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Veröffentlicht am 16.07.2025

Einfach großartig!

Der Trailer
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Die Vorfreude und das Warten haben sich gelohnt, meine Erwartungen wurden nicht nur nicht enttäuscht, sie wurden übertroffen!!!

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll - ich mag das Cover, die Protagonisten, ...

Die Vorfreude und das Warten haben sich gelohnt, meine Erwartungen wurden nicht nur nicht enttäuscht, sie wurden übertroffen!!!

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll - ich mag das Cover, die Protagonisten, die Story an sich, den Spannungsaufbau, die Plottwists, die Settings, die Musik, die Sprache, alles!
Sprachlich für mich ein echtes Meisterwerk. Der feine Sarkasmus und die Ironie, die sich immer mal wieder einschleichen, die manchmal schon fast märchenhaft beschriebenen Rückblenden, Metaphern/Verbildlichungen, die ihresgleichen suchen! Linus Geschke hat sich hier meiner Meinung nach selber neue Maßstäbe gesetzt!

Tayfun, Wout, Frieda und Kathinka - was für starke Persönlichkeiten! Tayfun und Wout, zwei Kriminelle - wie kann ich zwei Männer wie sie nur mögen? Vermutlich, weil sie in sich wirklich gute Seelen bergen. Frieda - was für eine starke, selbstbewusste Hammerfrau, die weiß, was sie will und nicht nur strikt nach den Regeln lebt! Kathinka... Kathinka hat mich am meisten überrascht! So verdammt schlau die Kleine!

Ich mag es, wie und mit welchen psychischen und psychologischen Themen und Nuancen Linus Geschke hier umgeht, um seinen Charakteren ihre Tiefe zu geben, um ihre Ecken und Kanten rund zu machen, aber nicht zu rund!
Egal, ob die Protagonisten sich am Campingplatz Donkerbloem, in Wouts Kölner Kneipe Golden Diamond mit seiner 80er Jahre Rock-Musik, in Hamburg, Frankfurt oder Südheide befanden - ich war da! Alle Schauplätze wurden so bildhaft beschrieben, dass es mir nicht schwer fiel, sie mir vorzustellen.

Und während ich die Spannung in der ersten Hälfte subtil empfand (was mir aber wirklich gut gefallen hat), nahm die Geschichte gerade im letzen Drittel richtig Fahrt auf. Mit dem einen oder anderen Plottwist habe ich wirklich nicht gerechnet.
Und dieser Cliffhanger am Ende? Dazu kann ich nur sagen: Wie gemein!!!

Linus Geschke hat mich mit dem Auftakt seiner "Trailogie" voll und ganz abgeholt! Es gibt nichts, das mir nicht gefallen hat, nichts, das zu viel gesagt wurde, nichts, das zu wenig gesagt wurde!

Kleines iTüpfelchen zum Schluss: Auf Spotify gibt es eine Playlist zum Buch mit den Liedern aus dem Buch (und ein paar mehr)!

Lieblingszitat: "Wenn die Bäume reden könnten, müssten sie Schweigegeld verlangen bei all den Grausamkeiten, die in dieser Gegend geschehen waren."

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Veröffentlicht am 22.05.2025

Hormone – und jetzt?

Morden in der Menopause
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Ich liebe das Buch und kann es uneingeschränkt jeder Frau – egal welchen Alters – empfehlen! Ein humorvolles Buch mit Fachwissen, nachvollziehbaren Gefühlen und einer kriminellen Energie, der wir uns sicherlich ...

Ich liebe das Buch und kann es uneingeschränkt jeder Frau – egal welchen Alters – empfehlen! Ein humorvolles Buch mit Fachwissen, nachvollziehbaren Gefühlen und einer kriminellen Energie, der wir uns sicherlich alle gerne einmal hingeben würden.

Worum geht’s? Liv ist 48 und sieht sich plötzlich mit ihren Wechseljahren konfrontiert – unkontrollierbare Stimmungsschwankungen und Schweißausbrüche, ein pubertärer Hormonhaushalt. Und als ob das nicht schon schwer genug zu ertragen ist, beschert ihr auch ihr pubertärer Sohn große Sorgen. Und eh sie es sich versieht, stirbt jemand – durch ihre Hand. Von nun an geht es darum, die Leiche unauffällig zu entsorgen, ihre Familie zu beschützen und mit den Hormonen zurecht zu kommen.

Liv gerät in Situationen und Probleme, die sie vor völlig neue Herausforderungen und Erfahrungen stellen – und sie wird sehr kreativ darin, diese Probleme zu lösen.
Tine Dreyer (alias Christine Drews) nutzt eine lebendige Sprache, die sich sehr angenehm lesen lässt. Ein besonderes Highlight waren dabei für mich die Einschübe, in denen Liv sich direkt an die Leser wendet. Das verleiht dem Buch einen ganz besonderen Charme.

Vor jedem Kapitel teilt Christine Drews zudem Fachwissen über die Menopause, Hormone und allem, was damit einhergeht. Diese Einschübe sind sehr interessant – frau lernt also auch noch wirklich etwas über diese „besondere“ Phase in ihrem Leben! Danke dafür, liebe Christine!

Die Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet – schon nach kurzer Zeit fühlten sie sich an wie gute Bekannte, wenn nicht schon Freunde. Liv und Iza sind mir besonders ans Herz gewachsen – sie wirken sehr echt, haben ihre Stärken und Schwächen und sind einfach liebenswert.

Liv zeichnet sich z.B. auch durch ihre sympathische Tollpatschigkeit aus und „stolpert“ quasi von einem Mord zum nächsten, frei nach dem Motto „oops, I did it again!“. Sie kann nichts dafür, es passiert einfach und eigentlich sind die Opfer ja selber Schuld! Herrlich!!!
Es gibt reichlich Wendungen, die ich so nicht erwartet hatte, so dass also auch mein Krimi-Herz gut bedient wurde! Und auch, wenn ich hoffe, dass solch eine Mordserie in Wirklichkeit nicht passiert – das Buch liest sich, als ob es jederzeit so passieren könnte.

Ein absolutes Highlight 2024 für mich!

Eins meiner Lieblingszitate:

„Was war das denn?“ „Er ist mir weggeflutscht.“ „Weggeflutscht?“ „Ich hatte plötzlich einen Schweißausbruch.“ […] „Du hast ausgesehen, als würdest du gleich explodieren. Mit einem Mal warst du knallrot und irgendwie … wässrig.“ (S. 167)

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Veröffentlicht am 09.02.2025

Atmosphärischer Krimi um Familiengeheimnisse

Verlassen
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„Verlassen“ von Eva Björg Ægisdóttir ist ein sehr gelungener Krimi, der sich durch einen flüssigen und mühelosen Schreibstil auszeichnet. Schon das sehr stimmungsvolle Cover mit dem schwarz-weißen Motiv ...

„Verlassen“ von Eva Björg Ægisdóttir ist ein sehr gelungener Krimi, der sich durch einen flüssigen und mühelosen Schreibstil auszeichnet. Schon das sehr stimmungsvolle Cover mit dem schwarz-weißen Motiv eines einsamen Boots im Schatten der Berge vermittelt eine düstere Atmosphäre und hat meine Neugier geweckt.

Anlässlich des 100. Geburtstag des bereits verstorbenen Familienoberhaupts und Unternehmensgründers Ingólfur Hákonarson versammelt sich die Familie für ein Wochenende in einem abgelegenen Hotel, um seiner zu gedenken. Während jedes Familienmitglied versucht, seine Probleme zu verbergen, beginnen die Fassaden allmählich zu bröckeln. Als ein Schneesturm aufzieht und ein Gast verschwindet, übernimmt Kriminalpolizist Sævar die Ermittlungen und deckt die dunklen Geheimnisse der Familie auf.

Jede Familie, jeder Person hat ihre Geheimnisse. Doch das vergessen wir gerne, wenn wir in den Medien nur die guten Seiten zu sehen kriegen. Wir vergessen, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat. Eindrucksvoll und gekonnt nimmt Ægisdóttir genau das als zentrales Thema für ihren Krimi auf - die verschiedenen Facetten von Geheimnissen und Abgründen auf, ohne dabei die Geschichte zu überfrachten oder den Leser zu überfordern. So spricht sie Themen wie die Gefahren von Social Media und den Medien allgemein ebenso an wie Betrug und Alkohol- und Drogenkonsum. Die Aktualität der Themen trägt sehr zur Spannung des Buchs bei!

Diese Spannung baut Ægisdóttir geschickt auf. Trotz der Vielzahl an Charakteren, die anfangs überwältigend wirken könnten, sorgt der am Anfang des Buchs eingefügte Stammbaum für einen klaren Überblick. Der Erzählstil wechselt zwischen verschiedenen Perspektiven und Erzählweisen, durch die die Geschichten der einzelnen Charaktere hervorragend miteinander verknüpft werden – mal aus der Sicht der betroffenen Figur, mal aus der Sicht einer anderen Figur. Ægisdóttir meidet dabei unnötige Wiederholung der Geschichten, sodass der Lesefluss angenehm bleibt. Die Plottwists sind bis auf wenige Ausnahmen nicht vorhersehbar, so dass das Buch bis kurz vor Ende seine Spannung behält.

Die hervorragende Gestaltung der Charaktere lässt beim Lesen klare Bilder entstehen; der Leser lernt die Figuren sehr gut kennen. Nicht zuletzt die Perspektivwechsel verleihen jedem Charakter dabei eine besondere Tiefe. Besonders gut haben mir die Figuren Lea, Tryggvi und Petra gefallen – mit ihnen konnte ich mich am ehesten identifizieren, ihre Gefühle und Verhaltensweisen konnte ich am besten nachvollziehen.

„Verlassen“ ist bereits der vierte Roman in Ægisdóttirs Island-Krimi-Reihe und lässt sich sehr gut auch ohne Vorkenntnisse der vorhergehenden Bände lesen!

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Veröffentlicht am 21.09.2024

Sehr gut, aber harter Tobak!

Das Ereignis
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Harter Tobak!

Ich wusste, dass "Das Ereignis" von Annie Ernaux keine leichte Lektüre wird. Ich wusste, dass es um Annie Ernaux' Erfahrung ihrer Abtreibung in den frühen 1960er Jahren geht. Ich wusste, ...

Harter Tobak!

Ich wusste, dass "Das Ereignis" von Annie Ernaux keine leichte Lektüre wird. Ich wusste, dass es um Annie Ernaux' Erfahrung ihrer Abtreibung in den frühen 1960er Jahren geht. Ich wusste, Ernaux schreibt unverblümt.

Und doch hat mich das Buch eiskalt erwischt. Mich haben die Umstände in den 1960ern schockiert. Ich weiß ja, dass es damals verboten und verpönt war, abzutreiben. Doch dies als Erfahrungsbericht aus erster Hand zu lesen, ist dann doch noch mal etwas anderes. Mich hat schockiert, mit welchen Mitteln Abtreibungen vorgenommen wurden. Dass dies unter fragwürdigen Umständen stattfand, war mir auch bewusst. Aber (als Beispiel) Chlorbleiche?

Annie Ernaux hat mich auch mit diesem Buch wieder tief berührt. Ich mag ihre ehrliche, unverblümte Art zu schreiben.

Das Thema Abtreibung ist ja ein sehr kontroverses Thema. Dass ich das Buch gelesen habe und gut finde, hat nichts damit zu tun, wie ich zu dem Thema stehe. Auch wenn ich grundsätzlich dagegen bin und für mich persönlich eine Abtreibung nur in bestimmten Ausnahmesituation in Frage gekommen wäre, verurteile ich keine Frau, die abtreibt. Sie wird ihre Gründe haben! Und ich bin definitiv für die Selbstbestimmtheit der Frauen! Und genau darum geht es auch Annie Ernaux mit ihrem Buch. Sie will nicht dafür werben, dass Abtreibung gut ist. Sie möchte vielmehr darauf aufmerksam machen, was Frauen auf sich nehmen mussten - und ja auch heute noch müssen -, was sie auf sich genommen hat, um gesellschaftlich/rechtlich in die Norm zu passen! Meine Meinung zum Thema hat sich nach dem Buch nicht geändert, aber es hat mich noch einmal sehr darüber nachdenken lassen!

Ich kann "Das Ereignis" sehr empfehlen, denke aber, dass es nichts für Zartbesaitete ist. Ernaux geht wirklich tief ins Detail und ich musste das Buch immer mal wieder zur Seite legen und durchatmen.

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Veröffentlicht am 14.09.2024

Sehr bewegendes Buch mit allen Gefühlsfacetten

Und dahinter das Meer
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“Und dahinter das Meer” hat mich mit auf eine Reise durch die Zeit, in eine Vergangenheit vor meiner Zeit, in meine eigene Vergangenheit, nach Amerika genommen. Auf eine Reise zu fiktiven und realen Menschen, ...

“Und dahinter das Meer” hat mich mit auf eine Reise durch die Zeit, in eine Vergangenheit vor meiner Zeit, in meine eigene Vergangenheit, nach Amerika genommen. Auf eine Reise zu fiktiven und realen Menschen, die mir zunächst fremd und dann doch so nah waren.

Worum geht es?

Zu Beginn des 2. Weltkrieges beschließen Beatrix’ Eltern schweren Herzens, ihre elfjährige Tochter nach Amerika zu schicken, um sie so vor dem Krieg in Sicherheit zu bringen. Bea wird bei den Gregorys in Maine untergebracht, einer Familie mit zwei Söhnen in ungefähr Beas Alter – William (13) und Gerald (9). Fünf Jahre verbringt Bea bei und mit den Gregorys, bevor sie wieder nach London zurückkehrt. Fünf Jahre, in denen ihr die fremde Familie zur eigenen Familie und ihre eigenen Eltern ihr ein Stück fremd werden. Fünf Jahre, die Beas gesamtes Leben beeinflussen und die für ihre Eltern in London von Sorge und Angst und Verzweiflung geprägt sind.

Meine Eindrücke vom Buch

Mich hat das Buch sehr bewegt. Bereits das Cover vermittelt den Eindruck einer großen Sehnsucht, nach Ungewissheit und doch gleichzeitig von Ruhe. Und genau diese Gefühle greift das Buch für mich auf. Die Sehnsucht nach Zugehörigkeit, nach Liebe, nach (innerem) Frieden, die Ungewissheit und das Unbekannte eines Krieges und eines fremden Landes, das Leben mit einer fremden Familie. Die Ruhe, wenn schließlich alle Fäden zu einem festen Seil zusammenlaufen.

Laura Spence-Ash und auch die Übersetzerin Claudia Feldmann haben die Stimmung, die der Krieg mit sich bringt, sehr gut wiedergegeben. Die Angst, die Verzweiflung, die Wut, den Frust, aber auch das schlechte Gewissen, in schlimmen Zeiten Glück zu empfinden. Was machen diese Gefühle mit Kindern, mit Eltern, mit fremden Geschwistern? All das wird mit großartigem Feingefühl und doch ohne Filter auf den Punkt gebracht.

Erzählt wird die fast vier Jahrzehnte umfassende Geschichte aus den Perspektiven von Bea, ihren Eltern Reginald und Millie, ihren Gasteltern Ethan und Nancy, ihren Gastbrüdern William und Gerald sowie von Rose, einer später im Buch auftauchenden jungen Frau. Auf diese Weise wird jeder Charakter sehr gut dargestellt und jede Person erhält ihren Raum in der Geschichte. Mir sind sie alle sehr schnell ans Herz gewachsen, nicht zuletzt wegen ihrer Menschlichkeit, ihres Echt-seins. Verpackt ist die Geschichte in einer sehr schönen, angenehm zu lesenden Sprache, die mich schnell in das Leben von Bea und den anderen eintauchen ließ und mich mitfühlen lassen hat. Ich habe gelacht, geweint, gelitten, mich gefreut, war wütend und dann wieder glücklich.

“Und dahinter das Meer” hat mich auf vielen Ebenen überrascht und manchmal kalt erwischt (wenn zB meine eigenen Erfahrungen in Neuengland wieder ins Bewusstsein gerückt sind). Für mich eines meiner Lese-Highlights 2024 und eine klare Leseempfehlung!

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