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Veröffentlicht am 13.07.2025

Eine deutsch-deutsche Sache? Ein verzwickter Fall in einer noch selbst erlebten Vergangenheit

Kollateralschaden
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Willi Vögeli’s Kriminalroman »Kollateralschaden« versetzt die Leser zurück in die 1980er Jahre, in eine Zeit mit zwei deutschen Staaten, in der die Staatssicherheit und der Verfassungsschutz einander beobachteten, ...

Willi Vögeli’s Kriminalroman »Kollateralschaden« versetzt die Leser zurück in die 1980er Jahre, in eine Zeit mit zwei deutschen Staaten, in der die Staatssicherheit und der Verfassungsschutz einander beobachteten, und in der Handys noch nicht existierten.

Nachdem Wilhelm Beck, ein pensionierter Kriminalhauptkommissar, aufgrund eines Nervenzusammenbruchs infolge eines Falls in den Ruhestand trat, eröffnete er eine Buch- und Weinhandlung. Jetzt, da er sich von seiner Krankheit erholt hat, fühlt er sich ziemlich wohl in seinem neuen Unternehmen.

Es passiert hin und wieder, dass bekannte Personen an ihn herantreten und um Unterstützung bei Ermittlungen bitten. Neben seinem Job als Buch- und Weinhändler arbeitet er als Privatdetektiv. Bei seiner Arbeit erhält er Hilfe von seiner ehemaligen Kollegin Senta, die nach wie vor für die Polizei tätig ist.

Eines Tages wendet sich auch eine Frau mittleren Alters an Kommissarin Senta, die ihrerseits dann Beck um Hilfe bittet, die vor Kurzem verschwundene Tochter zu finden. Da die Polizei den vermissten Fall nicht ernst nimmt, da auch ein Koffer mit Kleidung aus der Wohnung der Tochter verschwunden ist, wird die Versicherung der Mutter, dass ihre Tochter nie ohne ein Wort zu sagen verschwinden würde, von der Polizei ignoriert. Deshalb hat Senta diese Frau an ihren früheren Chef weitergeleitet.

Zu Beginn zögert er, der Mutter eine klare Zusage zu machen, da die Art von Ermittlungen zu anspruchsvoll für einen Privatdetektiv wie ihn ist. Um ihre Tochter zu finden, müsste er die Polizei hinzuziehen. Ohne die Unterstützung seiner ehemaligen Kollegin kann er die vermisste Tochter nicht suchen.

Alles beginnt recht unscheinbar mit dem Vermisstenfall des Mädchens, doch schnell wird klar, dass die Suche weitreichendere Konsequenzen hat. Es stellt sich heraus, dass weitere Frauen auf ähnliche Weise verschwunden sind wie das Mädchen. Es ergeben sich auch Hinweise, die in eine völlig andere Richtung, wie das Drogenmilieu, deuten. Beck und sein Freund stoßen eher zufällig auf ein Drogenlabor, das möglicherweise mit dem Verschwinden des Mädchens in Verbindung steht.

Während des Kriminalsromans »Kollateralschaden« existieren beide deutsche Staaten, da die Handlung 1983 spielt. Ein Verdächtiger für Beck und seine Kollegin ist ein Chemietechniker in einem großen Chemiekonzern, der aus der DDR in den Westen gebracht wurde. Er galt als Dissident in der DDR, wurde im Jugendwerkhof festgehalten und schließlich von der BRD freigekauft. Dies führt zu Ermittlungen in Halle an der Saale, wo er sich zwischen den Geheimdiensten Staatssicherheit und Verfassungsschutz wiederfindet.

Mir hat zunächst die Zeit, in der die Handlung stattfindet, gefallen. Es ist weder ein historischer noch ein gegenwärtiger Roman, dennoch wird eine vergangene Ära beschrieben, die man persönlich erlebt hat, die aber heute nicht mehr existiert. Der Autor hat darauf geachtet, dass die Figuren nicht mit Handys, sondern lediglich mit Telefonzellen agieren. Die Atmosphäre dieser Zeit wurde in beiden Teilen Deutschlands, im Westen wie im Osten, angemessen dargestellt. Die vergangene Zeit in Ost- und Westdeutschland wirkt authentisch und einfühlsam.

In der knappen Inhaltsangabe oben sind bereits spannende Ansätze in verschiedenen Richtungen erkennbar. Im Verlauf des Romans nehmen die Verwicklungen zu, je weiter man in die Ermittlung eintaucht. Die Spannung steigert sich kontinuierlich, während die Ermittlung immer komplexer wird. Es ist faszinierend, wie die Charaktere ohne moderne Technologie auskommen und dennoch überzeugend agieren. Durch die geschickt gelegten Spuren entsteht eine vielschichtige Handlung mit unerwarteten Wendungen.

Der Roman »Kollateralschaden« entführt die Leser auf eine Reise in die Vergangenheit, die durch geschickte Dramaturgie und raffinierte Ermittlungsarbeit überzeugt.

Die Charaktere um Wilhelm Beck, den Hauptprotagonisten, sind glaubwürdig und liebenswert. Sie bilden eine feste Freundesgruppe, die ihm zur Seite steht, wenn er sie braucht. Nur seine Freundin ist eine Ausnahme, mit der er momentan streitet und sich bemüht, ein normales Familienleben aufzubauen. Somit bleibt auch das Privatleben des Ermittlers nicht außer Acht.

Der Roman »Kollateralschaden« macht viel Spaß und ist unterhaltsam. Auch wenn der Buchsatz (z.B. unterschiedliche Zeilenzahl auf jeder Seite) nicht gerade perfekt ist, empfehle ich ihn sehr gerne. Er kann ruhigen Gewissens in den Koffer mit der Urlaubslektüre gepackt werden. Der Urlaub wird umspo spannender.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

Veröffentlicht am 02.07.2025

Der Kampf um das Erbe

Ein verhängnisvolles Testament
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Dieser neue Roman von Iny Lorentz ist ein Soloroman und gehört somit nicht zu einer Reihe von Büchern dieses Schriftstellerpaares.

Das Erbe derer von Thannberg ist bedroht. Ein Ahne hatte dem Kurfürsten ...

Dieser neue Roman von Iny Lorentz ist ein Soloroman und gehört somit nicht zu einer Reihe von Büchern dieses Schriftstellerpaares.

Das Erbe derer von Thannberg ist bedroht. Ein Ahne hatte dem Kurfürsten vor langer Zeit seinen Besitz vertraglich zugesichert, dass er an das Kurfürstentum von Trier fällt für den Fall, dass die Linie der Thannbergs auf männlicher Seite ausstirbt. Nun tritt dieser Umstand ein. Leopold hat nur eine Tochter, seine Frau Elisabeth ist zwar schwanger, aber ob sie einen Jungfen gebären wird, steht in den Sternen.

Die Geier aus Trier, die sich den Besitz der Thannbergs unter den Nagel reißen wollen, beginnen zu kreisen. Nach dem Tod Leopolds nisten sie sich auf Thannberg ein und bestehen sogar darauf, bei der Entbiundung dabeizusein, denn sie befürchten, dass die Thannbergs ihnen vielleicht einen Buben unterschieben wollen, um nicht ihren Landbesitz zu verlieren. Sie schrecken auch nicht von Mordanschlägen zurück, um die Geburt zu verhindern.

Doch die Frauen um Elisbeth und ihre Tochter, allen voran Anna von Rabenweiler, suchen fieberhaft, den Verlust des Besitzes zu verhindern. Sie wälzen Urkunden und Dokumente auch in Klöstern, um nach einem männlichen Erben zu suchen. Und es gelingt ihnen zum Teil. Doch ihre Gegner versuchen weiterhin mit Gewalt und Hinterlist, das Land an sich zu reißen.

Erneut gelingt es dem Schriftstellerehepaar, den Leser nahtlos in die Geschichte gleiten zu lassen und ein sofortiges Eintauchen in die Handlung zu ermöglichen. Durch die von ihnen gewohnt erzeugte Atmosphäre wird die Vergangenheit lebendig. Die detaillierten Charakterbeschreibungen lassen uns scheinbar sofort erkennen, wer gut und wer böse ist. Dennoch warten noch viele Überraschungen im Verlauf der Handlung.

Trotz der bereits spannenden Kriminalhandlung wird die Spannung vor allem durch die kürzeren Kapitel gesteigert. Der Roman ist in mehrere Teile unterteilt, wobei jeder Teil aus zehn bis zwanzig Kapiteln besteht, die nur ein bis fünf Seiten lang sind. Das resultierte in einem raschen Lesefluss. Die Handlung und ihre Spannung zogen mich mit.

In ihrem Werk über die Güter entlang von Rhein und Mosel entfalten Iny Lorenz ein fesselndes Intrigenspiel. Die Geschichte ist geprägt von gut ausgearbeiteten Charakteren und einem aufregenden Plot, der die Leser mit unzähligen Details in die Vergangenheit entführt. Auch wenn die Unterscheidung zwischen Gut und Böse recht klar ist, erwarten die Leser dennoch einige überraschende Wendungen, wenn sich manche Figuren als Wölfe im Schafspelz entpuppen.

Ich empfehle den historischen Roman Ein verhängnisvolles Testament als fesselnden Soloband, der die Leser mit spannender Unterhaltung begeistert. Er eignet sich hervorragend als unterhaltsame Lektüre zum Jahresende unter dem Weihnachtsbaum.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

Veröffentlicht am 31.05.2025

Was geschah mit den drei Freundinnen?

Der Kuckuck
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Erneut entführt uns Gina Mayer mit diesem Roman in vergangene Zeiten. Dabei deckt sie dieses Mal eine enorme Zeitspanne ab, die in den 1920er Jahren beginnt uns bis in die 1990er Jahre reicht.

Davon mal ...

Erneut entführt uns Gina Mayer mit diesem Roman in vergangene Zeiten. Dabei deckt sie dieses Mal eine enorme Zeitspanne ab, die in den 1920er Jahren beginnt uns bis in die 1990er Jahre reicht.

Davon mal abgesehen, dass der Roman mit einem Handlungsstrang in 1994 beginnt, geht es um drei Freundinnen, die im Jahre 1919 gemeinsam in die Schule gehen. Während Babette vom Maurerhof und Rosl sich schon länger kennen, kommt Evelin nun in die Klasse.

Evelin stammt aus einem reichen Hause und ist die Tochter vom Gruberhof. Evelin ist Besseres gewohnt und zeigt immer wieder eine herablassende Arroganz. Doch die beiden anderen Mädchen genießen eine Freiheit, die sie im reichen Hause nie erlangen würde. Babette und Rosl nehmen sie dennoch gerne in ihrer Gemeinschaft auf. Schließlich bekommen ihre Puppen dank Evelin neue Kleider aus hochwertigen Stoffen.

Rosl steht in diesem Dreiergespann scheinbar auf der untersten Stufe, nicht zuletzt wegen ihrer Mutter, die als Trinkerin im Dorf verschrien ist. Rosl leidet unter dem Ansehen ihrer Familie.

Rosl bewundert heimlich Evelins Eleganz und Anmut, während Babette mit ihrer fröhlichen Art das Trio zusammenhält. Die Mädchen erleben gemeinsam kleine Abenteuer und schmieden Pläne für die Zukunft. Trotz ihrer Unterschiede verbindet sie eine tiefe Freundschaft und Verbundenheit. Ihre Kindheit auf dem Land prägt sie und hinterlässt unvergessliche Erinnerungen.

Gina Mayer erzählt mit viel Liebe zum Detail und schönen Bildern die Geschichte dieser drei Freundinnen, die bald jede ihren eigenen Weg ins Erwachsenenleben geht.

Die Spannung in »Der Kuckuck« wird durch das Auftauchen von Findelkindern in den verschiedenen Zeitepochen generiert. 1994 lernen wir Ella kennen, die in einer Medien-Agentur arbeitet und gerade feststellt, dass sie ein Kind unter dem Herzen trägt. Während sie mit ihrem Freund Pläne über die ZUkunft schmiedet, erfährt sie von Ihrer Mutter im Alter von knapp dreißig Jahren, dass die geliebten Eltern nicht ihre leiblichen Eltern sind. Sie fühlt sich belogen und beginnt, nach ihren leiblichen Eltern zu suchen und den Grund herauszufinden, warum sie als Säugling vor einer Wohnungstür abgelegt wurde.

In den 1930er Jahren gebährt Babette ihr erstes KInd. Sie ist verheiratet, von ihren Freundinnen Rosl und Evelin hat sie lange nichts mehr gehört. Hin und wieder hatten sie sich Briefe geschrieben. Da liegt an ihrer Haustür ein Säugling in einer Decke, mit einem Zettel, auf dem steht, dass er Kaspar heißt. Kaspar ist nur drei Monate jünger als Anna, doch Babette kümmert sich auch um Kaspar wie um ihr eigenes Kind.

Die Frage, was es mit den beiden Findelkindern in den unterschiedlichen Zeitepochen auf sich hat, ist der Kleister, der die Leser an der Geschichte fesselt. Das Leben der drei Freundinnen läuft so unterschiedlich, dass alles Mögliche denkbar ist. Und obwohl es so viel Unausgesprochenes in den Familien gibt, schafft Gina Mayer ein wunderbar zufriedenstellendes Ende.

Auch wenn nicht alle Romanfiguren in »Der Kuckuck« vom Schicksal der anderen Figuren erfahren, so wissen zumindest die Leser, wie es allen ergangen ist. Ein wunderbarer Roman mit spannenden und interessanten Lebensgeschichten, die einen in den Bann ziehen und auch nach dem Ende zum Nachdenken anregen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

Veröffentlicht am 21.05.2025

Einen Mord vertuschen und dann so viele Tote

Dunkelste Nacht
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Mit dem Thriller mit seinen 770 Seiten hat mich Karen Rose wieder nach New Orleans geführt, eine Stadt, die ich nur zu gut aus den Robicheaux-Romanen von James Lee Burke kenne. Es war ein bisschen wie ...

Mit dem Thriller mit seinen 770 Seiten hat mich Karen Rose wieder nach New Orleans geführt, eine Stadt, die ich nur zu gut aus den Robicheaux-Romanen von James Lee Burke kenne. Es war ein bisschen wie Nach-Hause-Kommen. Alleine schon die französisch angehauchten Nachnamen der Figuren und dann natürlich die Orts-, Bayou- und Straßennamen kommen einem sehr bekannt vor. Das hat mich von der ersten Seite an sofort eingenommen.

Der Roman spielt zwar in der Gegenwart, führt aber seine Spuren zurück zum Hurikan Katrina. Es wird ein Ex-Polizist des New Orleans Police Departments getötet. Die Polizei will dieseine Leiche als Selbstmord „zu den Akten“ legen. Doch sein Sohn, der als Starkoch ein erfolgreiehes Restaurant führt, bekommt einen Tipp und wird darin bestätigt, dass sein Vater keinen Selbstmord gemacht hatte. Er sucht sich Hilfe bei der Suche nach dem Mörder seines Vaters.

Diese Hilfe bekommt er von dem ehemaligen Partner des Vaters beim NOPD. Der ehemalige Marine Burke Broussard hat inzwischen selbst die Polizei verlassen und eine Privatdetektei eröffnet. In seinem TEam hat er langjährige Freunde verein, die allesamt Spezialisten auf den verschiedensten Gebieten sind, um ausreichend umfassende Ermittlungen anstellen zu können.

Kaum hat die Detektei die Ermittlungen aufgenommen, wird der Koch zur Zielscheibe von wem auch immer. Parallel gerät auch ein junger farbiger Mann von 22 Jahren im weit entfernten Houston in das Ziel von KIllern. Er hatte zu Zeiten des Hurrikans auf dem Dach sitzend die Ermordung einer jungen Frau im Nachbarhaus beobachtet.

Doch welche Beziehung hatte der Junge zu dem Vater des Kochs, der in New Orleans ermordet worden war?

Die Tatsache, dass Karen Rose fesselnde Thriller in ihrer Thriller-Reihe nun auch aus New Orleans schreibt, ist einfach klasse. Sie baut nicht nur auf einen Handlungsstrang als Herzstück der Spannung, sondern webt die Spannung geschickt in mehrere separaten Handlungsstränge ein. Die Figuren, die man bei dieser Autorin erwarten kann, berühren mich stets aufs Neue und lassen mich in ihre Geschichten eintauchen. In ihrer Thriller-Reihe hat sie eine Vielzahl von liebenswerten und sympathischen Figuren geschaffen, die mit großer Brutalität konfrontiert werden und in Extremsituationen geraten.

Das Team rund um die Privatdetektei von Ex-Cop Burke Broussard zeichnet sich durch eine starke menschliche Komponente aus und verfügt über umfangreiche personelle und technische Ressourcen. Zudem pflegt es enge Beziehungen zu einigen Polizisten. Leser werden außerdem Zeugen der aufkeimenden Liebe zwischen der ermittelnden Privatdetektivin und dem kriminaltechnisch unerfahrenen Starkoch des Le Petit Cheaux.

Karen Rose hat mit dem Thriller »Dunkelste Nacht« wirklich Spannung pur erschaffen. Das Buch vereint ein faszinierendes Figurenensemble, das einen bis zum Schluss gefesselt hält. Erst gegen Ende kann man entspannt zurücklehnen, wenn alle offenen Fragen aufgelöst werden und man erfährt, wie es mit den Charakteren aus Dunkelste Nacht weitergeht. Eine absolute Empfehlung für alle Leserinnen und Leser!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

  • Einzelne Kategorien
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Veröffentlicht am 16.05.2025

Actionreiche Ermittlungen und spannende Kreuzverhöre

Die Komplizin – Ihr Mann ist ein Serienkiller. Was ist sie – Täterin oder Opfer?
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Dieser Thriller von Steve Cavanagh ist ein weiterer Thriller aus der Reihe um den Anwalt Eddie Flynn mit seinem Team.

Ein Serienkiller versetzt die Menschen in Angst und Schrecken. Vierzehn Opfer. Daniel ...

Dieser Thriller von Steve Cavanagh ist ein weiterer Thriller aus der Reihe um den Anwalt Eddie Flynn mit seinem Team.

Ein Serienkiller versetzt die Menschen in Angst und Schrecken. Vierzehn Opfer. Daniel Miller wird als Killer identifiziert. Weil er die Opfer vor ihrer Tötung und Ausweidung mittels einer Spritze in den Schlaf schickt und ihnen anschließend die geschaffenen Körperöffnungen mit Sand füllt, wird er schnell „Der Sandmann“ genannt.

Aufgrund von fragwürdigen Zeugenaussagen gerät auch die Ehefrau von Daniel, Carrie Miller, in den Verdacht, Mittäterin zu sein. Es geht so weit, dass sie nicht nur Mitwisserin, sondern tatsächlich auch Mittäterin sein soll. Medien und Bürger erwarten ein schnelles Ergebnis vom NYPD und FBI. Die Staatsanwaltschaft baut deshalb eine Anklage gegen Carrie MIller für mindestens sechs Morde, abei denen sie geholfen haben soll.Während ihr Mann, der Sandmann, noch gejagt wird, soll Carrie bereits verurteilt werden.

Eddie Flynn und sein Team bekommt Besuch von einem bekannten Steuer- und Vermögensanwalt, der Eddie die Übernahme seines Mandates anbietet. Seine Mandantin ist Carrie Miller. Da er keine Erfahrungen mit Strafprozessen habe, würde er den Fall lieber abgeben und vom Rande aus daran mitarbeiten. Eddie für ein Gespräch mit der Ehefrau des Sandmanns und lässt sich von ihre von ihrer Unwissenheit und Unschuld überzeugen. Er übernimmt den Fall, allerdings unter der Bedingung, dass Sie selbst im Prozess die Geschworenen von ihrer Unschuld überzeugen muss, wie sie das bei ihm getan hat. Eine andere Chance sieht er nicht, denn mittlerweile werden Zeugen des Prozesses bereits getötet.

Doch dann erscheint Carrie Miller nicht zum Prozess und alles beginnt zu wackeln, weil sie gegen ihre Kautionsauflagen verstoßen hat.

In Steve Cavanaghs »Die Komplizin« überzeugt das Figurenensemble durch seine fesselnde und extrem einzigartige Darstellung. Die Mitglieder des Teams sind nicht nur Kollegen und Partner, sondern auch enge Verbündete. Sie laden förmlich dazu ein, sich erneut in einen Roman dieser Reihe zu vertiefen, um Zeit mit dieser Gang zu verbringen. Ihr bissiger Humor ist erfrischend und steckt die Leser an, während jeder von ihnen mit seinem Spezialgebiet wie ein gut geöltes Rad in das Gesamtbild passt. Die Ermittler arbeiten unerbittlich daran, Informationen aufzudecken, die für die Anwälte im aktuellen Prozess von höchster Relevanz sind.

In einem packenden Thriller verlaufen verschiedene Handlungsstränge parallel, die jeweils für sich fesselnd sind. Einige Bücher führen diese Stränge zu einem gemeinsamen Ende, andere behalten mehrere separate Fälle bei. Diese Anwaltsreihe fokussiert sich auf einen zentralen Fall, wobei ein Handlungsstrang die Ermittler betrifft und der andere im Gerichtssaal spielt. Der Prozess ist ebenso mitreißend wie die Ermittlungen selbst. Es ist beeindruckend zu beobachten, wie Zeugen und Täter während der Verhandlung auseinandergenommen werden.

Steve Cavanagh schreibt also auf der einen Seite sehr humorvoll und man mag seinen Figuren gerne bei der Arbeit zuschauen. Die einzelnen Kapitel sind aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Eddie erzählt gelegentlich auch aus der Ich-Sichtweise. Der jeweilige Name der Hauptfigur des Kapitels folgt der Überschrift, so dass die Leser zu jeder Zeit wissen, um wen es auf den folgenden Seiten geht und welches Problem (Strang) jetzt angegangen werden soll.

Dass auch der ärgste Thriller mit einem zufriedenstellenden Ergebnis endet, ist dramarturgisch völlig normal. Aber dass kurz vor dem Ende noch solch ein Kracher für eine Überraschung sorgt, kann manchen Leser schon umhauen. Damit hatte selbst ich schließlich nicht gerechnet.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass dieser Thriller äußerst packend und fesselnd ist. Durch die raschen Szenenwechsel bleibt die Spannung kontinuierlich hoch, und das unerwartete Ende sorgt für eine gelungene Überraschung. Ebenso bemerkenswert sind die humorvollen Charaktere im Team von Eddie Flynn mit ihren einzigartigen Fähigkeiten.

Ein erstklassiger Thriller namens »Die Komplizin«, der die Leser rasch gefesselt, zum Lachen und Erschaudern bringt. Dieses Werk verspricht erstklassige Unterhaltung und der Autor sollte in keiner Liste von Thrillerfans fehlen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025