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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.05.2025

Ein intimer, intensiver Text!

Wache halten
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Die große amerikanische Schriftstellerin Joyce Carol Oates hat hier ein offenbar sehr persönliches Buch geschrieben. Wenige Jahre nachdem ihr Ehemann gestorben ist, zeigt sie hier ein Paar (Michaela und ...

Die große amerikanische Schriftstellerin Joyce Carol Oates hat hier ein offenbar sehr persönliches Buch geschrieben. Wenige Jahre nachdem ihr Ehemann gestorben ist, zeigt sie hier ein Paar (Michaela und Gerard), dass zum Arbeiten und Unterrichten in ein Institut nach New Mexico gegangen sind. Hier wird der Mann krank, unheilbar. Für Michaela ist es hart zuzusehen, wie ihr Mann sich in der Klinik dem Tode nähert.
Nur kurz gibt es eine Passagen an der Uni, mit einer Studentin, die Hilfe von Michaela braucht. Dann geht es wieder nur um die Krankheit und nahenden Tod. Das ist teilweise im Detail beschrieben auch für den Leser nicht ganz einfach zu ertragen.
Der zweite Teil des Buches hat eine andere Tonlage und zeigt dann die Trauer nach Gerads Tod. Es gibt auch noch weitere Passagen mit einem Studenten. Für mich sehr gelungene Szenen.

Die Autorin geht weit, die Emotionen zu zeigen. Es ist ein Buch nicht ohne Bitterkeit und doch wird eine Tiefe der Trauer dargestellt, wie man es selten gelesen hat.

Veröffentlicht am 28.05.2025

Aus dem Werk des Zauberers

Mit Thomas Mann am Meer
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Ulrich Tukur, der bekannte Schauspieler, Musiker und Schriftsteller hat hier Texte von Thomas Mann versammelt, die mit dessen Nähe zum Meer zu tun haben.
Man kann die Qualität der Texte aber auch den ...


Ulrich Tukur, der bekannte Schauspieler, Musiker und Schriftsteller hat hier Texte von Thomas Mann versammelt, die mit dessen Nähe zum Meer zu tun haben.
Man kann die Qualität der Texte aber auch den Topos Meer erkennen.

Ziemlich am Anfang ist anscheinend komplett die Kurzgeschichte Der Tod enthalten. Ein sehr früher Text, von mir bisher übersehen. Es ist ein ergreifender Text voller Wehmut.
Aber es gibt auch viele Auszüge aus den bekannten Bücher: Buddenbrooks und Zauberberg.
Außerdem Tagebucheinträge und Briefe.
Es ist ein sehr reichhaltiges Buch.

Mit Meerfahrt mit Don Quijote endet das Buch mit einem tagebuchartigen Text. Im Gegensatz zu den Tagebüchern ist dieser Text aber literarisch und essayistisch sorgfältig bearbeitet. Ein Highlight.

Veröffentlicht am 28.05.2025

Paris Anfang der sechziger Jahre

Gesicht aus Stein
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Ein bemerkenswerter Roman und eine großartige Entdeckung. William Gardner Smith ist jetzt nicht gleich ein zweiter James Baldwin. Solche Giganten der Literatur sind rar, aber auch Gardner Smith hat einen ...

Ein bemerkenswerter Roman und eine großartige Entdeckung. William Gardner Smith ist jetzt nicht gleich ein zweiter James Baldwin. Solche Giganten der Literatur sind rar, aber auch Gardner Smith hat einen guten, reflektierenden Stil. Dazu gehört ein ebenso die Situation durchdenkender Protagonist.

Simeon Brown verlässt die USA und geht nach Paris, um dort den Rassismus zu entgehen. Er freundet sich mit einigen Leuten an und findet mit der Jüdin Maria eine Liebe. Aber der Algerienkrieg zeigt Frankreichs düsteres Gesicht und Simeon kommt immer mehr ins Grübeln, ob er sich mehr gegen den Rassismus engagieren muss. Die Gewalt in Paris eskaliert.

Der Roman wirkt nicht altmodisch und ist doch in seiner Zeit behaftet. Er erzeugt ein realistisches, glaubhaftes Bild über diese Zeit an diesem Ort.

Hoffentlich folgen weitere Übersetzungen von Büchern dieses Autors. Gesicht aus Stein jedenfalls ist unbedingt empfehlenswert.

Veröffentlicht am 28.04.2025

Die Schlacht um Würzburg

Der alte Mann vom Main
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Das Buch zeigt die Zeit zu Kriegsende in Würzburg.
Im Mittelpunkt ein 75jähriger Mann namens Walter Gänslein, der durch die zerstörte Stadt irrt. Durch Zufall lernte er die 69jährige Henrietta kennen. ...

Das Buch zeigt die Zeit zu Kriegsende in Würzburg.
Im Mittelpunkt ein 75jähriger Mann namens Walter Gänslein, der durch die zerstörte Stadt irrt. Durch Zufall lernte er die 69jährige Henrietta kennen. Eine späte Liebe.
Es gibt aber auch noch viel Fanatismus selbst im Anblick der Niederlage. Daher ist Gänslein sogar froh, in Kriegsgefangenschaft zu kommen. Interessant hier die Gespräche zwischen ihm und den deutschstämmingen US-Sergeant Roseman sowie Colonel Schmidt, mit dem es eine große Überraschung gibt. Diesen Handlungsverlauf habe ich nicht unbedingt erwartet, finde es aber originell.

Im letzten Romandrittel kommen noch detaillierte Beschreibungen der letzten Kämpfe in den Ruinen der Stadt. Das wirkt sehr glaubwürdig.

Alexander Meining schafft es, einen Eindruck von dieser Zeit zu vermitteln. Wie von Gmeiner Büchern gewohnt, ist ein gutes Niveau vorhanden. Zu loben ist außerdem die dichte Atmosphäre, die das Buch zu etwas Besonderen macht.

Veröffentlicht am 28.04.2025

Das Leuchten der Mandarinen

Und dann springen wir
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Ein leiser, melancholischer Roman

Nach dem Tod ihrer Mutter reist die Studentin Rosa nach Bosnien und Herzegowina, wo sie als Kind auch mit ihrer Mutter war. Erinnerungen der früheren Reise wechseln mit ...

Ein leiser, melancholischer Roman

Nach dem Tod ihrer Mutter reist die Studentin Rosa nach Bosnien und Herzegowina, wo sie als Kind auch mit ihrer Mutter war. Erinnerungen der früheren Reise wechseln mit der aktuellen. Außerdem wird die Familiengeschichte bis zur Großmutter thematisiert. Es zieht sich das Fehlen der Väter durch.

Eine weitere wichtige Person im Roman ist Rosas Freundin Emma, die als Kind Waise in Bosnien wurde und nach Deutschland adoptiert wurde. Jetzt als Erwachsene denkt sie daran, sich auf die Suche nach überlebender Familie zu machen.

Beide junge Frauen hoffen auf ihren Reisen auf Heilung von Trauer und Verlust.

Die Autorin schafft es, eine Stimmung zu transportieren. Das ist sehr gekonnt.