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Veröffentlicht am 29.05.2025

Hat auch Drachen drin

A Fate Forged in Fire – Aus Flammen geboren
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Bei so schön aufgemachten Büchern, wünsche ich mir immer besonders, dass der Inhalt mithalten kann. Leider war das für mich nicht der Fall.

"Als Aemyra allein war, holte sie den Dolch hervor ...

Bei so schön aufgemachten Büchern, wünsche ich mir immer besonders, dass der Inhalt mithalten kann. Leider war das für mich nicht der Fall.

"Als Aemyra allein war, holte sie den Dolch hervor und fragte sich, was um alles in Helas Schattenreich sie hier eigentlich tat."

Das habe ich mich tatsächlich manches Mal auch gefragt.

Immer wieder verblüfft hat mich auch das Worldbuilding. Die Fantasywelt ist schottisch inspiriert, bildet den Konflikt zwischen den alten Göttinnen und der christlichen Religion nach und ist manchmal ein ziemliches Mischmasch. Gekämpft wird mit Magie und Schwertern, aber gleichzeitig weiß man um Gebärmütter, Hormone und soziologische Begriffe ("Frauenbild"), wie in einer modernen Welt.

Aemyra stammt aus einem verborgenen Zweig der Herrscherfamilie. Anfangs werden auf jeder zweiten Seite ihre waldgrünen Augen erwähnt, denn die und ihre rotbraunen Haare sind Beweis genug. Auch wenn Aemyra zur Königin ausgebildet worden sein soll, merkt man es ihr eigentlich nicht an. Sie hat Feuermagie und beginnt plötzlich stets zu sagen, sie sei Königin. Ihr Charakter ist wirklich sehr simpel angelegt und ich konnte weder Sympathie noch großes Interesse für sie entwickeln.

Ihr Gegner und love interest Fiorean stammt aus dem patriarchalichen Zweig der Familie. Die will den Thron natürlich nicht freiwillig räumen.

Drachen gibt es auch, aber selbst die konnten mich hier nicht richtig packen. Irgendwie fehlte mir da Tiefe und Individualität. Immerhin haben die Drachen ein paar tatsächliche Auftritte, anders als die Chimären, die bloß ein paar Mal erwähnt werden.

Das Ende hielt immerhin eine überraschende Wendung bereit, die zum zweiten Teil überleitet.

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Veröffentlicht am 18.05.2025

Illuminator statt Diminisher

How to know a person
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Der NYT-Kolumnist David Brooks schreibt hier über die Macht der Aufmerksamkeit. Jeder Mensch möchte wirklich gesehen werden. Manche Menschen verfügen über die Fähigkeit, andere zum Strahlen zu ...

Der NYT-Kolumnist David Brooks schreibt hier über die Macht der Aufmerksamkeit. Jeder Mensch möchte wirklich gesehen werden. Manche Menschen verfügen über die Fähigkeit, andere zum Strahlen zu bringen. Sie nennt Brooks Illuminatoren. Bei anderen ist das Gegenteil der Fall, sie nennt Brooks Diminisher. Ein Illuminator zu werden, kann man trainieren und so echte Verbundenheit erfahren, so seine These.

Das praxisnahe Beispiel aus der Leseprobe, wie Brooks zufällig ein Date beobachtet, in der der Mann ausschließlich über sich selbst redet und Brooks sich wünscht, der Mann würde der Frau doch wenigstens eine einzige Frage stellen, hatte mich sehr angesprochen. Leider ging es so alltagstauglich nicht weiter.

Wie erreicht man Herzensbildung? Es gilt dabei, das Naheliegende genial zu meistern. In der Regel sehen wir die Dinge allerdings nicht so, wie sie sind, sondern wie wir sind.

Brooks liefert in drei Teilen eine Fülle von Geschichten, Anekdoten und von eigenen Erfahrungen und verliert sich ein wenig darin. Zumindest hat er mich und meine Aufmerksamkeit im letzten Teil teilweise verloren. Das lag zum einen daran, dass sich alles zwangsläufig an der amerikanischen Gesellschaft orientiert (Oprah Winfrey, George W. Bush...) Menschen, die in anderen Kulturen aufgewachsen sind, so schreibt Brooks selbst, haben eine andere Sicht auf die Welt. Und so lässt sich nicht alles unmittelbar übertragen. Zum anderen ging es für mich hier auch oft zu sehr um das Allgemeine, etwa um Themen wie Kulturkampf, in denen ich mich nicht wiederfinden konnte.

Ratlos wurde ich, als Brooks zum Ende hin schrieb:"Mittlerweile glauben Sie vermutlich, ich sei ein wahrer Sigmund Freud." Auf diese Idee wäre ich nicht gekommen. Die überschaubaren Anregungen wie die von Brooks so bezeichneten Loops kenne ich schon sehr lange als sog. kontrollierten Dialog. Ansonsten empfiehlt er Fragen zu stellen und Empathie zu zeigen. Dass man letztere trainieren kann, war mir tatsächlich neu. Aber werden Menschen mit geringer Empathie dieses Buch lesen?

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Veröffentlicht am 19.04.2025

Spielfigur

The Stars are Dying
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"Wenn ich mich an eine Sache erinnere, dann an diese: Wer von einem Monster flieht, sollte nie zurückblicken."

Trotz dieses Satzes erinnert sich Astraea eigentlich an gar nichts, bevor Hektor ...

"Wenn ich mich an eine Sache erinnere, dann an diese: Wer von einem Monster flieht, sollte nie zurückblicken."

Trotz dieses Satzes erinnert sich Astraea eigentlich an gar nichts, bevor Hektor sie vor fünf Jahren aufgenommen hat. Seitdem benutzt er sie und will sie sogar weiter verkaufen. Auf der Flucht vor ihm tötet Astraea Hektor und reist mit Herrscherstochter Cassia zum Libertatem. Das sind Spiele, in denen Menschen gegeneinander antreten, um ihren Reichen Schutz vor den Vampiren zu erkaufen. Auf der Reise begegnet Astraea immer wieder dem ebenso gefährlichen wie geheimnisvollen Nyte, zu dem sie eine seltsame Verbindung zu haben scheint....

Dass es in der Autorenvorstellung heißt, ihre Geschichten seien geprägt von der Erkundung tolkienähnlicher Welten, sollte man nicht denken. Wo Tolkien ganze Universen erschafft, dümpelt man hier an der Oberfläche dahin. Vieles wird nur angerissen. Zwar gibt es Vampire, Fae und Celestials, welcher Spezies aber z.B. der König angehört erfährt man so nebenbei nach vielen Hundert Seiten. Die Hintergrundgeschichte der Protagonisten bleibt total verworren. Wann immer man ein neues Detail erfährt, wirkt es wie gerade erst ausgedacht und ergibt kein stimmiges Gesamtbild. Astraea, die sich selbst als "abgegriffene Spielfigur" sieht, ist das auch tatsächlich. Kaum ist sie Hektor entkommen, geht es mit Nyte ähnlich weiter. Toxisch-paradoxe Ansagen wie "Du hast die Kontrolle. Sag es," finde ich alles andere als anziehend.

Astraea taumelt durch das Libertatem mit seinen leicht zu lösenden Aufgaben und hat dabei wohl alle Zeit der Welt. Das Libertatem scheint sie zwischenzeitlich vergessen zu haben und beim Lesen ging es mir deshalb ähnlich. Die Handlung tritt sehr lange auf der Stelle, um sich dann zum Ende hin in einigen Wendungen fast zu überschlagen. Leider wirkt alles eher wie ein erster Entwurf, der es zufällig in eine wunderhübsche Verpackung geschafft hat.


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Veröffentlicht am 13.02.2025

Sag mir was Chricklers sind

Sweet Nightmare
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An der Optik des Buches in der Farbschnittausgabe kommt man kaum vorbei. Auch die Grundidee fand ich sehr anziehend: Eine Akademie auf einer Insel, in der magiebegabte Schüler untergebracht werden, ...

An der Optik des Buches in der Farbschnittausgabe kommt man kaum vorbei. Auch die Grundidee fand ich sehr anziehend: Eine Akademie auf einer Insel, in der magiebegabte Schüler untergebracht werden, wenn sie ihre Kräfte missbraucht haben. Diese werden ihnen dann für die Dauer der Schulzeit genommen. Außerdem gibt es ein paar originelle Protagonisten wie den Traumdämon Jude als love interest der Hauptfigur Clementine und eine Fae-Mafia. So ungewöhnlich hätte es gern weitergehen können.

Leider liefert Tracy Wolff über weite Strecken konventionelle Teenagerkost im Stil von "Liebe mich nicht" und dem Kuss-und-weg-Spiel. Ein Worldbuilding gibt es nicht mal ansatzweise, dabei hätte man auf der Grundlage der Story daraus unglaublich viel machen können. Der Bitte "Sag mir, was Chricklers sind", kann ich mich nur anschließen. Die Monster, die in der Menagerie gehalten werden, bekommen nahezu keine Beschreibung, so dass keine wirklichen Bilder im Kopf entstehen. Darunter litt auch die düstere Stimmung, auf die ich mich gefreut hatte.

Über weite Strecken der Handlung hat man das Gefühl, dass ein schnell runtergeschriebenes Ereignis das nächste jagt, obwohl eigentlich nicht viel passiert, während ein Sturm über die Insel jagt, Clementine, Jude und ihre Mitschüler Aufgaben erledigen, Partyspiele machen und Geheimnisse verbergen. Erst im letzten Drittel konnte die Geschichte mein Interesse wieder richtig fesseln.

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Veröffentlicht am 11.01.2025

Sternchensuppe

Ein Ohrensessel, zwölf Fragen und eine Reise zu dir selbst
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"Wenigstens hatte sie immer ein passendes Zitat parat."

Nach dem Lesen hatte ich Lust auf Sternchensuppe. Die bereitet sich die namenlos bleibende Frau im Büchlein zu und das verbreitet ordentlich ...

"Wenigstens hatte sie immer ein passendes Zitat parat."

Nach dem Lesen hatte ich Lust auf Sternchensuppe. Die bereitet sich die namenlos bleibende Frau im Büchlein zu und das verbreitet ordentlich Wohlfühlstimmung, wie die ganze Geschichte. Darin regt die Suche nach dem perfekten Platz für einen Ohrensessel als Lieblingsplatz in ihrem Zuhause die Frau dazu an, sich Fragen über ihr Leben zu stellen. Die Lesenden begleiten sie dabei auf ihrer Gedankenreise.

"Was für ein Geschenk. Da liegt sie die Welt, und lädt mich von ganzem Herzen dazu ein, mich auf den Weg zu machen, um sie zu erkunden. Um mich zu erkunden. "

Für mich persönlich ist der Funke nicht richtig übergesprungen. Mir war es etwas zu viel Kreisen um sich selbst und zeitweise eher betulich als tiefgründig. Das gilt auch für die Ratschläge, in denen sich der Text direkt an die Lesenden wendet. "Lerne dich mit all deinen Seiten kennen, lieben und schätzen."
Ich könnte mir vorstellen, dass das Buch für Leute gut geeignet ist, die dazu neigen, "die Herzensmomente des Lebens" leicht zu übersehen. Menschen, die dagegen vor großen Herausforderungen stehen oder sich in Krisen befinden, werden hier eher nicht aufgefangen. Mich haben einzelne Ideen wie ein Herzenswunsch in Form eines Hundes und die Sternchensuppe sehr angesprochen, aber leider nicht das Konzept in Gänze.

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