Ein floraler Sommerroman
Duftwickensommer2024: Marieke lebt, frisch geschieden, auf Borkum und versucht mehr oder minder gut ein neues Leben zu beginnen. Als sie den Biologen Tibo kennenlernt, scheint ihr das Auftrieb zu geben. Gemeinsam mit ...
2024: Marieke lebt, frisch geschieden, auf Borkum und versucht mehr oder minder gut ein neues Leben zu beginnen. Als sie den Biologen Tibo kennenlernt, scheint ihr das Auftrieb zu geben. Gemeinsam mit Nachbarin Alwine unternehmen die beiden eine Reise in die Vergangenheit.
Im Jahr 1911 ist die Deutsche Anni die Vorleserin einer reichen Dame in England. Als sie dort von einem floralen Wettbewerb erfährt, nutzen sie und ihre Freundin Meg diese Chance. Doch der Wettbewerb verändert nicht nur das Verhältnis der beiden Freundinnen.
„Duftwickensommer“ von Sylvia Lott ist ein toller Roman auf zwei Zeitebenen.
Sylvia Lott ist bereits geläufig als Autorin im Bereich der historischen Romane. Mit der Trilogie „Der Inselsalon“ ist sie bereits bekannt geworden.
Der Roman wird auf zwei Zeitebenen erzählt. So lebt Marieke im Sommer 2024 auf Borkum.
Marieke versucht sich nach ihrer Scheidung ein neues Leben aufzubauen. Es sind die Gedanken, die sie nach einer toxischen Beziehung weiterhin nach unten ziehen. Die Gedanken über vergeudete Zeit, Schuldigkeit gegenüber den bereits erwachsenen Kindern, aber auch der „Abschied“ von einem gewohnten Leben in gesicherten Verhältnissen.
Ich denke, das die Autorin mit dieser Thematik sehr realitätsnah an die Gedanken und Gefühle vieler Frauen nach einer Trennung herankommt.
Anni wiederum steht für Aufschwung, Lebensfreude und vielleicht auch den Hauch einer Revolutionärin. Sie dient als Vorbild der damaligen Zeit, befindet sich aber in der Schere zwischen bürgerlicher und gehobener Gesellschaft. Auch das eine reale Situation der damaligen Zeit.
Sehr interessant an der gesamten Geschichte ist der rote Faden, der sich hier durchzieht - die Flora, insbesondere das Wissen über Wicken. Dieser Aufhänger ist mal etwas anders.
Auch das Wissen, dass über die Natur Borkums vermittelt wird, ist sehr aktuell gewählt und soll vermutlich auch wachrütteln.
Die Nebenfiguren geben dem Roman etwas Buntes. So sind es im Jahr 2024 die quirlige Seniorin Alwine, die mit ihrer Neugierde manchmal auch etwas über die Strenge schlägt und der ruhige, in sich gekehrte Tibo, der sich erst in Mariekes Gegenwart öffnet.
Im Jahr 1911 sind es Meg und ihr Großvater, wobei gerade letzterer mit seiner Flucherei für Schmunzeln sorgt, als auch der bodenständige John, dem Werte über alles gehen. Für mich sorgte hier Suffragette Ethel für frischen Wind.
Alles in allem ein gelungener Sommerroman, der zum Verweilen und abschalten einlädt!
Von mir gibt es daher 4,5 Sterne.