Künstlerisch wie historisch ambitioniertes Werk
Vollmond über tausend FlüssenZhouzhou Hu hat mit „Vollmond über Tausend Flüsse“ ein eindrucksvolles Porträt einer alten chinesischen Epoche erstellt. Der letzte Kaiser der Ming-Dynastie, Chongzhen (Zhu Youjian), steht im Mittelpunkt ...
Zhouzhou Hu hat mit „Vollmond über Tausend Flüsse“ ein eindrucksvolles Porträt einer alten chinesischen Epoche erstellt. Der letzte Kaiser der Ming-Dynastie, Chongzhen (Zhu Youjian), steht im Mittelpunkt dieser melancholisch-poetischen Graphic Novel, die weniger durch klassische Handlung als vielmehr durch eindrückliche Stimmungsbilder und Perspektiven besticht.
In kurzen, episodenhaften Kapiteln kommen Nebenfiguren der Geschichte zu Wort – Menschen, die dem Kaiser nahe waren oder zumindest kurzzeitig seinen Weg kreuzten: Palastdamen, Eunuchen, einfache Bedienstete oder auch seine Tochter, die das Ende des Reiches überlebte. Man spürt, wie sehr Chongzhen mit dem schweren Erbe seiner Vorgänger ringt, wie er mit aller Kraft versucht, das Ruder noch herumzureißen – und letztlich doch an der Unaufhaltsamkeit der Ereignisse zerbricht.
Zhouzhou Hus Bildsprache ist ausdrucksstark und durchzogen von tiefer Melancholie. Der ganze Band wirkt künstlerisch wie handwerklich sorgfältig komponiert. Besonders hervorzuheben sind auch die historischen Erläuterungen und Quellennachweise am Ende jedes Kapitels, die das Gelesene vertiefen und historische Kontexte klar verständlich machen.
Die durchgehende Schwere und Düsternis können hingegen mitunter etwas erdrückend wirken.
Dennoch: „Vollmond über Tausend Flüsse“ ist ein bewegendes, künstlerisch wie historisch ambitioniertes Werk, das dem tragischen Kaiser Chongzhen mit viel Feingefühl ein menschliches Gesicht verleiht. Wer sich für chinesische Geschichte interessiert und Graphic Novels mit Tiefgang schätzt, wird an diesem Buch viel entdecken.