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Veröffentlicht am 17.05.2025

Vergessene Opfer

Zypressensommer
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Die Autorin Teresa Simon rückt das Schicksal der "italienischen Militärinternierten" , kurz IMI genannt, während und nach des 2. Weltkrieges in den Mittelpunkt eines bewegenden Familienromanes, der den ...

Die Autorin Teresa Simon rückt das Schicksal der "italienischen Militärinternierten" , kurz IMI genannt, während und nach des 2. Weltkrieges in den Mittelpunkt eines bewegenden Familienromanes, der den Bogen von der Gegenwart bis zu den Jahren 1943 bis 1945 schlägt.
Julia, die junge Goldschmiedin aus Hamburg, reist in die alte Heimat ihres verstorbenen Nonno, in die Toscana, um sein Vermächtnis zu erfüllen. Auf den Spuren ihres geliebten Großvaters versucht sie Nachfahren ihrer Familie in dem kleinen Dorf Lucignano zu finden und stolpert über den charismatischen Matteo. Nach und nach legen sie die Wahrheit der lange zurückliegenden Vergangenheit offen. Damit stoßen sie auf die traurige Liebesgeschichte von Julias Nonno und Matteos Großmutter.
Das Buch offenbart nicht nur die traurige Realität der IMI, die nach ihrem demütigem Aufenthalt als Zwangsarbeiter in Hitlerdeutschland im Italien der Nachkriegszeit als Kollaborateure der Nazis angefeindet wurden, es widmet sich auch der Probleme der mutigen Kämpfer der Resistenza.
Die oft emotional sehr berührende Familiengeschichte der schwierigen Zeit der deutschen Belagerung Italiens wird durch die optimistische Liebesgeschichte, welche im Jahr 1998 handelt, gut verpackt,so dass sich auch die tragische Geschichte von Giulia für den Leser verträglich liest. Ich finde es sehr klug, dass die aktuelle Familiengeschichte nicht in der Gegenwart, also den 2020-er Jahren des jetzigen Jahrhunderts, sondern schon in 1998 angesiedelt wurden, weil ansonsten die dargestellten Augenzeugen der Kriegszeit, wie der alte Tommaso und die Pensionswirtin Martelli sich schon im sehr fortgeschrittenen Alter befinden würden. So ist es doch glaubwürdiger.
Das Buch zeigt, wie weit Italien und Deutschland die tiefen Gräben der Nazizeit überwunden haben und die beiden Völker zusammengewachsen sind und weckt Optimismus für die Zukunft.

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Veröffentlicht am 14.05.2025

Die Schatten der Vergangenheit

Zornige Brandung
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Für mich war dies der erste Teil der Nordsee-Krimireihe von Nina Ohlandt und Jan F. Wielpütz um Kommissar John Benthien und seine Kollegin Lilly Velasco, doch ich finde man findet sich sehr schnell rein. ...

Für mich war dies der erste Teil der Nordsee-Krimireihe von Nina Ohlandt und Jan F. Wielpütz um Kommissar John Benthien und seine Kollegin Lilly Velasco, doch ich finde man findet sich sehr schnell rein. Die vorangegangenen Ereignisse, die dazu führten, dass John zunächst zum Dorfpolizisten degradiert wird und dann seinen Dienst quittiert sowie die zum Zerwürfnis mit Lilly, der Mutter seiner kleinen Tochter führten, werden immer wieder thematisiert, so das auch ein Späteinsteiger wie ich, die Zusammenhänge versteht.
Nachdem John seinen Polizeidienst geschmissen hat, verbringt er den Rest der Sommerferien mit seiner angeheirateten Tochter aus erster Ehe, seinem Vater Ben sowie seiner kleinen Tochter Frauke und dem Ehemann von deren Mutter, der sich mit Frauke gerade in Elternzeit befindet, in ihrem geerbten alten Kapitänshaus auf Sylt, das der Familie als Ferienhaus dient und dringend hergerichtet werden muss. Diese schon sehr interessante Wohngemeinschaft wird durch einen Mord auf direkter Nachbarschaft tüchtig aufgemischt. Während John von seinem auf der Insel Urlaub machenden Altchef kurzerhand zum Assistenten rekrutiert wird, führen die Ermittlungen seiner Ex-Verlobten Lilly in einem 30 Jahre zurückliegenden Mordfall ebenfalls auf die Insel und schon bald wird klar, dass es zwischen beiden Fällen Verbindungen gibt.
Dieser Nordsee, bzw. in diesem speziellen Fall Sylt-Krimi fesselt den Leser von Beginn an und bleibt spannend bis zum Ende. Den Autoren gelingt es, immer neue Verdachtsmomente, neue Motive, neue Verdächtige aufzuzeigen und damit die Spannung stetig zu steigern. Parallel zur Handlung des Kriminalfalls verlaufen die personellen Verbindungen der ermittelnden Personen nicht minder spannend. Auch wenn die Reihe schon recht fortgeschritten ist, macht dieser 11. Band um Kommissar Benthien süchtig nach dieser Reihe und ich werde mir die vorangegangenen Bücher auf alle Fälle noch besorgen. Danke für dieses tolle Krimi-Erlebnis.

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Veröffentlicht am 23.04.2025

Churchill und der Gardasee

Was am Ufer lauert
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Dies ist der zweite Teil der Gardasee-Krimireihe von Journalist Lenz Koppelstädter. Obwohl ich den ersten Teil dieser neuen Reihe nicht kenne, bin ich gut in die Geschichte reingekommen und hatte keine ...

Dies ist der zweite Teil der Gardasee-Krimireihe von Journalist Lenz Koppelstädter. Obwohl ich den ersten Teil dieser neuen Reihe nicht kenne, bin ich gut in die Geschichte reingekommen und hatte keine Verständnisprobleme.

Gianna Pitti, die talentierte Tochter des Stars der italienischen Journalisten, Arnaldo Pitti, ist nach ihrer ersten großen Story im wohlverdienten Urlaub. Im Auftrag ihres Vaters soll sie sich mit einem Informanten treffen und Unterlagen entgegennehmen. Als sie am menschenleeren Ufer des Gardasees auf den Informanten wartet, findet sie eine Frauenleiche.

Am gleichen Tag findet im beschaulichen Malcesine eine Schießerei auf offener Straße statt. Gianna und ihr Vater erkennen schnell, dass zwischen beiden Vorkommnissen ein Zusammenhang besteht und schon bald sind Vater und Tochter gemeinsam mit Giannas Chefin und Arnaldos ehemaliger Geliebten, Elvira, und Arnaldos hochadeligem Bruder, Francesco Marchese Pitti-Sanbaldi einem großen Geheimnis auf der Spur.

Parallel erfährt der Leser immer mehr Einzelheiten zum Aufenthalt des großen Winston Churchill am Gardasee, zu den aktuellen Ereignissen am Nordufer des Sees und zur Vergangenheit der Familie Pitti. Alle drei Handlungsstränge sind sehr spannend.

Verliebt habe ich mich sehr schnell in den etwas schrulligen, langsam in die Demenz abgleitenden, dabei stets auf seine Würde bedachten Marchese.

Gefreut hätte ich mich, wenn im Nachwort zum Buch eine Aufklärung erfolgt, wie viel an den Mutmaßungen zu den Briefen von Churchill an Mussolini bzw. zu seiner Einstellung zum beginnenden Faschismus dran ist. Ich denke, der Journalist Koppelstätter hat sich diese Geschichte nicht einfach aus der Tasche gezogen, sondern es gibt oder gab solche Gerüchte in der Region.

Als Fan der Südtirol-Reihe des Autors um Commissario Grauner und seinem sizilianischen Assistenten Saltapepe freue ich mich nun auf die Fortsetzung dieser Krimireihe vom Gardasee um Gianna Pitti und kann diese Reihe nur weiterempfehlen.
Die Familie Pitti hat noch einiges Potential.

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Veröffentlicht am 18.04.2025

Gegensätze ziehen sich an - oder ergeben ein fast perfektes Ermittlerduo

Ein Mord im November - Ein Fall für DI Wilkins
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Die beiden fast namensgleichen Ermittler Ryan und Raymond (genannt Ray) Wilkins könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Ryan sich mühsam aus einem Oxforder Trailerpark hochgearbeitet hat, stammt ...

Die beiden fast namensgleichen Ermittler Ryan und Raymond (genannt Ray) Wilkins könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Ryan sich mühsam aus einem Oxforder Trailerpark hochgearbeitet hat, stammt Ray aus einer wohlhabenden Familie und hat selbst in Oxford studiert. Ihr erster gemeinsamer Fall führt die beiden DI`s zu den ehrwürdigen Hallen der Universität ihrer Stadt.
Durch die Namensgleichheit wird Ryan, nach einer Strafversetzung neu in der Abteilung, fälschlicherweise als ermittelnder Kommissar zu diesem Fall in den elitären Hochschulkreisen eingesetzt. Mit seinem noch immer sehr proletischem Auftreten verschreckt er sofort die hochgebildeten, vornehmen Herrschaften der Uni. Als Raymond den Fall übernimmt, sind die Fronten zwischen Ermittlern und Zeugen bzw. Verdächtigen bereits verhärtet. Der Start für die beiden könnte schlechter nicht sein.
Vor der prächtigen Kulisse der altehrwürdigen Hallen der Oxforder Universität erzählt Simon Mason einen sehr spannenden Kriminalfall. Nachdem sowohl politische als auch sexistische Motive für den Mord an einer jungen Schönheit in Erwägung gezogen werden und sowohl der Provost von Barnabas Hall, dem von Mord heimgesuchten College, als auch eine junge Migrantin und der Scheich al-Medina ins Visier der Ermittler geraten, wird der Leser mit der Lösung des Falles zum Ende des Buches völlig überrascht.
Neben dem durchweg spannenden Kriminalfall entwirft der Autor ein sehr berührendes Bild von Schicksal und Privatleben von Ryan Wilkins. Mit der Dienstentlassung des jungen Kommissars am Ende dieses ersten Falles bleibt ausreichend Entwicklungspotential für die beiden ungleichen Ermittler, um in den Folgefällen auch Raymond noch besser kennen zu lernen und die Wege beider DI`s zu beobachten.
Ein super Krimi und ein sehr guter Auftakt dieser Oxfordkrimi-Reihe. Mal sehen ob Ryan und Ray es schaffen, dem allseits beliebten Kommissar Robert Lewis und seinem Inspektor Hathaway aus der Fernseh-Oxford-Krimiserie den Rang abzulaufen. Mit diesem gelungenen Auftakt sind sie auf einem guten Weg dahin.

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Veröffentlicht am 15.04.2025

Emotionale Geschichte über den Kampf um das Zuhause

Ms Darling und ihre Nachbarn
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Seit 33 Jahren wohnt Ms. Dorothy Darling in Shelley House, einem einst prachtvollen, heute verwahrlosten Mietshaus. Als selbst ernannte Wächterin über das Haus überwacht sie seit Jahrzehnten alle Bewohner. ...

Seit 33 Jahren wohnt Ms. Dorothy Darling in Shelley House, einem einst prachtvollen, heute verwahrlosten Mietshaus. Als selbst ernannte Wächterin über das Haus überwacht sie seit Jahrzehnten alle Bewohner. Jedes kleinste Vergehen wird protokolliert und zur Anzeige gebracht.

Mit Joseph, ihrem 75-jährigen Nachbarn redet sie seit 33 Jahren kein Wort. Nun zieht eine junge Frau mit pinkem Haarschopf illegal als Untermieterin zu Joseph. Kurze Zeit später überschlagen sich die Ereignisse. Alle Mieter erhalten zeitgleich die Kündigung für ihre Mietverträge und Räumungsaufforderungen. Nachdem Joseph den Widerstand dagegen organisiert, wird er plötzlich verletzt in seiner Wohnung aufgefunden.

Obwohl Dorothy seit Jahren wünscht, dass Joseph aus ihrem Leben verschwindet, bezweifelt sie, dass der rüstige Senior über den Teppich gestolpert ist. Er muss niedergeschlagen worden sein. Verächtige Nr. 1 ist sofort Kat, die pinkfarbene neue und illegale Untermieterin.

Freya Sampson entwirft ein buntes Bild einer inhomogenen Hausgemeinschaft. Weder das einzige Paar, Gloria und ihr Partner, noch Vater und Tochter verstehen sich. Die beiden alleinlebenden jungen Männer terrorisieren ihre Nachbarn und selbst Dorotha und Joseph, die ihr halbes Leben in diesem Haus verbracht haben, reden seit 33 Jahren nicht miteinander und leben einsam aneinander vorbei. In diese traurige Gemeinschaft gerät Kat, die eigentlich um andere Menschen gerne einen Bogen macht. Nach einer trostlosen Kindheit ohne Stütze hat sie gelernt, dass sie ohne Mitmenschen besser fährt.

Doch der Kampf um das stolze alte Haus, der Kampf gegen den übermächtigen Vermieter sowie der Versuch, die Geschehnisse im Haus aufzuklären, bringen Kat und Dorothy nicht nur dazu, gemeinsam zu kämpfen, sondern sie öffnen sich einander. Schlussendlich können beide sich aus ihrer selbst auferlegten Isolation befreien und verhelfen nicht nur sich selbst, sondern auch anderen zu ihrem Glück.

Wenig glaubhaft fand ich, dass der reiche Immobilienhai seinen eigenen Sohn die Drecksarbeit machen lässt und damit Gefahr läuft, dass dieser im Gefängnis landet bzw. er als Hintersmann sofort enttarnt wird. Er hat Geld genug, um dafür willige Söldner zu engagieren.

Ansonsten gibt es an dieser Geschichte nichts auszusetzen. Ein lesenswertes Buch über die verschiedensten zwischenmenschliche Beziehungen und die Kraft einer inhomogenen Mieter- bzw. Menschengemeinschaft im Ernstfall. Nicht nur die beiden, durch das Leben gezeichneten und in Dorothys Fall verbitterten Frauen lernen, wieder an das Gute im Menschen zu glauben, sondern auch der Leser lernt aus diesem Buch, sich für andere Menschen zu öffnen und grundsätzlich offen in eine Begegnung hinein zu gehen.

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