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Veröffentlicht am 18.11.2025

Einblick in ein Kapitel preußischer Geschichte - großartig erzählt

Sieben Jahre
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Die promovierte Germanistin Tanja Kinkel hat bereits mehrere historische Romane veröffentlicht, die ich sehr gern gelesen habe.
Mit ihrem neuen Roman „Sieben Jahre“, erschienen 2025 bei Hoffmann und Campe, ...

Die promovierte Germanistin Tanja Kinkel hat bereits mehrere historische Romane veröffentlicht, die ich sehr gern gelesen habe.
Mit ihrem neuen Roman „Sieben Jahre“, erschienen 2025 bei Hoffmann und Campe, ist ihr ein überzeugendes Werk zur preußischen Geschichte gelungen. Der Siebenjährige Krieg, der von 1756 – 1763 stattfand, ist die Geburtsstunde Preußens als europäische Großmacht.

Der Roman schildert jedoch nicht nur den Verlauf des Siebenjährigen Krieges, sondern stellt vor allem die Mitglieder der königlichen Familie Preußens in den Mittelpunkt. Das sind Friedrich der Große und seine Brüder Heinrich und Wilhelm sowie die Schwester Amalie. Die Protagonisten sind authentisch und sehr differenziert beschrieben. Der Autorin gelingt es Geschichte lebendig werden zu lassen, ohne belehrend zu wirken. Man merkt wie akribisch Tanja Kinkel recherchiert hat.

Die Autorin erzählt mit einer ausdrucksstarken Sprache bildhaft von Menschen und ihren Schicksalen. Dabei schildert sie, jede Epoche, die sie in ihrem Roman verarbeitet, spannend, lehrreich und überaus interessant.

Das Buch ist übersichtlich gegliedert – ein Prolog, der Hauptteil und ein Epilog. Der Hauptteil, der dem Siebenjährigen Krieg umfasst, besteht aus 6 Kapiteln mit Unterteilen. Alle sind mit Jahreszahlen und Ortsangeben versehen und erleichtern dem Leser die Orientierung. Sehr hilfreich ist auch das Personenverzeichnis der königlichen Familie und weiterer Zeitgenossen am Anfang des Buches.

Im Roman verbindet sie geschickt das dramatische Familienschicksal um Friedrich II. mit den großen politischen Umwälzungen seiner Zeit.

Besonders bemerkenswert ist, wie sie die Protagonisten - von den königlichen Geschwistern über strategische Militärführer bis hin zu Hannibal, dem mutigen schwarzen Pagen - mit Tiefe und Menschlichkeit zeichnet. So entsteht ein vielschichtiges Bild jener Zeit, in der Macht, Loyalität und persönliche Hoffnung inmitten von Krieg und Umbruch auf die Probe gestellt werden.

Der Schreibstil von Tanja Kinkel ist flüssig und sehr gut zu lesen. Historische Sachkenntnis und ein ausgezeichnetes Gefühl für die Denk- und Lebensweise der geschilderten Personen faszinieren.

Tanja Kinkel macht Geschichte zugänglich und lebendig, ohne dabei an Tiefe zu verlieren. Ein großartiger Roman, der sowohl historische Genauigkeit als auch spannende Handlung perfekt verbindet.

Ein berührendes und ergreifendes Buch ist gelungen. Gern vergebe ich 5 Sterne und empfehle es allen historisch interessierten Lesern.


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Veröffentlicht am 04.08.2025

Die Spur der Schokolade

Bretonische Versuchungen
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Der 14. Fall für Kommissar Dupin beginnt bizarr und ungewöhnlich. Die Inhaberin, Adeline Manzago, einer alteingesessenen Schokoladen-Confiserie in Concarneau wird tot in einem Bottich mit Schokolade ...

Der 14. Fall für Kommissar Dupin beginnt bizarr und ungewöhnlich. Die Inhaberin, Adeline Manzago, einer alteingesessenen Schokoladen-Confiserie in Concarneau wird tot in einem Bottich mit Schokolade entdeckt.

Wer oder was hinter diesem Mord steckt stellt sich schnell als Mammutaufgabe für das Team der Polizei heraus. Die Ermittlungen führen weit über die Bretagne hinaus, da die Familie der Toten aus dem Baskenland stammt. In diesem Fall muss Dupin sich intensiv mit der Geschichte, der Zusammensetzung und der Herstellung von Schokolade befassen. Der Leser ist in der glücklichen Lage nicht nur einen spannenden Krimi zu lesen, sondern auch Privatlektionen über die Schokolade als solche und die speziellen Kreationen an sich zu erhalten. Auch eine Fahrt ins Baskenland verbunden mit der Vorstellung landestypischer Spezialitäten macht Appetit auf mehr.

Eingebettet in solch köstliche Umgebung geraten die polizeilichen Ermittlungen keinesfalls in den Hintergrund, denn bald erfolgen noch weitere Morde. Auch der Fund von Kokain in einer Lagerhalle macht die Aufklärung der Mordfälle keinesfalls einfacher. Dazu noch das polizeiliche Kompetenzgerangel mit der Einheit der Drogenfahnder.

Bei den Recherchen in der Fabrik und der Familie Manzago stellt Kommissar Dupin fest wie nah Ehrgeiz und Geltungssucht beieinander liegen. Könnte hier ein Motiv zu finden sein? Tatkräftig wird der Kommissar bei seinem 14. Fall von zwei Frauen unterstützt. Das ist zum einen die bekannte Sekretärin Nolwenn mit ihrem Organisations- und Recherchetalent und zum andern Commissaire Unarte aus Bayonne, die nicht nur äußerst kompetent ist, sondern auch ein Herz für alte Autos hat.

Wie es Kommissar Dupin und seinen Kollegen gelingt Licht in das Dunkel zu bringen und die Mordfälle zu lösen möchte ich nicht verraten, denn den Leser und die Ermittler erwarten noch einige Überraschungen.

Fazit:
Der Krimi ist gut strukturiert aufgebaut, hat viele Handlungsansätze, die nicht geradlinig zur Lösung führen. Ein phantasievoll ausgedachte Geschichte, die in sich schlüssig gelöst wurde. Mich hat der Krimi „Bretonische Versuchungen“ gefesselt und mir eine wirklich spannende Lesezeit beschert. Deshalb vergebe ich eine 5 Sterne sowie eine klare und eindeutige Leseempfehlung.


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Veröffentlicht am 30.06.2025

Eiskalt erwischt

Venezianisches Geheimnis
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Der Winter in Venedig ist kalt, feucht und ungemütlich. Ausgerechnet diese Bedingungen nutzen Räuber, um Senioren zu überfallen und auszurauben.
„Eines Abends ist Lucas Nachbarin, Signora Vasconti, noch ...

Der Winter in Venedig ist kalt, feucht und ungemütlich. Ausgerechnet diese Bedingungen nutzen Räuber, um Senioren zu überfallen und auszurauben.
„Eines Abends ist Lucas Nachbarin, Signora Vasconti, noch zum Einkaufen unterwegs und trifft sich mit einer Bekannten. Kurze Zeit später ist die wohlhabende Frau tot und Luca Brassonis Nachbarin liegt im Krankenhaus.“ (aus der Inhaltsangabe des Verlages).

Der 10. Fall für Luca Brassoni und seine Kollegen fordert viel von allen. Die Ermittlungen zeigen bald erste Ergebnisse, doch leider passt einiges nicht zusammen. Als Lucas Vorgesetzte, die Signora Vice Questore, krankheitsbedingt ausfällt, wartet auf Luca noch eine weitere Aufgabe. Er wird Signora Bertuzzi für längere Zeit kommissarisch vertreten. Für den Familienmenschen Luca ist das noch eine weitere Belastung, denn er kann weniger Zeit mit seinen Kindern und Carla verbringen. Doch bald entdeckt er, dass es nicht nur Belastungen gibt, sondern auch angenehmen Seiten, wie ein Essen mit dem Bürgermeister in einem angesagten teuren Restaurant.

Daniela Gesing gelingt es mit unerwarteten Wendungen und einem vielschichtigen Personen-spektrum Spannung aufzubauen und den Leser zu fesseln. Ihr Schreibstil ist flüssig, routiniert und lässt sich sehr gut lesen. Die geschilderten Charaktere sind authentisch und gut ausgearbeitet. Der Schauplatz Venedig bietet eine wunderschöne Kulisse, denn die Lagunenstadt wird kenntnisreich, detailliert und liebevoll geschildert.

Der Neffe des wohlhabenden Opfers steckt in Geldschwierigkeiten und hatte sich in eine Tierarztpraxis eingekauft hat, die dringend saniert werden muss. Seine Tante hatte ihm gedroht ihn zu enterben, da er mit Geld nicht umgehen kann. Ist ihr das noch gelungen und steckt der Neffe tatsächlich hinter dem Mord? Ist das Erbe das Tatmotiv? Als der Neffe überfallen wird, nimmt die Spannung schnell weiter zu.
Es warten schwierige Ermittlungstage auf den Commissario und sein Team. Im aktuellen Fall reichen die Ergebnisse noch nicht aus und auch die Straßenräuber müssen dringend gefunden werden.

Man trifft die aus den vorherigen Krimis bekannten Personen, wie Lucas Cousin Stefan, genannt Caruso, wieder. Gern möchte er Luca helfen und nutzt seine journalistischen Kontakte. Er ahnt nicht, dass er selbst in Lebensgefahr geraten wird, als er sich mit einem Kontakt trifft.
Wer steckt hinter all den Überfällen?

In einem packenden und spannenden Finale wird der Täter entlarvt und die Fälle werden in sich schlüssig gelöst. Die Autorin erzählt mit Liebe zum Detail in Brassonis 10. Fall eine äußerst spannende und gut ausgedachte Kriminalgeschichte, die sofort fesselt, aber auch nachdenklich macht. Daniela Gesings angenehmer und flotter Erzählstil ist wunderbar zu lesen und ich empfehle es allen, die Venedig und Luca Brassoni mögen.

Es ist pures Lesevergnügen und die geeignete Lektüre für Urlaubstage im Sommer und gemütliche Stunden im Winter daheim. Aus meiner Sicht gibt es 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 10.06.2025

Der doppelte Hagen Rahmspott

Norderneyer Pensionsmord. Ostfrieslandkrimi
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Ausgerechnet in der Pension Haddinga, in der Kommissar Lewert bei seinen dienstlichen Aufenthalten auf der Insel übernachtet, wird ein Gast tot aufgefunden. Er wurde mit einem Präzisionsgewehr durch das ...

Ausgerechnet in der Pension Haddinga, in der Kommissar Lewert bei seinen dienstlichen Aufenthalten auf der Insel übernachtet, wird ein Gast tot aufgefunden. Er wurde mit einem Präzisionsgewehr durch das geschlossene Fenster erschossen.

Doch der Tote scheint nicht der zu sein, der er laut seinen Papieren ist. Der etwas exzentrische, aber dennoch geniale Privatdetektiv Wieland von Bröking kennt Hagen Rahmspott aus seiner Schulzeit. Doch dieser Tote ist definitiv nicht sein Schulfreund.

So müssen Kommissar Lewert und der Norderneyer Dorfpolizist Tjark Drönkemeyer einen mysteriösen und komplizierten Fall lösen. Bald führen erste Spuren nach Wanne-Eickel, woher das Opfer stammt. Doch ein Mordmotiv ist noch in weiter Ferne. Warum gibt es offensichtlich einen Doppelgänger?

Deshalb konzentrieren sich die Ermittlungen auf den echte Hagen Rahmspott, den Herr von Bröking vor kurzem auf der Insel gesehen haben will. Oder irrt er dieses Mal?
Alfred Bekker erzählt auf wenigen Seiten gekonnt eine ungewöhnliche Geschichte, die den Leser unterhält. Sein flüssiger Schreibstil und ostfriesisches Lokalkolorit tragen dazu bei. Akribische Ermittlungsarbeit und witzige Dialoge wechseln sich in diesem Ostfrieslandkrimi von Alfred Bekker ab und haben mich äußerst gut unterhalten. Der Autor erzählt eine spannende Geschichte, die von Beginn an fesselt.

Der Fall nimmt an Tempo auf, als es einen weiteren Mordversuch gibt. Nun ist auch Herr von Bröking persönlich betroffen, denn seine Recherchen führen in die richtige Richtung. In einem packenden Finale wächst der immer etwas unterschätzte Ortspolizist Tjark Drönkemeyer über sich hinaus und verblüfft dieses Mal sogar den Privatdetektiv.

Fazit:
Ein kurzweiliger Krimi mit viel Lokalkolorit, der von Beginn an unterhält und mit einigen unerwarteten Wendungen punkten kann. Ein phantasievoll ausgedachter Fall, der überzeugend gelöst wurde. Mich hat „Norderneyer Pensionsmordmord“ gefesselt und mir eine wirklich spannende Lesezeit beschert. Deshalb vergebe ich eine 5 Sterne sowie eine klare und eindeutige Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 31.05.2025

Ein aktueller Mordfall, der zu einem Cold Case führt

Rätselhaftes Saint-Rémy
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Glanum, in der Nähe von Saint- Rémy gelegen, ist Frankreichs größte archäologische Ausgrabungsstätte der Antike. Ganz in der Nähe des malerischen Städtchens erheben sich die Alpilles, ein Gebirgszug mit ...

Glanum, in der Nähe von Saint- Rémy gelegen, ist Frankreichs größte archäologische Ausgrabungsstätte der Antike. Ganz in der Nähe des malerischen Städtchens erheben sich die Alpilles, ein Gebirgszug mit schroffen Felsgipfeln und dicht bewaldeten, fast menschenleeren Tälern. Von oben hat man einen fantastischen Ausblick auf die römischen Ruinen und antiken Reste von Glanum. Eine Idylle für Touristen.

Doch nicht alle sind aus Urlaubsgründen hier. Ein kleines Archäologenteam ist an der antiken Stätte mit Forschungen beschäftigt. „Inmitten der Ruinen arbeitet ein junger Archäologe der Sorbonne, der mit seiner Chefin und einem Kollegen für einige Wochen eine Ausgrabung durchführen soll. Routine, so scheint es. Bis der Forscher eines Nachts im düsteren Schacht einer Quelle ermordet wird, die schon den Kelten, den Griechen und den Römern heilig war.“ (aus der Inhaltsangabe des Verlages)

Der 12. Fall für Capitaine Roger Blanc und sein Team gestaltet sich von Beginn an schwierig, denn der Tote ist nicht Gaspard Rouge, sondern Gaspard Frossard. Doch dieser verschwand mit seinen Eltern vor 25 Jahren in Saint-Rémy.

Ermittelt wird in alle Richtungen – aber nichts passt wirklich zusammen. Der Schlüssel zur Lösung des Mordfalls muss in der Vergangenheit zu finden sein. Dabei konzentrieren sich die Ermittlungen auf das private und berufliche Umfeld des Toten. Die Pistole mit der geschossen wurde, wurde vor 25 Jahren als gestohlen gemeldet.

Immer tiefer tauchen die Ermittler in die zurückliegenden Jahre ein und wollen die alten Ermittlungsakten zu dem Vermisstenfall einsehen. Dabei wartet eine unangenehme Überraschung. Capitaine Blanc stößt auf den Kollegen Lizarey in Arles, der ihn einmal in einem Mordfall verdächtigte. (siehe „Dunkles Arles“)

Doch zu Glück gibt es noch die Kollegen Fabienne und Marius, die ihn unterstützen, wenngleich beide derzeit etwas gestresst sind. Geschickt wird in dem Krimi auch immer etwas Privates der Ermittler einbezogen.

Das Potential an Verdächtigen bleibt bis zum Schluss nicht wirklich durchschaubar und sorgt immer wieder für unerwartete Wendungen. Der Schreibstil von Cay Rademacher ist flüssig, fesselnd und informativ. Beschreibungen der Natur und die Einsätze in den Alpilles machen neugierig und wecken den Wunsch diese Gegend einmal zu besuchen.

Mit Unterstützung seines Teams, das entscheidend zur Lösung des Puzzles beiträgt, sucht Blanc nach dem oder den Tätern. In einem einem packenden und hochdramatischen Finale, werden der neue und der alte Fall logisch und in sich schlüssig gelöst.

Aus meiner Sicht ist „Rätselhaftes Saint-Rémy “ eine klare Leseempfehlung für alle, die einen gut durchdachten Krimi mit authentischen Persönlichkeiten, spannenden Ermittlungen und einem neuen Blick auf die Provence lesen möchten. Gern vergebe ich 5 Sterne und freue mich auf den nächsten Fall.

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