er der männliche und meinungsstarke SA-Mann wurde, den wir im Buch kennenlernen, als „richtigen Mann“.
Dementsprechend entscheidet sich Erwin schlussendlich nicht für Elisabeth, sondern für seine größere Liebe – den nationalsozialistischen Staat, der für ihn über allem steht.

Dieses Buch liest sich leicht und ist kein trockener Klassiker, sondern erinnerte mich eher an einen gut geschriebenen und recherchierten Roman der Gegenwart. Doch leider bekommt er nicht die Beachtung, die ihm eigentlich zustünde. Um dieser Tatsache entgegenzuwirken wurde er glücklicherweise neu aufgelegt.
Ausschließlich das Fehlen von Abschnitten ist kritisch anzumerken, da man so Perspektivenwechseln oder plötzlich auftauchender Figuren manchmal nicht gewahr werden kann. Dies doch nur am Rande, schließlich tut es dem Buch keinen Abbruch. Es ist und bleibt ein wirklich toller und aufrüttelnder Klassiker, der leider auch Parallelen zur Gegenwart zeigt.

Wie immer bei Klassikern liebe ich Nachworte – wie dieses von Philipp Haibach –, um den Kontext bezogen auf Autorin, Werk und Zeit besser zu verstehen.

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Veröffentlicht am 21.05.2025

»Klimaschutz muss mit dem Schutz der (noch) vorhandenen Natur beginnen.«

Mit Pflanzen die Welt retten
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»Klimaschutz muss mit dem Schutz der (noch) vorhandenen Natur beginnen.«

Kann man mithilfe der Natur, insbesondere Pflanzen die Welt retten und die Überschreitung des 1,5-Grad Ziels verhindern?
So leicht ...

»Klimaschutz muss mit dem Schutz der (noch) vorhandenen Natur beginnen.«

Kann man mithilfe der Natur, insbesondere Pflanzen die Welt retten und die Überschreitung des 1,5-Grad Ziels verhindern?
So leicht ist das wiederum nicht, das macht dieses Buch deutlich, doch verzagen sollte man keineswegs, sondern alles mögliche versuchen und jetzt handeln.
In vier Großkapiteln werden mögliche Maßnahmen erläutert und auch abgewägt, ob diese praktisch umsetzbar und vor allem rentabel sind. Dabei war es spannend zu erfahren, wie positiv sich intakte Wälder und Moore auf das Klima auswirken können und schockierend vor Augen zu führen, wie viele Wälder abgeholzt und Moore trocken gelegt wurden und dass diese Praxis Bestand hat. Wiedervernässte Moore ließen sich z.B. durch sog. Paludikulturen bewirtschaften. Gleichermaßen erscheinen auch sog. Blue-Carbon-Ökosysteme und die Photosynthese, auch in künstlicher Form, zukunftsträchtig.
Keine Frage, es wird viel Arbeit und Geld kosten zerstörte Natur wieder neu aufleben zu lassen. Schlauer wäre es zweifelsfrei diese nicht erst weiter zu zerstören.

Anders als so manches Sachbuch ist dieses flüssig und anschaulich geschrieben und trotz der Komplexität des Themas nicht zu anspruchsvoll, sondern stets ausführlich erklärt. Erst gegen Ende des Buchs bin ich – mit beschränktem biologisch-chemischen Wissen – nicht mehr ganz durchgestiegen. Stichpunkt: Photosynthese.

Schlussendlich hat es mich gefesselt, mir Hoffnung gegeben und mir diese teils wieder genommen. Es wurde deutlich wie sehr Klimaschutz mit Naturschutz verbunden ist und dass dies eine Chance ist, die wir jetzt ergreifen müssen. Nichtsdestotrotz führt kein Weg daran vorbei, Treibhausgasemissionen unbedingt und in drastischem Ausmaß zu senken.
Dieses Buch soll keine Hoffnungen schüren und Resignation zulassen, sondern vielmehr ein alarmierender Weckruf sein! Genau das ist dem Biologen Bernhard Kegel mit diesem Buch gelungen.

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Veröffentlicht am 21.05.2025

»Warum konntest du nicht zufrieden sein mit dem, was du hattest?«

Zehn Bilder einer Liebe
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»Warum konntest du nicht zufrieden sein mit dem, was du hattest?«

Nicht schon wieder ein belangloser Liebesroman, dachte ich mir, als ich Hannes Köhlers Buch zum ersten Mal in der Vorschau der Frankfurter ...

»Warum konntest du nicht zufrieden sein mit dem, was du hattest?«

Nicht schon wieder ein belangloser Liebesroman, dachte ich mir, als ich Hannes Köhlers Buch zum ersten Mal in der Vorschau der Frankfurter Verlagsanstalt entdeckt habe. Als die ersten Rezensionen eintrudelten war ich dann doch neugierig, schließlich schien es kein typischer Roman über eine Liebesbeziehung zu sein. Umso mehr habe ich mich gefreut, den Autor im Gespräch mit Seda auf der Buchmesse lauschen zu dürfen.

Es ist ein warmherziger Roman, der von Liebe und gegenseitiger Zuneigung handelt und doch gänzlich ohne Kitsch auskommt, was erstaunlich gut funktioniert. Ängste, Sorgen und Zweifel nehmen Raum in den Gedankenwelten von Louisa und David ein. Sie wollen sich nicht nur gegenseitig genug sein, sondern auch Ronya, Louisas Tochter aus erster Ehe, die ihr neuer langjähriger Partner genauso liebt, wie sie selbst und vermutlich mehr als ihr leiblicher Vater. Und trotzdem steht da sein – vielleicht egoistischer – Wunsch im Raum, ein eigenes Kind zu haben, was sich schwieriger darstellt, als erwartet. Und über seinem Wunsch kreist die Frage, ob sie es überhaupt auch will. Noch ein Kind und alles damit verbundene. Sie weiß, wie schwierig es ist, alles unter einen Hut zu bekommen.
Voller Fürsorge und Hingabe nimmt die Beziehung zu Ronya ihren Platz ein und bereichert das gemeinsame Leben.
Diese „zehn Bilder einer Liebe“ sind einzelne Momentaufnahmen, die neben der ersten zufälligen Begegnung besondere Momente beleuchten, die ihre Liebe zueinander gestärkt oder auf die Probe gestellt hat und von Hannes Köhler auf feinfühlige und doch eindringliche Art gezeichnet wurden. Dabei brechen seine Figuren mit konventionellen Mustern.
Es ist ein Buch der besonderen Art, das ich sehr gerne gelesen habe!
Wenn ihr den Roman noch nicht kennt, empfehle ich ihn euch wärmsten, wie vor mir schon einige, was einfach für ihn spricht!

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Veröffentlicht am 10.05.2025

Unbedingt lesen!!!

Ein Mensch fällt aus Deutschland
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»Ganz gleich, wie es nun werden möge - so wie es kommt, so wird es mein Schicksal sein, und so will ich es nehmen, stumm und bereit, ich habe es nicht anders gekonnt, ich habe es auch nicht anders gewollt.«

Konrad ...

»Ganz gleich, wie es nun werden möge - so wie es kommt, so wird es mein Schicksal sein, und so will ich es nehmen, stumm und bereit, ich habe es nicht anders gekonnt, ich habe es auch nicht anders gewollt.«

Konrad Merz, eigentlich Kurt Lehmann, überlässt in seinem wohl bekanntesten und nun glücklicherweise neu aufgelegten Roman seinem Protagonisten, dem jungen Winter, das Wort. Durch Briefe und Tagebucheinträge erlebt man die Erlebnisse ab Ende 1933 bis Dezember 1934 hautnah aus seiner Sicht:
Sein bester Freund Heini wird von der Geheimen Staatspolizei gesucht und Winter hilft ihm. Nachdem sich dieser jedoch erschossen hat, fällt das Schicksal auf den Protagonisten und ihm bleibt nichts anderes als die Flucht. Er entscheidet sich für Holland. Dort angekommen, schlägt er sich – so gut er kann – durch, hungert, trauert, vermisst und sucht nach Arbeit.
Seiner in Berlin zurückgebliebene Ilse schenkt er jeglichen Gedanken und wünscht sich nichts mehr, als dass sie bei ihm wäre.
So vergehen die Tage und nichts ist mehr, wie es zuvor war, selbst als Ilse ihn besuchen kommt…

Der Anfang dieses Buchs ist nicht ganz einfach. Der Einstieg folgt abrupt mitten ins Geschehen und man muss sich erstmal in der Szenerie und sogleich mit der besonderen Form zurechtfinden.
Gibt man aber dem ersten Roman der Exilliteratur, der leider völlig zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist, eine Chance – und das sollte man(!) –, wird man es nicht bereuen. So nah wie dieser Text – durch Tagebucheinträge und Briefe –, die Lesenden am Alltag Winters teilhaben lässt, dadurch Sehnsüchte, Wünsche und das Leid schildernd, ist einzigartig. Somit ist das bereits 1936 im Amsterdamer Querido Verlag erschiene Buch für mich persönlich ein großartiger Roman und noch viel mehr – ein beachtenswertes Zeitdokument, besonders im Hinblick auf die darauffolgenden Jahre.
Zwischen all dem Leid und der Tragik, finden sich auch ironische und humorvolle Anspielungen. Je mehr man von diesem Buch liest, desto mehr wird auch Merz‘ rhetorisches Können deutlich.

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Veröffentlicht am 08.05.2025

»Ich mochte Thomas Mann eigentlich gar nicht.«

Neue Rundschau 2025/1
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»Ich mochte Thomas Mann eigentlich gar nicht.«

Mit diesen Satz beginnt sogleich der erste Beitrag, der sich für eine Spurensuche nach Brasilien begibt und sich dabei insbesondere mit der Mutter Thomas ...

»Ich mochte Thomas Mann eigentlich gar nicht.«

Mit diesen Satz beginnt sogleich der erste Beitrag, der sich für eine Spurensuche nach Brasilien begibt und sich dabei insbesondere mit der Mutter Thomas Manns – Julia da Silva-Bruhns – beschäftigt.
Nachfolgend geht’s über die „Buddenbrooks“ und die politischen Seiten jeglicher Familiengeschichten, um Werke wie „Doktor Faustus“ sowie „Der Erwählte“ und anschließend über Nidden bis Amerika. Aber auch die eigene Wiedererkennbarkeit in der Erzählung „Tonio Kröger“ findet Erwähnung, da sie auch diejenigen, die selbst nie Außenseiter waren, sich als solche fühlen lassen, auch wenn dies paradox zu sein scheint.
Der Verlust des gewohnten Zuhauses, den Thomas Mann mit vielen anderen Menschen verbindet, ganz egal inwiefern sich dieser unfreiwillige Verlust ausprägen mag, bestimmt jeden dieser Aufsätze.
Die Autor*innen machen deutlich, inwiefern Manns Exilerfahrungen sein Leben und sein literarisches Schaffen, sei es hinsichtlich des Inhalts oder sogar sprachlicher Einflüsse, geprägt haben.

Drei Texte, von Annette Kolb, Hedwig Fischer und Agnes E. Meyer, die bereits in der Neuen Rundschau zu Thomas Manns 70. Geburtstag gedruckt wurden, erscheinen hier nochmal, erinnern an den wohl bedeutendsten deutschen Schriftsteller des letzten Jahrhunderts und runden die Sammlung thematisch ab.

So ist die Neue Rundschau zum 150. Geburtstag eine würdige, sehr lesenswerte, jedoch eher zum Nachdenken anregende Ausgabe, die, mit Ausnahme, dass die Werke Thomas Manns und das Interesse daran immer noch Bestand haben, weniger Anlass zum Feiern bietet.

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